Literaturgefluester

2011-09-08

Dichter-/-Verein

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:12

Die Literaturverein „Podium“ feiert heuer sein vierzigjähriges Bestehen mit mehreren Veranstaltungen und Publikationen, worüber ich schon berichtet habe. Dann gibt es noch die Portrait-Reihe, den Podium-Slam und die Sommer-Lesereihe im Cafe Prückl, die ich meistens versäume, da ich da ja Sommerfrische mache, bzw. ich mir die teuren Prückl-Preise nicht so einfach leisten will. Die Sommerlesereihe, wo unter anderen Thomas Northoff, Elfriede Haslehner etc lasen und die immer ein bestimmtes Thema hat, wurde, glaube ich, früher von Claudia Erdheim und wird jetzt von Christa Nebenführ organisiert. Ich habe ein paarmal versucht dort zu lesen, es ist aber eine Veranstaltung für die Vereinsmitglieder und ich bin derzeit außer in der GAV in keinen Verein und sonst nur für ganz besonders gute Gäste, zu denen ich nicht zähle.
Vor zwei Jahren war es in den GAV-Nachrichten ausgeschrieben, hat aber trotzdem nicht geklappt, so daß ich nur bei der Schlußveranstaltung in der Alten Schmiede war, voriges Jahr habe ich sie versäumt, heuer bin ich wieder hingegangen und das Thema war natürlich die Zahl „Vierzig“ bzw. hat Christa Nebenführ, die nach den Lesungen immer eine Diskussion moderiert, dazu das Thema „Verein“ gewählt, denn die vier zum Lesen Auserwählten: Haimo Handl, Gerhard Jaschke, Hilde Schmölzer und Reinhard Wegerth haben alle ihre diesbezüglichen Erfahrungen.
Im Publikum waren fast nur Podium-Mitglieder und andere Literaturbekannte zu finden, wie Ruth Aspöck, Thomas Northoff, Christl Greller, Marie Therese Kerschbaumer, Maria Gornikiewicz, Claudia Erdheim, Gabriele Petricek, Nils Jensen etc.
Haimo Handl, den ich nicht kannte, der aber die zeitschrift „Driesch“ herausgibt, begann mit einem sehr trendigen Text, in dem die Midlifecrisis, sowie das Lebensgefühl der Vierzigjährigen beschrieben wurde. Vierzig ist die Lebensmitte, wenn man vor hat Achtzig zu werden und da ist man heutzutage wenn man in der Szene und im Zeitgeist lebt, sehr beschäftigt.
Hilde Schmölzer hatte da natürlich einen ganz anderen Zugang mit ihrem Text „Von der Menschwerdung des männlichen Fötus ab dem vierzigsten Tag und der Zeitverzögerung bis zur Menschwerdung der Frau“, bei dem sie sich auf Aristoteles bezog und zeigte, was die männliche Wissenschaft im Laufe der Geschichte für Verrenkungen unternommen hat, um so etwas Natürliches zu erklären, wie, daß der Mann einen Penis und die Frau eine Vagina hat, weil nur so die Kinder auf die Welt kommen, die man braucht, damit die Menschheit übelebt.
Nein, die Herren Wissenschaftler haben sich da Theorien von der Minderwertigkeit der Frau, weil kältere Knochen und kleineres Gehirn etc ausgedacht und das noch wissenschaftlich widerlegt.
Hilde Schmölzer hat in ihrem Feminismus diesen Unsinn wieder hervorragend beschrieben.
Dann kam Reinhard Wegerth mit seinem „Stimmenroman“, über den ich auch schon geschrieben habe und hat drei Stellen gelesen, in denen es, um seine Tätigkeit bei den „Literaturproduzenten“ und der Zeitschrift „Frischfleisch“ ging. Die Stelle mit dem Leiberl, im „Stimmenroman“, erzählen verschiedene Gegenstände, das Leben Reinhard Wegerths in den Siebzigerjahren, hat er schon vor einem Jahr gelesen. Jetzt las er noch einen köstlichen Text aus seiner Zeit bei der „Edition Literaturproduzenten“, das sind die kleinen orangen Heftern mit den Löchern oder Kreisen im Umschlag, die in den Siebzigerjahren bei Jugend und Volk herausgekommen sind. Da habe ich mir in den Siebzigerjahren einen Stoß gekauft, darunter auch das, in dem Elfriede Jelineks Text enthalten ist. Das Gerstl-Heft mit den „Berechtigen Fragen“ habe ich vor kurzem im Bücherschrank gefunden. Die Hefte waren recht teuer, nämlich 39 Schilling im Jahr 1974, wie ich auf der beiliegenden Rechnung der Buchhandlung Hermann, im Gerstl-Heft sehe, die Edition Literaturproduzenten hat sich aber als sehr revolutionär verstanden und das schildert Reinhard Wegerth in seinem Text, aus der Sicht des Herausgebers. Elfriede Jelinek und Michael Scharang haben zwar für den Sinn der Literaturproduzenten vollstes Verständnis, verlegen ihre Romane aber bei Luchterhand und Rowohlt, während der Praktikant verspricht Lenin, Marx und Bakunin zu lesen und die Setzer des 1921 im roten Wien gegründeten Verlags „Jugend und Volk“ falsch setzen und der Herausgeber alles versteht.
Zum Schluß kam Gerhard Jaschke mit seinen Assoziationen zur Zahl Vierzig und der hat in den Siebzigerjahren auch eine Literaturzeitschrift nämlich das „Freibord“ zusammen mit Hermann Schürrer gegründet und hat auch die Nächte lang geklebt, getippt, gesetzt etc.
Christa Nebenführ wollte in der Diskussion dann von denen Männern einiges von ihren Zeitschriftenproduktionen wissen und von Hilde Schmölzer, warum sie im Jahr 2000 aus dem PEN aus und in die GAV eingetreten ist.
Die Siebzigerjahre sind inzwischen, genau wie die schwarz-blaue Regierung vorbei, die Edition Literaturproduzenten, gibt es genausowenig, wie den Wiener Frauenverlag, der ja auch in dieser Zeit von Elfriede Haslehner gegründet wurde, der heißt jetzt Milena, ist wahrscheinlich kein Verein mehr und auch kein Frauenverlag. „Frischfleisch und Löwenmaul“ gibt es nicht mehr, wohl aber „Freibord“ und „Podium“ und das hat ja heuer ein schönes Jubiläum gefeiert, ebenso wie die Galerie Chobot, die heute auch eine Jubiläumsausstellung hatte und Zeichnungen von Karl Anton Fleck zeigte, da bin ich anschließend noch mit Maria Gornikiewicz und Gabriele Petricek hingegangen und habe sogar noch ein Glas Wein bekommen und am Herbert von Karajan Platz wurde wieder Oper übertragen, so daß ich mir den Schluß von „Arabella“ anhörte, was zum „Grossen Finale für Novak“ hinüberleitet, das ich demnächst zu lesen beginne.

