Literaturgefluester

2011-08-21

Intensive Schreibarbeit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

Weiter gehts mit einem Arbeitsbericht, denn ich bin diesmal wirklich sehr schnell in den Roman hineingekommen. Am Donnerstag habe ich angefangen, die vorhandenen vierzig Manuskriptseiten, die ich auch nach Polen mitgenommen habe, zu korrigieren. Am Freitag war ich damit fertig, da sind die Ideen dann gekommen und ich habe inzwischen siebenundzwanzig Szenen, einundsiebzig Rohseiten und 33.122 Worte und auch die Handlungsstränge der drei S entwickeln sich kontinuierlich weiter. Es war auch schön zu sehen, daß der Widerstand, der sich da plötzlich letzten Samstag, als ich die neun Reiseberichte und Buchbesprechungen geschrieben habe, aufbaute, kaum, daß ich mit dem Korrigieren begonnen habe, verschwunden war und also eigentlich keiner war. Ich habe es schon auf Sara Wipauers Kommentar geschrieben, da ich mich sehr lange sehr einsam durch den Literaturdschungel schlug und vor dreißig fünfunddreißig Jahren Jahren wirklich noch nicht schreiben konnte, bin ich bei einem Projekt irgendwann sehr bald auf meine Grenzen gestoßen und damals war niemand da, der mir weiterhalf.Es gab auch keine Blogs, keine Schreibratbücher, nur mich allein und mein Wissen, wenn ich aufgebe, habe ich verloren. Das habe ich natürlich nicht, sondern versuchte es weiter. Heute brauche ich nicht mehr so mißtrauisch sein, denn wenn ich so nachdenke, wollte ich letzten Samstag eigentlich nachgooglen, was ich die letzten vierzehn Tage versäumt habe, hatte die Polenreise auch noch nicht ganz abgeschlossen, aber die innere Stimme in mir schrie schon „Husch, husch, weiter am Roman!“
Das Mißtrauen ist zwar noch immer da, aber inzwischen weiß ich schon, daß Sätze wie „Zeit lassen“ oder „Du mußt überhaupt nicht schreiben!“, sehr wichtig sind. Sie stimmen natürlich nur bedingt, denn wenn ich mich nicht zurückhole, wird es kein anderer tun. Ich war aber selber erstaunt, wie rasch ich den Spaß am Freitag wieder gefunden habe. Ich habe noch im Bett die letzten drei Szenen korigiert, bin dann in die Badewann mit dem „Harald Schmidt“ gegangen, habe eine Szene geschrieben und dann den Blogbericht. Dann wollte ich eigentlich Radfahren, der Roman ließ mich aber nicht, da brannte noch einiges, was erst aufgeschrieben werden wollte. So sind, glaube ich, noch drei Szenen entstanden, bevor ich mit meinem Notizbuch und den Charakterheften nach Wilhelmsburg aufgebrochen bin. Da war ich heuer schon einmal und habe die drei Geburtstagsszenen konzipiert und dann auch sehr euphorisch mit dem Schreiben begonnen. Diesmal war es wieder so, ich habe zwar in der Ein-Euro-Ramsch-Kiste, die es dort bei dem Schreibwarengeschäft gibt, einen „Andrea Camilleri“ herausgenommen, aber auf der Bank an der Traisen und beim Radfahren sind mir schon wieder Ideen gekommen, daß ich gleich weitergeschrieben habe.
Die Handlung denke ich, entwickelt sich auch gut und ich komme von den realen Vorbildern, die es für zwei meiner Figuren gibt, die dritte ist sicher ein Alter Ego, wie Nathan Zuckerman bei Philip Roth weg und entwickeln eigene Idee. So trifft die Sevim, den Exlehrer ihrer Tochter vor dem Arbeitsamt, er lädt sie auf einen Kaffee ein, aber eine verheiratete Türkin geht nicht mit einem Mann ins Kaffeehaus. Sie putzt auch inzwischen bei ihrer Freundin Leylah und gibt die hundert Euro, die sie dort verdient, auf einmal bei H und M aus, sie kauft aber hauptsächlich Sachen für ihre Töchter, für sie reicht das Geld dann nicht mehr, die Leylah schenkt ihr ein Buch, in das sie ihre Ausgaben aufschreiben kann und ob sie jetzt im Verlauf der Geschichte bei Bülent bleibt oder zu Norbert Winter geht, ist noch nicht klar, der lebt bis jetzt nur in ihrer Phantasie, während Bülent sogar schon zum Familentanzkurs mitgegangen ist. Er schimpft allerdings noch immer sehr viel und die Sevim hat sich inzwischen auch zu einer Pflegehelferausbildung angemeldet. Bei der Svetlana geht es ähnlich flott voran, die war inzwischen mit einem Präservativ in der Handtasche mit dem Oberarzt in der Oper, der will sie auch seinen Eltern vorstellen, die sind allerdings noch auf Weltreise und als sie nach Hause kommt, warten ihre Eltern und wollen alles genau hören. Beim Alter Ego ist es nach wie vor noch am Unbestimmtestens, da wird die Paranoia nur angedeutet und der Bücherschrank kommt diesmal ganz dezent vor. Aufgebaut ist es wieder szenenmäßig mit den drei abwechselnden Handlungsträngen, wobei der Selma eine Nebenrolle oder Vermittlungsfuktion zukommt, interessant, denn mit dieser Idee habe ich ja begonnen und ein bißchen vom Klischee bin ich, glaube ich, auch herunter. Es kommt auch mehr Sex vor, obwohl das bei allen drei Frauen ein bißchen schwierig ist.
