Literaturgefluester

2011-09-20

Geld

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:20

„Wenn Sie sich bei Peter Roseis Roman „Geld“ eine vordergründige Betrachtung der Bankenkrise erwarten, werden Sie enttäuscht sein!“, hat Kurt Neumann die Präsentation in der Nationalbank eingeleitet und ich habe zu der Dame, die neben mir gesessen ist und schon in dem Buch gelesen hat, gesagt, daß ich mich wundere, daß die Präsentation hier stattfindet, handelt das Buch doch von einem Inhaber einer Werbeagentur, einen Erben einer Pharmafirma und zwei Frauen, die wie die Frauen in Ingeborg Bachmanns Romanen oder denen Doderers vom Graben zur Kärtnerstraße schlendern, um in Nobelboutiquen einzukaufen. Ja richtig, einen jungen Broker namens Tom Loschek gibt es auch. Aber so weit war ich mit dem Lesen noch nicht gekommen, hatte ich, als ich zur Nationalbank aufgebrochen bin, erst die ersten zwei Teile gelesen.
Allerdings auch die Lesung bei „Rund um die Burg“ gehört und „Geld“ ist, glaube ich, das erste Buch, das ich von dem 1946 in Wien geborenen, promovierten Juristen, gelesen habe.
Das Suhrkamp Taschenbuch „Wege“ habe ich mir einmal, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte und kurzfristig den Spleen hatte, mir jede Woche ein Buch zu kaufen, besorgt, ob ichs gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Peter Rosei kenne ich schon lange von verschiedenen Lesungen in der Alten Schmiede, „Rund um die Burg“ etc, dann hat er auch bei dem „Mit Sprache unterwegs“-Projekt mitgemacht und ich war schon Freitag im Zelt etwas erstaunt, denn Peter Rosei hat wirklich einen eigenes Ton. Der leise und verhalten ist, seltsam distanziert, wie mit einem Flair der Fünfzigerjahre, wo die Handlung in den Hietzinger Villen spielt, die Frauen Geld ausgeben und nach der Heirat aus der Firma aussteigen, obwohl das Buch, wie Kurt Neuman erwähnt von den Achtzigerjahren bis zum Börsenkrach von 2007 oder 2008 spielt. Claudia Romeder vom Residenzverlag, erwähnte etwas, daß Rosei einer der wenigen ist, der noch die direkte Rede verwendet, ich tue das auch und mir ist aufgefallen, daß er „der Asamer“ etc schreibt.
Zur Handlung, denn ich habe das Buch inzwischen ausgelesen und die ist in drei Teilen gegliedert und handelt von sechs Personen, die alle mit Geld zu tun haben, es ausgben oder es verdienen. Der Börsencrash kommt nicht darin vor, obwohl es mit Invenstitionen in amerikanische Immobilien, denn „Die Leute wollen sich Eigenheime bauen!“, endet.
Beginnen tut es, daß Georg Asamer seinen sechzigsten Geburtstag feiert und dabei merkt, daß er alt wird. Ein Mann mit Sechzig ist das zwar eigentlich nicht wirklich und Peter Rosei ist auch um fünf Jahre älter, beschreibt im ersten Teil aber den körperlichen Verfall des Georg Asamers, der aus kleinen Verhältnissen kommt, sich hochgearbeitet und eine Werbeagentur aufgebaut hat, mit der er alle anderen Werbeagenturen verdrängte, so daß er zuerst mit seiner Mutter in einer Villa in Hietzing lebte, eine Frau hatte er kurzfristig auch, aber die hat ihn betrogen. So lebt er jetzt alleine dort mit seiner Haushälterin Wally und weil er an das Sterben denkt, beginnt er sich einen Nachfolger heranzubilden. Das ist Andy Sykora, ein Gastwirtsohn aus Hernals, der an der Hochschule für Welthandel studierte, wo Asamer unterrichtet und ein Finanzgenie zu sein scheint, so daß Asamer ihn zuerst zu seinem persönlichen Assistenten, dann zu seinem Ziehsohn und Erben macht.
In kleinen feinen Szenen wird das geschildert, irgendwie bleibt es an der Oberfläche, irgendwie ist es aber, wie auch Claudia Romeder bemerkte, beklemmend, denn Rosei beschreibt es so, als würde Andy Sykora Asamer vernichten. Er stirbt auch im ersten Teil, beziehungsweise verliert er seine Kräfte. Dazwischen heiratet Andy, die Sekretärin Elena, die sich später Lena nennt und macht mit ihr Hochzeitsreise zur Südsee, on der Pharmafirmensohn Hans Falenbruck ein Hotel betreibt und sich mit dem jungen Ehepaar anfreundet, der hatte einen eine Wiener Braut, namens Irma Wonisch, die sich allerdings weigerte ihn zu heiraten.
