Literaturgefluester

2011-07-06

Klagenfurt-Eröffnung 2011

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:31

Das Spektakel um den Bachmannpreis beziehungweise den schönsten Betriebsausflug der Welt werde ich heuer ebenfalls in einer schönen Umgebung genießen, hat Dank der Verschiebung in die erste Juli-Woche die Sommerfrische schon begonnen, so daß ich es mir diesmal wirklich geruhsam geben kann. Die letzen Jahren habe ich die Lesungen und die Diskussionen immer zwischen meinen Stunden, Fortbildungsveranstaltungen und klinischen Mittagen bzw. Dichtfesten, Lesungen und Literaturdiskussionen hineingequetscht, ja, ich bin ein bißchen literaturbesessen, ich weiß. Das Bachmannpreislesen habe ich mir aber immer gegeben, seit man den livestream im Internet verfolgen kann und seit man sich die Texte ausdrucken kann habe ich das auch getan.
Als ich mir 1996 das Spektakel einmal live leistete und auf eigene Kosten und eigene Faust hingefahren bin, gab es, weil ja keine Akkreditierung oder wie das heißt, keine Texte, dann wurde das aber einfacher und 2008 bin ich auch noch daraufgekommen, daß die Blogs in den Lesepausen schon darüber schreiben.
Christiane Zintzen, deren Berichterstattung ich unter anderen verfolgte, hat es Bachmannkolloquium genannt und die Idee zum Literaturgeflüster war geboren.
Ich betreibe das Bachmannpreismitverfolgen auch sehr intensiv, stimme seit drei Jahren am Samstag ab, ein literarischer Text ist 2009 im Anschluß auch entstanden, obwohl ich diesen Preis, bei dem ich selbst gern mitgelesen hätte, durchaus kritisch gegenüberstehe. Aber auch wohlwollend interessiert und so ist mein heutiger Sommerfrischetag, auch in seinem Zeichen gestanden. Zwei schöne Radfahrten an den schönsten Plätzen, die die Sommerfrische in Harland zu bieten hat. Am Morgen ich in Richtung Herzogenburg bis zu dem etwas verwilderten Naturlehrpfad, an dem ich gerne entlangspaziere, gefahren und habe mir dabei die Fahrt nach Klagenfurt vorgestellt. Das ich ja ganz gut kenne, habe ich ja zweimal dort gelesen, einmal im Rahmen „Der Freiheit des Wortes“, ich glaube das war 1995 und 1989 wurde ich zum Preis der Arbeit am 1. Mai, den es kurz als Gegenstück zum Max von der Grün Preis gegeben hat, eingeladen, damals hat Kerstin Hensel um den Bachmannpreis gelesen und Wolfgang Hilbig hat ihn gewonnen. Mit meiner Freundin Elfi, war ich in den Siebzigerjahren auch eine Woche dort, einmal auf einem BÖP-Kongreß und 2001 habe ich den Alfred auf einen Kongreß begleitet, also konnte ich mir das ORF-Theater vorstellen.
Am Nachmittag bin ich korrigierend auf der Terrasse gesessen und habe bedauert, die Literaturkurslesung, die um zwei im Musil-Literatur-Museum stattfand, zu versäumen, aber vielleicht gibts ein Video oder es schreibt Sara Wipauer was darüber. Dann bin ich nochmals Radgefahren, diesmal das andere Gustostückerl auf das Schloß in Ochsenburg. Dann wars schon Zeit für den livestream der Eröffnung und Dobrek Bistro spielte das Einleitungsstück. Danach gings launig zu im vollen ORF-Theater, die Leute wurden zum Platznehmen aufgefordert, damit das Gartenfest bald beginnen konnte, der Programmdirektor Willy Haslitzer überreichte seiner Zeitfrau Michi Monschein ein vierzig Jahre altes „Dracula Dracula“ von H. C. Artmann. Er hat ja die schöne Angwohnheit seine Buchbestände auszuräumen und Jahr für Jahr der Organisatorin zu überreichen, die ihm dafür ein Küßchen gibt. Politikerreden gab es auch und eine Bachmannpreistrophäe, das die Preisträger statt oder mit den Blumen bekommen werden, ein Bachmanngesicht aus villi-Glas und der Direktor hielt dazu eine schöne Rede. Clarissa Stadler moderierte, Urs Widmer war der zwölfte Eröffnungsredner und erzählte ebenfalls brillant und launig etwas über gute und schlechte Literatur.
„Von der Norm, der Abweichung und den Fertigteilen.“
Damit habe ich ja ein Problem, beim Bachmannpreis muß man aber auswählen und Burkhard Spinnen tat das schon seit Februar, wie er später auf piefkinesisch, weil er aus dem Norden kommt, ausführte. Urs Widmer kommt aus der Schweiz und die gute Literatur liest man gern, die schlechte weniger. Ein zweites Kriterium ist, daß die Gute vom Mainstream abweicht und das Neue schafft, während die Schlechte wiederholt und beim alten bleibt. Ob das wirklich so einfach ist, weiß ich nicht, Urs Widmer kam aber am Schluß zu den Bestsellern, „von denen man nicht wissen würde, wie man sie schreibt!“
Wolfgang Lorenz, ein weiterer ORF-Direktor verwirrte vorher noch durch seine Rede und der Frage, woher Clarissa Stadlers Kleid käme und welche Klagenfurter Straßen man besser meidet, launig vom Mainstream abweichend.
Die Auslosung der Lesereihefolge folgte und darauf hat sich Burkhard Spinnen in seiner Rede auch bezogen und erwähnte die gruppendynamischen Effekte, daß meistens der Erste nicht, aber öfter der Letzte gewinnt, die ich auch beobachte, so daß ich schon flüstern kann, Gunther Geltinger wird um zehn beginnen und Thomas Klupp den Reigen schließen, Julya Rabinowich kommt am Freitagmittag dran und jetzt werde ich, während sich in Klagenfurt alles ums Buffet drängen, mein Archiv zusammenstellen, ja richtig Ingeborg Bachman als Gebrauchsautorin wurde auch erwähnt und Willy Haslitzer hat die Familie Floriani oder Radiofamilie schon gelesen.
2009 1 2 3 4 5 2010 1 2 3 4 5 und einen Klagenfurt-Tratschartikel mit allen Vorinformationen gibt es auch.

