Literaturgefluester

2011-08-31

Nicht nur zurück zum Roman

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:49

Letzten Donnerstag habe ich von meinem Romankonzept drei Szenen geschrieben, die Svetlana Szene ist ein wenig anders geworden als geplant, so daß ich nach dem Abend beim Chef noch eine weitere Szene brauchte, dafür haperte es aber bei der Sevim, da hatte schon die Karin Leitner angerufen und damit war schon alles gesagt und bei der Selma bin ich ich ohnehin über die Suche nach dem Bürgermeister nie hinausgekommen, da habe ich mir zwar von der Schifffahrt um den Neusiedlersee den Abschlußgag mitgenommen, war Donnerstagabend aber so weit, daß ich nur mehr jeweils eine S Szene brauchte, also weniger als fünfzigtausend Worte höchstwahrscheinlich. Dann kam das Wanderwochenende und wenn man in den Bergen so vor sich hinstapft, ist das sowohl mediativ als auch kreativ, so hat sich die Sevim Geschichte ein wenig ausgeweitet. Sie wird das Einreichen der Scheidung in einem Chinarestaurant feiern, Bülent zum Ausziehen bringen und das am Rathausplatz Selma erzählen, so daß Theo Svetlana doch abholen und zu seinen Eltern bringen kann. Dafür habe ich nun zwei Tage, so daß ich in diesem Sommerfrischensommer höchstwahrscheinlich auch ein ganzes Rohkonzept geschrieben habe. Diesmal habe ich ja erst im Juli zu schreiben begonnen, an dem Text aber schon im Juni konzipiert und mit den zwei Wochen Urlaubsunterbrechung, waren es so vier Wochen reine Schreibarbeit und die waren durchwegs dicht und konstruktiv. Wenn dann das Korrigieren kommt, werde ich mir die Selma Szenen nochmals vornehmen und schauen, ob es beim Andeuten und in der Vermittlungsstellung zwischen Sevim und Svetlana bleibt oder doch mehr Eigenleben hinzukommt und natürlich an der Sprache arbeiten und schauen was und wie ich noch verfremden muß. Ein paar Handlungsunebenheiten werden sicher auch drinnen sein. Ansonsten war das Wochenende und die Tage in Wien, an denen ich auch abrechnen mußte, sehr dicht, so daß ich am Montag nicht, wie geplant auf den Rathausplatz und zum Bücherschrank gekommen bin, da ich um sieben noch eine Stunde hatte und dann einen Befund fertig schreiben mußte. Macht ja nichts, in Ö1 gabs auch ein Jazzkonzert und Bücher habe ich genug und da hat sich auch noch einiges ergeben.
Meine Hundertbücherliste habe ich jetzt bis auf den letzten Platz erstellt und davon fünfundsiebzig Bücher gelesen. Die Judith Hermann soll noch diese Woche folgen, dann kehre ich zu meinen Wiener Büchern zurück und werde in den vier Monaten, die dieses Jahr noch hat, damit locker fertig werden. Fünf Rezensionsexemplare habe ich bestellt, wenn die kommen, werde ich sie dazwischen einschieben und auf einer anderen Leseliste vermerken. Anna Weidenholzers Buch und die Rom-Anthologie, beides Altlasten von der letzten Buch-Wien sollten sich in diesem Jahr auch noch ausgehen und dann habe ich vor einer Woche im Bücherschrank ein Weihnachtsgeschichtenbuch gefunden, das natürlich auch dran kommen sollte, so daß ich wahrscheinlich auf hundertzehn Bücher komme, eine gewaltige Steiergung meines Leseverhaltens, da bin ich ja einmal von einem Buch pro Woche ausgegangen. Ich habe aber den Ehrgeiz meine Bücher irgendwann zu lesen und da ich gerne zu den Bücherschränken gehe, brauche ich vielleicht auch eine verängerte Lebenszeit, wie der Bernhard Listringer in der „Absturzgefahr“.
Es ist auch spannend zu sehen, wie das mit den alten Büchern, die ich hier immer wieder bespreche ist, denn die werden teilweise neu aufgelegt, wie Hans Fallada „Jeder stirbt für sich allein“, das heuer groß in Leipzig präsentiert wurde, auf mich warten in Altausgaben „Kleiner Mann was nun?“ und „Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ und beim Remarque habe ich gedacht, das wird auch keiner mehr lesen, aus.gelesen, hats vor kurzem besprochen und daß „Kurz nach 4“ neu aufgelegt wird und der Verleger mich suchte, weil ich in meinem Blog etwas von den Briefen schrieb, die ich in einem Aufbau-Buch gefunden habe, habe ich schon erwähnt. Ich habe ihn zum Volksstimmefest am Samstag eingeladen, wo ich ja auch kurz nach vier lesen soll, was zu einem neuerlichen Mißverstännis führte, denn ich lese, das habe ich nun beschloßen „Die verbindlichen Vorschläge zum höchsten Wertkanon“, die ich im Jänner für die Zeitschrift „Landstrich“ schrieb und als ich den Text gestern herausholte und ihm nochmals las, hab ich ihn zu holprig gefunden, so daß ich ihm nochmals überarbeitete, das ist ja etwas, was mir nicht so oft passiert, da ich eigentlich mit meinen Texten später zufrieden bin. Vielleicht ist das ein Schreibfortschritt, vielleicht war ich im Jänner nicht so gut drauf und deshalb hats der „Landstrich“ nicht genommen. Die Zuhörer werden am Samstag aber einen überarbeiteten Text bekommen und so lade ich alle nochmals zu Wiens schönsten Fest ein und hoffe nur, das Wetter wird gut.
Aus den Herbstneuerscheinungen und einer etwas älteren haben sich während des Gehens drei Wünsche für meinen Geburtstag oder den Weihnachtsmann herauskristallisiert, so hätte ich gern den neuen Haslinger, die neue Haderlap und weil wir während unserer Polenreise ja an Lodz vorbeigefahren sind, die „Fliegenfängerfabrik“ von Andrzey Bart, so daß ich nicht nur alte Bücher lese, sondern auch bei den Neuerscheinungen mitreden kann und nächste Woche beginnt wieder die Veranstaltungssaison.

