Literaturgefluester

2011-10-31

Soloalbum

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„Soloalbum“ von Benjamin v. Stuckrad-Barre, beginnt mit einem Paukenschlag, bzw. steht die Polizei am Bett des Ich-Erzählers, die Feuerwehr und Isabell mit der er verabredet war, sie dann aber doch nicht hereingelassen hatte. Und in der Wohnung sieht es schrecklich aus, überall liegen Zeitschriften und Platten, denn „seit Katharina weg ist (drei Wochen und zwei Tage) habe ich große Schwierigkeiten, den Betrieb hier aufrechtzuerhalten.“
Das ist das erste Kapitel, des 1998 erschienen Romans, das wie die anderen, eine englische Überschrift trägt und so fließt der ganze Roman dahin, das eigentlich mehr ein Bericht ist, besteht die Handlung ja nur daraus, daß der „Ich-Erzähler, gerade mal Anfang zwanzig“, von seiner Freundin verlassen wurde und das haut den jungen Mann, der irgendwo in der Musikbranche arbeitet, eine coole Schnauze hat, sauft und kifft, wie das die Jugend offenbar so tut, total aus den Socken.
Jedes der Kapitel handelt davon, daß der junge Mann versucht sein Leben wieder auf die Reihe bringen, er geht zwar pünktlich arbeiten, läßt seine Bude aber total verkommen, reagiert auf die Trennung mit erstaunlich starken Gefühlen und unternimmt auch viel seine Katharina wieder zurückzubekommen, so schenkt er ihr zum Geburtstag eine Schachtel mit zwanzig Geschenken, ruft ständig an und erzählt ihr auch, daß er jetzt eine supertolle Traumfrau hat „mit perfekter Figur, Frisur wie Justine Frischmann von Elastica, außerordentlich klug, macht nebenbei Theater, organisiert Ausstellungen, dreht gerade einen Kurzfilm in Amsterdam, wohnt im Sommer im New York, hat einen alten Porsche und eine neue Wohnung direkt am Fluß hier, war mal mit Christoph Schlingensief zusammen, hat danach ein halbes Jahr Heroin genommen und ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht…“, wie die Traumfrauen der collen Typen Anfang Zwanzig so sind, was Katharina aber nur zum Gratulieren bringt. Er versucht auch sich sein Übergewicht herunterzuhungern, geht ins Fitneßstudio, um Eindruck auf Katharina zu machen, dann schleppen ihn seine Freunde wieder zu Partys und er hat auch Kontakt zu Isabell und Nadja, etc obwohl das keine Traumfrauen sind. Dazwischen zieht ein Jahr ins Land, er überlegt Katahrina nach Passau nachzureisen und zieht dann doch nur nach München um, hat am Ende einen neuen Job und eine neue Wohnung aber doch die gleiche Sehnsucht nach Katharina.
„Soloalbum“ heißt das Ganze wohl, weil sowohl Autor, als auch Held in der Musikbranche jobben und die verschiedenen Buchteile sind auch immer mit CD-Scheiben dekoriert und der 1975 geborene Benjamin v. Stuckrad-Barre gilt, entnehme ich Wikipedia „als Autor von Popliteratur und thematisiert Medienwirklichkeit und Probleme des jüngeren Publikums zwischen Markenwelt und Selbstfindung.“
Harald Schmidt schreibt auf der Buchrückseite „Benjamin v. Stuckrad-Barre hat in seiner Jugend Maienblüte einfach so das Buch hingelegt, das ich selber gerne geschrieben hätte. Grummel“ und auch Harry Rowohlt hat ein lobendes Wort für ihn.
Mir ist die starke Sprache aufgefallen, in dem schon 1998 einige Probleme beschrieben werden, die es immer noch und jetzt wahrscheinlich viel stärker gibt, die Arbeitslosigkeit z.B. aber das ist nicht das Problem des Helden, der ja arbeiten geht und mit Geld nicht umgehen kann, weil man das in der Konsumwelt, in der er lebt, auch nicht muß und daher das Konto ständig überzieht.
„Zur Zeit keine Auszahlung möglich. Automatendeutsch und so diskret.“
Dann gibt es noch ein paar Szenen, wo mit der coolen Schnauze, die Musikredakteure beschrieben werden, die ihre Gratisscheiben, den Händlern verkaufen, um zu Geld zu kommen oder auch von dem alten Mann, der dem Helden das Fahrrad seiner verstorbenen Frau verkauft, das dieser braucht, um wieder zu einer guten Figur zu kommen. Der Tod von Lady Di wird thematisiert und das Naheverhältnis zu Christoph Schlingensief. Der Held interessiert sich für Musik und Bücher und sonst für nicht sehr viel, so schmeißt er die angegarten Pizzen weg und die Kaffeehäferln schimmeln vor sich hin. So kann es bei Studenten um die sich niemand kümmert schon mal aussehen, daß ein Zwanzigjähriger so an dem Verlust seiner Freundin leidet, daß er Wohnung und Bett nicht mehr verlassen will, hätte ich eigentlich für uncool gehalten und, um als Roman zu gelten, scheint mir das Ganze zu schnell hinuntergeschrieben. Das Buch hat aber offenbar das Lebensgefühl der Jugend um 2000 sehr getroffen. Der Held schwatzt vor sich hin und erzählt auch mal was von den haptischen Eindrücken des Buches, das er nicht hergeben will, das erstaunte mich wieder sehr, hätte ich doch nicht gedacht, daß es den Kindle damals schon gegeben hätte, bin aber auch bezüglich des Musikgeschmacks des Helden nicht up to date, interessiere ich mich ja, wenn überhaupt, mehr für klassische Musik.
Das Buch stammt aus dem Bücherschrank und den Namen Stuckrad-Barre kenne ich von einer der ersten Amadeus-Zeitungen, der inzwischen Thalia heißt und keine Kundenzeitschrift mehr hat. Da gab es einen Artikel über die Popliteraten, wo neben Benjamin v.Stuckrad-Barre, auch Benjamin Lebert und Rosemarie Poiarkov vorgestellt wurde, wenn ich mich richtig erinnere.

