Literaturgefluester

2011-09-14

Leselistenfreuden

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:29

Jetzt hätte ich im Streß der psychologischen Praxis, Buchbesprechung und Krimipreis beinahe auf die Bekanntgabe der deutschen Buchpreisshortliste vergessen und erst im Radio erfahren, daß Marlene Streeruwitzs „Die Schmerzmacherin“ nominiert wurde.
Also disponiere ich ein wenig um, veröffentliche „Die leichten Schritte des Wahnsinns“ erst morgen und schaue mir die Shortliste beziehungsweise das Buch mit den Leseproben an.
Das Letztere habe ich auch vorher schon ein wenig getan und in meinem Leselisteleidenartikel darauf bezug genommen. Darin geht es zwar um meine eigene Leseliste, die entstand, als ich am Mittwoch „Peter Henischs „Grosses Finale für Novak“ nach Hause brachte, jetzt habe ich das Buch noch ein zweites Mal mit der Post bekommen, dafür andere erwartete Rezensionsexemplare noch nicht und JuSophie gefragt, was sie von der Liste gerne lesen würde, bzw. wen sie für den Favoriten hält?
Sie meint, man könne keine Prognosen geben, wenn man die Gruppendynamik der Jury und des Literaturbetriebs nicht kennt.
Stimmt, deshalb bin ich mit meinen bisherigen Prognosen, auch immer ziemlich falsch gelegen, weil ich das empfahl, was ich kannte, beziehungsweise mich interessierte, denn gelesen habe ich von der heurigen Liste außer Ludwig Lahers „Verfahren“ noch nichts und dem Buch hätte ich, weil ja ein Dokumentarroman keine wirkliche Chance gegeben, obwohl es ein wichtiges Thema behandelt und deshalb auch mit Recht auf die Longlist kam.
Jetzt habe ich als die Leseproben gekommen sind, in sie hineingeschaut und da haben mich inzwischen auch einige Namen angesprungen, nicht Blut geleckt, das tut es bei mir nie, dazu habe ich zuviele ungelesene Bücher in meinen Regalen. Es hat sich aber eine Liste von Bücher herausgebildet, die mich interessieren und die ich gerne lesen würde.
Das wären Wilhelm Genazino „Wenn wir Tiere wären“, Sybille Lewitscharoff „Blumenberg“, Astrid Rosenfeld „Adams Erbe“, Judith Schalansky „Der Hals der Giraffe“, Marlene Streeruwitz „Die Schmerzmacherin“ und Antje Ravic Strubel „Sturz der Tage in die Nacht“, wenn ich die Liste dann genauer betrachte, kommt noch Alex Capus mit „Leon und Louise“ hinzu. Doris Knecht kenne ich von der Programmzeitschrift Falter. Ihr Buch „Gruber geht“ wurde schon im Frühling besprochen und natürlich würde ich es lesen, wenn ich es im Bücherschrank finde. Navid Kermani wird die Eröffnungsrede bei der Buch-Wien halten, also werde ich von „Dein Name“ höchstwahrscheinlich noch was hören. Die anderen Namen und Bücher sagen mir eher nicht so viel und ich habe im Internet auch Berichte gefunden, die sich darüber mokieren, daß die Longlist heuer aus einigen unbekannten Autoren bestehen würde. Was ja nichts Schlechtes sein muß.
Ob die Leute dann wegen einem unbekannten Buch die Buchhandlungen stürmen, weiß ich nicht, ist aber nicht mein Problem.
Ich würde jedes der Bücher lesen, wenn ich es bekomme und es an der Reihe auf meiner Liste ist, so weit, daß ich es mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche oder die Verlage anschreibe, gehe ich aber nicht, weil, wie schon erwähnt, ohnehin schon soviel Ungelesenes auf der Liste steht.
Aber meine Leser wissen es, ich bin ein Bücherfreak, Bücher haben mich immer schon interessiert, das geschriebene Wort löst immer noch eine große Faszination und ein großes Interesse bei mir aus und es interessiert mich auch, was und, wie die anderen schreiben, obwohl man bei diesen Büchern davon ausgehen muß, das das Lektorat dabei vielleicht auch ein wenig mitentschieden hat, das stört mich aber eigentlich nicht.