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2011-08-29

Sweet Sixteen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:14

„Sweet Sexteen“ von Birgit Vanderbeke, 2005 bei S. Fischer erschienen, wird mit seinen hundertachtunddreißig Seiten, nicht als Roman bezeichnet, sondern wie am Buchumschlag steht, als „hinreißende Komödie und Aufruf zu eigenem Leben“, vor allem ist es aber eine sehr brillant geschriebene Satire auf unsere Gesellschaft.
Plötzlich verschwinden Jugendliche an ihrem sechzehnten Geburtstag, vorher feiern sie mit ihren Eltern beim Frühstück, bekommen eine Torte mit Gummibärchen und eine CD oder ein anderes Geschenk, dann packen sie ihren Laptop in den Rucksack, gehen zur Schule und werden nie mehr gesehen.
Die nicht sehr interessierte Polizei tröstet die Eltern „Die finden wir schon durch ihre Handys“.
Aber die werden fremden Leuten zugeschickt oder landen in den Mülltonnen und nach und nach wird klar, das sind keine Gewaltverbrechen, sondern die Jugendlichen tauchen unter, weil sie sich von den Erwachsenen nicht verstanden fühlen und nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollen.
Als der Sohn einer bekannten Fernsehmoderatorin verschwindet, wirds auch für die Presse interessant, „Heuser-Phänomen“ oder „Meskomanie“, nach dem ersten verschwundenen Jugendlichen genannt, es tauchen auch noch blaue T-Shirts auf, auf denen „free your mind“ oder „sweet sexteen“ steht.
Das Ganze wird aus der Sicht einer nicht näher definierten Ich-Erzählerin geschildert, die offenbar ein Trendforschungsbüro betreibt und eine Praktikantin namens Saskia hat, die sich Sorgen um ihren fünzehnjährigen Bruder Josha macht, der auch ein solches T- Shirt trägt. Sie googlen nach und kommen auf den Song von Chuck Berry, eine religiöse Sekte und vieles mehr.
Die Jugendliche geben aber selber Manifeste heraus und beginnen irgendwann Stinkbomben in Einkaufszentren zu legen, in dem sie Sardinen in Autoauspuffe stecken, was die Gesellschaft, die auf das Verschwinden bisher eher gelangweilt reagierte, in Panik treibt.
Erst gibt es Fernsehdiskussionen, dann werden die Eltern durch Rundbriefe aufgefordert besser auf ihre Kinder aufzupassen, eine Sicherheitsfirma kommt auf die Idee einer „Kifi“, einer elektronischen Kinderüberwachungsfessel. Rasterfahndung und Wegweisverbote werden angedacht und einer der Jugendlichen wird auch kurzfristig auf einer Computermesse erwischt und seinem Vater zurückgegeben, am nächsten Tag erscheint aber im Internet der Fußfesselcode und die Sicherheitsfirma stellt den geplanten Börsegang ein. Es wird auch ein Schuldiger gefunden, nämlich Kukutsch, ein Protestsänger aus dem vorigen Jahrhunderts, der in seinen Songs die Kinder zu Widerstand und Protest gegen die ältere Generation aufrief, die die antiautortären Eltern auch ihren Kindern vorspielte.
Kikutsch wird im Talkshows interviewt, weist aber alle Schuld von sich und träumt von einem Leben am Meer und die Gesellschaft ist dem Verschwinden ihrer Kinder, die ihr Leben selber in die Hand nehmen wollen und mit den Erwachsenen nichts anfangen können, hilflos ausgeliefert und kann nichts tun.
„Wie einen Krimi erzählt Birgit Vanderbeke diese so skurile wie phantastische Geschichte“ steht auf dem Umschlagtext.
„Ihr Herz schlägt auf der Seite der Außenseiter, der Spott gilt Medien, Erziehungsberechtigen und der Enge des Gedankens.“
Ich habs ein bißchen schwer verständlich gefunden, da es von Zitaten und Anspielungen nur wimmelt, es ist aber eine Parabel auf unsere Gesellschaft, die irgendwie hilflos macht, denn einiges von dem, was in dem Buch geschildert wird, ist inzwischen Wirklichkeit geworden. So zünden in Paris, London, Berlin Jugendliche Häuser und Geschäfte an und auch die Erwachsenen stehen oft hilflos ihren Kindern gegenüber, kennen sich in ihrer Computerwelt nicht aus und auch die, die es gut meinen, mit den Kindern reden, sich Zeit für ihre Familie nehmen, haben keine Ahnung. Das mit den Fußfesseln, der Rasterfahndung, des Wegweisrechts gibt es alles, wenn auch vielleicht in anderer Form und während die Polizei in Birgit Vanderbekes Buch, Springbrunnen umzäunt, weil der Sänger Kikusch in seinen Songs die Jugendlichen angewiesen hat, Waschpulver in Brunnen zu schütten, sehe ich immer wieder verwundert, wie in St. Pölten vor der Frequency Denkmäler und Steine eingezäunt werden…
Die Geschichte ist brillant und scharf erzählt, eine wirkliche Lösung gibt es aber nicht und ob das Abtauchen in den Untergrund eine Lösung ist, wage ich zu bezweifeln.
Birgit Vanderbeke wurde 1956 in Dahme/Mark geboren, übersiedelte 1961 in den Westen Deutschlands, lebt seit 1993 in Südfrankreich und hat 1999 mit der Erzählung „Das Muschelessen“ den Bachmannpreis gewonnen. Seither hat sie viele Bücher geschrieben. „Alberta empfängt einen Liebhaber“, ist vielleicht genau so bekannt, wie „Das Muschelessen“.
„Geld oder Leben“ habe ich hier schon besprochen. Zuletzt ist „Das läßt sich ändern“, erschienen. Über dieses Buch stoße ich manchmal auf den Blogs und da Birgit Vanderbeke eine sicher interessante Autorin ist, nehme ich mir wieder die Lektüre des „Muschelessens“ vor, das ich ja vor ein paar Jahren von meiner Schulfreundin Edith bekommen habe.

2011-08-28

Lesen und Schnee am Berg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:51

Wieder einmal Wanderwochenende mit Alfreds ehemaligen Lehrer, ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben, daß Alfred im Gymnasium einen jungen Turn- und Mathematiklehrer hatte, der mit seinen Schülern ein paar Jahre auf Wanderwoche ging, das erste Mal vor vierzig Jahren auf die Preintalerhütte, dann hat er sich der Leichtathletik zugewandt und ist 2000 in Pension gegangen, vorher hat er seine Schüler zu einem Diaabend getroffen, wo die Idee entstand, das Ganze wieder aufleben zu lassen, so sind wir 2000 auf die Veitsch gegangen. Das heißt jetzt S1 und war am Sonntag nach der ersten Poet Night, wo ich offenbar den Elan hatte, nach der langen Nacht gleich loszuwandern.
Inzwischen gibt es S18, das heißt eine Wanderung zu Ferienbeginn, eine zu Ferienende und dazwischen im November ein Fototreffen, wir waren meistens mit und 2002 auch auf der Preintalerhütte, da sind wir auf den Greifenberg gegangen, ich glaube es war im Juni und gerade an dem Bachmannpreiswochenende, außerdem hatte Martin Walser gerade seinen Skandalroman „Tod eines Kritikers“ geschrieben, den ich gelesen und mit Otto Lambauer, der auch zu diesen Wanderwöchlern gehört und den ich dort kennenlernte, diskutiert. Heuer gings zum vierzig Jahrjubiläum wieder auf die Preintalerhütte und da war ich inzwischen mit dem Alfred und dem Karli, ich glaube 2006 war es, dort, im Radio auf der Hinfahrt hörte ich jedenfalls entweder in den „Beispielen“ oder im von „Tag zu Tag“ von Thomas Glavinic neuen Roman „Die Arbeit der Nacht“, diesen Freitag hörte ich im Morgenjournal von dem neuen Glavinic Buch „Unterwegs im Namen des Herrn“ und ich nehme mir auch meistens Bücher auf die Hütte mit, diesmal war es Birgit Vanderbekes „Sweet Sixteen“, vor zwei Jahren, als wir am Gosaukamm waren, Alberto Moravia „Die Gleichgültigen“.

Ansonsten möglichst wenig Gepäck, denn die Sachen muß man ja hinaufschleppen, da die ehemaligen Schüler aber auch immer älter werden, war diesmal ein Rucksacktransport mit der Materialseilbahn organisiert, es waren aber ohnehin nur wenige Leute mit. Die magische Zahl dreizehn, darunter vier englische Freunde von Otto Lambauer, ich kann mich erinnern, daß er 2002 seinen Sohn Daniel mit einem Freund mitnahm, der noch nie Schnee gesehen hatte. Die Kräfte lassen nach und die gesundheitlichen Probleme beginnen, so war es sehr traurig zu hören, daß ein Zahnarzt, den diese Wanderwochenenden, die letzten fünf Jahre durch seinen Krebs begleitet haben, vorige Woche sein Begräbnis hatte.
Es war auch sehr heiß, die Wettervorhersagen prophezeiten aber den großen Wetterumschwung, das war am Parkplatz zu dem „Wilden Wasser – Naturschutzgebiet“ noch nicht zu spüren. Vorher haben wir im Untertal bei Rohrmoos, das ist, wo Friederike Mayröcker und Ernst Jandl, glaube ich, immer Urlaub machten, in einem schönen Landgasthaus gegessen und sind dann den Wasserfallweg hinaufgewandert. Vor zehn Jahren gingen wir noch die Forststraße hoch, jetzt gibt es einen schönen Kletterweg mit einer einzigartigen Hängebrücke, über die ich mich 2006 nicht zu gehen traute, bin ich ja ein bißchen höhenphobisch, der Gruppenstimmung hats aber ermöglicht und es war ein wirklich wunderschöner Weg, der mich an die Wasserfälle in der hohen Tatra erinnerten, allerdings sehr heiß, so rann der Schweiß beim Hochklettern auf die Leitern. Am nächsten Tag gingen wir nicht auf den Greifenberg, der ist ohnehin ein bißchen schwer, so daß ich die zweimal, die ich oben war, Mühe hatte hinaufzukommen, sondern den Rundweg vom Waldhorntörl über den Klafferkessel. Wir gingen wegen der Schlechtwetterprognose schon um sechs Uhr los und um zwölf beim Klafferkessel fing es auch zu donnern an und auf dem Rückweg regnete es die ganze Zeit, allerdings nicht sehr stark und das Gewitter hat sich auch verzogen. Als wir dann aber spielend, lesend oder konsumierend in der Hütte saßen, Otto Lambauer hatte Friedrich Christian Delius „Himmelfahrt eines Staatsfeinds“, ein sehr dickes Buch mit, die Engländer natürlich wieder einen Kindle, ein Vorteil für das Wandern und ich habe mein Buch ausgelesen, fing es plötzlich zu schneien an, so daß alle hinausstürmten und den Schnee im August auf sechszehnhundert Meter Höhe zu fotografieren.