2011-10-30

Via Donau II und III

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Weiter gings mit der „Literatur im Fluß“ am Vormittag in der Alten Schmiede mit einem Gespräch über österreichische ungarische Alpträume 1848, 1918, 1956, 1989 mit György Dalos und Norbert Leser moderiert von Erich Klein. Über 1848 wurde aber gar nicht so viel gesprochen, begann Erich Klein doch damit, daß das Ganze vor hundert Jahren eine rein ungarische Veranstaltung gewesen wäre, da György Dalos in Budapest und Norbert Leser im burgenländischen Oberwart geboren wurden und ging über zu den Lebensläufen. György Dalos war Mitglieg der ungarischen KP, hat in Moskau studiert und wurde 1967 wegen maoistischen Ansichten ausgeschlossen. Norbert Leser hat inzwischen eine Urkunde seiner sechzigjährigen SPÖ Mitgliedschaft bekommen, scheint sich aber eine sozialistische Monarchie zu wünschen, zumindest wurde darüber diskutiert, ob die den zweiten Weltkrieg verhindert hätte? Beide haben Otto Habsburg gekannt und György Dalos erzählte von seiner ersten Donaufahrt von Budapest nach Wien, 1980, als ihn die Alte Schmiede zum Lesen eingeladen hatte.
Am Nachmittag gings weiter mit Bekannten, nämlich mit einer Lesung von Peter Zimmermann aus „Last Exit Odessa“, seinem zweiten, 2002 erschienenen Roman und den habe ich, 2004 wirds gewesen sein, bei Thalia in der Kremsergasse um zwei Euro liegen sehen, das Buch nicht gleich gekauft und als ich es nach einer Woche doch tun wollte, war es nicht mehr da. An sich kein besonderes Ereignis, es hat mich aber zu meiner „Zusteigerin oder die Reise nach Odessa“ inspiriert. Die Geschichte von der Anselma Fuchs, dem polnischen Theologiestudenten Kasimierz und dem Pressesprecher Hyronimo Leiter. Die Reise, die Anselma nach Odessa unternimmt, ist eine Werbefahrt und ich habe, da ich noch nie in Odessa war, mich dabei an der vier Tage Busfahrt, die ich einmal mit dem akademischen Reisebüro nach Lemberg und Krakau machte, orientiert.
Peter Zimmermann war aber in den Neunzigerjahren in Odessa, hat es sehr exotisch gefunden und daraus eine Art Krimi von einer verschwundenen Nudelfabrik und einen Spanier, der sich erhängte, gemacht.
Danach las der Serbe Sreten Ugricic, bzw. Robert Reinagl die Übersetzung, aus seinem einzigen auf Deutsch erschienenen Roman „An den unbekannten Helden“ und das scheint sehr ungewöhnlicher Roman zu sein, der sich gegen alle Diktaturen wendet, so teilte Walter Famler auch einen Aufkleber aus, auf dem „Serbien existiert nicht“ steht und Alida Bremer erzählte, wie sie mit einem Koffer solcher Aufkleber von Belgrad nach Wien gefahren ist.
Der Roman spielt 2014 und da wird ein ganzes Jahr das hundertjährige Jubiläum des Attentats von Sarajevo gefeiert, außerdem wird eine Diktatur geschildert und bei den Stellen, die Robert Reinagl las, versuchen zwei aus Serbien mit einem alten VW zu flüchten, werden aber total von sämtlichen Geheimdiensten überwacht und schließlich im Schlaf ermordet.
Danach kam ein Gespräch über „Fluß und Zeitverläufe“ mit György Dalos, Mircea Dinescu, Wolfgang Müller-Funk, Erwin Riess, Laszlo Vegel, Walter Famler und Erich Klein, wo Erich Riess wieder den Prolog aus seinem Roman „Herr Groll und der rote Strom“ vorlas und dann versucht wurde, die politischen Veränderungen an der Donau auszumachen. Die Donau habe ich dabei gelernt, ist der einzige Strom der nach Osten fließt.