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2011-07-05

Saisonabschlußfest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:25

Die Sommerfrische hat am vorigen Wochenende zwar schon mit der Auftaktveranstaltung in Krems am Freitag begonnen, trotzdem hat Ruth Aspöck erst am Montag zu ihrem Fest geladen und von ihr habe ich auch die Erkenntnis, daß die Damen früher, im vorvorigen Jahrhundert ihre Salons Ende Juni schloßen und mit Sack und Pack und Kind und Kegel in die Sommerfrische nach Alt Aussee, auf dem Semmering, etc gezogen bin. Das tue ich zwar nicht, den Sack lasse ich zu Haus und das Kind geht nicht mehr mit, habe ich im vorigen Jahr zu zwei Jahre Literaturgeflüster geschrieben, denn die Wohnung in dem Haus in Harland ist ja eingerichtet, aufs Land ziehe ich mich seit ein paar Jahren aber jeweils in den Sommermonaten nach meinen Praxistagen zurück und vorher das Fest, zum ersten hat mich Ruth Aspöck, die das offenbar regelmäßig macht, vor ca zehn Jahren eingeladen, ein spanischer Abend war das, glaube ich und es gab Tapas in kleinen Schälchen, Ruth Aspöck hat ja eine spanische Vergangenheit. Dann war ein paar Jahre nichts, denn wenn man hundert Freunde hat und nur zehn Stühle muß man auswählen, 2007 war es aber glaube ich wieder so weit und da gabs gleich zwei Feste, eines in ihrer Wiener Wohnung, das zweite ein paar Tage später in dem Haus in Oberösterreich, wo ihr Verlag seinen Verlagssitz hatte, als es die Edition die Donau hinunter noch gab.