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2011-09-07

Peter Henisch und mehr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:50

Heute wieder ein Tag der Entscheidungen, wurde in der Buchhandlung Kuppitsch ja der neue Mira Valensky Krimi vorgestellt und da bin ich ja meistens hingegangen und habe bisher auch alle Bücher gelesen und in der Alten Schmiede bzw. im Theater an der Wien gab es das „Grosse Finale für Novak“, da habe ich mich angemeldet, habe heute, als die Eva Rossmann im Leporello war, aber gedacht, wenn das Henisch-Buch kommt, gehe ich zur Präsentation von „Unterm Messer“.
Es sind beide Bücher nicht gekommen, die Eva Rossmann Bücher habe ich aber bis auf das letzte immer vom Alfred zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommen, das läßt sich sicher wieder machen und heute war ich ein bißerl aufgeregt, habe ich ja gestern „Die Frau auf der Bank“ fertig mit der Hand korrigiert. Jetzt nehme ich mir das Ganze im Computer vor und gehe dann wieder jede Szene einzeln durch und da ich heute wenig und morgen keine Stunden habe, hätte ich auch Zeit dazu. Es hat sich aber gestern Franz-Joseph Huainigg bei mir gemeldet, und mich gefragt, ob ich das Vorwort zu dem „Fünf Jahre Ohrenschmaus-Buch“, das im November im Museumsquartier vorgestellt wird, schreiben will. Wollte ich natürlich, da ich aber nicht genau wußte, welche Texte darin enthalten sind, war ich ein wenig nervös und wollte die erste Korrektur abwarten, dann habe ich aber doch damit angefangen. Ganz kann ich es noch nicht schreiben, kommen ja auch die Siegertexte von 2011 hinein und die sind noch ein großes Geheimnis, da die Texte erst um den zwanzigsten September kommen und die Jurysitzung Anfang Oktober ist.
Danach habe ich mit dem Korrigieren angefangen und komme eigentlich gut voran. Die angedeutete Selma Handlung passt, die Liebesgeschichte der Svetlana gefällt mir und die Sevim Geschichte, zu der es ziemlich viel Material gibt, erscheint mir auch ziemlich ausgreift. Daß es nur wenig abgehoben ist, wird so bleiben und das wird meine Kritiker weiter stören und sie mich nicht in den literarischen Parnass hineinlassen, aber sei es darum, wenn man achtunddreißig Jahre außerhalb schreibt, hat man schon eine gewiße diesbezügliche Routine entwickelt und ich beginne allmählich zu ahnen, daß ich so schreibe, wie es mir gefällt.
Trotzdem, um nicht mißverstanden zu werden, arbeite ich an mir und Peter Henisch ist ohnehin mein großes Vorbild. So wie er würde ich gerne schreiben können, ich glaube, ich habe schon einmal geschrieben, daß ich in den Achtzigerjahren mit dem Manuskript von „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ in den Hörsaal I, des NIGs gegangen bin, wo „Steins Paranoia“ präsentiert wurde und ich wieder einmal dachte, „Das nächste Mal nimmt mich der Jung auch!“. Das war, wie sich herausstellte, ein Irrtum und der Residenzverlag in dem das „Grosse Finale für Novak“ erschienen ist, ist ein anderer Verlag, als der der „Steins Paranoia“ präsentierte, zumindest gibt es eine andere Adresse und ein anderes Layout und Peter Henisch ist auch älter geworden, wie ich auch.
Ich bezeichne mich ja nicht gern als Fan von irgendjemanden und habe, als es um das Signieren ging und Peter Henisch mich fragte, ob er meinen Namen hineinschreiben soll, auch gesagt, er soll schreiben, was er möchte, worauf er „Gute Wünsche für die Lektüre“ schrieb, aber ich habe sehr viel, nicht alles, von ihm gelesen. Zuletzt „Morrisons Versteck“ aus dem Bücherkasten und davor „Eine sehr kleine Frau“, die „Schwangere Madonna“ und auch den „Verirrten Messias“ nicht, aus beiden Büchern habe ich aber sicher bei „Rund um die Burg“ gehört.
So bin ich also nach dem ich meine fünfte Szene korrigiert hatte, nach sechs ins Theater an der Wien gegangen, bzw. ins Theatercafe, was ja nicht sehr weit ist, so daß ich schon vor dreiviertel da war und einen guten Platz bekommen habe. Die Dame vom Büchertisch, der von der „Bücherinsel“ – Margaretenstraße betreut wurde, sagte mir, daß es von Opern handelt und ein Herr hat mir erklärt, daß es man es nachher signieren lassen kann, da konnte ich mich nicht zurückhalten „Von Ihnen?“, zu fragen. Christiane Zintzen habe ich vor Jahren in der Alte Schmiede, als sie mich aufforderte ein Buch zu kaufen, geantwortet, daß ich schon eines hätte, worauf sie blaß wurde und Elfriede Haslehner schnell erklärte, daß ich Autorin bin.
Der Herr hat aber nur gegrinst und ich sah Cornelius Hell, der das Buch erklärte, kommen und Herrn Auinger vom Bundesministerium, den ich wieder einmal bat, mich wieder in den Preisverleihungsveranstalter aufzunehmen. Später kam Kurt Neumann und gab eine Einführung in den grandiosen Roman, der von Opern, beziehungsweise von der Erstarrung eines frühpensionierten Postbeamten, handelt, der nicht Amtsleiter geworden ist, von der SPÖ enttäuscht wurde und mit seiner keifenden Frau offenbar Schwierigkeiten hat. Dann kommt er ins Krankenhaus und hat dort Schwierigkeiten mit den Geräuschen seines Bettnachbars, so daß ihm die indonesische Schwester Manuela Opernarien bringt, was eine Lebensveränderung bei ihm auszulösen scheint.
Peter Henisch hat drei Szenen gelesen, zuletzt geht der Held das erste Mal in seinem Leben in die Oper, in die „Madame Butterfly“ und eine solche Szene, wo die Sveti mit dem Oberarzt in „Carmen“ geht, habe ich vor kurzem, sicher nicht so grandios, geschrieben.
Einen Opernkritiker habe ich getroffen und Cornelius Hell wies auf die verschiedenen Musikstile in den früheren Henisch Romanen hin. Schubert bei der „Sehr kleinen Frau“, Rock bei „Morrisons Versteck“, Blues und Jazz beim „Schwarzen Peter“ und Peter Henisch meinte, daß bei ihm die Oper immer an letzter Stelle gekommen sei, während der Arbeit an dem Buch, hat er sich aber daran begeistert und ich habe selten eine so treffende Beschreibung eines Burn-Outs, Pensionsschocks oder einer Midlifekrise, anhand eines Hörsturzes oder einer Geräuschempfindlichkeit gehört. So kann man es auch ausdrücken, seine Beweglichkeit bzw. Glück wieder finden und einen absurden Roman oder eine romantische Liebesgeschichte schreiben.
Peter Henisch nannte E.T.A Hoffmann als sein Vorbild und der hat mich vor zwanzig, dreißig Jahren auch sehr fasziniert. Es geht natürlich wieder um das Leiden des alten Mannes an der Liebe, Peter Henisch scheint im scheinbar realistischen Stil, ein wirklich grandioses Finale gelungen zu sein, so freue ich mich auf das Lesen des Buchs, das mir Petra Eckhart gleich gab, so daß ich es mir signieren lassen konnte. Ich bin ja, wie geschrieben, kein richtiger Signiertyp, ertappe mich aber dabei, daß ich mir die Bücher immer öfter unterschreiben lasse. Jetzt muß ich es noch lesen und damit meine Leselistenreihenfolge unterbrechen, bzw. mir eine zweite Liste anliegen und was die Opern betrifft, so war das bei mir eine Reise in die Vergangenheit. Bin ich ja als Studentin jede Woche in die Oper gegangen, aber die hat mich nie so sehr, wie die Literatur fasziniert, die mich beweglich hält und mich wohl auch durch das dritte und vierte Viertel meines Lebens begleiten wird, wobei ein großer Teil natürlich das Selberschreiben ist.

