Literaturgefluester

2011-09-10

Leselistenleiden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Aufmerksame Leser wissen es, ich habe, als ich Mittwoch mit Peter Henischs „Großes Finale für Novak“ von der Präsentation aus dem Cafe des Theater an der Wien zurückgekommen bin, eine andere Leseliste erstellt, die man jetzt direkt von meiner Blogstartseite einsehen kann, denn die Hundertbücherliste, die ich mir nach einer Challenges-Idee von Charlousie im Februar erstellt habe, um meinen ungeordneten Bücherstapel im Badezimmer und die Bücher die ich von den Bücherschränken bzw. den Buchlandungsabverkäufe nach Hause bringe und in mein neues Bücherregal stelle, ein wenig zu orden. Vor circa einem Jahr hat leselustfrust, die es inzwischen ja leider nicht mehr als aktive Bücherbloggerin gibt, zu einer Winterleseliste aufgerufen, die habe ich mir erstellt und die Bücher auch gelesen, mich aber längst nicht an die Reihenfolge gehalten und als ich im Februar einmal in der Alten Schmiede saß, habe ich mir gedacht, ich muß mir eine Hundertbücherleseliste erstellen, denn, daß ich das schaffe, war ich mir ziemlich sicher, da ich ja 2010 schon neunzig Bücher gelesen habe und da ich ja ziemlich regelmäßig zu den Bücherschränken gehe und mich dort, wenn ich etwas finde, auch bediene, haben sich bei mir schon einige Schmankerln angesammelt.
2011 war ich mit meiner Bücherliste auch konsequent, die Rezensionsexempare, die ich noch hatte und die ich zwischendurch bekommen habe, habe ich eingeschoben, aber sonst mit Ausnahme der Zeit, wo ich in Harland war, mich an die Reihenfolge gehalten, da es in Harland einen eigenen Stapel gibt, so habe mich bis Ende Juni bis zu Buch zweiundfünfzig hinuntergelesen, hatte aber schon einige Rezensionsexemplare und Harland-Bücher, die weiter unten angeführt waren, gelesen. Der Urlaub war dann noch einmal eine Ausnahme, weil ich einiges mitgenommen habe, was nicht auf der Liste stand, so daß ich als ich zurückgekommen bin, das in Tschenstochau gefundene Buch als Nummer Hundert eingetragen habe. Als ich die Liste im Februar erstellte, habe ich bis Nummer 71 bzw. 72 eingetragen, weil ich dann gleich in die Alte Schmiede ging und mir auf dem Weg dorthin in der noch existierenden Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße, die „Zimtläden“, um zwei Euro kaufte.
Dann habe ich sehr sparsam immer das nachgetragen, was ich so gefunden habe. Irgendwann habe ich gemerkt, ich muß damit Schluß machen, um die Zahl Hundert nicht zu überschreiten, so daß sich eine andere Liste ergeben hat und der Plan, daß ich das, was ich 2011 vielleicht über hundert Bücher lese, nicht mehr auf diese, sondern auf eine andere Liste eintragen werde und das habe ich Mittwochnacht dann getan. Denn inzwischen hatte ich im Kopf ja schon eine Bücherliste für 2012 und mir vorgenommen, da einmal die fünfundvierzig interessantesten Bücher, die ich inzwischen gekauft oder gefunden habe einzutragen.
Ernst Lothar ist da dabei, Paulo Coelho, Lotte Ulbricht, Marcel Reich-Ranicki, Marlene Streeruwitz u. u. u. Dann kann ich noch die Bücher dazuschreiben, die in Harland über dem Bett liegen, das sind ca fünf oder sechs und 2012 jede Woche ein Buch, das ich gefunden oder bekommen habe.
Damit müßte ich hinkommen und kann auch die aktuellen Bücher einbeziehen und 2013 mache ich einen Strich und eine neue Leseliste.