2007 ist sie mit ihm ja mit der Donauradkarawane sozusagen in Pension gegangen, es gab damals aber ein kleines Fest mit einer Lesung, wo ein paar der Nachbarn kamen, einen Bücherflohmarkt gab es auch. Dann gab es ein paar andere Einladungen, die ich schon in meinen Archiv habe, mit schönen Fotos vom Alfred und jetzt wieder eine, wo der Alfred Montagmorgen, als wir von Harland in die Stadt fuhren, die am Abend gebackenen Kuchen vorbeibrachten. Dann gab es einen Praxistag und dazwischen klopfte schon ein bißchen die Herbstsaison an, schickte mir doch Franz Joseph Huainigg ein Mail in dem er mit die nächste Ohrenschmauspreisverleihung am 29. November bekanntgab und die Juroren aufforderte ihre Lieblingstexte für das Buch das zum fünften Jahrestag des Literaturpreises für Menschen mit Lernschwierigkeiten in der Edition der Provinz erscheinen soll, auszusuchen. Das habe ich getan und bin dann auch kurz am Bücherschrank vorbeigegangen, nachdem meine sechs Uhr Klientin diesmal schon um fünf Uhr kam, die Ruth wohnt ja sozusagen um die Ecke, deshalb kann man die Reste ihrer Edition auch regelmäßig dortfinden.

Robert Eglhofer und Brigitte Schramm waren schon da, der Sekt wurde gleich ausgeschenkt, dann kam meine Psychologiekollegin Brigitte Werl-Nowotny, die mit Ruth im selben Chor singt und der Verleger des Löcker Verlags bei dem Ruths neues Buch erscheinen soll. Inge Reisner, Irene Wondratsch kam und noch einige Bekannte. Ruth stellte die Runde vor und eröffnete das Buffet. Einige Salate, ein Gemüsesulz und dann die Kuchen, Mandel und Nuß vom Alfred und noch eine Schokoladetorte. Ja, richtig, die Frau, die den Tagebuchtag gegründet hat, war auch noch da und einige Studien- und Arbeitskollegen von der Ruth. Ein bißchen Gespräche über Literatur, ein bißchen was vom Arbeitsalltag, der Hochschulpolitik und ob Studiengebühren gut und wichtig sind?

Ob die Sommerabschlußfeste bei der Alma Mahler Werfel und der Berta Zuckerkandl ähnlich gewesen sind, weiß ich nicht, war ich dort ja nie eingeladen und richtige literarische Salons habe ich auch nicht gekannt. Ich kenne nur mein literarisches Geburtstagsfest, aber bis das stattfinden wird, wird noch viel Wasser die Donau hinunterfließen und vorher gibts noch das Wettlesen um den Bachmannpreis und, daß die Gegenveranstaltung das Lesen um den schlechtesten Text, das vorige Woche in Villach stattfand, sehr interessant war, erzählte mir Irene Wondratsch, Dietmar Füssel hat es mir schon letzte Woche erzählt.

