Literaturgefluester

2011-09-24

Schreiben in Wien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Seitdem sich herumgesprochen hat, daß man das Schreiben lernen kann und muß, beginnt der Herbst mit Schreibvorträgen.
So hat das Literaturhaus vor zwei Jahren zwei Veranstaltungen dazu angeboten, die Werkstätte für Kunstberufe veranstaltet Diskussionen zu Schreibhaltungen mit und ohne Robert Schindel und das Writersstudio, das voriges Jahr in die Pramergasse umgezogen ist, hat heuer sogar zwei Tage der offenen Tür mit Schnupperworkshops.
Das Writersstudio, das ich kenne, seit Judith Wolfsberger ihr Buch „Frei geschrieben“, in der SFU vorgestellt hat, gegründet, um Studenten mit Schreibblockaden beim Fertigstellen ihrer Diplomarbeiten zu helfen, hat inzwischen eine Unmenge von Seminaren, die Schreibenacht, die Schreibfabrik, das Schreibcafe mit Yoga etc.
Man sieht, schreiben ist ein Bedarf und hat viele Interessenten. Vor drei Jahren bin ich in zu ein paar Informationsabenden gegangen, da war auch die Tipgemeinschaft, die Schreibinitative der Studenten des Leipziger Literaturinstituts in Wien und haben in der Hauptbücherei gelesen. Ich habe Constantin Göttfert kennengelernt und Marlen Schachinger mit dem Aufnahmegerät gesehen, jetzt unterrichtet sie selber an der Werkstätte Kunstberufe und bietet Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Schreib-Lehrangeboten an. Voriges Jahr war der Tag der offenen Tür im Writersstudio mit einem Fest und neun Schnupperseminaren, Ich habe eifrig mitgeschrieben und mir heuer den Freitag dafür vorgenommen, da Samstag die Poet Night ist, ich die Vetos bezüglich der GAV-Neuaufnahmen vorbereiten will, vier werde ich diesmal einlegen und die Ohrenschmaus-Texte muß ich mir für die Jurysitzung auch noch fertig ansehen.
Die Diskussion zu den „Schreibhaltungen“ in der Gallizinstraße habe ich am Donnerstag auch versäumt, weil es das Supervisoren-Reflexionsstreffen gab und bin ich am Freitag mit schon sehr genauen Erwartungen in die Pramergasse hinausgewandert. Irene Rauch bei der ich einmal beim Thalia ein Probeworkshop machte, wo ich ein bißchen was für die „Radiosonate“ geschrieben habe, hat sich inzwischen selbständig gemacht, so daß der Tag hauptsächlich von Judith Wolfsberger und Ana Znidar gestaltet wurde und die Workshop waren wirklich interessant.
Ein paar Teilnehmer habe ich schon gekannt. Es waren aber auch sehr junge Frauen und sogar ein paar Männer dabei. Begonnen hat es wieder mit „Mindwriting am Morgen“, das diesmal besonders durchstrukturiert war. So gab es sogar eine kleine Entspannungsübung, aber auch eine Fotografin, die ihre genauen Ansprüche stellte. So mußte Judith Wolfsberger ihr fünf Minuten lang den Bleistift entgegenhalten und als ich hinschaute, war ich gleich auf dem Bild. Als sie dann noch die Morgennotizen der Teilnehmer fotografierte, war es ein bißchen zu viel des Guten, aber auch die fiktive Faktorenveränderung, die wir übten. Es ging weiter mit Ana Znidar, die ein höchst erfolgreiches und, wie ich höre, meist ausgebuchtes Short Story Seminar anbietet, diesmal gab es was zu Social Media. Nämlich vier Botschaften für Facebook, Xing oder Blogs, eine private, eine berufliche, eine witzige und eine Frage.
„Morgen 17.10 Lesung bei der Poet Night aus „Absturzgefahr“. Wer will kann das Buch auch kaufen. Hinkommen, zuhören, begeistert sein aber auch ein bißchen was über das literarische Leben Wiens abseits von „Rund um die Burg“ erfahren“, habe ich ein wenig reißerisch geschrieben geschrieben.
Am Abend bei den Drehbuchautoren sollte ich noch hören, daß heutzutage durch das facebook alle Leute Autoren sind. Social Media Writing ist sicher interessant und auch eine gekonnte Mischung zwischen dem literarischen, dem Sachbuch und dem wissenschaftlichen Schreiben. Damit ging es weiter „How to write a How to article“.
Nun glaube ich ja nicht, daß ich ein Buch über „Kuchenbacken“ oder „Umziehen“ schreiben will. Anar Znidar meinte aber, daß man das ähnlich, wie Reiseartikel in den unzähligen Zeitschriften die es gibt, veröffentlichen kann. Ich habe mich nach dem Brainstorming bezüglich der Dinge, die ich gut kann, dafür entschieden, mein Schreiben wieder mal zu orden.