Für den Sonntag wurde wieder schönes Wetter angesagt, so sind wir mit einer kleineren Gruppe zu den Sonntagskarsseen maschiert, da waren wir auch 2002 und das ist landschaftlich wirklich wunderschön, viele kleine Seen, man geht über Bretter oder Steine. 2002 habe ich mir dadurch meine Schuhe ruiniert und während wir die Runde machten, haben inzwischen zwei junge Männer einen Schneemann gebaut, so daß man den Schnee im August auch beweisen kann. Denn der ist inzwischen sicher weggeschmolzen und der Abstieg durch den Riesachwasserfall war wieder wunderschön, wenn auch nicht so heiß, sondern angenehmer zum Wandern, als am Freitag. Am Rückweg brachten wir den Otto und die Lorena noch nach Schladming, wo die Monika inzwischen auf den Dachstein gefahren war und während wir nicht nur die schöne Landschaft, sondern auch einen ziemlichen Wetterumschwung erlebten, wurde ich in Wien offenbar ziemlich gesucht, hatte ich doch zwei Anrufe des Arco Verlegers auf meinen Band, der Ulrich Bechers „Kurz vor vier“ neu herausgeben will, auf meinen Blog gestoßen ist und las, was ich über Ulrich Bechers Briefe bezüglich dieses Buchs geschrieben habe. Leider hat er nicht genau genug gelesen, weil er dachte, ich hätte die Originalbriefe, ich habe mich aber nur auf eine Aufbau-Taschenbuch-Ausgabe bezogen, die ich einmal in Leipzig aus einer Abverkaufskiste zog. Es ist aber schön, daß Ulrich Bechers „Kurz nach vier“ neu aufgelegt wird und auch interessant, wie wichtig man auf einmal werden kann…

2011-08-25

Exit Ghost

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:40

Hier kommt die Besprechung von Philip Roths „Exist Ghost“, auf Englisch, das mir Alfred einmal aus der Thalia- Abverkaufkiste gebracht hat. Ich lese ja nicht so gern und auch nicht so oft englische Bücher, da ich zum Verständnis irgendwie das deutsche Wort brauche, obwohl man, wie ich seit der Lektüre von John Irving „Laßt die Bären los“, weiß, daß manche Übersetzungen so schlecht sein können, daß man den Inhalt nicht mehr versteht.
Da wäre die Originalsprache wahrscheinlich besser und eine gute Übung ist es auch. Ich bekomme auch immer wieder englische Bücher, Alfred hat mir, als er zum hundertsten Geburtstag der Tante Ida in New York war,1999 0der 2000 war das, ein paar gebracht, darunter „The Brethren“, das damals noch nicht auf Deutsch erschienen war. Ich habe es während meiner Fahrten ins SMZ-Ost, wo ich Supervisionen machte, gelesen und, glaube ich, nicht viel verstanden. Nachgooglen ging damals noch nicht und Frank Mc Courth „Angelas Ashes“, das noch immer ungelesen ist. Da ich aber inzwischen, die Harry Rowohlt Übersetzung aus dem Bücherschrank gezogen habe, werde ich demnächst beide Bücher kapitelweise lesen und bei „Exit Ghost“, habe ich mir auch nicht ganz leicht getan. In der Fremdsprache darf man noch weniger drüber lesen, als sonst, habe mir aber mit den Leseproben geholfen, die man im Netz finden kann und Philip Roth ist ja ein bekannter Autor, der das Pech hat, jährlich auf der Nobelpreisliste zu stehen und ihn dann nicht zu bekommen.
„Exit Ghost“ gehört zu den Zuckerman-Romanen, von denen ich „Das amerikanische Idyll“ und „Der menschliche Makel“, gelesen habe. Den Namen Philip Roth habe ich das erste Mal gehört, als es Ende der Neunzigerjahre diese Libro Bestsellgarantie gab und „Das Amerikanische Idyll“ fehlte, da habe ich ihn, glaube ich, zuerst mit dem Gerhard verwechselt oder war jedenfalls ein bißchen verwirrt, dann war es nicht so einfach das Buch zu bekommen. Ich habe lange daran gelesen und meine Leseerlebnisse bzw. den Kampf um das Buch in die „Wiener Verhältnisse“ eingearbeit und beim „Menschlichen Makel“ wollte ich auch studieren, wie Bestsellerromane gemacht werden.
Und da ist es interessant, daß die amerikanische Politik so direkt einverwoben wird, hier hört man ja immer, daß man das nicht soll. Es ist mir schon beim „Menschlichen Makel“ aufgefallen, da ging es, glaube ich, um die Clinton-Affaire. „Exil Ghost“ spielt 2004, das heißt, der 11. September hat Amerika schon verwundet und im November 2004 wurde George Bush gewählt. Da setzt der Roman an. Nathan Zuckerman, der Autor und Alter Ego Philiph Roths hat inzwischen Prostata-Krebs und braucht Windeln, hat deshalb New York verlassen und sich in ein Haus am Land zurückgezogen, lebt dort mit einem Haushälterpaar und nach dem Tod seines Freundes ziemlich allein, das heißt ohne Computer, Handy und Internet und muß zu Beginn des Buches nach New York zur medizinischen Behandlung. Er quartiert sich in ein Hotel ein und hat mehrere Begegnungen. Man kann auch sagen, er macht eine Reise in die Vergangenheit, trifft alte und auch neue Lieben wieder, bzw. Roth seine früheren Romane, leidet an den hübschen Frauen, die Unterhemden tragen und an der Tatsache, daß ein Inkontinenter und Impotenter nicht mit ihnen kann. Er hat auch eine literarische Vergangenheit, bzw. ein großes Vorbild nämlich einen Autor namens E. I. Lonoff, in den Fünfzigerjahren verstorben, der ihn als junger Autor sehr begeisterte. Im Netz konnte ich finden, das Saul Bellow eines der Modell dafür ist, während Zuckerman also auf seine Untersuchungen wartet, spaziert er in diesen berühmten antiquarischen Buchlanden „Strand“ (Ich war 1997 auch dort) und kauft sich einige Lonoff Bücher, dann sieht er eine Anzeige, wo ein junges Schriftstellerpaar einen Wohnungstausch wünscht, ruft an und lernt Billy Davidoff und Jamie Logan kennen, das ist die Frau auf deren Unterhemd und Busen er begierig schielt und trifft auch noch Lonoffs frühere Gefährtin Amy Bellette im Krankenhaus, die an einem Gehirntumor leidet. Kurz darauf taucht ein Journalist und Freund Jamie Logans Richard Kliman bei Zuckerman auf, der eine Enthüllungs-Biographie über Lonoff schreiben und dazu von ihm Material haben will. Damit beginnt die Reise in die Vergangenheit.
Zuckerman resumiert über sein Leben, das Judendtum, das Schreiben und seine erotischen Affairen, die Zuckerman Themen, wie ich Wikipedia ebenfalls entnahm, resumiert über das Alter, das Schwinden der geistigen und körperlichen Kräfte und nervt mit seitenlangen Beschreibungen seiner schmutzigen Windeln, wie ich den Rezensionen entnahm, seine Leser. Er schreibt auch über seine Vergeßlichkeit und fügt dem Buch seitenlange Dialoge „Er und Sie“ ein, das sind die Fragmente mit denen Zuckerman seine Beziehung zu Jamie und seine Resignation zu bewältigen versucht, bevor er verschwindet.
Auf Englisch wirkt das Buch in einem Zug heruntergeschrieben und man könnte denken, die amerikanischen Autoren lassen nichts aus und korrigieren auch nicht viel. Sie erzählen dir ungeniert von ihrem Leben und die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden finde ich sehr interessant. Auf Englisch habe ich sicher nicht alles verstanden, ein Wörterbuch habe ich mir in die Badewanne nicht mitgenommen, aber zwischendurch immer wieder im Internet nachgelesen und werde das jetzt noch einmal tun, kann man bei Wikepedia ja genau finden, wie „Exit Ghost“ literarisch zu interpretieren ist.
Philip Roth wurde 1933 in New Mark, New Jersey geboren und lebt auf einer Farm in Coenneticut.