Manche werden jetzt vielleicht denken, daß das ganz schön bürokratisch ist. Mag sein, für eine Büchersammlerin, die ihre Bücher auch lesen will, ist es aber eine gute Struktur, die Vorsätze auch zu schaffen. Ganz wird mir die Quadratur des Kreises zwar nicht gelingen und kann es auch nicht. Denn es gibt zuviele Bücher, das ist sehr gut, weil sie mich ja interessieren und, ob ich sie jetzt in meinem Bücherregal stehen habe oder nicht, ist eigentlich egal.
Ich bemühe mich zwar immer bei den Bücherschränken wirklich nur das zu nehmen, was ich wenigstens vielleicht lesen will, frage dann doch, ob jemand mit mir tauscht oder mir das Buch für meinen Blog gibt? Sagt er oder sie nein, denke ich „Macht ja nichts!“ und das ist auch so und trotzdem schade!
Aber ich habe genug Bücher und werde die, die ich habe, wahrscheinlich nur knapp in den nächsten zwanzig Jahren, wo ich wahrscheinlich noch lesen werde, lesen, auch wenn nichts Neues mehr dazu kommt, die Bücherschränke also verschwinden und es keine Rezensionsexempare mehr gibt, was wohl nicht passiert.
Es ist auch ganz lustig, denke ich, mit dem Problem zu leben, ein Buch nach Hause zu tragen, von dem man weiß, daß man es eigentlich nicht braucht, es aber trotzdem lesen will. Eine kleine Unperfektion, die nicht schadet, denn ich ziehe mir ja auch immer Bücher aus den Regalen, die schon seit Jahren dort stehen und die ich dann doch lese, weil ich zum Beispiel E.A.Richter kennenlernte und ein Buch von ihm habe oder es für meine Romanrecherche brauche. Es gibt ja auch genug Bücher und es kommen immer wieder neue dazu und ich überlege mir auch manchmal, was man lesen soll?
Wenn man sich mit Bücherblogs beschäftigt, drängt sich natürlich die Antwort auf, das, was auf den Buchpreislisten steht, also die neue Streeruwitz, den neuen Glavinic, den neuen Henisch, den neuen Trojanow, Haslinger etc. In den Kästen oder der Buchlandung, liegen dann die älteren Bücher der Autoren und da habe ich ja die Iris Hanaka auf einer Liste, einen Roman vom Georg Klein und von Rolf Lappert von denen ich noch nie etwas hörte. Ich denke, das soll man auch lesen, denn das ist sicher interessant. Wenn dann aber die städtische Bücherei in den Neunzigerjahren ein Buch aus den Fünfzigerjahren ausrangiert und ich es 2010 lese und es auch noch auf meinem Blog veröffentliche, dann bin ich doch hoffnungslos jenseitig oder?
Mitnichten, dann reiße ich die Verleger, die es neu herausbringen kurzfristig vom Hocker, bringe sie auf Ideen und sie versprechen mir ein Rezensions- bzw. ein Belegexemplar, weil ich ja ein Buch, das ich schon gelesen habe, nicht nochmals besprechen kann.
Das ist das Lustige am Literaturgeflüster und wahrscheinlich auch das Wertvolle, weil ich ja, das habe ich schon geschrieben, meine Bücher eigentlich nur für mich selbst bespreche, als Gedächtnistraining und als Alzheimerprohylaxe sozusagen.
Es ist auch eine interessante Dokumentation, was man so in den Bücherschränken, bzw. bei Buchlandung manchmal um einen Euro finden kann.
Der Hauptverband des Buchhandels wird jetzt aufstöhnen, ich weiß, aber ich denke, daß Bücher so wertvoll sind, daß man sie immer lesen kann und nicht nur in der Zeit, wo sie auf der Buchpreisliste stehen und bis Weihnachten gekauft werden sollen und ehe ich es vergesse, das Lesebuch mit den Leseproben der zwanzig Longlistenbücher für den neuen deutschen Buchpreis ist inzwischen auch gekommen und da gibt es nächste Woche die Shortlist für die ich diesmal keine Prognose habe. Aber gespannt bin, welche Bücher ich davon lesen werde und wann das erste im Bücherschrank oder bei den Buchlandungsabverkäufen liegt?
Der Stattersorfer Flohmarkt wäre auch ein Tip, wo man originalverpackte Buchpreisbücher, um einen oder zwei Euro bekommen kann, aber da war ich nur ein einziges Mal.