2011-07-03

Drei Jahre Literaturgeflüster

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:01

Heute wird das Literaturgeflüster drei Jahre alt, habe ich doch am 3. Juli 2008, um halb neun am Morgen, schnell, schnell, bevor der Alfred in die WU mußte, die ersten Zeilen hingeschrieben. Inzwischen ist der 767 Artikel entstanden, in dem ich mein literarisches Leben, sehr beharrlich, konsequent und manchmal auch etwas frustriert, in die Öffentlichkeit schicke.
Obwohl ich keine Kategorien verwende, gibt es drei bis fünf Bereiche, die das Literaturgeflüster umspannen. Der Erste sind die Veranstaltungsberichte und da ich seit über dreißig Jahren zwei bis dreimal in der Woche vorwiegend zu Wiener Literaturveranstaltungen gehe, gibt es inzwischen ein sehr umfangreiches Archiv und einiges, das man wahrscheinlich nur bei mir finden kann.
Ich habe wieder einige Autoren persönlich kennengelernt, so hat mich im vorigen November E.A.Richter zu seiner Lesung eingeladen, Sara Wipauer, die jetzt wohl gerade nach Klagenfurt fährt, hat mich angesprochen und Reinhard Wegerth lädt mich auch immer zu seinen Veranstaltungen ein und erkundigt sich „Wär das nicht was für das Literaturgeflüster?“
Die Rezensionen haben zugenommen, da hat sich durch die Bücherblogs, die ich inzwischen regelmäßig lese, mein Leseverhalten eindeutig gesteigert. Vorher habe ich in etwa jede Woche ein Buch gelesen, 2010 waren es schon neunzig und heuer werden es sicher über hundert sein, führe ich inzwischen auch eine Leseliste. Dann kam der erste offene Bücherschrank, den ich, wie inzwischen seine Nachfolger, regelmäßig besuche und das spornt zumindest mich zum Lesen an. Seit ich für das Literaturgeflüster alles bespreche, lese ich auch konzentrierter, mein Schreibstil hat sicher ebenfalls profitiert.
Da bin ich schon bei den Schreibberichten, die es von Anfang gegeben hat, seit einer harschen Kritik, fasse ich sie zusammen und verlinke, damit sie für die Leser verständlicher sind und man den Schreibvorgang besser beobachten kann.
Ein lockeres Plaudern über Literatur, hat Ilse Kilic einmal das Literaturgeflüster genannt und mich auch eingeladen es im Vorjahr im Amerlinghaus vorzustellen. In diesem Jahr hat Consens, die mich regelmäßig zu lesen scheint, das Literaturgeflüster in einem Interview zitiert. Das mit der Textästhetik habe ich zwar nicht ganz verstanden, nehme aber an, daß sie es gerne wissenschaftlicher hätte, aber das ist, glaube ich, nicht mein Stil. Habe ich ja Psychologie und nicht Philosophie studiert und da denke ich, daß ich verständlich über die eigene Literatur und die der anderen schreiben will. Subjektiv und in der Ich-Form, aber, wie ich hoffe, ehrlich und ich denke auch, daß meine Begeisterung, die ich noch immer habe, durchschwingt und die will ich weitergeben. Ein bißchen pädagogisch bin ich sicher schon. Daß das, was ich schreibe, wertschätzend und nicht verletzend ist, ist mir als Psychologin ebenfalls sehr wichtig, so schreibe ich auch nie, das ist aber ein schlechtes Buch oder war eine fürchterliche Lesung. Vielleicht wirkt auch meine Einstellung mit möglichst wenig Geld durch die Runden zu kommen, ein wenig schrullig in der Konsumgesellschaft, ist aber der Versuch, trotz literarischer „Erfolglosigkeit“, so zu leben, wie ich es will.
Daß ich politisch eher auf der linken Seite stehe, ist, glaube ich, kein Geheimnis und, daß ich sozialkritisch-realistisch schreibe, wahrscheinlich ebenfalls nicht und es kann ja auch nicht wirklich schaden, sich für die Kreativität aller einzusetzen und einen freien Hochschulzugang zu fordern.
Da bin ich schon bei dem, was noch fehlt, gebe ich ja auch meine persönliche Meinung zum politischen Geschehen oder zu meinen Urlauben wieder und schreibe auch manchmal eine Reportage oder stelle einen literarischen Text ins Netz, aber das nur selten, weil ich meistens mit einem Roman beschäftigt bin.
Lust und Frust einer literaturbesessenen, manchmal frustrierten Autorin also und da kann ich gleich wieder jammern, daß die Zahl meiner Lesungen im Vergleich zum Vorjahr abgenommen hat und veröffentlicht habe ich außer meinen Digitaldruckbüchern und in der Volksstimmefestanthologie auch nicht viel. Eine Eintrittskarte in den Literaturbetrieb, wie ich mir das vielleicht wünsche, ist das Literaturgeflüster nicht geworden. Die Verleger und die Kritiker wurden auf mein Schreiben nicht wirklich aufmerksam. Vielleicht schreibe ich im Facebook- und im Twitterzeitalter auch zu lang, denn da habe ich mir sagen lassen, daß man im Internet flüchtiger liest und nicht die Geduld für meine genauen Artikel aufbringt, sondern nur mal schnell nachsieht, wer heuer den FM4-Preis gewonnen hat oder zu meinem Joseph Roth Artikel kommt, weil Ö1 mit „Sprache unterwegs“ sendet. Ich würde mir auch einen lebendigeren literarischen Diskurs wünschen, habe meine eifrigsten Kommentierer aber verloren und manche Leute schreiben mir lieber Mails, so daß das Literaturgeflüster vielleicht ein wenig einseitig ist.
Meine Psychologiekollegin, Irmgard Gelter, hat einmal gefragt, ob ich mein Schreiben jetzt auf meinen Blog verlege? So ist es nicht, bin ich ja gerade am Fertigstellen von zwei Erzählungen, der „Absturzgefahr“ und den „Zwillingswelten“.
Aber vielleicht ist das Literaturgeflüster meine Parallelwelt, in der ich meinen Frust auslebe, auch wenn es die anderen doch nicht so interessiert, daß da eine beharrlich vor sich hinschreibt und gelegentlich einen Rechtschreibfehler macht. So habe ich auch zum dritten Jahrestag eine Bestandsaufnahme verfaßt, obwohl ich das erst gar nicht wollte, um nicht zu Ich-bezogen zu sein.
Also auf ins vierte Jahr, in dem es vielleicht noch ein bißchen rauher wird und die Einsparbemühungen noch mehr spürbar werden und wenn es mir gelingen sollte, was ich immer hoffe, vielleicht doch den großen Roman zu schreiben, der ein bißchen beachtet wird, wäre das doch schön.
Für die Interessierten das Geburtstagsständchenarchiv 1 und 2 und die Statistik 71.641 Leser, 767 Artikel, 430 Kommentare, durchschnittlich täglich hundert Aufrufe, bestbesuchter Tag am 31.1. 2011 mit 250 Aufrufen.