2011-08-24

Sopron und Neusiedlersee

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:25

Wieder gab eine dieser Werbefahrten, weil ich mit der Strickwarenfabrik in Nitra im Jänner ja schlechte Erfahrungen gemacht habe, war ich diesmal etwas unsicher. Was ist, wenn ich spazierengehe und beim Zurückkommen ist der Bus nicht da? Die Ankündigung einer Schifffahrt auf dem Neusiedlersee hat mich aber doch verlockt , sind wir ja in den Masuren sehr viel mit dem Schiff gefahren und da habe ich öfter an den Neusiedlersee gedacht. Dann ist es eigentlich sehr schön geworden. Zwar habe ich mich den dem Werbeleiter etwas angelegt, die Fahrt ging aber nach Sopron in das Best Western Pannonia und das liegt mitten im Zentrum, so daß es sich bei dem wunderschönen Sommerwetter nach dem ich mich überzeugt hatte, daß die Veranstaltung stattfindet, die Stadt besichtigen ließ. Da war ich ja schon einige Male, vor ein paar Jahren mit einer anderen Werbefirma, wo die Veranstaltung irgendwo im Burgenland oder Niederösterreich stattfand und es am Nachmittag nach Sopron ging, wo ich auch ein paar Forinth mithatte, so daß ich mir Kaffee, Maroni- und Nußkipferl und auch Eierschwammerl kaufte und das Zentrum mit den kleinen Gassen, den Kirchen und den vielen Geschäften, Kosmetiksalons und Dentalkliniken ist ja interessant. Vor zwei Jahren war ich in einem Gasthaus vis a vis des Tescos und habe nicht viel von der Stadt gesehen, diesmal bin ich mehrere Runden gegangen.Im ersten Hotel am Platz mit seinem gediegenen Ambiente zu tagen, verleiht auch ein gehobenes Gefühl. Wir waren zwar im Fitneßraum, es gab aber Frühstück statt dem versprochenen Lebensmittelpaket und wieder ein etwas zähes Schnitzel mit Pommes frites und gelben Paprika. Danach gings nach Mörbisch zu der Schifffahrt und die habe ich auch schon früher mit ein paar anderen Werbeveranstaltern gemacht. Ich fahre jetzt schon einige Jahre auf Werbeveranstaltungen und habe da schon viel erlebt. Man trifft auch immer wieder interessante Menschen, so habe ich mich am Nachmittag sehr intensiv mit einem Herrn unterhalten, den ich auch zum Volksstimmefest eingeladen habe. Als ich zurückkam, hatte der Wolfram angerufen, gibt es ja auch nächstes Woche ein Sommerhighlight, bevor es in die Herbstarbeit geht und zwar ein Treffen mit meinen Psychologiekollegen in Lengenfeld und Langenlois und diesen Freitag beginnt das Wanderwochenende mit Alfreds ehemaligen Lehrer.
Es gibt auch über den Roman zu berichten, denn an dem habe ich zumindest gestern weitergemacht. Gab es ja am Montag ein sehr intensives Schreiberlebnis, so daß die Svetlana Handlung ziemliche plastische Formen angenommen habe. Mit der Sevim und der Selma wußte ich dagegen gestern, als ich zwei Szenen geschrieben habe, nicht recht weiter. Am Rathausplatz sind mir aber auch da diesbezügliche Idee gekommen, beziehungsweise habe ich die Handlung jetzt bis zum Ende konzipiert. Sieben Szenen wird es höchstwahrscheinlich noch geben. Die Sevim wird, nach dem die Scheidungsformulare geholt, aber nicht ausgefüllt sind und sie Norbert Winter, der wahrscheinlich einen anderen Namen bekommen wird, in der U-Bahn wiedertrifft, einen Anruf von Karin Leitner bekommen, daß sie schwanger ist, während die Svetana Handlung damit enden wird, daß Theo sie abholt, um sie seinen Eltern vorzustellen. Ganz enden wird es mit einer Selma Szene, die ja inzwischen in den Hintergrund getreten ist. Aber vielleicht sind das die Aussparungen, deren Fehlen ich das letzte Mal beklagte und die kann im Rathauspark den Bürgermeister treffen, vielleicht können mich die heutigen Gespräche dabei etwas inspirieren, denn das mit der richtigen Zeit am richtigen Ort sein, kann ein wichtiger Hinweis sein.
Da wir am Wochenende nicht da sind, werde ich wahrscheinlich nächste Woche fertig und hätte für das Rohkonzept wieder einmal die berühmten sechs bis acht Wochen gebraucht. Es werden so achtzig, neunzig Seiten werden und wahrscheinlich weniger als fünfzigtausend Worte haben. Daß ich sprachlich und mit der Handlung bis jetzt zufrieden bin, habe ich schon geschrieben. Das wird sich während der Korrekturphase sicher ändern, flüßiger ist es aber, denke ich, wieder geworden und hat eigentlich auch einen Spannungsaufbau und die Weiterentwicklung, die immer gefordert wird. Mal sehen, wie es gelingt. Morgen habe ich jedenfalls Zeit zum Weiterschreiben, den Philip Roth will ich auch zu Ende lesen.

2011-08-23

Elf Minunten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:13

„Elf Minuten“, braucht man laut Paulo Coelho zum Geschlechtsverkehr und so heißt auch der 2003 erschienene Roman, des brasilanischen Autors und beginnt, wie öfter oder auch immer bei Coelho mit Bibelzitaten. Und ist die Geschichte des „Heiligen Sexs“, bzw. eine Parabel, um die Prostituierte Maria, die in einer brasilanischen Kleinstadt aufwächst, eine gute Schule besucht, ihre erste Liebe verliert, weil der Junge sie um einen Bleistift bittet und die zweite, weil sie beim Zungenkuß nicht den Mund öffnet, dann erfährt sie ihre Lust beim Masturbieren, worauf sie von ihrem Vater eine Ohrfeige erhält. Nach der Schule arbeitet sie in dem Geschäft eines Stoffhändlers, der sie gerne heiraten möchte, sie spart aber zwei Jahre für eine Woche Urlaub in Rio de Janairo, wo sie beim Baden von einem Schweizer beobachten wird, der ihr, obwohl sie einen unmöglichen Bikini trägt, einen Paß besorgt und sie als Tänzerin nach Genf bringt. In dem Sambaclub bleibt sie aber nicht lange, sondern läßt sich, um Model zu werden fotografieren und legt sich eine Mappe an, der einzige Interessent ist ein Araber, der ihr für das Bett tausend Franken bietet. Sie betrinkt sich, überlegt und geht mit dem Geld am nächsten Morgen in die Rue de Berne, wo sich die Nachtclubs befinden und erfährt, daß man hier nur dreiundert Franken pro Freier bekommt. Maria hat indessen schon Französisch gelernt und geht auch in eine Bibliothek, wo sie sich von der Bibliothekarin den „Kleinen Prinzen“ empfehlen läßt, dann verlangt sie aber auch Bücher über Sex und über Landwirtschaft, denn Maria will nur ein Jahr bleiben und mit dem ersparten Geld nach Brasilien zurückfliegen, ihren Eltern eine Farm schenken, den Stoffhändler heiraten etc.
Bis dahin hatte ich vorige Woche gelesen und habe das moderne Märchen klar strukuriert und eindrucksvoll beschrieben empfunden. Beim Weiterlesen heute wurde ich etwas enttäuscht, denn ab der Stelle, wo Maria in ein Cafe geht, um sich zu erkundigen, was der Jakobsweg ist, wird es unübersichtlicher, dozierend und endlose Sexzitate folgen, die teilweise aus dem Buch „Die Wissenschaft der Leidenschaft“ stammen und halten meiner Meinung nach die Handlung auf, die ist, daß die schöne Prostiuierte, die sich getreulich an des Nachtclubbesitzers Milans Regeln: keine Liebe, keine Drogen, kein Alkohol hält und ihren Kunden je nach dem entweder die Jungfrau, die Femme fatal oder die liebevolle Mutter vorspielt, den heiligen Sex erlebt, die große Liebe und den G-Punkt findet.
Um mit der Liebe zu beginnen, findet sie die in dem Cafe in dem Maler Ralf Hart, der ein spezieller Freier ist und nachdem sich Maria ihm als Prostituierte outet, am Abend in den Club kommt und gleich für dreimal bezahlt und Maria mit in seine Wohnung nimmt. Dort schenkt sie ihm einen Kugelschreiber und er ihr eine Eisenbahn. Als sie am nächsten Tag in der Rue de Berne erscheint, erklärt ihr Milan, daß sie nun reif für die speziellen Freier, nämlich die, die zu Liebe auch den Schmerz erfahren wollen, ist und so wird sie von Terence abgeholt und bekommt nun wieder tausend Franken für die Nacht.
Die sadomasischen Erlebnisse, die sich mit ihm in seinem Hotelzimmer abspielen, werden wieder philosophisch aufbereitet und Leopold von Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ wird auch zitiert. Danach taucht wieder Ralf auf, der für die reine Liebe bezahlt und als er Striemen an Marias Händen sieht, sie barfuß über spitze Steine gehen läßt, denn es gibt ja auch einen natürlichen Schmerz.
Indessen nähert sich das Jahr seinem Ende, Maria wird dreiundzwanzig, fängt zu packen an, geht auf die Bank, wo der Direktor einer ihrer Kunden ist, um ihr Geld zu beheben, das Ticket ist gebucht und sie muß noch Abschied nehmen. Zuerst bei der Bibliothekarin, die ihr plötzlich ganzes Leben erzählt und ebenfalls vom G-Punkt begeistert ist, denn den hat schon Dr. Freud einstmals in Wien entdeckt. Als nächstes nimmt sie von Ralf Abschied, erlebt wunderschönen Sex mit oder ohne Orgasmus und verläßt den Schlafenden, um ihr Versprechen zu halten.
„Aber wenn er mich lieben würde, würde er…“, um bei der Ankunft in Paris zu hören „Uns bleibt immer Paris!“, das ist aus dem Film „Casablanca“
Ralf steht vor ihr mit einem Rosenstrauß und das Buch endet mit Satz „Es war einmal..“
Oder doch nicht ganz, denn es gibt noch ein Nachwort Paulo Coelhos, wo er erzählt, daß er immer schon ein Buch über den heiligen Sex schreiben wollte und welche Prostiutierten ihn wo dazu ermuntert haben und wem das Buch gewidmet ist.
Paul Coelho, entnehme ich Wikipedia, wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren, war von Anfang an religiös geprägt und besuchte eine Jesuitenschule, unterbrach jedoch sein Studium, weil er zwei Jahre lang als Hippie durch die Welt wanderte und seine gutbürgerlichen Eltern auch durch Drogenkonsum erbosten, worauf sie ihn in die Psychiatrie steckten. Beim Schreiben war er nicht gleich erfolgreich, sondern brauchte einige Anläufe. Begonnen hat er mit der Beschreibung des Jakobsweg, ein Buch das auf meine nächste Leseliste kommt, dann kam der „Alchimist“, das mir Anna einmal zum Geburtstag schenkte und ab „Brida“ wurden es Bestseller, von denen er inzwischen schon sehr viele geschrieben hat.
Er ist, glaube ich, auch öfter in Österreich und da in Melk zu Gast, wo er Seminare gibt und in Tageszeitungen Kolumnen hat und betreibt auch eine mehrsprachige Website, wo man sich seine Bücher kostenlos herunterladen kann. Ich habe ihn auch schon mehrsprachig im Bücherschrank gefunden, nämlich „Elf Minuten“ und „Auf dem Jakobsweg in Deutsch“, „Brida“ auf Spanisch, was das Lesen etwas schwierig machen wird und „Veronika decides to die“, auf Englisch, was auch auf die Leseliste kommt.