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7 Kommentare »

  1. Ich kenne eine schreibende Alzheimerpatientin die nur die eigenen Zeilen als Welt in Erinnerung hat und ihr egozentrisches Leben, in dem sie nie Verantwortung für andere übernommen hatte, unreflektiert ausblenden kann, ich kenne (gendergerecht also) auch einen Alzheimerpatienten, einen liebevollen Familienvater, der kriegstraumatische Erlebnisse selbst nie besprochen hat und sich jetzt einen Alterssitz in seiner gelesenen Lektüre errichtet hat. Lesen und Schreiben schützen nicht unbedingt vor Demenz. Aber vielleicht viele Listen:-))

    Kommentar von JuSophie — 2011-09-10 @ 08:23 | Antworten

  2. Die wissenschaftliche Forschung gibt schon einige Hinweise, daß geistige und auch körperliche Aktivität eine gute Präventionsstrategie ist, vor allem kann es nicht schaden, das zu versuchen und daran zu glauben.
    Und ich lese und schreibe natürlich, weil es mir wichtig ist und ich von der Literatur „besessen“ bin.
    Was sagen Sie übrigens zu meiner Leseliste? Da sind doch tolle Bücher dabei und wer glauben Sie, wird heuer deutscher Buchpreisträger oder Trägerin?
    Angelika Reitzers „unter uns“, das ich im Februar gelesen habe, ist übrigens auf die Shortliste für den Alpha Literaturpreis gekommen.

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-09-10 @ 10:28 | Antworten

  3. Über Dorothee Elmiger haben wir uns schon unterhalten, ebenso über Judith Herrmann „Sommerhaus, später“ und Peter Handkes „Wunschloses Unglück“. Paul Coelhos „11 Minuten “ steht auch auf Ihrer Liste, das für jemand an Literatur Interessierten eigentlich einziges Lesenswerte von ihm, würde ich behaupten. Das sind 4 überinstimmenden Punkten von 100 was Lesegemeinsamekeiten angeht.
    Lydia Mischkulnigs „Schwestern der Angst“ und Joseph Zoderers „Farben der Grausamkeit“ habe ich nur angelesen. Ich mag keine Psychothriller, weder als Film noch in Buchform, da kann die Sprache noch so ausgefeilt sein wie bei diesen beiden genannten AutorInnen. Über „Prada Pumps und Babypuder“, sowie über das Buch zum Film von „Balzak und die kleine chinesische Schneiderin“ wundere ich mich auf der Literaturliste einer Besessenen:-)

    Unter uns- gesagt. Ich mache bezüglich Buchpreise keine Prognosen, dafür müsste ich zuerst wissen, wer gerade mit wem im Literaturbereich liiert, befreundet, verfeindet, abhängig, etc. ist- wie überall wenn das Angebot ein zu Großes ist, wenn es keine Qualitätsmasstäbe gibt , bzw.geben kann, weil auch Literatur basierend auf ERfahrungen und Sprachniveau, ein noch immer realtiv Subjektives ist. Darum auch nur so wenige echte Klassiker, die wirklich eine breite Massse von der Thematik, von der Sprachwahl her angesprochen hat)
    Einen schönen Leseherbst wünsche ich Ihnen!

    Kommentar von JuSophie — 2011-09-10 @ 16:55 | Antworten

  4. Wundern Sie sich nicht, denn ich habe einen sehr breiten Literaturgeschmack und interessiere mich für viel und werde auch nur selten wirklich enttäuscht, dazu bin ich wahrscheinlich zu tolerant und der Dai Sijie, das letzte, eine Stadt-ein Buch Aktionsbuch, wurde überall hochgelobt, ich habe allerdings wirklich nicht sehr viel damit anfangen können. Eigentlich müßte Sie an meiner Liste ja noch viel mehr empören, stehen ja immer wieder auch Chick lits darauf und die lese ich gelegentlich ganz gern und was die Sophie Kinsella betrifft „Die Schnäppchenjägerin“, habe ich mehrmals gelesen und darin meiner Meinung nach eine der besten Beschreibungen einer Kaufsucht gefunden, psychologisch sehr interessant, die anderen Bände sind Serienarbeit und das das gilt auch für „Prada Pumps und Babypuder“, das einmal im Bücherschrank lag. Krimis lese ich auch ganz gern, also quer durch den Büchergarten und so soll es vielleicht auch sein!
    Wann haben wir über Peter Handkes „Wunschloses Unglück“ gesprochen und welche Bücher von der deutschen Buchpreisliste werden Sie wahrscheinlich lesen?