Im zweiten Teil ist Asamer verstorben und wir lernen Irma Wonisch näher kennen. Wieder wurde ich an Ingeborg Bachmanns „Malina“ oder ihre anderen Romanen erinnert. Denn die Irma spielte als kleines Mädel mit dem Kindermädchen im Volksgarten und wurde von dort am Abend von ihrem Papa, wenn der, ein Ordinarius von der Universiät kam, abgeholt. Die Familie ist streng katholisch und die Mutter rief immer „Der Peymann, der Peymann! Das hat uns gerade noch gefehlt.“
Also spielt es doch nicht in den Fünfzigerjahren. Irma ist inzwischen auch gealtert und hat zwei Vergnügen. Ihre Nächte in Künstlercafes zu verbringen und dann die Künstler in ihre Wohnung in die Josefstadt mitzunehmen und die Vermögensverwaltung. So lernt sie eines Abends in der Oper auch den jungen Broker Thomas Loschek kennen.
Im dritten Teil kommt Hans Falenbruck nach Wien, um von dort ins Ostgeschäft einzusteigen. Er ist korpulent geworden und hat den Schweizer Pharamakonzern geerbt. Da trifft er Andy und Elena wieder und verfällt Lena, die eben auch nur das Einkaufen als Hobby hat, mit Haut und Haaren, während das Finanzgenie Andy inzwischen zu trinken anfängt.
Irgendwie ist das Ganze auch ein boshafter abgründiger Wiener Reigen und Peter Rosei einer der dieses Wien mit dem Flair von „Küß di Hand“, das ich nicht kenne, sehr gekonnt beschreibt. Während also Andy arbeitet und Hans Falenbruck in den Osten investiert, schleppt Lena ihn zum Einkaufen und gibt sich hier mit keinen Nippes ab.
„Einmal war es ein Haus auf dem Semmering – für die heißen Sommertage, wie sie erklärte. Dann schleppte sie Hans in einen Autosalon oder zu einem Modeschöpfer.“
Tom Loschek ist inzwischen aus Amerika zu Irma zurückgekommen, aber die ist auch kein junges Mädchen mehr, sondern „Hässlich, wie das Wort. Vor dem Spiegel im Bad vermied sie es, ihre nackten Brüste anzusehen, den Bauch und weiter unten erst. Ihr dratig gewordnenes Haar widert sie beim Auskämmen an. Am besten man schaut überhaupt nirgends hin.“
Trotzdem scheint sie, den jungen Broker anzuziehen, dann treffen sie Hans und Lena und beschließen, „in die nagelneue Geschäftsidee aus Amerika einzusteigen“, während Andy schon, wie einstens Asamer ans Sterben denkt…
Damit endet das Buch, das eigentlich nicht, die Finanzcrashs beschreibt, sondern mit zarten Symbolen, eine davon ist z.B. die Statue des verlorenen Sohnes in Asamers Garten und viel Fleischlichkeit ein Wien im Fünfzigerjahrenklischee, „wo man in die Oper, zu Partys und zu Heurigenpartien geht“.
Vom Sterben und der Endlichkeit ist viel die Rede und Peter Rosei meinte in der Nationalbank, daß er damit auch die Endlichkeit der Finanzwelt andeuten wollte.
Ein interessantes Buch, das nicht hält, was es verspricht und dennoch, ganz zart und angedeutet und nebenbei, vielleicht doch sehr viel davon erzählt. Kurt Neumann erklärte noch in der Einleitung, daß der halbwegs Gebildete Peter Roseis Zeitungsartikeln über die Ökonomie kennt. Jetzt hat er, wie am Buchrücken steht „Ein lakonisch-packendes Buch, ein scharfsinnig-böses Puzzle mit komödiantischen Zügen“, geschrieben. Am Umschlag gibt es „Hunderteuroscheine“, in der Bank Wasser, Orangensaft, Brötchen, gefüllte Weckerln und sehr gute Petit fours. Peter Henisch habe ich gesehen und ihn das gefragt, was ich über sein neues Buch wissen wollte und Evelyn Grill, da kam ich nicht dazukam ihr zu erzählen, daß ich ihre Bücher gelesen habe und ein bißchen Stammpublikum.

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