2011-08-22

Dichten auf dem Rathausplatz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:08

Gestern habe ich, nach dem das Grillfest beendet war und ich wieder eine Runde an der Traisen durch den Dreck nach der Frequency gefahren bin, noch eine Svetlana Szene geschrieben, nämlich die, wo sie im Ärztedienstzimmer Sex mit dem Oberarzt hat und er ihr sagt, daß er in sie verliebt ist, die Sevim hat inzwischen bei H. u. M viele T-Shirts und Hosen für sich und ihre Kinder gekauft und heute habe ich zwischen meinen Stunden zwei Szenen geschrieben, nämlich, die, wo die Sevim die Selma auf dem Rathausplatz trifft und ihr erzählt, daß sie einer Beratungsstelle war und sich bezüglich einer Scheidung erkundigt hat, aber nicht sicher ist, ob sie das wirklich scheiden will. Dann habe ich, zwischen einigen Klientenstunden, eine Svetlana Szene angefangen und da ist mir eingefallen, daß ich das Vorleben Theo Hardenbergs beschreiben sollte. Er wird neununddreißig, ist also vier Jahre älter, hat fünf Jahre mit einer Kollegin namens Agnes glebt, der vor vier Jahren ein Karzinom diagnostiziert wurde, worauf sie, während er auf einem Psychiatriekongreß in Bozen war, sich umbrachte, die Psychiater wissen ja, wie sie es machen müssen und jetzt hat er sich in Svetlana verliebt, mit ihr Bruderschaft getrunken, nennt sie auch auf der Station „Sveti“, was die Ausbildungsärztin Barbara Lechner bemerkt.
Die Szenen sind dicht, die Figuren haben ihr Eigenleben bekommen, ich habe auch mehr Dialoge und um Sex geht es bei der Sevim und bei der Svetlana auch, was bei mir, die ich ja eher prüde bin, etwas Neues ist, habe ich geglaubt, dann ist mir eingefallen, daß der Boris Alkemirov in der „Radiosonate“ auch mit der Amanda Silberkandl ins Bett geht, obwohl er noch an seiner verstorbenen Frau Valeria hängt, aber Theo Hardenberg hat sein Trauma schon überwunden. Agnes Selbstmord habe ich nur für die Erklärung von Theos Vorleben gebraucht. Dann war es schon sechs und ich bin nach dem meine letzte Stunde abgesagt wurde, über den offenen Bücherschrank, wo ich nur den Haruki Murakami zurückbrachte, da ich ja derzeit Paulo Coelho in Wien lese, auf den Rathausplatz gegangen, wo es zum 200. Liszt Geburtstag die „Faust Symphonie“ in einer Aufnahme aus dem Jahr 1976 mit Leonhard Bernstein gab und habe gedacht und gedacht.
So etwas ist mir bisher nur 1992 bei „Lore und Lena“ passiert, da war es sogar noch intensiver. Aber diesmal war es auch sehr dicht, sind mir doch in nicht chronologischer Reihenfolge, einige Svetlana Szenen eingefallen, daß sie mit Theo und ihrem Onkel zu einem Jazzkonzert oder Weltmusik mit Harry Stojka beispielsweise gehen wird, war mit schon eingefallen und auch, daß zuerst er sie seinen Eltern, wenn die von ihrer Weltreise zurück sind vorstellen wird und dann sie ihm den ihren. „Dann kannst du mich als deinen Verlobten ausgeben oder willst du damit bis zum Abschluß deiner Ausbildung warten?“
Dann ist mir eingefallen, daß der Klinikchef Svetlana ansprechen und zu seinen Oberärztetreffen einladen kann, da er mit Theos Vater befreundet ist und merkte, daß Svetlana „dem Jungen“ gut tut. Sie weiß dann wieder nicht, was sie anziehen oder ob sie sich wieder ein Kleid kaufen soll. Da könnte Barbara Lechner neidisch werden, während sie Svetana darauf anspricht, erscheint Theo mit einem Strauß roter Rosen in der Klinik, die allerdings nicht für Svetlana bestimmt sind, sondern für Agnes, deren Todestag sich jährt. Er fragt sie, ob sie mit ihm auf den Friedhof gehen will, zeigt ihr auch ein Bild Agnes. Dann übernachtet Svetlana in seiner geräumigen Altbauwohnung in der Währingerstraße, Porzellangasse oder Schwarzspanierhof. Inzwischen kommen die Eltern von der Weltreise zurück und die Mutter freut sich Svetlana kennenzulernen. Das das erst in vier Wochen passieren wird, hatte ich schon in der letzten Szene geschrieben und da gedacht, wie fülle ich diese Zeitspanne aus? Dann sind die Idee gefloßen, was jetzt noch fehlt, sind die Selma Ideen, die habe ich inzwischen ein wenig verloren. Aber vielleicht finde ich zu ihr zurück, die Sevim ist inzwischen auch ein wenig ausgeschrieben. Die war ja bisher am lebendigsten, jetzt sind die Weichen gestellt. Spannend wird noch werden, läßt sie sich jetzt scheiden und fängt eine Beziehung zu dem österreichischen Lehrer Norbert Winter an oder findet sie zu Bülent zuück.
Am Rathausplatz angekommen, habe ich die Svetlana Szenen in das grüne Buch notiert und während Bernstein dirigierte und die drei Teile: Faust, Gretchen, Mephisto zu hören waren und schließlich der Tenor „Das ewig Weibliche zieht uns hinan“ schmetterte, hatte ich ein literarisches Erfolgserlebnis und habe, was in der verhaltenstherapeutischen Arbeit wichtig ist und ich immer meinen Klienten predige, einmal das Positive gesehen, das heißt mich in die Figuren eingelassen und gedacht „Wow, wie gut!“, egal, ob es schließlich jemanden gefällt und was die Kritiker sagen werden und nicht ständig gedacht, „Wieder zu flach in der Personenführung, wieder nicht gut genug, zu einfach, zu holprige Dialoge etc, sondern mich beim Entstehen der Charaktere mitreißen lasen, auch wenn es dann gar nicht so neue Einfälle waren, die gekommen sind.
Wie lange das anhält, weiß ich nicht, nur, daß schon was dran ist, daß man nach soundsoviel Seiten , einen Sprung nach vorne macht, wie wenn man nach einer Kinderkrankheit einen Entwicklungssprung oder nach einer Krise ein Wachsen der Persönlichkeit bemerkt.
Ein spannender Abend am Rathausplatz, den ich sonst meisten am Morgen im Park neben dem Springbrunnen, wo sich die Sevim und die Svetlana treffen, beschreibe. Und eine Erinnerung ist gekommen, im Sommer 1975 oder 76, ziemlich zeitgleich mit der Musikaufnahme, als ich studierte und es noch kein Rathausfestival gab, habe ich öfter die Vormittage im Rathauspark verbracht, mich neben den Springbrunnen gesetzt und mit der Hand an einem Text geschrieben.
Eine Kritik habe ich natürlich auch, es könnte sein, daß ich zuwenig ausspare, sondern zuviel erzähle, indem ich die Handlung von Szene zu Szene in kleinen Schritten aufbaue und den Leser zu wenig selber denken lasse, da hat mir schon einmal jemand ein „Aussparungsseminar“ empfohlen.