2011-07-02

Auf eigene Faust

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08
Robert Eglhofer&Ruth Aspöck

Robert Eglhofer&Ruth Aspöck

Erika Brunngraber

Erika Brunngraber

Pünktlich zum Ferienbeginn und dem der Sommerfrische kam eine Einladung zum Thema Reisen in die „Kultur Mitte“ in Krems. Das heißt Alfred hat in Harland die handgeschriebene Einladung zur Lesung von Ruth Aspöck und Robert Eglhofer bekommen und da wir das Wochenende ohnehin nach Harland wollten, hat es gepasst und wir sind nach fünf in die Stadt Krems losgefahren, was insoferne eine Abwechslung ist, weil wir sonst nur nach Krems-Stein zur Kulturmeile und zur Theodor Kramer Preisverleihung kommen. Ruth Aspöck ist zwar im Augenblick vielleicht ein wenig bös auf mich, bzw. gab es ja am Sonntag Differenzen und ich habe auch schon wieder anderen Literaturärger bekommen, so daß ich im Augenblick ein wenig niedergeschlagen bin. Wir kamen aber sehr rechtzeitig nach Krems und fanden die obere Landstraße auch gleich und auf dem Weg dorthin sahen wir hunderte Feuerwehrmänner mit ihren Helmen und Uniformen in Richtung Donau laufen und zig Feuerwehrautos standen herum, weil gerade hundertfünfzig Jahre Kremser-Feuerwehr, wie ich später erfahren habe, gefeiert wurde.

