Literaturgefluester

2011-09-04

Linke Wörter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:01
Judith Gruber-Rizy, Eva Jancak, Ruth Aspöck, Helga Pankratz

Judith Gruber-Rizy, Eva Jancak, Ruth Aspöck, Helga Pankratz

Susanne Ayoub, Gertraud Klemm, Grace Marta Latigo, Traude Veran

Susanne Ayoub, Gertraud Klemm, Grace Marta Latigo, Traude Veran

Dieses Wochenende fand wieder das Volksstimmefest im Prater auf der Jesuitenwiese statt, Wiens schönstes Fest, wie die Veranstalter meinen, daß es immer Samstag und Sonntag bevor die die Schule beginnt, gibt. Diesmal gabs noch traumhaft schönes Wetter, ich lese ja seit 1989 regelmäßig am Samstag beim linken Wort und ebenso regelmäßig hat es da geregnet, aber diesmal war es so schön wie noch nie.
Der Samstag hat ein wenig hektisch begonnen, sind wir nicht nur von Harland nach Wien gefahren, ich war auch noch mit dem Rad in St. Pölten, weil meine Uhr trotz neugekaufter Batterie nicht gegangen ist, danach waren wir am Almweg, weil sich da die Nachbarn aufregen, wenn wir am Sonntag Rasenmähen. Dann wars schon Zeit sich in Richtung Prater aufzumachen. Manchen ist das Fest ja zu kommunistisch, es gibt aber trotzdem immer viel viel mehr Besucher, als die KPÖ Mitglieder hat und diesmal gab es etwas Besonderes, nämlich zu hundert Jahre Frauentag eine reine Frauenlesung.
Weil Roman Gutsch beruflich überlastet ist, hat es diesmal hauptsächlich Christoph Kepplinger organisiert und sich dazu ein lila Leiberl angezogen. Ich hatte ein paar Bekannte eingeladen, so den Herrn mit dem ich vor zwei Wochen um den Neusiedlersee gefahren bin und Chrstoph Haacker vom Arco Verlag, der gerade Ulrich Bechers „Kurz nach vier“ neu herausbringt und dadurch auf meinen Blog gestoßen ist, ist auch gekommen und hat mir den Verlagsprospekt gebracht.

Ursula Knoll

Ursula Knoll

Eva Jancak

Eva Jancak

Begonnen hat Judith Gruber-Rizy mit dem Romanausschnitt aus dem Künstlermilieu, den sie schon einmal gelesen hat. Dann kam ich mit meinen „Verbindlichen Vorschlägen zum höchsten Wertkanon“, den ich im Jänner für die Zeitschrift „Landstrich“ geschrieben und jetzt ein bißchen gekürzt und überarbeitet habe. Ich schreibe manchmal gerne satirische Texte, auf das Volksstimmefest passen sie auch gut hin und, daß ich mich über die derzeitige Bildungspolitik ärgere, ist auch bekannt. Als nächstes folgte Helga Pankratz und die war auch satirisch, allerdings ein wenig frauenbewegter und setzt sich in ihren Texten für die Lesben ein, der Song „Ich bin ein Mädchen aus St. Pölten“, war für ein Kabarett geschrieben, dann folgten Texte, die zweisprach slowenisch deutsch erschienen sind. Als vierte beim ersten Block, las Ruth Aspöck von ihren Erfahrungen in der Anti-AKW-Bewegung. Den zweiten Block begann Grace Marta Latigo mit ihren frauenbewegten Gedichten in denen sie sich gegen die Männer und gegen Hausarbeit empörte und die ist immer sehr emotional bewegt und kann lautstark vortrag.
Gertraud Klemm habe ich noch nicht gekannt, ihrer Biografie aber entnommen, daß sie 1971 in Wien geboren wurde und in Baden lebt, seit 2005 freiberufliche Autorin und Schreibpädagogin ist und einen vierten Platz beim FM4 Wettbewerb gewonnen hat. Sie hat ein Stück aus ihren Roman „Mutter auf Papier“, wo es um eine Adoption geht und noch einen anderen Text gelesen.
Traude Veran, mit siebenundsiebzig, die älteste, kenne ich schon lange, ist sie ja GAV Mitglied, hat beim Tag der Freiheit des Wortes gelesen, als ich ihn 2001 organisierte und in der Bezirksvorstehung Mariahilf. Einmal hat sie mich auch durch den jüdischen Friedhof, den es beim Pensionistenheim in der Seegasse gibt, geführt und hat auch viele Bücher, die sie zur freien Entnahme auflegte, da habe ich natürlich zugegriffen. Sie hat mich auch durch ihre starke Gedichte, in denen sie sich für Romafrauen oder verfolgte Juden aus der Sicht der „Tochter der Arisierer“ einsetzt, sehr beeindruckt oder durch ihre Hausfrauentexte „waschen, kochen, putzen etc“.