2011-08-21

Intensive Schreibarbeit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Weiter gehts mit einem Arbeitsbericht, denn ich bin diesmal wirklich sehr schnell in den Roman hineingekommen. Am Donnerstag habe ich angefangen, die vorhandenen vierzig Manuskriptseiten, die ich auch nach Polen mitgenommen habe, zu korrigieren. Am Freitag war ich damit fertig, da sind die Ideen dann gekommen und ich habe inzwischen siebenundzwanzig Szenen, einundsiebzig Rohseiten und 33.122 Worte und auch die Handlungsstränge der drei S entwickeln sich kontinuierlich weiter. Es war auch schön zu sehen, daß der Widerstand, der sich da plötzlich letzten Samstag, als ich die neun Reiseberichte und Buchbesprechungen geschrieben habe, aufbaute, kaum, daß ich mit dem Korrigieren begonnen habe, verschwunden war und also eigentlich keiner war. Ich habe es schon auf Sara Wipauers Kommentar geschrieben, da ich mich sehr lange sehr einsam durch den Literaturdschungel schlug und vor dreißig fünfunddreißig Jahren Jahren wirklich noch nicht schreiben konnte, bin ich bei einem Projekt irgendwann sehr bald auf meine Grenzen gestoßen und damals war niemand da, der mir weiterhalf.Es gab auch keine Blogs, keine Schreibratbücher, nur mich allein und mein Wissen, wenn ich aufgebe, habe ich verloren. Das habe ich natürlich nicht, sondern versuchte es weiter. Heute brauche ich nicht mehr so mißtrauisch sein, denn wenn ich so nachdenke, wollte ich letzten Samstag eigentlich nachgooglen, was ich die letzten vierzehn Tage versäumt habe, hatte die Polenreise auch noch nicht ganz abgeschlossen, aber die innere Stimme in mir schrie schon „Husch, husch, weiter am Roman!“
Das Mißtrauen ist zwar noch immer da, aber inzwischen weiß ich schon, daß Sätze wie „Zeit lassen“ oder „Du mußt überhaupt nicht schreiben!“, sehr wichtig sind. Sie stimmen natürlich nur bedingt, denn wenn ich mich nicht zurückhole, wird es kein anderer tun. Ich war aber selber erstaunt, wie rasch ich den Spaß am Freitag wieder gefunden habe. Ich habe noch im Bett die letzten drei Szenen korigiert, bin dann in die Badewann mit dem „Harald Schmidt“ gegangen, habe eine Szene geschrieben und dann den Blogbericht. Dann wollte ich eigentlich Radfahren, der Roman ließ mich aber nicht, da brannte noch einiges, was erst aufgeschrieben werden wollte. So sind, glaube ich, noch drei Szenen entstanden, bevor ich mit meinem Notizbuch und den Charakterheften nach Wilhelmsburg aufgebrochen bin. Da war ich heuer schon einmal und habe die drei Geburtstagsszenen konzipiert und dann auch sehr euphorisch mit dem Schreiben begonnen. Diesmal war es wieder so, ich habe zwar in der Ein-Euro-Ramsch-Kiste, die es dort bei dem Schreibwarengeschäft gibt, einen „Andrea Camilleri“ herausgenommen, aber auf der Bank an der Traisen und beim Radfahren sind mir schon wieder Ideen gekommen, daß ich gleich weitergeschrieben habe.
Die Handlung denke ich, entwickelt sich auch gut und ich komme von den realen Vorbildern, die es für zwei meiner Figuren gibt, die dritte ist sicher ein Alter Ego, wie Nathan Zuckerman bei Philip Roth weg und entwickeln eigene Idee. So trifft die Sevim, den Exlehrer ihrer Tochter vor dem Arbeitsamt, er lädt sie auf einen Kaffee ein, aber eine verheiratete Türkin geht nicht mit einem Mann ins Kaffeehaus. Sie putzt auch inzwischen bei ihrer Freundin Leylah und gibt die hundert Euro, die sie dort verdient, auf einmal bei H und M aus, sie kauft aber hauptsächlich Sachen für ihre Töchter, für sie reicht das Geld dann nicht mehr, die Leylah schenkt ihr ein Buch, in das sie ihre Ausgaben aufschreiben kann und ob sie jetzt im Verlauf der Geschichte bei Bülent bleibt oder zu Norbert Winter geht, ist noch nicht klar, der lebt bis jetzt nur in ihrer Phantasie, während Bülent sogar schon zum Familentanzkurs mitgegangen ist. Er schimpft allerdings noch immer sehr viel und die Sevim hat sich inzwischen auch zu einer Pflegehelferausbildung angemeldet. Bei der Svetlana geht es ähnlich flott voran, die war inzwischen mit einem Präservativ in der Handtasche mit dem Oberarzt in der Oper, der will sie auch seinen Eltern vorstellen, die sind allerdings noch auf Weltreise und als sie nach Hause kommt, warten ihre Eltern und wollen alles genau hören. Beim Alter Ego ist es nach wie vor noch am Unbestimmtestens, da wird die Paranoia nur angedeutet und der Bücherschrank kommt diesmal ganz dezent vor. Aufgebaut ist es wieder szenenmäßig mit den drei abwechselnden Handlungsträngen, wobei der Selma eine Nebenrolle oder Vermittlungsfuktion zukommt, interessant, denn mit dieser Idee habe ich ja begonnen und ein bißchen vom Klischee bin ich, glaube ich, auch herunter. Es kommt auch mehr Sex vor, obwohl das bei allen drei Frauen ein bißchen schwierig ist.
Eine spannende Geschichte und sehr schön daran zu schreiben. So weit man das selber beurteilen kann, glaube ich, daß ich weiter gekommen bin und ich glaube auch, das regelmäßige Berichten dearüber, auch wenns für meine Leser vielleicht ein wenig unverständlich ist, hilft mir sehr, das ist wie eine private Schreibwerkstatt und in diese wollte ich ja heuer gehen und so ist es am Samstag gleich weitergegangen. Ich war zwar zwischendurch in der Badewanne und habe da Philip Roths „Exit Ghost“ auf Englisch zu lesen begonnen, was ein wenig schwierig ist und nur langsam geht und laut es ist es in Harland auch. Dröhnt doch noch um Mitternacht die Frequency ins Zimmer hinein, während man ab dem Bootshaus auf der Traisen nicht in Richtung St. Pölten fahren kann. Der Alfred ist auch ganz auf Sommerfrische und wollte unbedingt am Sonntag jemanden zum Grill einladen. Unserer St. Pöltner Bekannten sind aber alle vor der Frequency geflüchtet, so wird zu Mittag der Karl kommen und ich habe gleich weitergeschrieben, so daß ich erst wieder am Abend Radfahren war, habe die Svetlana ein schwarzes Kleid kaufen lassen, sie in die Oper geschickt und überlege, ob es mit Svetlanas Hochzeit enden wird. Da könnte dann auch die Sevim dabei sein und die Selma, obwohl die ja eine etwas verrückte Patientenrolle hat.
Ein richtiges Handlungskonzept habe ich nicht, da laße ich mich eher treiben, notiere Szenen und Handlungsstränge, aber ein Stufenkonzept von A-Z gibt es nicht, so daß ich gar nicht sagen kann, ob ich jetzt in der Mitte oder schon gegen Ende bin.
Daß ich das, was vielleicht noch nicht stimmt, diesmal genauer überarbeitet möchte, nehme ich mir wieder vor und glaube auch, daß ich das allmählich können werde, denn das Wichtigste ist bei mir immer noch der Hemmungsabbau, nur ist im Laufe der Zeit wahrscheinlich auch eine ordentliche Depression dazu gekommen. Ist die Frage ja immer im Kopf, warum es gerade mir nicht gelingt, Erfolg zu haben, aber warhscheinlich habe ich ihn auch, es ist ja immer eine Frage, wie man das definiert und weil ich zwischendurch auch immer ein bißchen google, habe ich öfter bei Thomas Wollingers Blog vorbeigeschaut und dort ein paarmal kommentiert und da bin ich auf einen interessanten Kommentar JuSophies gestoßen, die meint, daß es einen Unterschied zwischen Schreiben und Veröffentlichen gibt, den ich nicht so eindeutig sehe.
Denn die Literatur nimmt ja bei den Künsten, weil man sie als Einzige sehr lang nirgends lernen konnte, irgendwie eine Sonderstellung ein und es ist auch so, daß Schreiben irgendwie gleich Veröffentlichen bedeutet. Du bist nur ein erfolgreicher Schriftsteller, wenn du veröffentlicht hast. Das muß zwar nicht sein, ist aber derzeit immer noch so. Ich bin ja eine Verfechterin der allgemeinen Kreativität und meine, daß jeder schreiben soll, der will und, daß der Weg das Ziel ist. Aber damit bin ich immer noch sehr allein. Das merke ich auch daran, daß ich, die ich ja eigentlich nicht wirklich veröffentliche, sondern meine Bücher selber mache, oft, wenn ich jemanden eines zeige, als erstes die Frage bekomme „Welcher Verlag?“
Und wenn man nun meint, daß die einen Schreibseminare besuchen sollen, während die anderen auf die dBP Listen kommen, ist das etwas, was mir nicht gefällt. Weil sich das ohnehin von selber regelt, das ist, wie mit dem Gymnasium. Auch wenn jeder, der schreibt zu veröffentlichen versucht, wird ihm das nur gelingen, wenn ihn die Verlage für gut genug halten, ist er das nicht, muß er aufhören oder weiterlernen und das macht man am besten, indem man schreibt.