Wer steht nun auf der Shortliste und war es jetzt eine Überraschung? Eigentlich schon, obwohl mich das jetzt nicht mehr vom Sessel reißt, sondern ich die beiden Listen nebeneinander stelle und sie mit einem „Interessant!“ vergleiche.
Marlene Streeruwitz „Schmerzmacherin“ ist also auf die Liste gekommen, das Buch war schon einmal im Radio und auf meiner Liste für 2012 stehen Marlene Streeruwitz „Verführungen“ auf Platz 27. Ich habe auch schon einiges von ihr gelesen. „Partygirl“ gabs zum Beispiel vor Jahren einmal bei der Buchlandung um einen Euro oder waren das noch zehn Schillinge? Wahrscheinlich nicht, denn das Buch ist 2002 erschienen, 2003 oder 2004 kann es gewesen sein, gelesen habe ich es dann etwas später. Würde mich wieder nicht als großen Fan der Streeruwitz bezeichnen, aber das bin ich ja von niemanden und sie ist sicher eine interessante Autorin und es ist gut, daß eine Östereicherin auf der Shortlist steht, sind die dort ohnehin immer etwas unterrepräsentiert. Dann gibts eine Übereinstimmung nämlich Sybille Lewitscharoffs „Blumenberg“ und die Autorin hat einmal den Bachmannpreis gewonnen. Aus „Montgomery“ habe ich einmal in der Alten Schmiede gehört und das Buch dann etwas später bei einem der Büchertürme der Literatur im März bekommen und gelesen. „Apostoloff“ habe ich nicht gelesen, aber auch bei einer Lesung in der Alten Schmiede gehört und darüber geschrieben, nominiert für Leipzig war das Buch, glaube ich, auch.
Dann kommt schon Unbekannteres, nämlich Jan Brandt „Gegen die Welt“, Michael Buselmeier „Wunsiedel“, Angelika Küssendorf „Das Mädchen“ und Eugen Ruge „In Zeiten des abnehmenden Lichts“.
Von allen viern habe ich noch nicht sehr viel gehört. Es ist also Zeit für Überraschungen und die Gruppendymnamik die dazu geführt hat, daß die bekannteren Namen nicht auf Shortlist stehen, ich hätte inzwischen schon auf Astrid Rosenfeld getippt, ist auch sehr interessant. Darüber wird man wohl nicht sehr viel erfahren und es ist auch interessant zu raten, wer davon in Leipzig im Oktober deutscher Buchpreisträger oder Trägerin wird. Sybille Lewitscharoff vielleicht, die vier unbekannten Namen wären für mich eine Überraschung, aber wahrscheinlich werde ich von diesen Büchern jetzt einiges hören und das Buch mit den Leseproben, um hineinzuschnuppern, habe ich ja auch und nähere mich mit dieser Methode schon seit Jahren dem Buchmarkt an, weil es zuviel gibt, um wirklich allles zu lesen.
Da es mich aber interessiert sind Leselisten für mich keine Pflicht sondern ein Vergnügen, denn ich würde ja gerne alles lesen, geht aber nicht, weil das Schreiben immer noch an erster Stelle kommt und dann habe ich auch einen Beruf und eine Familie.
So sind Lesungen für mich ein guter Ersatz und eine Möglichkeit über Bücher zu sprechen, die man nicht gelesen hat. Das „Literaturgeflüster“ ist das auch und selbst wenn das manche stört, man kann nicht alles lesen, aber über alles reden, in diesem Sinne finde ich diese Bücherlistendiskussionen auch sehr interessant und die Zeiten, wo ich mit dem Geldbörsel in die Buchhandlung gerannt wäre, sind zum Leidwesen des Buchhandels vorbei, aber ich interessiere mich für Bücher und daß das so ist, finde wenigstens ich, auch sehr schön. In diesem Sinne wünsche ich den sechs Shortlistenbüchern alles Gute, freue mich auf die Bekanntgabe des Preisträgers oder Preisträgerin und werde sicher drüber schreiben.

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