Eine spannende Geschichte und sehr schön daran zu schreiben. So weit man das selber beurteilen kann, glaube ich, daß ich weiter gekommen bin und ich glaube auch, das regelmäßige Berichten dearüber, auch wenns für meine Leser vielleicht ein wenig unverständlich ist, hilft mir sehr, das ist wie eine private Schreibwerkstatt und in diese wollte ich ja heuer gehen und so ist es am Samstag gleich weitergegangen. Ich war zwar zwischendurch in der Badewanne und habe da Philip Roths „Exit Ghost“ auf Englisch zu lesen begonnen, was ein wenig schwierig ist und nur langsam geht und laut es ist es in Harland auch. Dröhnt doch noch um Mitternacht die Frequency ins Zimmer hinein, während man ab dem Bootshaus auf der Traisen nicht in Richtung St. Pölten fahren kann. Der Alfred ist auch ganz auf Sommerfrische und wollte unbedingt am Sonntag jemanden zum Grill einladen. Unserer St. Pöltner Bekannten sind aber alle vor der Frequency geflüchtet, so wird zu Mittag der Karl kommen und ich habe gleich weitergeschrieben, so daß ich erst wieder am Abend Radfahren war, habe die Svetlana ein schwarzes Kleid kaufen lassen, sie in die Oper geschickt und überlege, ob es mit Svetlanas Hochzeit enden wird. Da könnte dann auch die Sevim dabei sein und die Selma, obwohl die ja eine etwas verrückte Patientenrolle hat.
Ein richtiges Handlungskonzept habe ich nicht, da laße ich mich eher treiben, notiere Szenen und Handlungsstränge, aber ein Stufenkonzept von A-Z gibt es nicht, so daß ich gar nicht sagen kann, ob ich jetzt in der Mitte oder schon gegen Ende bin.
Daß ich das, was vielleicht noch nicht stimmt, diesmal genauer überarbeitet möchte, nehme ich mir wieder vor und glaube auch, daß ich das allmählich können werde, denn das Wichtigste ist bei mir immer noch der Hemmungsabbau, nur ist im Laufe der Zeit wahrscheinlich auch eine ordentliche Depression dazu gekommen. Ist die Frage ja immer im Kopf, warum es gerade mir nicht gelingt, Erfolg zu haben, aber warhscheinlich habe ich ihn auch, es ist ja immer eine Frage, wie man das definiert und weil ich zwischendurch auch immer ein bißchen google, habe ich öfter bei Thomas Wollingers Blog vorbeigeschaut und dort ein paarmal kommentiert und da bin ich auf einen interessanten Kommentar JuSophies gestoßen, die meint, daß es einen Unterschied zwischen Schreiben und Veröffentlichen gibt, den ich nicht so eindeutig sehe.
Denn die Literatur nimmt ja bei den Künsten, weil man sie als Einzige sehr lang nirgends lernen konnte, irgendwie eine Sonderstellung ein und es ist auch so, daß Schreiben irgendwie gleich Veröffentlichen bedeutet. Du bist nur ein erfolgreicher Schriftsteller, wenn du veröffentlicht hast. Das muß zwar nicht sein, ist aber derzeit immer noch so. Ich bin ja eine Verfechterin der allgemeinen Kreativität und meine, daß jeder schreiben soll, der will und, daß der Weg das Ziel ist. Aber damit bin ich immer noch sehr allein. Das merke ich auch daran, daß ich, die ich ja eigentlich nicht wirklich veröffentliche, sondern meine Bücher selber mache, oft, wenn ich jemanden eines zeige, als erstes die Frage bekomme „Welcher Verlag?“
Und wenn man nun meint, daß die einen Schreibseminare besuchen sollen, während die anderen auf die dBP Listen kommen, ist das etwas, was mir nicht gefällt. Weil sich das ohnehin von selber regelt, das ist, wie mit dem Gymnasium. Auch wenn jeder, der schreibt zu veröffentlichen versucht, wird ihm das nur gelingen, wenn ihn die Verlage für gut genug halten, ist er das nicht, muß er aufhören oder weiterlernen und das macht man am besten, indem man schreibt.

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2 Kommentare »

  1. jaja, radfahren an der traisen, leiwand, ja, bin ich auch einmal, anfang der neunziger des vorigen jahrtausends, … bin vom richter erich wieder einmal zu deinem literaturgeflüster gekommen, sollte ich viel mehr und öfter darin lesen, jaja, radfahren an der traisen, … zurzeit schwitzen im sitzen bei der hitzen zwihan. herzlichst grüßt dich (unterschrift)

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2011-08-24 @ 11:42 | Antwort

  2. Ja gern, freu mich, wenn du mich öfter liest, ich hätte ohnehin gerne mehr Kommentare

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-08-24 @ 21:45 | Antwort


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