2011-09-06

Das Wittgensteinprogramm

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:00

Philip Kerr hat 1995 für den Roman „Das Wittgensteinprogramm“ den deutschen Krimi Preis bekommen. „Moderner, ausgesprochen spannender Krimi (sei nicht zu streng mit dem Realitätsbezug), lesen, wenn du aus der Welt flüchten willst?“ hat jemand in das im Bücherschrank gefundene Exemplar hineingeschrieben.
Was ich interessant finde, denn spannend habe ich den in der nahen Zukunft von 1913 spielenden Roman eigentlich nicht sehr empfunden, sondern eher anstrengend sich in das Zukunftsszenario hineinzufinden.
Es beginnt mit einem Frauenmord und die drei Kriminalisten streiten sich, wer für die Aufklärung zuständig ist, bzw. in welches Schema Mord und Mörder passen.
Denn der Roman spielt in einer Welt, in der Massenmorde allgegenwärtig sind und es gibt auch Ermittler für Männer und solche für Frauenmorde. Für Frauenmorde ist Chefinspektorin Jake Jakowicz zuständig. Das Ganze spielt in London, aber Jake fliegt kurz nach Frankfurt, um auf einen Kongreß über die Hollywoodmorde zu berichten und lebt in einer Zeit, in der es Pictophone gibt und Satelitentelefone verboten sind, das ist auch recht schwer zu verstehen, was und wie das zuzuordnen ist. Rauchen ist jedenfalls oft verboten, bzw. gibt es nikotinfreie Zigaretten und cholesterinfreien Schinken gibt es auch und dann noch das Lombrosoprogramm. Da werden Menschen mit Aggressionspotentialen herausgefildert, bekommen Decknamen und einen psychologischen Berater, der sie vor weiteren Gewalttaten schützen soll und ein solcher Kanditat mit dem Decknamen „Wittgenstein“ beginnt nun die anderen aggressive Kanditaten mit den Namen Sokrates, Descartes etc zu ermorden und Jake bekommt von der Staatssekretärin den Auftrag sich um diesen Fall zu kümmern.
Die wird von ihren Mitarbeiter „Gnädige Frau“ genannt, haßt Männer, geht zu einer Therapeutin, wo man sich nackt auf die Couch legen muß und erzählt ihr von ihren schlimmen Vatererfahrungen und wenn sie jemand anmachen will, schlägt sie ihm k.o.
So weit das Szenario, in das langsam und umständlich hineingeführt wird. Der Roman hat über vierhundert Seiten und wird auf zwei Ebenen erzählt, von Jake und von Wittgenstein, der zuerst seine Morde schildert, dann endlose Abhandlungen über die Philosophie des perfekten Tötens hält und sich schließlich Jake annähert, bzw. sie sich ihm.
Richtig, das Strafkoma habe ich noch vergessen, in das werden die Deliquenten versetzt, weil es keine Todesstrafe mehr gibt, Koma aber billiger als Gefängnis ist. Es wird auch viel Literatur zitiert und natürlich philosophiert, während Jake versucht Wittgensteins Identität zu lüften, das tut sie, in dem sie seinen chinesischen Berater in Hypnose versetzen läßt, bzw. ein anderer Chinese Computerprogramme entschlüßelt, sie fährt auch nach Cambridge, schaut sich dort des echten Wittgensteins ehemaliges Zimmer an und spricht mit einen Philosophieprofessor, der auch Krimis geschrieben hat. Hier trifft sie dann auf Wittgenstein, er erkennt sie, sie ihn natürlich nicht, was ihn so zu verwirren scheint, daß er sein nächstes Opfer namens Shakespeare verfehlt. Wittgenstein scheint auch mit dem Computer zu vögeln und schickt Jakes Bilder in denen er sie in obszönen Posen dargestellt hat, dann ruft er sie über das Satelitentelefon an, mit dem er nicht entdeckt werden kann, mordet wieder, Jake hat inzwischen herausgefunden, daß er ein Deutscher ist und Shakespeare bringt seinen verlorenen Stadtplan zur Polizei, die dann in Shakespeare den Lippenstiftmörder erkennt und herausbekommt, daß Wittgenstein eigentlich Esterhazy heißt und Apothekengehilfe ist. Damit ist sie ihm auch schon auf der Spur und rettet ihn, als er Selbstmord begehen will, so daß ihm nichts als das Strafkoma überbleibt und bevor er in dieses versetzt wird, besucht sie ihn noch mit einer Hyazinthe.
Sehr viel habe ich mit dem Buch nicht anfangen können, da mich die Vermischung mit dem Zukunftszenario und der Philosophie Wittgenstein ein wenig verwirrte, die Namen konnte ich mir schwer merken und auch das Zukunftsszenario war leicht unverständlich. Der Sinn des Mordens ist mir auch nicht ganz klar geworden und die Idee einen Krimi mit der Philosophie zu verbinden ist vielleicht ganz interessant, die Krimihandlung war aber eher einfach gestrickt und Wittgensteins „Tractate“ habe ich auch nicht so spannend gefunden.
Das Ganze ist aber sicher sehr ungewöhnlich und das Zukunftsszenario eine Woche vor dem 11. 9. ist auch ganz interessant. 1995 muß das Buch ganz anders gewirkt haben, als in einer Welt in der vieles schon verwirklicht ist und es Überwachungsprogramme, Rauchverbote und cholesterinfreien Schinken gibt. Eine Psychotherapie zu der man sich nackt ausziehen muß, gibt es, glaube ich nicht, die europäische Union aber schon und wahrscheinlich spannendere Krimis als das „Wittgensteinprogramm“, obwohl das, wie das obige Zitat beweist, von den Lesern nicht so empfunden wird und es auch zum besten internationalen Kriminalroman gewählt wurde.
Philip Kerr wurde 1956 in Edinburgh geboren, lebt in London und „wovon wir nicht sprechen können,darüber müßen wir schweigen…“