2011-08-20

Weiter am Roman

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Das Weiterschreiben an der „Frau auf der Bank“, ist mir nach dem Urlaub, wie schon erwähnte, gar nicht so leicht gefallen. Obwohl ich im Juli sehr schnell über fünfzig Seiten und sechzehn Szenen konziperte. Damit bin ich nach Polen gefahren und da waren die Geschichten von der Türkin Sevim, der Psychiaterin Svetlana und der Selma Steininger, die jetzt Obermayer heißen wird, natürlich weg. Habe ich mich ja auf die Reisereportagen konzentriert und mich auf das Wochenende gefreut, wo ich alles aufschreiben wollte.
Vorigen Samstag war ich damit fertig und als dann das Manuskript durchgehen wollte, habe ich Widerstand gespürt und zu trödeln angefangen. Alles war weit weg, dafür aber die Gedanken „Das wird ohnehin nichts!“, sofort da. Und die sind bei mir sehr stark vorhanden und haben sich in den achtunddreißig Schreiberjahren tief eingeprägt. Habe ich ja, als so etwa 1978 einen meiner ersten Texte, es war „Die Einladung zum Tee“ schüchtern herumzeigte, nur Abweisungen bekommen.
„Das ist nicht gut genug, aber, wie es besser wird, können wir dir auch nicht sagen!“ oder „Jeder Satz muß sitzen!“ und dann kamen auch die Sätze, wie „Da passiert ja nichts!“ oder „Die Personenführung ist zu flach“ oder das mit den Rechtschreibfehlern. In jüngster Zeit höre ich auch, daß man nicht zu viele „Adjektive verwenden soll“ und das habe ich dann in mir, wenn ich mich hinsetze um Buch fünfundzwanzig zu schreiben. Einige Wiederholungen habe ich auch und es sind ja auch sehr bekannte Themen, die ich mir wieder vornehme, denn über depressive Frauen, die in Wien herumgehen, um die Finger an die Wunden zu legen, habe ich schon öfter geschrieben. Andererseits denke ich mir, daß ist eben das, was mich interessiert, was für mich wichtig ist und ich auch kann. Die Schicksale der Selma, Sevim und Svetlana laßen sich sicher auch so verknüpfen, daß etwas Neues dabei herauskommt. Was mir sehr hilft, sind auch Sätze, wie man sie in Schreibwerkstädten und beispielsweise bei Thomas Wollinger finden kann. Daß nicht alles gleich perfekt sein muß, weil man überarbeiten und korrigieren kann. Daß das Zeitlassen für mich wichtig ist, habe ich schon geschrieben und darauf muß ich auch sicher achten, daß ein Roman eben länger dauert und nicht in einer Woche geschrieben sein kann oder muß. Warum das bei mir so ist, wird aber auch seinen Grund haben und so bin ich auch sehr schnell wieder in den Roman zurück gekommen, denn auch das braucht ein bißchen Zeit. Als ich also genug getrödelt hatte, habe ich mir in Wien die „Biber“ und die Zeitschriften vom „Romano Centro“ herausgesucht, um Hintergrundmaterial zu haben und vorgestern und gestern das Manuskript durchkorrigiert.
Inzwischen habe ich siebzehn Szenen und fünfzig Seiten, bzw. 22.675 Worte. Schade, daß ich mir das in Harland nicht ausdrucken kann, da das für einen optischen Typ, wie ich es bin, sehr wichtig ist. Ideen für die Handlungsstränge sind mir aber trotzdem schon gekommen. Am Unklarsten ist da nach wie vor die Selma. Mag sein, daß die eine Verbindungsfigur auf der Suche nach dem Bürgermeister bleibt, den sie vielleicht am Schluß findet oder auch nicht. Sie Sevim ist am Plastischsten ausgeprägt, die wehrt sich gegen ihren Mann. Da habe ich gerade eine Tanzkursszene geschrieben, sie wird als nächstes aufs Arbeitsamt fahren und sich für eine Pflegehelferausbildung anmelden, ob sie sich scheiden lassen wird oder nicht, ist nicht ganz klar. Es gibt aber die Idee eines österreichischen Volksschullehrers, den sie kennenlernen könnte. Sie trifft sich auf jeden Fall mit Selma im Rathauspark, bringt ihr Baclava mit und erzählt ihr von ihren Fortschritten. Mit Norbert könnte sie auch einen richtigen Tanzkurs besuchen, den den Svetlana z.B. besucht vielleicht und Svetlana läßt sich von Selma angestachelt in eine Beziehung mit Theo Hardenberg ein. Nach der Tanzstunde hat er sie schon auf ein Glas Wein eingeladen, als nächstes kommt eine Einladung in die Oper und dann stellt er sie seiner Familie in der Hietzinger Villa vor. Dazwischen gibt es die Therapiegespräche zwischen Selma und Svetlana, die immer vom Herrn Oberarzt, statt von ihren Tabletten spricht und das Ganze könnte sich in kleinen Schritten entwickeln.
Wie lange ich dazu brauche und wann ich mit dem Rohentwurf fertig sein werde, weiß ich noch nicht. Daß das auch schnell gehen kann, habe ich schon geschrieben und, daß ich versuchen werde, es so lange zu ändern, bis es passt, auch. Da ist es auch sicher gut Material zu sammeln und vielleicht in Wien ein bißchen herumzufahren. Wenn ich mich da zum offenen Bücherschrank am Brunnenmarkt setze oder die Neulerchenfelderstraße entlang gehe, bekomme ich sicher Anschauungsmaterial.
So weit bin ich also, geduldiger werden mit sich selbst, Thomas Wollingers Satz, daß alles schon in einem steckt, beherzigen und ich schreibe eher einfach und realistisch. Aber Ludwig Laher ist mit seinem Dokumentarroman auch auf die Longlist des dBP gekommen und bei den Erzählbänden von Seher Cakir und Grezgorz Kiewalski habe ich mir auch gedacht, das kann ich eigentlich auch. Also sollte ich mich von meinen Kritikern nicht irritieren lassen. Auch das nehme ich mir vor, ich schreibe so gut, wie ich es kann und es sollte mir Spaß machen, mich in meine Figuren einzulassen und sie weiterzuentwickeln, daß ich dabei an Hemmungen und Grenzen stoße ist klar. Mit ein bißchen Geduld komme ich aber damit weiter und wenn nicht, bleibt es so, wie es ist.

