Literaturgefluester

2011-08-28

Lesen und Schnee am Berg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:51

Wieder einmal Wanderwochenende mit Alfreds ehemaligen Lehrer, ich habe schon ein paar Mal darüber geschrieben, daß Alfred im Gymnasium einen jungen Turn- und Mathematiklehrer hatte, der mit seinen Schülern ein paar Jahre auf Wanderwoche ging, das erste Mal vor vierzig Jahren auf die Preintalerhütte, dann hat er sich der Leichtathletik zugewandt und ist 2000 in Pension gegangen, vorher hat er seine Schüler zu einem Diaabend getroffen, wo die Idee entstand, das Ganze wieder aufleben zu lassen, so sind wir 2000 auf die Veitsch gegangen. Das heißt jetzt S1 und war am Sonntag nach der ersten Poet Night, wo ich offenbar den Elan hatte, nach der langen Nacht gleich loszuwandern.
Inzwischen gibt es S18, das heißt eine Wanderung zu Ferienbeginn, eine zu Ferienende und dazwischen im November ein Fototreffen, wir waren meistens mit und 2002 auch auf der Preintalerhütte, da sind wir auf den Greifenberg gegangen, ich glaube es war im Juni und gerade an dem Bachmannpreiswochenende, außerdem hatte Martin Walser gerade seinen Skandalroman „Tod eines Kritikers“ geschrieben, den ich gelesen und mit Otto Lambauer, der auch zu diesen Wanderwöchlern gehört und den ich dort kennenlernte, diskutiert. Heuer gings zum vierzig Jahrjubiläum wieder auf die Preintalerhütte und da war ich inzwischen mit dem Alfred und dem Karli, ich glaube 2006 war es, dort, im Radio auf der Hinfahrt hörte ich jedenfalls entweder in den „Beispielen“ oder im von „Tag zu Tag“ von Thomas Glavinic neuen Roman „Die Arbeit der Nacht“, diesen Freitag hörte ich im Morgenjournal von dem neuen Glavinic Buch „Unterwegs im Namen des Herrn“ und ich nehme mir auch meistens Bücher auf die Hütte mit, diesmal war es Birgit Vanderbekes „Sweet Sixteen“, vor zwei Jahren, als wir am Gosaukamm waren, Alberto Moravia „Die Gleichgültigen“.

Ansonsten möglichst wenig Gepäck, denn die Sachen muß man ja hinaufschleppen, da die ehemaligen Schüler aber auch immer älter werden, war diesmal ein Rucksacktransport mit der Materialseilbahn organisiert, es waren aber ohnehin nur wenige Leute mit. Die magische Zahl dreizehn, darunter vier englische Freunde von Otto Lambauer, ich kann mich erinnern, daß er 2002 seinen Sohn Daniel mit einem Freund mitnahm, der noch nie Schnee gesehen hatte. Die Kräfte lassen nach und die gesundheitlichen Probleme beginnen, so war es sehr traurig zu hören, daß ein Zahnarzt, den diese Wanderwochenenden, die letzten fünf Jahre durch seinen Krebs begleitet haben, vorige Woche sein Begräbnis hatte.
Es war auch sehr heiß, die Wettervorhersagen prophezeiten aber den großen Wetterumschwung, das war am Parkplatz zu dem „Wilden Wasser – Naturschutzgebiet“ noch nicht zu spüren. Vorher haben wir im Untertal bei Rohrmoos, das ist, wo Friederike Mayröcker und Ernst Jandl, glaube ich, immer Urlaub machten, in einem schönen Landgasthaus gegessen und sind dann den Wasserfallweg hinaufgewandert. Vor zehn Jahren gingen wir noch die Forststraße hoch, jetzt gibt es einen schönen Kletterweg mit einer einzigartigen Hängebrücke, über die ich mich 2006 nicht zu gehen traute, bin ich ja ein bißchen höhenphobisch, der Gruppenstimmung hats aber ermöglicht und es war ein wirklich wunderschöner Weg, der mich an die Wasserfälle in der hohen Tatra erinnerten, allerdings sehr heiß, so rann der Schweiß beim Hochklettern auf die Leitern. Am nächsten Tag gingen wir nicht auf den Greifenberg, der ist ohnehin ein bißchen schwer, so daß ich die zweimal, die ich oben war, Mühe hatte hinaufzukommen, sondern den Rundweg vom Waldhorntörl über den Klafferkessel. Wir gingen wegen der Schlechtwetterprognose schon um sechs Uhr los und um zwölf beim Klafferkessel fing es auch zu donnern an und auf dem Rückweg regnete es die ganze Zeit, allerdings nicht sehr stark und das Gewitter hat sich auch verzogen. Als wir dann aber spielend, lesend oder konsumierend in der Hütte saßen, Otto Lambauer hatte Friedrich Christian Delius „Himmelfahrt eines Staatsfeinds“, ein sehr dickes Buch mit, die Engländer natürlich wieder einen Kindle, ein Vorteil für das Wandern und ich habe mein Buch ausgelesen, fing es plötzlich zu schneien an, so daß alle hinausstürmten und den Schnee im August auf sechszehnhundert Meter Höhe zu fotografieren.

Für den Sonntag wurde wieder schönes Wetter angesagt, so sind wir mit einer kleineren Gruppe zu den Sonntagskarsseen maschiert, da waren wir auch 2002 und das ist landschaftlich wirklich wunderschön, viele kleine Seen, man geht über Bretter oder Steine. 2002 habe ich mir dadurch meine Schuhe ruiniert und während wir die Runde machten, haben inzwischen zwei junge Männer einen Schneemann gebaut, so daß man den Schnee im August auch beweisen kann. Denn der ist inzwischen sicher weggeschmolzen und der Abstieg durch den Riesachwasserfall war wieder wunderschön, wenn auch nicht so heiß, sondern angenehmer zum Wandern, als am Freitag. Am Rückweg brachten wir den Otto und die Lorena noch nach Schladming, wo die Monika inzwischen auf den Dachstein gefahren war und während wir nicht nur die schöne Landschaft, sondern auch einen ziemlichen Wetterumschwung erlebten, wurde ich in Wien offenbar ziemlich gesucht, hatte ich doch zwei Anrufe des Arco Verlegers auf meinen Band, der Ulrich Bechers „Kurz vor vier“ neu herausgeben will, auf meinen Blog gestoßen ist und las, was ich über Ulrich Bechers Briefe bezüglich dieses Buchs geschrieben habe. Leider hat er nicht genau genug gelesen, weil er dachte, ich hätte die Originalbriefe, ich habe mich aber nur auf eine Aufbau-Taschenbuch-Ausgabe bezogen, die ich einmal in Leipzig aus einer Abverkaufskiste zog. Es ist aber schön, daß Ulrich Bechers „Kurz nach vier“ neu aufgelegt wird und auch interessant, wie wichtig man auf einmal werden kann…

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