2011-09-05

Eistau zum Saisonstart

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:53

Gleich nach dem Volksstimmefest Saisonstart in der Alten Schmiede, die siebenunddreißigste erläuterte Kurt Neumann und das zweite Jahr im neuen Kellersaal. Voriges Jahr hat es ja nicht dort angefangen und die ersten Eröffnungen, waren wie Kurt Neumann weiter erklärte auch unspekulär. Dann wurde einmal mit Ernst Jandl im Odeon eine Werkausgabe gefeiert, an die Dramulette aus dem Sonderzahlverlag im Theater am Petersplatz erinnere ich mich auch noch gut. Voriges Jahr fanden die ersten Veranstaltungen ja im Theater im Cafe Prückl statt und im Odeon wurde das Gauss-Buch vorgestellt und an eine Veranstaltung mit der Friederike Mayröcker, vor einigen Jahren, wo ich weit hinten im Gang im Parterresaal gestanden bin, weil ich um sechs eine Stunde hatte, erinnere ich mich auch.
Diesmal ging es Kurt Neumann bzw. die Alte Schmiede gleich doppelt an, nämlich heute mit einem Prolog und einem Vorgespräch zu Ilija Trojanows „Eistau“, das morgen im Porgy und Bess mit zwölf Euro Eintritt und Musik richtig vorgestellt werden wird.
Aber vorgestellt wurde das Buch ja schon im Radio und zwar am 15. August in der Hörbuchsendung, denn Ilija Troanow liest es selber in der Hörbuchausgabe und als wir vom Wanderwochenende zurückgefahren sind, bzw. den Otto in Schladming ablieferten, wurde es gerade in Ex-Libris gesprochen.
Daß in der Alten Schmiede in den nächsten zwei Monaten die wichtigsten Neuerscheinungen des Herbstes präsentiert werden, da die Alte Schmiede die Autoren fördert, hat Kurt Neumann in seiner Einleitung auch gesagt, bevor er den Stadtrat zu seinem Statement bat.
Die Alte Schmiede war sehr voll und ich bin fast zufällig zehn Minuten früher gekommen, habe eine der Stammhörerinnen, die ich im Sommer mal am Rathausplatz sah und die der Alfred von der Alten Musik im Radio Kulturcafe kennt, auf der Straße getroffen.
„Wo gehen Sie hin?“
Blöde Frage, sie wußte allerdings auch nicht, daß es am Volksstimmefest eine Lesung gibt und Nadine Kegele, die dort gestern las, wird, das merke ich gleich an, am 13. 10 bei den Textvorstellungen mit Angelika Reitzer lesen.
Kurt Neumann hat noch etwas von einer Festveranstaltung zum neunzigsten Geburtstag von Ilse Aichinger gesagt und erwähnt, daß in der Grundbuchreihe Marlen Haushofers „Die Wand“ besprochen werden wird.
Sabine Gruber, die ja eine Stammbesucherin der Alten Schmiede ist, habe ich gesehen und später auf der Stiege Ann Cotten und bestritten wurde der Prolog von Stefan Gmünder, dem Autor und dem Klima – und Gletscherforscher Reinhard Böhm und es wurde gleich gesagt, daß aus dem Buch hauptsächlich Morgen gelesen werden wird, jetzt ging es um die Grundlagenforschung und ich habe, glaube ich, Stefan Gmünder das erste Mal gesehen. Gemailt habe ich ihm ja im November 2009, als er im Standard schrieb, daß Herta Müller bei der Literatur im Herbst gelesen hätte, aber da wurde sie zufälligerweise auch von Ilija Trojanow vertreten, dann habe ich ihn zu den Mittleren IV eingeladen, er hat auch versprochen zu kommen, sich entschuldigt und sich dann nie mehr gemeldet, aber er schreibt im Standard und da wurde das Buch, glaube ich, auch schon besprochen.
In dem Buch geht es jedenfalls um einen Gletscherforscher, der sein Leben den Gletschern widmete und mit sechzig als Lektor auf einem Kreuzfahrtschiff fährt, dort den Reichen die Antarktis erklären soll, dabei scheint er in einigen Briefen über sein Leben, seinen Vater, seiner Liebe zu reflektieren und am Klimawandel zerbrechen.
Eine kleine Stelle hat Ilija Trojanow daraus gelesen, sonst hat er erklärt, wie er zu der Idee des Buches gekommen ist, die hat er in Zürich einem Gletscherforscher vorgetragen, der ihm sagte „Schreiben Sie das auf!“
Zweimal hat er auch die Anarktis bereist und der Gletscherforscher Reinhard Böhm hat ihm wissenschaftlich beraten, der scheint ein sehr gemütlicher Mann zu sein und erzählte einiges von den Gletschern und seiner Liebe zu der Kunst.
Christoph Ransmayers Buch wurde auch einige Male zitiert und mit dieser Grundlagenforschung ausgerüstet wurden wir für morgen in das Borgy und Bess entlassen. Da wird eine Sparefrohin, wie ich, nicht hingehen. Ich habe auch an meinen Büchern zu lesen, um die Bücherliste zu schaffen, obwohl die Rezensionsexemplare noch nicht gekommen sind und an „Der Frau an der Bank“ korrigiere ich auch noch immer händisch, um den Sound des Buches herauszufinden, kürze und versuche Unebenheiten zu bereinigen.
Am Mittwoch geht es aber weiter mit dem Alten Schmiede Programm, allerdings im Theater an der Wien, wo man sich das „Grosse Finale für Novak“ umsonst geben kann, wenn man sich beim Residenz Verlag angemeldet hat. Da kann ich vielleicht das Buch bekommen, denn das würde ich sehr gerne lesen, gleichzeitig wird Eva Rossmanns neuer Krimi in der Buchhandlung Kuppitsch vorgestellt und darauf warte ich auch, die veranstaltungsfreie Zeit mit der Sommerfrische und den Reisen ist also vorbei, jetzt gibt es wieder Lesungen und die Neuerscheinungen, obwohl ich die Programme vom Literaturhaus und Gesellschaft für Literatur noch nicht habe. Ja, richtig, Silvia Bartl habe ich auch gesehen.
Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren, hat in Kenia und in Nairobi gelebt und lebt jetzt seit einigen Jahren in Wien. Ich kenne ihn, glaube ich, von der letzten Literatur im März Veranstaltung, wo das Gastland Südafrika war und er moderierte. Den „Weltensammler“ habe ich vom Alfred einmal zu Weihnachten gekommen und in einer Filmpremiere im Filmcasino war ich auch einmal von ihm, wo ich mich mit ihm und mit Josef Haslinger unterhalten habe.

