Literaturgefluester

2011-08-23

Elf Minunten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 15:13

„Elf Minuten“, braucht man laut Paulo Coelho zum Geschlechtsverkehr und so heißt auch der 2003 erschienene Roman, des brasilanischen Autors und beginnt, wie öfter oder auch immer bei Coelho mit Bibelzitaten. Und ist die Geschichte des „Heiligen Sexs“, bzw. eine Parabel, um die Prostituierte Maria, die in einer brasilanischen Kleinstadt aufwächst, eine gute Schule besucht, ihre erste Liebe verliert, weil der Junge sie um einen Bleistift bittet und die zweite, weil sie beim Zungenkuß nicht den Mund öffnet, dann erfährt sie ihre Lust beim Masturbieren, worauf sie von ihrem Vater eine Ohrfeige erhält. Nach der Schule arbeitet sie in dem Geschäft eines Stoffhändlers, der sie gerne heiraten möchte, sie spart aber zwei Jahre für eine Woche Urlaub in Rio de Janairo, wo sie beim Baden von einem Schweizer beobachten wird, der ihr, obwohl sie einen unmöglichen Bikini trägt, einen Paß besorgt und sie als Tänzerin nach Genf bringt. In dem Sambaclub bleibt sie aber nicht lange, sondern läßt sich, um Model zu werden fotografieren und legt sich eine Mappe an, der einzige Interessent ist ein Araber, der ihr für das Bett tausend Franken bietet. Sie betrinkt sich, überlegt und geht mit dem Geld am nächsten Morgen in die Rue de Berne, wo sich die Nachtclubs befinden und erfährt, daß man hier nur dreiundert Franken pro Freier bekommt. Maria hat indessen schon Französisch gelernt und geht auch in eine Bibliothek, wo sie sich von der Bibliothekarin den „Kleinen Prinzen“ empfehlen läßt, dann verlangt sie aber auch Bücher über Sex und über Landwirtschaft, denn Maria will nur ein Jahr bleiben und mit dem ersparten Geld nach Brasilien zurückfliegen, ihren Eltern eine Farm schenken, den Stoffhändler heiraten etc.
Bis dahin hatte ich vorige Woche gelesen und habe das moderne Märchen klar strukuriert und eindrucksvoll beschrieben empfunden. Beim Weiterlesen heute wurde ich etwas enttäuscht, denn ab der Stelle, wo Maria in ein Cafe geht, um sich zu erkundigen, was der Jakobsweg ist, wird es unübersichtlicher, dozierend und endlose Sexzitate folgen, die teilweise aus dem Buch „Die Wissenschaft der Leidenschaft“ stammen und halten meiner Meinung nach die Handlung auf, die ist, daß die schöne Prostiuierte, die sich getreulich an des Nachtclubbesitzers Milans Regeln: keine Liebe, keine Drogen, kein Alkohol hält und ihren Kunden je nach dem entweder die Jungfrau, die Femme fatal oder die liebevolle Mutter vorspielt, den heiligen Sex erlebt, die große Liebe und den G-Punkt findet.
Um mit der Liebe zu beginnen, findet sie die in dem Cafe in dem Maler Ralf Hart, der ein spezieller Freier ist und nachdem sich Maria ihm als Prostituierte outet, am Abend in den Club kommt und gleich für dreimal bezahlt und Maria mit in seine Wohnung nimmt. Dort schenkt sie ihm einen Kugelschreiber und er ihr eine Eisenbahn. Als sie am nächsten Tag in der Rue de Berne erscheint, erklärt ihr Milan, daß sie nun reif für die speziellen Freier, nämlich die, die zu Liebe auch den Schmerz erfahren wollen, ist und so wird sie von Terence abgeholt und bekommt nun wieder tausend Franken für die Nacht.
Die sadomasischen Erlebnisse, die sich mit ihm in seinem Hotelzimmer abspielen, werden wieder philosophisch aufbereitet und Leopold von Sacher-Masochs „Venus im Pelz“ wird auch zitiert. Danach taucht wieder Ralf auf, der für die reine Liebe bezahlt und als er Striemen an Marias Händen sieht, sie barfuß über spitze Steine gehen läßt, denn es gibt ja auch einen natürlichen Schmerz.
Indessen nähert sich das Jahr seinem Ende, Maria wird dreiundzwanzig, fängt zu packen an, geht auf die Bank, wo der Direktor einer ihrer Kunden ist, um ihr Geld zu beheben, das Ticket ist gebucht und sie muß noch Abschied nehmen. Zuerst bei der Bibliothekarin, die ihr plötzlich ganzes Leben erzählt und ebenfalls vom G-Punkt begeistert ist, denn den hat schon Dr. Freud einstmals in Wien entdeckt. Als nächstes nimmt sie von Ralf Abschied, erlebt wunderschönen Sex mit oder ohne Orgasmus und verläßt den Schlafenden, um ihr Versprechen zu halten.
„Aber wenn er mich lieben würde, würde er…“, um bei der Ankunft in Paris zu hören „Uns bleibt immer Paris!“, das ist aus dem Film „Casablanca“
Ralf steht vor ihr mit einem Rosenstrauß und das Buch endet mit Satz „Es war einmal..“
Oder doch nicht ganz, denn es gibt noch ein Nachwort Paulo Coelhos, wo er erzählt, daß er immer schon ein Buch über den heiligen Sex schreiben wollte und welche Prostiutierten ihn wo dazu ermuntert haben und wem das Buch gewidmet ist.
Paul Coelho, entnehme ich Wikipedia, wurde 1947 in Rio de Janeiro geboren, war von Anfang an religiös geprägt und besuchte eine Jesuitenschule, unterbrach jedoch sein Studium, weil er zwei Jahre lang als Hippie durch die Welt wanderte und seine gutbürgerlichen Eltern auch durch Drogenkonsum erbosten, worauf sie ihn in die Psychiatrie steckten. Beim Schreiben war er nicht gleich erfolgreich, sondern brauchte einige Anläufe. Begonnen hat er mit der Beschreibung des Jakobsweg, ein Buch das auf meine nächste Leseliste kommt, dann kam der „Alchimist“, das mir Anna einmal zum Geburtstag schenkte und ab „Brida“ wurden es Bestseller, von denen er inzwischen schon sehr viele geschrieben hat.
Er ist, glaube ich, auch öfter in Österreich und da in Melk zu Gast, wo er Seminare gibt und in Tageszeitungen Kolumnen hat und betreibt auch eine mehrsprachige Website, wo man sich seine Bücher kostenlos herunterladen kann. Ich habe ihn auch schon mehrsprachig im Bücherschrank gefunden, nämlich „Elf Minuten“ und „Auf dem Jakobsweg in Deutsch“, „Brida“ auf Spanisch, was das Lesen etwas schwierig machen wird und „Veronika decides to die“, auf Englisch, was auch auf die Leseliste kommt.

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