Büchertisch

Büchertisch

Robert Eglhofer

Robert Eglhofer

Die obere Landstraße, die Kärntnerstraße Krems war aber ziemlich leer und alle Geschäfte hatten um halb sieben auch schon geschlossen, dafür trafen wir gleich Ingeborg Reisner vor dem Lesungslokal, oben war es auch noch leer. Ein Raum mit weißgedeckten Tischen auf dem schon Brötchen standen, die Getränke mußte man sich holen. Bilder von Ingrid Loibl hingen an den Wänden. Ruth Aspöck kam auch gleich und nach und nach füllte sich der Raum mit Bekannten und Unbekannten. Doris Kloimstein, Brigitte Schramm, Robert Eglhofers Bruder und Schwägerin, Ruths Sohn Martin, die Gabi und dann noch die lokalen Künstler, der Hausherr und ein Herr Gemeinderat, der Robert Eglhofer und Ruth Aspöck fotografierte. Das Thema Reisen passt, wie bereits erwähnt zum Sommer, Ruth Aspöck und Robert Eglhofer reisen auch sehr viel herum. So hat die Ruth in Madrid studiert und zehn Jahre in Kuba gelebt und der Robert ist pensionierter Englischlehrer und hat ein Jahr an einer englischen Gesamtschule unterrichtet. Seit Ruth Aspöcks Tagebuchprojekt fertig ist und demnächst als Buch erscheinen wird, hat sie ein neues Projekt und reist Grillparzer an allen Orten nach, wo er gewesen ist und im letzten Sommer war sie mit Robert Eglhofer in der österreichischen Künstlerkolonie in Paliano und in Kuba waren sie 2008 auch. Das gibt Stoff für eine Lesung zum Thema Reisen und so lag auf den Tischen auch ein Programm mit sieben Lesungspunkten. Robert Eglhofer hat mit seinen Englanderfahrungen begonnen. Der erste Text hieß „Zuckerwein und Brot“ und schildert seine Zeit als Lehrer dort und das muß 1986 gewesen sein, als die burgenländischen Winzer den Wein mit Frostschutzmittel pantschten und das dann noch von der Steuer abschreiben wollten und sich die englischen Kollegen über die Eßkultur der Österreicher amüsierten, dann bekam Robert Besuch von einem englischen Kollegen und wollte ihm als Ausgleich das Körberl mit allen Brot und Semmelsorten füllen, die die österreichischen Bäcker zu bieten hatten, nur leider war der Kollege ein Allergiker und beim Heurigen ist ihm nur aufgefallen, daß die Österreicher zuviel Schweinefleisch essen.

Doris Kloimstein

Doris Kloimstein

Ruth Aspöck folgte mit einem Kuba-Text „Kuba mein immerwährender Traum“, der in „zwei bisschen“ einem fröhlichen Wohnzimmerbuch abedruckt ist und da man sich beim Büchertisch die Bücher gegen eine freie Spende nehmen konnte, habe ich mir das Buch genommen, um im Geflüster richtig zu zitieren, obwohl ich gar nicht sicher bin, ob ich es nicht vielleicht in Wien schon habe. Robert Eglhofer folgte mit seinem Kubatext, eine Hyme auf Che Guevara „Hasta la Victoria siempre“ und setzte sich dabei ein schwarzes Baskenmützchen mit dem Revolutionsstern auf. Ja richtig, Erika Brunngraber, die Tochter von Rudolf Brunngraber der „Zucker aus Kuba“ geschrieben hat, das Ruth Aspöck in ihrer Edition die Donau hinunter auch als eines ihrer ersten Bücher auflegte, war auch im Publikum und weiter ging es nach Italien. Da las Ruth Aspöck zuerst etwas von einem schönen Haus, Robert Eglhofer folgte mit seinen Paliano-Erlebnissen, wo es eine Frau namens Rafaela gab, die das literarische Quartier putzte und fließend Deutsch sprach, während die Fahrt von der Station Termini bis nach Paliano eine ziemliche Irrfahrt war, weil kein Mensch sie verstanden hat.
Nachher gab es eine Pause mit Gesprächen, dann trug Ruth Aspöck vor, wie sie einmal von Valencia nach Madrid gefahren ist, in Madrid hat sie während des Putsches ja studiert und darüber das Buch „Ausnahmezustand für Anna“ geschrieben. Der Büchertisch auf dem auch die Volksstimmeanthologien und die „Donaugeschichten“, Bücher also in denen auch meine Texte enthalten sind, lagen, hat sich wegen den günstigen Verkaufsbedingungen übrigens schnell gelehrt, ich habe die meisten ihrer Bücher aber schon. Am Schluß kam wieder Robert Eglhofer mit einem England-Text und schilderte seine Reiseerfahrungen, die er mit Ruth wegen ihres Grillparzer Projekts machte. In Istambul, Venedig, Rom war er mit ihr schon, diesmal hat sie ihn auch nach England mitgenommen, weil dort der grantige Dichter und Wiener Hofrat 1836 war, er ist also viel mit der Postkutsche herumgereist. Ruth Aspöck reist in der Pension seinen Spuren nach und hat den ehemaligen Englischlehrer sozusagen als Assistenten mitgenommen und ist mit ihm überall gewesen, wo, wie sie seinen Tagebüchern entnahm, Grillparzer gewesen ist. Robert Eglhofer schilderte genial, daß sie die Grillparzerspuren nicht gefunden haben, denn das Hotel, wo er abstieg, gibt es nicht mehr, sie sind dann zwar ins Parlament gegangen, aber überall hieß es nur „Grillparzer who?“ und nur die Dame vom Kulturinstitut schickte sie in eine Galerie, weil dort Anselm Kiefer eine Ausstellung mit dem Titel „Des Meeres und der Liebe Wellen“ hatte.
Dann haben wir Ingeborg Reisner mit der ich noch ein bißchen über ihre literarischen Ansprüche diskutierte zum Bahnhof nach St. Pölten gebracht und sind nach Harland gefahren, wo die Sommerfrische trotz des naßkalten Wetters über das der Alfred kräftig schimpft, beginnt.