2011-09-04

Linke Wörter

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:01
Judith Gruber-Rizy, Eva Jancak, Ruth Aspöck, Helga Pankratz

Judith Gruber-Rizy, Eva Jancak, Ruth Aspöck, Helga Pankratz

Susanne Ayoub, Gertraud Klemm, Grace Marta Latigo, Traude Veran

Susanne Ayoub, Gertraud Klemm, Grace Marta Latigo, Traude Veran

Dieses Wochenende fand wieder das Volksstimmefest im Prater auf der Jesuitenwiese statt, Wiens schönstes Fest, wie die Veranstalter meinen, daß es immer Samstag und Sonntag bevor die die Schule beginnt, gibt. Diesmal gabs noch traumhaft schönes Wetter, ich lese ja seit 1989 regelmäßig am Samstag beim linken Wort und ebenso regelmäßig hat es da geregnet, aber diesmal war es so schön wie noch nie.
Der Samstag hat ein wenig hektisch begonnen, sind wir nicht nur von Harland nach Wien gefahren, ich war auch noch mit dem Rad in St. Pölten, weil meine Uhr trotz neugekaufter Batterie nicht gegangen ist, danach waren wir am Almweg, weil sich da die Nachbarn aufregen, wenn wir am Sonntag Rasenmähen. Dann wars schon Zeit sich in Richtung Prater aufzumachen. Manchen ist das Fest ja zu kommunistisch, es gibt aber trotzdem immer viel viel mehr Besucher, als die KPÖ Mitglieder hat und diesmal gab es etwas Besonderes, nämlich zu hundert Jahre Frauentag eine reine Frauenlesung.
Weil Roman Gutsch beruflich überlastet ist, hat es diesmal hauptsächlich Christoph Kepplinger organisiert und sich dazu ein lila Leiberl angezogen. Ich hatte ein paar Bekannte eingeladen, so den Herrn mit dem ich vor zwei Wochen um den Neusiedlersee gefahren bin und Chrstoph Haacker vom Arco Verlag, der gerade Ulrich Bechers „Kurz nach vier“ neu herausbringt und dadurch auf meinen Blog gestoßen ist, ist auch gekommen und hat mir den Verlagsprospekt gebracht.

