Literaturgefluester

2011-07-23

Beyoglu Blues

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Weiter mit dem kleinen Türkei Schwerpunkt, nämlich dem Gedichtzyklus „Beyoglu Blues“ von Gerrit Wustmann aus dem Fix Poetry Verlag, der sich in zehn Gedichten, wie Erika Glassen, die Herausgeberin der türkischen Bibliothek des Unionsverlags meint „gerade im Zusammenhang mit der Übersetzung von Miray Atli als eine nostalgische Liebeserklärung an Istanbul erweist.“
Beyoglu, so entnehme ich dem Buch ist ein Stadtteil auf der europäischen Seite Istanbuls, den Gerrit Wustmanns durch seine „präzische Wahrnehmung und subtile poetischer Sprache zum Rauschen“ bringt.
Ob und wie lange er, der 1982 in Köln geboren wurde und in Kerpen als freier Journalist und Online-Redakteur lebt, dort war, weiß ich nicht, seine Gedichte wurden jedenfalls von der 1988 geborenen, in Köln studierenden Miray Atli ins Türkische übesetzt. Das kleine Bändchen, das ich vor ein paar Monaten bei einem der wöchentliche Gewinnspiele von Fix Poetry, bei dem ich gern mitmache, gewonnen habe, ist zweisprachig und wird von Erika Glasen sehr gelobt.
„Es ist nicht das lärmige Tamtam der Discos und Beatclubs, nicht das undurchdringliche Gewimmel der Jugendlichen, die in Scharen an den Wochenenden die Nebenstraßen und die Kinosäle bevölkern, sondern für den Poeten noch der beschauliche Ort, über dem die Möwen kreisen, an dem die Katzen im Müll streunen und altbekannten Typen ihre Waren anbieten und ihr Wesen treiben.“
Die zehn Gedichte beschreiben also den Stadtteil einer Stadt, in der ich vor vierundzwanzig Jahren ein paar Tage war und sich seither sicher sehr verändert hat, mit der ich mich vor zwei Jahren, als ich meine türkische Sozialarbeiterin Ayten Akmaz zum Begräbnis ihres Großvaters dorthin schickte, ein wenig übers Internet beschäftigte und die ich für meine „Drei S-Geschichte“, eigentlich gar nicht brauchte, da Sevims Eltern ja aus Anatolien kommen und sie sie daher höchstwahrscheinlich auch nicht mehr kennt, als ich, da ich aber auch ein wenig nostalgisch bin und die „Beyoglu Gedichte“ zum Thema passen, habe ich sie nach Harland mitgenommen und mich vorhin in der Badewanne in ihren Reiz eintauchen lassen, ist ja schon das Titelbild des kleinen Heftchens sehr poetisch.

Zehn Gedichte also und mit den Katzen fängt es auch an.

„die katzen die im müll
streunen und die müllabfuhr
um mitternacht die müllsammler
und der schuhputzer der lächelt
wenn der muezzin ruft und
die tauben sich auf den
minaretten sammeln“

Weiter geht es mit „ornamenten im staubigen boden“ zu den „minaretten“ und den „haltestellen, wo jörg fauser aus der bahn steigt“

zu

„galata kulesi unten
nacht der akkorde der sitar
blick dieses lachens und
die nachtlichter der schiffe
auf dem bosporus“

Das „genuesische perspektiv“ wird beschrieben, die „namenlosen seitengassen“ und das

„heimatlose asien
zieht weiter
nach westen
kleine verwerfungen
rücken näher“

bis zu

„ich höre beyoglu
das flimmern:hintergrundrauschen
sanftes winden von blättern
und mülltüten in den gassen
der monotone ruf der erschöpften
ich höre beyoglu“

Ein bißchen läßt sich also der Sound der Stadt und die Stimmung vorstellen, auch wenn dieser „Beyoglu Blues“, die Gedichte eines jungen deutschen Lyrikers sind.

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