Literaturgefluester

2011-08-08

Ein reizender Job für eine Frau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:21

Platz hundert auf meiner Leseliste P.D. James „Ein reizender Job für eine Frau“, kam völlig unerwartet, hatte ich bei dem letzten Buch auf meiner Liste doch an ein eventuelles Rezensionsexemplar gedacht und den Platz für diesen Fall freigehalten, dann bin ich vor zwei Wochen in Tschenstochau auf das Klo gegangen, das Taschenbuch dort liegen sehen und nicht widerstehen können es mitzunehmen und auf meiner Polenreise zu lesen, obwohl es noch weniger mit den Masuren als der Erzählband von Grzegorz Kielawski zu tun hat oder doch ein bißchen, gibt es bei Ilona Lütkemeyer doch eine Seite „Gekauft, gefunden, geklaut“, wo sie genau das beschreibt. Da hatte ich das Buch schon und ein auf einem polnischen Klo gefundener englischer Krimi in deutscher Sprache ist jedenfalls eine Reiseerinnerung und um „Beutestücke“ geht es in dem Schreiben unterwegs Buch auch.
P.D. James, von der ich noch nie etwas gehört habe, war auch, wie der deutsche Tagesanzeiger schreibt, ein „lockeres Lesevergnügen“ oder ein „unterhaltsames Lesefutter“, Kölner-Stadt-Anzeiger.
Phyllis White, die unter ihrem Mädchennamen schreibt, wurde jedenfalls 1920 in Oxford geboren, war in der Krankenhausverwaltung tätig und mit einem britischen Arzt verheiratet.
„Ein reizender Job für eine Frau“, der in den Siebzigerjahren spielt ist ein sehr eigenwilliger Kriminalroman mit einer überraschenden Wende, die eigentlich gar nicht so unterhaltsam locker ist und so beginnt es auch nicht. Fängt es doch mit einem echten Selbstmord an und zwar hat sich der Ex-Polizist und Inhaber einer schlechtgehenden Detektivagentur umgebracht, weil er Krebs hatte „und sich da er gesehen hat, was Behandlung den Menschen antut, auf dem bequemen Weg davon macht.“
Er macht das aber nicht mit seiner Waffe sondern eher unbequem mit einem Schnitt durch die Pulsadern, weil er alles, sein Büro, seine Schulden und auch die unangemeldete Waffe, seiner Partnerin, der zweiundzwanzigjährigen Cordelia hinterläßt. Die hatte auch ein eher unbequemes Leben, ist doch ihre Mutter kurz nach der Geburt gestorben, so daß sie, obwohl sie einen anarchistischen Vater hat und literarisch sehr bewandert ist, bei Pflegefamilien aufwuchs und nach einer Büroausbildung in Bernie Prydes schäbigen Büro landete, der sie zu seiner Partnerin machte. Es gibt aber keine Fälle, nur eine für Stunden bezahlte konventionelle Bürokraft, die Werbebriefe an sämtliche Anwälte schreibt und Bernies eher illegale Deals, über die Cordelia nur spekulieren kann. Jetzt ist Bernie tot und seine Parnterin will weiter machen, obwohl ihr in ihrer Stammkneipe alle sagen, daß das kein Job für eine Frau ist.
Wie das in Krimis so ist, kommt nach dem Begräbnis die erste Klientin und entführt Cordelia nach Oxford, denn dort ist wieder ein Selbstmord geschehen und zwar hat sich der begabte Student Mark Callender, Sohn eines berühmten Naturschützers, mit einundzwanzig Jahren umgebracht, nachdem er seine Universitätslaufbahn plötzlich abbrach und in einem Landhaus als Gärtner zu arbeiten begann. Der Vater will wissen, ob er schuld daran ist. So beginnt Cordelia auf unkonventionelle Art zu recherchieren, das heißt sie quartiert sich in der Gärtnerwohnung ein und fotografiert dort den bereits vergammelten Eintopf, den Mark sich zubereitete, bevor er sich erhängte. Tut man das?, lautet ihre unkonventionelle Frage, sie findet noch ein pornographisches Foto und das Gebetbuch von Marks Mutter aus dem sie herausbekommt, daß Sir Ronald eine andere Blutgruppe hat. Es gibt auch eine Gemeinsamkeit zwischen Cordelia und Mark, auch seine Mutter ist kurz nach der Geburt gestorben, vielleicht ist das der Grund für Cordelias unkonventionelles Handeln, er hätte aber von seinem Großvater an seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag ziemlich viel Geld geerbt. Das erfährt sie von der alten Nanny von Marks verstorbener Mutter, beziehungsweise von Marks Freunden, die mit der Nanny beim Begräbnis waren, von der Familie aber ziemlich geschnitten wurden. Cordelia bemerkt, daß ihr ein schwarzer Lieferwagen folgt und als sie einmal in das landhaus kommt, findet sie eine aufgehängte Attrappe an der Stelle, wo einmal Mark baumelte. Ein anderes Mal wird sie niedergeschlagen und in einem Brunnen gesperrt, die Schwester des Landgutbesitzer, die auch ihre unheimliche Beziehung zu dem Gartenhäuschen hat, findet sie und so kann sie Sir Ronalds Assistenten, als der zum Brunnen nachschauen kommt, beziehungssweise ihre Handtasche um einen Selbstmord vorzutäuschen, hineinwerfen will, entlarven, der daraufhin in eine solche Panik gerät, daß er bei einem Autounfall ums Leben kommt. Cordelia hat inzwischen herausgefunden, daß Marks Freundin, Marks Leiche stark geschminkt und in Unterwäsche bekleidet neben den pornographischen Darstellungen baumeln sah, als sie aber mit ihren Freunden zurückkam, um ihm die Unterwäsche auszuziehen, hatte er schon die Jeans an, in denen er später gefunden wurde. Cordelia fährt mitten in der Nacht zu Sir Ronald um ihm zu erzählen, daß Mark das Kind von seiner Freundin und Sekretärin Miss Leaming ist und er moralisch, wie man mit einundzwanzig Jahren eben ist, auf die Erbschaft verzichten wollte, was Sir Ronald nicht zulassen konnte. Der bestreitet das gar nicht, wieso er Cordelia überhaupt engagierte, ist nicht ganz klar, meint aber, daß er sie verleumden würde, wenn sie es der Polizei erzählt, worauf ihn Miss Leaming erschießt.
Der Fall ist gelöst, nun kommt aber das Unlogische, denn Cordelia lehnt es ab die Polizei zu holen, sondern täuscht mit Miss Leaming, obwohl ihr die unsympathisch ist, einen Selbstmord vor, dann will sie mit Marks Pullovern aus dem Gartenhaus verschwinden, der Polizeirat, der Schuld an Bernies Entlassung aus dem Polizeidienst war, holt sie aber zum Verhör, Cordelia schweigt verbissen, da sie von Bernie lernte, daß man das soll, da aber Miss Leaming zufälligerweise auch einen Autounfall hat und der Polizeirat ohnehin schon alles weiß, ist der Fall geklärt und Cordelia kann in ihr Detektivbüro zurückkehren, wo der nächste Klient schon wartet.

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