Ursula Knoll

Ursula Knoll

Eva Jancak

Eva Jancak

Begonnen hat Judith Gruber-Rizy mit dem Romanausschnitt aus dem Künstlermilieu, den sie schon einmal gelesen hat. Dann kam ich mit meinen „Verbindlichen Vorschlägen zum höchsten Wertkanon“, den ich im Jänner für die Zeitschrift „Landstrich“ geschrieben und jetzt ein bißchen gekürzt und überarbeitet habe. Ich schreibe manchmal gerne satirische Texte, auf das Volksstimmefest passen sie auch gut hin und, daß ich mich über die derzeitige Bildungspolitik ärgere, ist auch bekannt. Als nächstes folgte Helga Pankratz und die war auch satirisch, allerdings ein wenig frauenbewegter und setzt sich in ihren Texten für die Lesben ein, der Song „Ich bin ein Mädchen aus St. Pölten“, war für ein Kabarett geschrieben, dann folgten Texte, die zweisprach slowenisch deutsch erschienen sind. Als vierte beim ersten Block, las Ruth Aspöck von ihren Erfahrungen in der Anti-AKW-Bewegung. Den zweiten Block begann Grace Marta Latigo mit ihren frauenbewegten Gedichten in denen sie sich gegen die Männer und gegen Hausarbeit empörte und die ist immer sehr emotional bewegt und kann lautstark vortrag.
Gertraud Klemm habe ich noch nicht gekannt, ihrer Biografie aber entnommen, daß sie 1971 in Wien geboren wurde und in Baden lebt, seit 2005 freiberufliche Autorin und Schreibpädagogin ist und einen vierten Platz beim FM4 Wettbewerb gewonnen hat. Sie hat ein Stück aus ihren Roman „Mutter auf Papier“, wo es um eine Adoption geht und noch einen anderen Text gelesen.
Traude Veran, mit siebenundsiebzig, die älteste, kenne ich schon lange, ist sie ja GAV Mitglied, hat beim Tag der Freiheit des Wortes gelesen, als ich ihn 2001 organisierte und in der Bezirksvorstehung Mariahilf. Einmal hat sie mich auch durch den jüdischen Friedhof, den es beim Pensionistenheim in der Seegasse gibt, geführt und hat auch viele Bücher, die sie zur freien Entnahme auflegte, da habe ich natürlich zugegriffen. Sie hat mich auch durch ihre starke Gedichte, in denen sie sich für Romafrauen oder verfolgte Juden aus der Sicht der „Tochter der Arisierer“ einsetzt, sehr beeindruckt oder durch ihre Hausfrauentexte „waschen, kochen, putzen etc“.

Roger Stein

Roger Stein

Sandra Kreisler

Sandra Kreisler

Susanne Ayoub las ein Stück aus ihrem neuen Roman, in dem es um ihre Eltern im Irak der Fünzigerjahre geht.
Dann sollten noch Lale Rodgarkia-Dara, Ursula Knoll, Angelika Reitzer und Renate Welsh-Rabady lesen. Es war aber nur noch Ursula Knoll da, die ich von früheren Volsstimmefestlesungen kenne und die auch eine unter oder gerade Dreißigjährige ist und die in einer sehr starken Sprache von vier Frauen erzählte. Nachher gab es wieder Kaffee und Kuchen und ich bin bei dem schönen Wetter mit Alfred herumspaziert, Bekannte getroffen und roten Sturm getrunken, bis wir uns bei der Jura Soyfer Bühne einfanden, wo es „Wortfront“ mit Sandra Kreisler, Roger Stein und Band gab, die auch sehr beeindruckende sozialkritische Lieder hatten, die ich, glaube ich, schon einmal gehört habe.
Das Neue Deutschland mit einem Interview von Dietmar Darth, ein paar antiquarische Marx und Lenin-Studienausgaben und zum Wetter passend die „rote“ Sonnencreme von der Linken gab es auch, vor 1989 habe ich mir von diesen Ständen die kleinen bunten DDR Propagandaheftchen geholt, die inzwischen antiquarisch in Harland lagern und vielleicht auch einmal einen Buchherausgeber interessieren werden, da es das ja nicht mehr gibt. In Walter Baiers Buch „Das kurze Jahrhundert, Kommunismus in Österreich 1918 – 2008 in dem man wahrscheinlich über den Parteiaustritt von Ernst Fischer et al nachlesen kann, habe ich auch geblättert.

Michele Thoma, Hilde Schmölzer, Gerda Marie Pagoda, Hilde Langthaler

Michele Thoma, Hilde Schmölzer, Gerda Marie Pagoda, Hilde Langthaler

Andrea Maria Dusl, Eva Schörkhuber, Veza Quinhones-Hall, Gabi Anders, Elfriede Haslehner, Nadine Kegele

Andrea Maria Dusl, Eva Schörkhuber, Neda Bei, Gabi Anders, Elfriede Haslehner, Veza Quinhones-Hall

Am Sonntag ging es weiter mit den südböhmischen Musikanten am Budweiserstand, aber die haben mich nicht so sehr interessiert, so daß ich mir im Filmzelt einen Teil von Helmut Pflügls „Praterfeste“ angesehen habe und ein paar Lieder von „Wienerglühn“ auf der Jura Soyfer Bühne. Dann gings wieder los mit dem linken Wort in einer Monsterlesung mit dreizehn Autorinnen, neben meinen Freundinnen vom Arbeitskreis, GAV oder den Lesefrauen waren auch ein paar unbekannte Autorinnen dabei.
Begonnen hat es mit der in München lebenden Gerda Marie Pagoda, die Gerald Grassl vom Arbeitskreis Literatur der Arbeitswelt nach Wien brachte, dann folgte Hilde Schmölzer mit einem Ausschnitt aus „Frauenliebe“.

Petra Ganglbauer, Doris Nußbaumer, Nadine Kegele

Petra Ganglbauer, Doris Nußbaumer, Nadine Kegele

Die aus Luxenburg immigrierte Michele Thoma habe ich auch nicht gekannt, sie brachte ein paar Satiren zum Frauentag und zu Enthaarungsstatetgien, die in Zeitschriften erschienen sind. Hilde Langthaler wollte eigentlich etwas Lustiges lesen, das Attentat von Oslo brachte sie aber einen theoretisch feministischen Text zu schreiben.
Die 1982 in St. Pölten geborene Eva Schörkhuber, ist genau wie Veza Quinhones-Hall, bzw. Nadine Kegele über einen Poetry Slam zum Volksstimmefest gekommen.
Elfriede Halsehner kürzte , nachdem die anderen ihre Zeit schon sehr überzogen hatten ihre Texte und las Gedichte, aus dem Band, der in den Siebzigerjahren bei Frischfleisch und Löwenzahn erschienen ist, mit dem sie bekannt geworden ist.
Die in München geborene Gabi Anders habe ich nicht gekannt, wohl aber Andrea Marie Dusl, die schon im letzten Jahr gelesen hat und mit einem Text in dem sie Solidarität für Bettler forderte, überzeugte. Die beeidruckendste Geschichte stammte aber von Doris Nußbaumer, wo es um den Streit eines Paares um eine Katze ging.
„Die Katze muß weg!“, fordert der Mann, am Schluß trennt sich das Paar und das ungeborene Kind wird auch abgetrieben. Petra Ganglbauer las einen theoretischen Text, aus einem vergriffenen Buch, das tat auch Neda Bei und Christoph Kepplinger wies auf die Anthologie hin, die es wieder geben wird, wenn das Geld dazu aufgetrieben sein wird.
Und hier das Volksstimmefestarchiv: 2008 1 2 2009 2010