2011-08-19

Mulatten in gelben Sesseln

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:17

Jetzt kommt das letzte Buch, das ich mir bei Thalia 2008 aus der Schnäppchenkiste gezogen habe und es gibt auch Antwort auf die Frage nach welchen Kriterien ich mir die Bücher aus den Kisten ziehe. Bei mir ist es der bekannte Name, der mich interessiert und von Harald Schmidt hatte ich auch als Nichtdeutsche und Nichtfernseherin offenbar schon etwas gehört, wenn ich dann auch ein bißchen über den Nonsense-Stil im ersten Teil, den Tagebüchern 1945 – 52, stolperte, denn die sind eindeutig eine Mogelpackung, bekommt man doch nicht was drauf steht. Harald Schmidts Autobiographie kann das nicht sein, was da beschrieben wurde, ist der ja, wie ich Wikepedia entnehme, 1957 in Neu-Ulm geboren und ein deutscher Schauspieler, Kabaretist, Kolumnist, Entertainer und im „Nächtlichen Angebot“ steht etwas von Helge Malchow, keine Ahnung wer das ist, der „nachdenklich an seiner Pfeife sog“ und dem Protagonisten „Gold, Silber und Bronze“ etc bot „Das alles soll dir gehören, wenn du nur bis Tagesanbruch deine Autobiographie geschrieben hast!“
Der Protagnonist ließ sich nicht lumpen und so fängt es mit „Ich war eine Sturzgeburt“ an.
„Das war damals nichts Ungewöhnliches, denn unsere Familie hatte es eilig. Als ich am 18. August 1937 in St. Peterburg dem Heutigen Putingrad zur Welt kam, war meine Mutter gar nicht dabei…“
So geht es, für eine realistische Schreiberin, etwas gewöhnungsbedürftig weiter, dem Umschlagtext entnahm ich dann, daß es in den Tagebüchern vor allem „um das Hollywood der Siebzigerjahre geht.“
Schmidt stürzt aber eifrig weiter, kommt vom Hundersten ins Tausendste, schreibt von einer „Abreise nach Melbourne“, erzählt von“ Onkel Erich, der im Hubschrauber landet“ und davon, „daß die Familie am 1. Juli 1935 in New York an Bord der „MS Butterfly“ Kurs Antwerpen“ geht.
Es kommen aber auch berühmte Schriftsteller, „wie gesagt, Becket“ vor. „Wir alle mochten Sam, damals in Paris“ oder „Andre Gide, der den Protagonisten vom Bahnhof abholt“ u.s.w.u.s.f.
Spätestens da habe ich nachgegooglet und bin bei Amazon draufgekommen, daß sich „Schmidt in den sogenannten Tagebüchern im höheren nonsens erprobt.“ Es steht aber auch etwas da von „wortgewandt, erfrischend, zynisch und wirklich empfehlenswert“, was für eine, die sich fast vierzig Jahre ernsthaft um das Schreiben bemüht und immer wieder an Beistrichfehlern, Adjektiven, zu flacher Personenführung oder mangelnden Interesse zu scheitern scheint, schwer verständlich ist. Es sind aber auch Fotos des bärtigen Autor mit Unterschriften wie „Vor dem Haus meiner ältesten Tochter in Sidney“, beigefügt und die Auflage soll, wie ich irgendwo hörte, hoch gewesen sein.
Aber wir wissen schon, das Leben ist ungerecht und es sind auch nicht alle so humorlos, wie ich, außerdem ist im zweiten Teil des Buchs, ab Seite sechzig „die traditionelle Auswahl der aktuellesten Focus Kolumnen statt DVD und Reisetoaster“ angefügt und da wird es realistischer und politischer, wenn es auch schwer verständlich bleibt, denn das Buch wurde 2005 aufgelegt. Also gibt es keinen deutschen Kanzler mehr und den Namen „Condoleezza Rice“ hat man vielleicht auch schon vergessen und außerdem ist für eine Österreicherin auch die aktuelle deutsche Innenpolitik nicht so ganz präsent. Trotzdem bin ich mit diesen Teil, trotz der gewaltigen Gedankensprünge, die Schmidt macht, in dem er pro Kolumne von Thema zu Thema springt, besser zurechtgekommen. Die Kolummnen sind in mehrere Teile gegliedert und verschiedenen Themenkreisen zugeordnet, Politik, Europa, Geld etc.
Beeindruckend war da schon die allererste Geschichte „Kindersparbuchmärchen“, wo es um „Hartz unlimited“ geht, die von einer Jennifer handelt, die sich eine Zahnspange wünscht, die sie leider nicht bekommen kann, weil sie keine Zähne hat, weil ihre Eltern sie so liebten, daß sie sie schon mit der Nuckelflasche mit Eistee verwöhnten. Jetzt ist Jennifer übergewichtig und das Hochbett mußte zusätzlich verstärkt werden, als es eines Tages am Fenster kratzt und ein rotmetallicer Rabe mit Flügelheizung und tiefer gelegten Schwanzfedern Einlaß begehrt. „Hartz, Hartz“, krächzt er und will ihr Sparbuch haben. Jennifer will es ihm auch geben, kommt aber zu spät, so daß der Rabe „Mich will auch keiner!“ schluchzt und dann „fuhr der Wagen wie von Geisterhand zum Arbeitsamt“
So sind die Geschichten, die bei Focus erschienen, den ich nur selten lese, die sich in der Abteilung „Mängelzwerge“ beispielsweise mit Sprache, Technik und Medien beschäftigen, wo sich Schmidt über die Deutschen lustig macht, die sich gegen die Volkszählung wehren, dann aber mit ihren „Fotomachhandy“ herumlaufen und das „freiwillig schaffen, was der böse Polizeistaat nicht zusammenbrachte, die freiwillige Selbstversklavung auf garantiert neuestem technischen Standard“.
Der „Rechtschreibreform“ ist eine Seite gewidmet „Für Rechtschreibung ist die first lady zuständig, tönt es aus dem weißen Haus“, während „aus kremelnahen Kreisen verlautet wurde, daß es Präsident Putin, eher wurscht sein soll, wie geschrieben wird, solange er das „was“ entscheiden kann.“
So geht es weiter auf fast zweinhundert Seiten und es ist sicher interessant, die Focus-Kolumnen so kompakt vor sich zu haben, auch wenn man daran sehen kann, was inzwischen veraltet und was noch immer aktuell ist. so habe ich in Polen vorige Woche im neuen Spiegel darüber gelesen, was die Regierung gegen die Kinderfeindlichkeit zu tun plant und mit wieviel Geld und Kinderkrippen, sie die deutsche Frau zu mehr Kindern bewegen möchte. Schmidt schreibt schon 2005 davon in seinen Kolumnen „Teure Eltern“ und „Keine Kinder“, dann werden auch die Fernsehserien auf die Schaufel genommen und vieles mehr.
Interessant, auch wenn ich mir mit einem Nonsensentertainer eher schwer tue, das Schmidt viele Bücher bei veröffentlicht hat, kann ich aber im Anhang finden und ich höre bei meinen Frankfurt oder Leipzig Messebesuchen auch immer von ihm. Jetzt weiß ich, wie er schreibt und ob ich mir ein zweites Buch von ihm aus den Ramschkisten ziehen werde, wird man sehen, ausschließen kann ich es nicht.

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