2011-07-01

Die Rückkehr des Tanzlehrers

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:06

Wieder ein Sommerkrimi und wieder ein Fund aus dem offenen Bücherschrank, ein Henning Mankell aus dem Jahr zweitausend, erfolgreich verfilmt, so daß ich ihn vor einigen Jahren in Harland im Fernsehen gesehen habe, trotzdem war das Lesen fast ein Aha-Erlebnis und ich habe auch meine eigene Henning Mankell Geschichte, habe ich ihn doch durch die Libro Bestseller Aktion, die es 1998 oder 1999 so gab, entdeckt und mir da „Die fünfte Frau“ und „Die falsche Fährte“ geholt und war als eine, die Krimis ja ganz gern mag, von dem typischen Henning Mankell Stil begeistert. Denn er ist, würde ich sagen, einer, der ähnlich, wie Eva Rossmann sein eigenes Krimischema hat und natürlich den Kommissar Wallander, der da hoch oben in Schweden, wo ich vor zwanzig Jahren, das letzte Mal ein paar Tage war, ermittelt und es beginnt immer mit einer sehr fesselnden Beschreibung eines Einzeltäters, meist eines Traumatisierten, der sein Trauma durch eine grausliche Gewalttat loszuwerden versucht, die die Kommissare langsam und bedächtig aufklären und wir erfahren viel von den Ungerechtigkeiten des Lebens, haben ein spannendes Leseerlebnis und der 1948 geborene Schwede hatte damit großen Erfolg.
Alfred hat die Krimis, glaube ich, alle seiner Mutter zu Weihnachten und zum Geburtstag gekauft, so bin ich mit einem davon einmal während einer Sommerfrische nach Wilhelmsburg gefahren und habe auf fast jeder Bank angehalten und einen anderen habe ich in der Buchhandlung in Bruneck durchblättert oder schnell gelesen, während der Alfred mit der Anna schifahren war.
Henning Mankell hat sich dann von seinen Wallanders, glaube ich, auch distanziert, in Afrika ein Theater geleitet und ein paar andere sozialkritische Romane geschrieben, die nicht so ein Erfolg geworden sind. „Die rote Antilope“ und „Tea-Bag“ habe ich, glaube ich, zum Geburtstag bekommen und schnell gelesen, so daß ich nicht mehr sagen könnte, worum es darin ging und einmal war ich bei einer Mankell-Lesung im Jugendstiltheater am Steinhof. Der letzte Wallander ist, glaube ich, nach einer Pause vor einem Jahr erschienen, wo sich der Kommissar ein bißchen mit dem Scheitern und dem Älterwerden beschäftigt und das hat der Kritik nicht so gut gefallen.
Jetzt habe ich also „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ gelesen, der einmal nicht Kurt Wallander, sondern den siebenunddreißigjährigen an Krebs erkrankten Stefan Lindman zum Ermittler hat, trotzdem glaube ich dasselbe Schema, des sehr umfangreichen Buches, das mich zwei Vormittage in der Badewanne verbringen ließ, erkannt zu haben und es hat auch ein sehr wichtiges Thema, nämlich die Aufarbeitung des Holocausts in Schweden.
So beginnt es 1945 mit einem Prolog, wo ein Pilot einen schweigenden Mann mit einem Koffer von England nach Deutschland fliegt, es stellt sich heraus, das ist ein Henker und er hatte die Aufgabe einige Naziverbrecher hinzurichten, ein paar der größten hat er aber nicht erwischt. So geht es im ersten Teil wieder in die Abgeschiedenheit Schwedens. Da kann ein ehemaliger Polizist nicht schlafen, weil ihn die Alpträume verfolgen, Mankell beschreibt das großartig, so steht er auf, legt Puzzles, tanzt mit einer Puppe Tango, bis er bemerkt, daß sein Hund vergiftet, die Fenster zerschossen und Tränengas hineingeworfen wird, er muß hinaus, wird schließlich zu Tod gepeitscht und muß dann noch eine letzte Runde Tango tanzen, so daß die Polizisten über seine Blutspuren rätseln.