2011-09-02

Zirkelschluß oder Sommerfrischenende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:53

Der Sommer hat mit der Reiselesung in Krems angefangen, dann kam das Saisonabschlußfest der Ruth Aspöck, der Bachmannpreis in der Sommerfrische, ein Ausflug mit dem Rad nach Rossatzbach zu Glatt und Verkehrt und die Arbeit an den drei S, die Polenreise, das Wanderwochende und bevor es zurück nach Wien zum Volksstimmefest geht, ging es noch einmal nach Krems, beziehungsweise nach Lengenfeld und Thürneustift ins Waldviertel zu einem Psychologentreffen.
Da haben wir ja unseren Vertragspsychologenjourfix, wo wir uns abwechselnd einmal im Monat in einer anderen Praxis treffen, dafür lasse ich auch interessante Literaturveranstaltungen aus, da aber sowohl der Wolfram, als auch die Silvia ihre Sommerorte in Niederösterreich haben, ist es heute wieder Richtung Krems gegangen.
Am Vormittag habe ich geputzt und bin mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, weil gestern meine Uhr stehengeblieben ist, um eine Batterie zu kaufen. Leider ging sie sie dann nur zwei Stunden, so daß ich Morgen nochmals hinfahren muß. Da war ich kurz beim Thalia in der Kremsergasse und habe sowohl in den neuen Rossmann-Krimi, als auch in Thomas Glavinic „Unterwegs im Namen des Herrn“ hineingeschaut und beim Schubert in den Kisten, die Bücher liegen gesehen, die ich schon gelesen habe. „Exit ghost“ und „Die Habenichtse“ beispielsweise.

Dann sind wir schon mit zwei eigenen Büchern in der Handtasche nach Lengenfeld bei Krems zur Silvia losgefahren. Dort war ich schon einmal vor ein paar Jahren. Da bin ich während einer Werbefahrt im Gasthaus draufgekommen, daß ich in Lengenfeld sitze, bin losgezogen um ein Telefon zu suchen und die Silvia anzurufen, das habe ich nicht gefunden, dafür hat mich die Silvia, die gerade im Garten war gesehen. Jetzt haben wir auch nicht gleich hingefunden, waren die Ersten, es gab einen schönen Grill und eine Fahrt über Langenlois und Schönberg nach Thürneustift, wo sich der Wolfram vor ein paar Jahren angesiedelt hat.
Ein nicht ganz so literarischer Nachmittag, aber ein schöner Abschluß der Sommerfrische und Saisonauftakt mit meinen Psychologiekollegen.
Ansonsten bin ich diese Woche mit dem Rad nach Traisen und nach Herzogenburg, in die eine und die andere Richtung gefahren und habe am Mittwoch „Die Frau auf der Bank“ fertiggestellt. Entgegen meinen Ankündigungen sind es doch nur noch drei weitere Szenen geworden. Jetzt muß ich mir das in Wien ausdrucken und kann mit dem Korrigieren beginnen. Das heißt ein bißchen habe ich schon damit angefangen, den ersten Durchgang mache ich händisch in das Manuskript, da kann ich auf Unebenheiten oder Fehler achten und mir das in meinem Notizbuch anmerken.

Ein bißchen unkonzentriert war ich gestern wieder und habe auch wieder ein bißchen Literaturquiz gespielt. Insgesamt kann ich aber zufrieden sein. Es sind jetzt 98 Seiten und 39 Szenen beziehungsweise 46.249 Worte, also ein Mittelding zwischen Roman und Erzählung und ob ich das mit der Selma so lasse oder noch ergänze wird der Korrigerdurchgang zeigen, aber meistens verändere ich an meinen Rohfassungen nicht mehr viel und die habe ich in der Sommerfrische in vier bis sechs Wochen flott hinuntergeschrieben. Jetzt werden ein paar mehr oder weniger konzentrierte Korrigiermonate folgen, bis ich es wahrscheinlich um Weihnachten herum so fertig habe, daß ich es dem Alfred für die Bucherstellung geben kann. Der hat inzwischen an den „Zwillingswelten“ zu tun, die ja eigentlich seit Juli unverändert am Schreibtisch liegen und wenn ich morgen wieder nach Wien komme, kann ich auch anfangen die „Absturzgefahr“ ein bißchen herzuzeigen. Der Silvia habe ich ja ein Exemplar mitgebracht und dem Wolfram die „Mimi“.
Aufs Volksstimmefest nehme ich ein paar Bücher mit und wenn ich im Oktober wie ausgemacht im Cafe Amadeus aus der „Sophie Hungers“ lese, werde ich gleichzeitig die „Absturzgefahr“ präsentieren und wahrscheinlich auch bei der Poetnight die Szene mit dem Taubenfüttern lesen, die man auch unter www.jancak.at finden kann.