Roger Stein

Roger Stein

Sandra Kreisler

Sandra Kreisler

Susanne Ayoub las ein Stück aus ihrem neuen Roman, in dem es um ihre Eltern im Irak der Fünzigerjahre geht.
Dann sollten noch Lale Rodgarkia-Dara, Ursula Knoll, Angelika Reitzer und Renate Welsh-Rabady lesen. Es war aber nur noch Ursula Knoll da, die ich von früheren Volsstimmefestlesungen kenne und die auch eine unter oder gerade Dreißigjährige ist und die in einer sehr starken Sprache von vier Frauen erzählte. Nachher gab es wieder Kaffee und Kuchen und ich bin bei dem schönen Wetter mit Alfred herumspaziert, Bekannte getroffen und roten Sturm getrunken, bis wir uns bei der Jura Soyfer Bühne einfanden, wo es „Wortfront“ mit Sandra Kreisler, Roger Stein und Band gab, die auch sehr beeindruckende sozialkritische Lieder hatten, die ich, glaube ich, schon einmal gehört habe.
Das Neue Deutschland mit einem Interview von Dietmar Darth, ein paar antiquarische Marx und Lenin-Studienausgaben und zum Wetter passend die „rote“ Sonnencreme von der Linken gab es auch, vor 1989 habe ich mir von diesen Ständen die kleinen bunten DDR Propagandaheftchen geholt, die inzwischen antiquarisch in Harland lagern und vielleicht auch einmal einen Buchherausgeber interessieren werden, da es das ja nicht mehr gibt. In Walter Baiers Buch „Das kurze Jahrhundert, Kommunismus in Österreich 1918 – 2008 in dem man wahrscheinlich über den Parteiaustritt von Ernst Fischer et al nachlesen kann, habe ich auch geblättert.

Michele Thoma, Hilde Schmölzer, Gerda Marie Pagoda, Hilde Langthaler

Michele Thoma, Hilde Schmölzer, Gerda Marie Pagoda, Hilde Langthaler

Andrea Maria Dusl, Eva Schörkhuber, Veza Quinhones-Hall, Gabi Anders, Elfriede Haslehner, Nadine Kegele

Andrea Maria Dusl, Eva Schörkhuber, Neda Bei, Gabi Anders, Elfriede Haslehner, Veza Quinhones-Hall

Am Sonntag ging es weiter mit den südböhmischen Musikanten am Budweiserstand, aber die haben mich nicht so sehr interessiert, so daß ich mir im Filmzelt einen Teil von Helmut Pflügls „Praterfeste“ angesehen habe und ein paar Lieder von „Wienerglühn“ auf der Jura Soyfer Bühne. Dann gings wieder los mit dem linken Wort in einer Monsterlesung mit dreizehn Autorinnen, neben meinen Freundinnen vom Arbeitskreis, GAV oder den Lesefrauen waren auch ein paar unbekannte Autorinnen dabei.
Begonnen hat es mit der in München lebenden Gerda Marie Pagoda, die Gerald Grassl vom Arbeitskreis Literatur der Arbeitswelt nach Wien brachte, dann folgte Hilde Schmölzer mit einem Ausschnitt aus „Frauenliebe“.

Petra Ganglbauer, Doris Nußbaumer, Nadine Kegele

Petra Ganglbauer, Doris Nußbaumer, Nadine Kegele

Die aus Luxenburg immigrierte Michele Thoma habe ich auch nicht gekannt, sie brachte ein paar Satiren zum Frauentag und zu Enthaarungsstatetgien, die in Zeitschriften erschienen sind. Hilde Langthaler wollte eigentlich etwas Lustiges lesen, das Attentat von Oslo brachte sie aber einen theoretisch feministischen Text zu schreiben.
Die 1982 in St. Pölten geborene Eva Schörkhuber, ist genau wie Veza Quinhones-Hall, bzw. Nadine Kegele über einen Poetry Slam zum Volksstimmefest gekommen.
Elfriede Halsehner kürzte , nachdem die anderen ihre Zeit schon sehr überzogen hatten ihre Texte und las Gedichte, aus dem Band, der in den Siebzigerjahren bei Frischfleisch und Löwenzahn erschienen ist, mit dem sie bekannt geworden ist.
Die in München geborene Gabi Anders habe ich nicht gekannt, wohl aber Andrea Marie Dusl, die schon im letzten Jahr gelesen hat und mit einem Text in dem sie Solidarität für Bettler forderte, überzeugte. Die beeidruckendste Geschichte stammte aber von Doris Nußbaumer, wo es um den Streit eines Paares um eine Katze ging.
„Die Katze muß weg!“, fordert der Mann, am Schluß trennt sich das Paar und das ungeborene Kind wird auch abgetrieben. Petra Ganglbauer las einen theoretischen Text, aus einem vergriffenen Buch, das tat auch Neda Bei und Christoph Kepplinger wies auf die Anthologie hin, die es wieder geben wird, wenn das Geld dazu aufgetrieben sein wird.
Und hier das Volksstimmefestarchiv: 2008 1 2 2009 2010

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