Inzwischen erfährt Stephan Lindman von seiner Krebsdiagnose, hat Todesangst und liest in der Zeitung von dem Mord an Herbert Molin, der einmal sein Vorgesetzter war. Er ist krankgeschrieben, so fährt er, während er auf die Behandlung wartet, nicht nach Mallorca, sondern nach Härjedalen, wo der Mord geschehen ist und rührt sich aus seiner Todesangst auch nicht bei seiner Freundin Elena. Er quartiert sich in einem Hotel ein und gerät ohne es zu wollen, immer tiefer in die Sache, Inspektor Guiseppe Larsson läßt ihn auch mitarbeiten und gibt ihn bereitwillig über den Fall Auskunft. Zweimal bricht er unerlaubterweise in fremde Wohnungen ein und findet da das erste Mal eine alte Naziuniform, das zweite Mal die Liste einer Nazivereinigung, die sich „Schwedens Wohl“ nennt und entdeckt, daß da auch sein Vater Einzahler war. Inzwischen wird auch der Nachbar des EX-Polizisten, ein Musiker ermordet und wir erfahren, wieder typisch von Mankell auch gleich, wer der Mörder Molins war, nämlich Aaaron Silberstein, der Sohn des Tanzlehrers aus Berlin, von dem wir inzwischen wissen, daß Herbert Molin, der früher anders hieß, sich freiwillig zur Waffen SS meldete, obwohl er das als Schweden gar nicht mußte und seine Urlaube immer in Berlin verbrachte, um bei Papa Silberstein, der irgendwie von Göring geschützt wurde, Tanzunterricht zu nehmen, einmal hat er ihn aber ermordet und der Sohn hat sich Rache geschworen. So kommt er als alter Mann aus Argentinien, wo er inzwischen lebt, nach Schweden, um Molin bestialisch hinzurichten, er will dann nach Argentinien zu seiner Frau zurück, erfährt aber von dem Mord an den Nachbarn und da er den nicht begangen hat, kommt er wieder zurück. Inzwischen ermittelt Stefan Lindman immer tiefer, vermeidet Elena anzurufen und verliebt sich in Herbert Molins Tochter, die im Nebenzimmer wohnt, nur entdeckt er auf ihren Computer eines Tages auch ein Hakenkreuz und, daß es in Schweden eine gar nicht so kleine Gruppe ewig Gestriger oder junger Alte gibt, wissen wir inzwischen auch. Am Ende entkommt Aaron Silberstein, Stefan Lindmans Krebs wird geheilt, er fliegt mit Elena nach England, wo es noch ein weiteres Stück aufzuklären gibt und Veronica Molin wird von einem der Polizisten durch einen Querschläger irrtümlicherweise erschossen, was diesen eine Frühpension beschwert. So weit die Mankellsche Bearbeitung des Thema Holocaust. Das Thema Gewalt aber wird thematisiert und auch die Frage, ob man sie wirklich weitergeben muß? Aber wenn Aaron Silberstein um seinen Vater zu rächen nicht selber zum ziemlich bestialischen Mörder geworden wäre, hätten wir keinen Krimi zu lesen. Das hat mir nicht so ganz gefallen, allerdings lohnt es sich schon ein bißchen darüber nachzudenken, wie Gewalt aufhören kann und spannend geschrieben war die „Rückkehr des Tanzlehrers“ allemal.

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