2011-09-01

Sommerhaus, später

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:36

Der 1998 erschienene Erzählband „Sommerhaus, später“, der 1970 in Berlin geborenen Autorin Judith Hermann, hat diese zum „Fräuleinwunder“ der Literatur gemacht. Burkhard Spinnen, Marcel Reich-Ranicki und Helmut Karasek loben auf der Buchrückseite, die „neuen Töne der neuen hervorragenden Autorin“, die den „Sound der neuen Generation“, zum Klingen brachte und laut Wikipedia, „das Lebensgefühl, der Ende 1990 in Berlin Lebenden Künstler- Studenten-Arbeitslosen-Boheme“ beschreibt und es sind in der Tat sehr eindrucksvolle Geschichten in denen die Kiffer in „melancholisch gefärbten kurzen Sätzen“, die Liebe und das Leben erfahren.
Das beginnt schon in den „Roten Korallen“, in der die Erzählerin, die Frage stellt, ob „der erste und einzige Besuch bei einem Therapeuten, der sie um das rote Korallenarmband der Urgroßmutter und um ihren Geliebten brachte, die Geschichte ist, sie sie erzählen will?
„Ich bin nicht sicher. Nicht wirklich sicher:“
Dann wird in einem lakonisch distanzierten Ton vom Urgroßvater erzählt, der in Rußland Öfen baute, während die Urgroßmutter nicht aus dem Fenster des schönen Hauses am Malyj-Prospekt in die Fremde hinausschauen will. Weil sie sich einsam fühlt, empfängt sie Liebhaber und weil der Großvater ein Korallenarmband an ihr entdeckt, ruft er seinen Freund Isaak Baruw, um sich mit Nikolaij Sergejewitsch zu duellieren, der ihn erschießt, worauf die schöne Urgroßmutter sieben Monate wartet, dann mit der kleinen Großmutter im Weidenkorb, die Nikolaij Sergejewitsch ähnlich sieht, nach Deutschland zurückzufahren. Isaak Baruw nimmt sie mit und dessen fischgrauer Urenkel ist der Geliebte der Erzählerin, die an ihm leidet, weil er nicht spricht, sondern sein Leben nur seinem Therapeuten erzählt, so daß die Protagonistin ein einziges Mal auch zu diesem geht, das Armband unter seinem Tisch zerreißt und der Geliebte im „wassernassen Bett“ auch irgendwie verschwindet…
„War das die Geschichte, die ich erzählen wollte“, aber mein Geliebter konnte mich nicht mehr hören.“
Es wird überhaupt nicht viel gesprochen in Judith Hermanns Erzählungen.
Die „biegsame“ Sonja tut es jedenfalls nicht, die ein anderer Erzähler im Zug kennenlernt, als er von seiner Freundin Verena kommend von Hamburg nach Berlin fährt. Sonja steht da und schaut ihn an, bzw. von ihm weg, dann folgt sie ihm in die U-Bahn, fragt „Soll ich warten“ und drückt ihn ihre Telefonnummer in die Hand. Später ruft er sie an, trifft sie in einem Lokal, erzählt ihr sein Leben, während sie schweigt und verschwindet, um dann eine Zeitlang jede Nacht zu ihm zu kommen, ihm Bücher zu bringen, die er nicht liest. Sex scheint es zwischen den beiden nicht zu geben, er weiß auch nicht sehr viel von ihr, trotzdem sagt sie, daß sie ihm heiraten und Kinder von ihm haben möchte, was ihn so erschreckt, daß er Verena heiratet, worauf Sonja verschwindet, was auch nicht passt.
Ein seltsam altmodisches Lebensgefühl der Berliner Kiffer Generation eigentlich und Sonja trägt auch „ein „unglaublich altmodisches, rotes Samtkleid und stöckelt in viel zu hohen Schuhen“ auf den Erzähler zu und in „Hunter-Tompson Musik“ der einziges Geschichte, die nicht in Deutschland spielt, geht es um das „Washington jeffersen, das kein Hotel mehr, sondern ein Armenhaus für alte Leute und die letzte verrottete Station vor dem Ende ist“.
In diesem Geisterhaus wohnt Hunter und kommt mit seinen Einkäufen aus dem Deli, fragt beim Portier nach Post, obwohl es längst keine gibt, zieht sich in sein Zimmer zurück, um seine Musik zu hören, „Glenn Gould“, während die alte Miss Gil draußen singt. Da klopft plötzlich ein junges Mädchen an seine Tür, das nicht herpasst, erzählt, das man ihr ihren Casettenrekorder gestohlen hätte und will mit ihm am nächsten Abend essen gehen. Sie kommt nicht oder zu spät und er ist auch nicht sehr erfreut darüber, trotzdem hat er in einem Geschäft in dem ein alter Mann sitzt und nichts mehr verkauft, einen Rekorder besorgt, sich seinen Begräbnisanzug angezogen und als sie um zwölf Uhr doch klopft, drückt er ihr mit dem Rekorder auch seine Platten in die Hand.
Die Titelgeschichte ist ähnlich skurril, Stein ist ein Taxifahrer und hat sich durch die Bohemine gebumst und dann ein Haus entdeckt, zu dem er die Erzählerin bringt, es ist auch ein Geisterhaus, ganz verfallen ohne Türen, trotzdem hat er achtzigtausend Mark dafür bezahlt und auch eine Frau mit Kind daraus vertrieben, die der Erzählerin einen Schlüßelbund in die Hand drückt. Zu einem Haus ohne Türen braucht man aber keine Schlüßel, so fährt sie nach Berlin zurück und als sie später in Steins Taxi fährt, sieht sie, daß er Baumaterial darin transportiert. Sie bekommt auch Karten Canitz, in dem er „..wenn du kommst“, schreibst und einen Zeitungsartikel in dem steht, daß das ehemalige Gutshaus in Canitz, das der neue Berliner Besitzer wieder instandsetzte, abbrannte.
„Die Polizei schließt Brandstiftung bisher nicht aus.“
Und so weiter und so fort, ein paar Geschichten sind ein bißchen weniger skurril, sondern drehen sich um Beziehungskrisen, in „Ende von Etwas“ erzählt Sophie von der pflegebedürftigen Großmutter, eine „Camera Obscura“ und eine „Bali-Frau“ gibt es auch und am Ende dankt die Autorin „der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin, der Stiftung Kulturfond, der Akademie der Künste, dem Alfred-Döblin-Haus in Wewelsfleth und insbesondere Katja Lange-Müller, Burkhard Spinnen und Monika Maron für die Unterstüzung an diesem Buch.“
Judith Hermann hat für „Sommerhaus, später“, auch ein paar Preise bekommen und laut Wikipedia lernen müßen „mit dem Druck der Verlage, Öffentlichkeit, Medien umzugehen.“
2003 folgte der Erzählband „Nichts als Gespenster“, der schon nicht mehr so gelobt wurde und 2009 der Erzählband „Alice“, denn Judith Hermann schreibt offenbar nur Erzählungen.
„Nichts, als Gespenster“, habe ich mir von einem der Buchgutscheine ausgesucht, die ich beim „Luitpold Stern Preis“ gewonnen habe, aber noch nicht gelesen, weil ich Erzählungen ja nicht so mag.
„Sommerhaus,später“, habe ich zu Ostern in der Wilhelmsburger Bücher Abverkaufskiste gefunden und als letztes meiner Harlander Listenbücher gelesen und war beeindruckt, weil mir die Erzählungen gut gefallen haben und weil ich jetzt noch ein bißchen mehr kapiere, wie der Literaturbetrieb funktioniert.

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