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-09-10 @ 17:17 | Antworten

    • Ich lese nie etwas von einer vorgegebenen Liste, ich lasse mich von meinem Interesse an für mich gerade aktuellen Themen und vor allem an Personen (den Autoren und Autorinnen) inspirieren.Da ich z.B. im November einen Vortrag über Verschwiegenes aus der Kriegszeit (Nachkriegszeit) und den Folgen halten werde, fiel mir das Nachwort des Kriegstagebuch der Ingeborg Bachmann Anfang Juli in die Hände, ich las zum wiederholten Mal ihre Biographie dazu, weil ja bei jedem Lesen der Fokus unterschwellig anders mitläuft, dann auch die ihrer wichtigsten Partner für eine Erweiterung des Zeitbildes(in diesem Fall Max Frisch und Paul Celan und jeweils ein entsprechendes Werk dazu).So verläuft meine Lesespur assoziativ am roten Faden meines Interesses, entprechend meiner (Lese-)Persönlichkeit. Leselisten hatte ich im Gymnasium und im Studium, sind für mich Pflichterfüllungen und nicht ein kreatives Vergnügen wie ich das mit meiner Vorgehensweise verspüre. Doch wie heißt es so schön: Vielfalt und Dissens sind angesagt. Im diesem Sinne.

      Kommentar von JuSophie — 2011-09-11 @ 20:30 | Antworten

  5. das ist schade, dass dai sijie hier keine anhänger findet… in balzac… gehts ja auch um ein stück chinesische geschichte und mit ganz wenig hintergrundwissen ist das auch verständlich und gibt einen einblick – seine andren romane fänd ich auch ganz famos, wenn dann jemand auch noch mit literatur in richtung haruki murakami was anfangen kann, sind die anderen dai sijie-romane doch auch was für ihn/sie

    Kommentar von s. — 2011-09-15 @ 08:24 | Antworten

  6. Oder interessant, denn ich erinnere mich, daß ich mich sehr auf das Buch freute, als ich hörte, daß es das Stadt Wien Aktionsbuch wird.
    Und das, was ich darüber hörte, war auch interessant, man macht sich seine Vorstellungen und Erwartungen darüber, bevor man es liest und die sind sicher westlich geprägt, denn als ich das Buch gelesen habe, habe ich das, was ich erwartete, nicht gefunden.
    Ich hatte auch nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, wartet ja das eigene Schreiben, die Praxis, der Kasten mit den vielen ungelesenen Büchern, aber möglicherweise wird die Zensur eine Rolle dabei spielen, auch die im Kopf, denn das Buch wurde ja in Paris geschrieben und dann neigen die Chinesen wahrscheinlich sehr zu Symbolen und Verschlüsselungen, an die man sich als realistische Schreiberin erst gewöhnen muß, da haben Sie, wenn Sie ein Jahr in China waren und die Sprache und die Literatur studiert haben, wahrscheinlich einen anderen Zugang, denn, daß es ein gutes Buch sein muß, ist schon klar, nur war halt das, was die beiden jungen Männer mit Balzaks Bücher anfingen und wie sie darüber berichteten, sehr fremd für mich, obwohl ich 1973 auch studiert und gelesen habe, allerdings in Wien und Musil und den habe ich damals auch nicht verstanden.
    Aber vielleicht erzählen Sie, wie Sie das Buch empfunden haben. Murakami muß ich gestehen habe ich noch nicht gelesen, weil das Buch, das ich gefunden habe, in Spanisch war, aber „Shanghai Baby“ von Wei Hui. Kennen Sie das?
    Sie sehen, ich müßte erst einen Grundkurs in chinesischer Literatur machen, lese aber immer sehr interessiert Ihre Berichte und habe auch schon wieder ein paar Bücher chinesischer Autoren im Regal, nämlich Zhang Jie „Schwere Flügel“ und dann für mich besonders interessant eine alte DDR Aufbau Ausgabe von Egon Erwin Kisch „China geheim“, aus dem Jahr 1949 und dazu passend, ebenfalls aus der DDR, allerdings aus 1989, einen Erzählband mit Texten von Zhang Xian, Li Hangyu, Lu Wenfu, Wang Zhebin, Wang Meng und Feng Jicai, sagt Ihnen das was und ist das irgendwie repräsentativ?

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-09-15 @ 16:02 | Antworten


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