„How to write a literary book?“, wäre ja eine Idee für ein Sachbuch. Damit ging es zu den den „Sieben Botschaften für das Sachbuchschreiben“ von Judith Wolfsberger. Wir sammelten nochmals unsere Stärken, entschieden uns für ein Thema und erstellten sieben Sätze, die erklären, was in dem Buch vorkommen soll.
Was ich gut kann ist neben Sachbüchern über „Stottern“, vielleicht eines zum „Leben mit wenig Geld“ oder über das „Schreiben in Wien“. Da weiß ich ja inzwischen auch ganz gut, was wo wann warum passiert und kenne die auf und auch die absteigenden Talente, die die Literatur gerade bewegen.
Dann kam eine längere Mittagspause, weil ein Schnupperseminar ausgefallen ist, ich bin zur Buchhandlung Kuppitsch und ein bißchen am Donaukanal spazierengegangen. Dann kam etwas Neues, nämlich „Improve your Englisch“, das eigentlich eine Eva Kuntschner halten hätte sollen, die aber erkrankte, so daß Judith Wolfsberger für sie einsprang und ich dachte mir, daß ich mein Englisch gar nicht improvisieren will. Dann war das freewriting auf Englisch aber besonders lustig und spannend. Wer hätte gedacht, daß es Spaß machen kann mit sieben Worten nämlich „thursday, thunderstorm, thunderbird, unit, united, unless, university“ eine phantastische Geschichte mit Unwetter, Flüchen und Warten auf den Bus, um auf die Universität zu fahren, zu schreiben. Stimmt wahrscheinlich, was Judith Wolfsberger meinte, daß man in der Fremdsprache keine Erwartung hat, sondern einfach losschreibt und schon gibts eine spannende Geschichte, die Rechtschreibung ist egal.
Dann kam wieder Ana Znidar mit dem „Traveling Writing“. Dieses Workshop habe ich schon im vorigen Jahr gehört und mich im Sommer mit dem Buch von Ilona Lütkemeyer auch damit beschäftigt, meinen Urlaub zu beschreiben. Wieder meinte Ana Znidar, daß sich damit Geld verdienen läßt, wenn man die Geschichten spannend und mit allen Sinnen gestaltet und so habe ich ein bißchen über Nikolaiken improvisiert und meine Geschichte weitergeschrieben.
Die „Scenes of Vienna life“ mit Dardis Mc Namee entfielen, was vielleicht ganz spannend gewesen wäre, es kam nochmals Ana Znidar mit einem Schnupperseminar zum „Memoir-Writing“ und pries wieder das spannend schreiben mit allen Gefühlen und dem „Show not tell“ an, weil es sonst ja langweilig wird.
Das war es ein intensiver Schreibtag, wo ich mich ein bißchen mit dem Ordnen meines Schreiberlebens beschäftigt habe, ein paar interessante Gespräche führte und einen Teilnahmezettel für das Gewinnspiel ausfüllte.
Am Samstag geht es weiter mit Yoga und einigen Seminaren, die ich, glaube ich, schon im Vorjahr machte. Die Bagels und die Muffins werde ich versäumen und die Lesungen der Schreibtrainer, weil ich ja im Siebenstern selber lese.
Es gab aber noch eine interessante Veranstaltung am Beginn des Schreibeherbst, in dem das Literaturhaus sein zwanzigjähriges Bestehen feiern wird.
So haben die Drehbuchautoren über Gerhard Ruis zu einer geschlossenen Veranstaltung „Drehbuch trifft Literatur“ ins Gartenpalais Schönborn in der Laudongasse eingeladen, wo Dagmar Streicher mit Eva Menasse, Lydia Mischkulnig, Wolfgang Murnberger und David Schalko über das Drehbuchschreiben diskutierte.
Eine interessante idee, obwohl ich vom Drehbuchschreiben nicht viel verstehe und mich auch nicht damit beschäftige, erinnere mich aber, daß es vor vielen Jahren, als man noch nicht so viel vom Schreiben lernen hörte, ein Drehbuchschreiben-Workshop und eine Diskussion darüber im Palais Palfy gab, das auch von den IG-Autoren organisiert wurde. Interessant auch, daß ich die einzige Prosaautorin war, die der Einladung außer Gerhard Ruis folgte.
Marianne Sula und einen Kollegen, den ich immer bei der IG-GV sehe, habe ich getroffen, aber die schreiben auch Hörspiele oder szenisch.
Es wurde diskutiert, wieviele Fassungen die Regisseure brauchen, bis sie damit zufrieden sind und ob es nicht besser ist, sich gleich an Romanvorlagen zu halten.
Nachher gab es ein Buffet und ich bin über den offenen Bücherschrank, den gerade jemand ausräumte, nach Haue gegangen. Eigentlich habe ich noch ins Phil schauen wollen, wo die drei Preisträger des Fm4 Wettbewerbes vorgestellt wurden, aber dazu war es schon zu spät und müde war ich auch.
Thomas Wollinger hat zum Thema passend zwei Videos über das Schreiben in der Schreibwerkstatt Langschlag, die von Robert Schindel künstlerisch geleitet wird, in seinen Blog gestellt.

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