Literaturgefluester

2011-09-18

Blaues Sofa und andere Literatursplitter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:42

Ich sitze bei dem wunderschönen Spätsommerwetter auf der Terrasse und höre Ex-Libris, wo gerade Michael Stavarics „Nadelstreich und Tintenzisch“, besprochen wird und habe mich dieses Wochenende ja wieder einmal äußerst intensiv mit der Literatur beschäftigt. So habe ich gestern, als ich um etwa sechs nach Hause gekommen bin, meinen Blogeintrag geschrieben und mich dann, weil die anderen Blogs davon berichtet haben, mit der neuen Literatursendung des ZDFs dem „Bauen Sofa“, das Wolfgang Herles präsentiert und das am Freitag spät am Abend, wie bei Literatursendungen üblich, das erste Mal gesendet wurde, beschäftigt. Zumindestens bei den Blogs, die ich lese, zum Beispiel, dem literaturcafe. de wird das ja als große Sensation bewertet und ich würde sonst nichts darüber wissen, denn ich fernsehe ja nicht und Freitag um elf, war ich im Zelt. Aber Dank Internet kann ich es nachsehen und das war interessant, denn auch darüber lassen sich literarische Betrachtungen anstellen.
So gab es ja bis vor einigen Jahren, die sehr erfolgreiche Literatursendung „Lesen“ in Deutschland von Elke Heidenreich, die sich darüber mokierte, daß das Fernsehen die Literatur so spät ansetzt. Sie wurde entlassen, ist mit ihrer Sendung ins Internet abgewandert und hat nach einem Jahr damit aufgehört, weil es offenbar nicht so viele Leute gab, die die Sendung abgerufen haben. Das ZDF kreierte dann die „Vorleser“, die inzwischen auch eingestellt wurde. Ich habe mich schon damals über den elitären Anspruch die diese Sendung hatte, mokiert.
„Bitte keine unverlangten Buchsendungen! Nur wir wählen aus was genommen wird!“
Und das ist bei neunhunderttausend jährlichen Neuerscheinungen sehr schwer, drei vier Bücher auszuwählen und die Moderatoren werden wahrscheinlich sehr umworben und agieren entsprechend selbstbewußt. So ist das auch bei Wolfgang Herles, den ich vom Blauen Sofa von Leipzig und von Frankfurt kenne und da man sich diese halbstündigen Buchpräsentationen im Internet abrufen kann, ist mir das blaue Sofa sehr vertraut. Das neue blaue Sofa hat ein etwas antikeres Design und wurde zum Beispiel auf einen Gletscher hinaufgekarrt, weil Wolfgang Herles dort Ilija Trojanow interviewte. Außerdem kündigte er vorher an, daß es in seiner Sendung Verisse geben würde. So geschehen bei Ferdinand von Schirachs „Der Fall Collini“, da steht dann Wolfgang Herles mit glänzenden Augen und erhobenen Zeigefinger da und sagt empört „So geht das nicht!“
Wieso weiß er das so genau? Kann er ja nur seine subjektiven Eindrücke wiedergeben und entmündigt er damit nicht die Leute, die sich um dreiundzwanzig Uhr am Abend vor den Fernseher setzen um Literatursendungen anszuschauen? Denn die wissen wahrscheinlich selber, ob das Buch gelungen ist oder nicht. Und warum muß es eigentlich Verisse geben? Wolfgang Herles sagt in dem Trailer, wo er über die Bücher spricht, die es gerade nicht in seine Sendung geschafft haben, so zum Beispiel den neue Haslinger, daß er das nur bei einem Erfolgsautor machen würde, aber warum muß er das überhaupt tun? Reicht es nicht, auf die Bücher hinzuweisen und die Leute selbst entscheiden zu lassen ob es ihnen gefällt oder nicht?
Literatursendungen sind elitäre Angelegenheiten, das habe ich schon begriffen, sie werden aber meistens sehr schnell eingestellt, ob das damit zusammenhängt? Die Sendungen werden selber meistens zerissen. So ist das literaturcafe z.B. gar nicht damit eingefallen und ich habe, abgesehen davon, daß mir die autoriäre Haltung des Moderators nicht gefallen hat, erfahren, daß Wolfgang Herles Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“ sehr gut gefallen hat. Ich würde das Buch auch sehr gern lesen, wartete aber immer noch auf Peter Roseis „Geld“, denn am Montag ist zwar ein Bücherpackerl gekommen, aber da stand „Grosses Finale für Novak“ darauf und das habe ich schon besprochen. Da ich das Buch zurückschicken wollte, habe ich es nicht gleich aufgemacht und bin ich jetzt erst darauf gekommen, daß der Rosei dabei war. So kann ich es paralell mit der Präsentation am Dienstag in der Nationalbank lesen, gleichzeitig kann ich mich mit den Ohrenschmaus-Texten beschäftigen, die auch gekommen sind.
Bei der eigenen Korrekturarbeit halte ich wieder bei der Szene sechs und der Alfred beginnt jetzt seine Korrekturen in „Zwillingswelten“ einzuarbeiten.
Ansonsten raucht mir der Kopf von den vielen Neuerscheinungen. Ein vierundzwanzig Stunden Literaturfestival ist ja sehr beeindruckend, außerdem sind die Feuilletons von Presse und vom Standard voll von den Neuerscheinungen und Josef Winklers Post aus Indien „Sonnenkönig auf der Bierkiste“.
Wir hatten heute ein fast literarisches Mittagessen mit dem Karli auf der Terrasse, der mir erzählte, daß er gerade den „Hasen mit den Bernsteinaugen“ gelesen hat, ein Buch, das ebenfalls in Ex Libris besprochen wurde und ich werde nachsehen gehen, ob das Sturmfest im Margaretner Planquadrat heute ist, bevor ich die Zeitungsfeuilletons lese, die Shortlist des Fm4-Preises wurde jetzt auch bekanntgeben und am Freitag wird die Zirkusanthologie im Phil vorgestellt.
Ansonsten geht bei den Bücherblogs die Diskussion um die Rezensionsexemplare weiter, beziehungsweise die Empörung darüber, daß die Verlage dazu übergehen, die elektronisch zu verschicken, was eine Entwicklung ist, die mir logisch erscheint, aber sicher gewöhnungsbedürftig ist. Daß die Blogger schreiben, daß sie das nicht wollen, kann ich auch verstehen, weniger, daß die Bloggerszene über diese Blogger herfällt, meint, daß sie froh und dankbar sein und sich die Bücher kaufen sollen und, daß sich die dann noch bei den Verlagen entschuldigen…
Mein Bücherstand wächst munter weiter, so habe ich mir am Donnerstag bei Reichmann auf der Wiedner Hauptstraße, der immer noch abverkauft, aus der Ein-Euro-Kiste vier Taschenbücher gezogen, darunter Thomas Bernhards „Ein Kind“ und Erich Hackls „Auroras Anlaß“ und bei Fix Poetry habe ich H.G. Adlers „Gesammelte Gedichte“ gewonnen, was ich auch fast übersehen hätte.

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