Am Schluß gab es Lyrik mit musikalischer Begleitung von Andrej Serkow, der aus der Ukraine stammt. „Gedichte an die Donau“ steht im Programm. Über die Donau hat aber eigentlich nur Zsusanna Ghase, nämlich aus ihren bei der Edition Korrespondenzen erschinenen „Donauwürfel“, gelesen, die sie schon in der Alten Schmiede vorstellte. Die anderen Lyriker, nämlich Mircea Cartarescu und Mircea Dinescu aus Rumänien und Dragana Mladenovic aus Belgrad, waren aber ebenso beeindruckend und Mircea Dinescu hat sogar eines seiner Gedichte gesungen.
Am Sonntag gings weiter in der Alten Schmiede mit einer Dia-Schow mit der Friedrich Achleitner, ganz privat, wie Erich Klein betonte, die Gedenkstätten zeigten, die Bogdan Bogdanovic der Architekt und ehemalige Belgrader Bürgermeister, der 1993 ins Exil gegangen ist und voriges Jahr in Wien gestorben ist, ab den fünfziger Jahren überall in Jugoslawien baute.
Friedrich Achleitner ist mit und ohne Bogdan Bogdanovic diesen Gedenkstätten nachgereist, die alle, wie er betonte, in urbanen Zusammenhang stehen und von Familien und Kindern sehr besucht werden. Manchmal werden die Steine, wie man sehen konnte, aber auch zum Motorcrossfahren benützt, das war sehr interessant und fast, wie eine Reise in den Balkanstaat und der Nachmittag in dem es mehr um den zweiten Weltkrieg, als um die Donau ging, schloß sich fast nahtlos daran an.
Auf jedenfalls in dem Buch von Michael Martens, einem Belgradkorrespondenzen, der in „Heldensuche“ von dem guten deutschen Wehrmachtssoldaten Josef Schulz geschrieben hat, der 1941 hingerichtet wurde, weil er den Befehl Partisanen zu erschießen verweigerte.Vorher las der Kroate Jurica Pavicic aus der Geschichte „Der Schlangentöter“ auch vom Krieg, allerdings von dem viel später, in dem er selbst eingezogen war, die Geschichte hat zufälligerweise genau dieses Thema behandelt, wo ein junger Mann zum allerungünstigsten Zeitpunkt einberufen wird, dann in einen Granatregen kommt, mit seinen Kamaraden, die gerade ein paar Montenegriner gefangengenommen haben, verletzt wird und der dritte, ein halbes Kind, der unverletzt blieb, muß die drei Gefangenen erschießen.
Dann wurde es mit Laszlo Vegel, den ich schon von den vorigen Abenden kannte und seinen „Bekenntnissen eines Zuhälters“, das er in den Sechzigerjahren geschrieben hat, in dem er sich gegen das jugoslawische Regime auflehnte, etwas lustiger. Jedenfalls handelt das Buch von jungen Leuten und Laszlo Vegel, der der ungarischen Minderheit in Novi Sad angehört, wurde damals vorgeworfen, daß er die Jugend zu unmoralischen Handlungen, nämlich zum Mercedes stehen aufgerufen hat.
Die Donau kommt in dem Buch übrigens schon vor und Alida Bremer las auch ein Stückchen darüber.
Der Roman des in der Schweiz lebenden Russen Michail Schischkin „Venushaar“, hat wenn ich es richtig verstanden habe, auch nichts mit der Donau zu tun, geht es darin ja um einen Dolmetsch, der Asylanträge der Tschetschenen etc übersetzt und seine Beziehungskrise hat, ich habe Michail Schischkin aber schon von meinem Buchmessen-Surfing vor zwei Wochen gekannt, weil er das Buch da am blauen Sofa vorstellte und Mircea Cartarescu kenne ich mindestens seit Samstag, trug er da ja ein sehr beeindruckendes Gedicht vor, in dem er alle seine Reise schilderte, die man seit der Wende unternehmen kann und betonte, daß für ihn in der Zeit der Diktatur Thomas Pynchon wichtiger als Ceausescu gewesen wäre. Jetzt ging es um den Roman „Der Körper“, den zweiten Teil der „Orbitor Trilogie“ und ganz am Schluß gings wieder an die Donau, bzw. an das Delta, las da ja der Südtiroler Lyriker Oswald Egger aus „Donaudelta- Schlangeninsel“ und das scheint ein sehr mythologischer Text zu sein, der auch auf einer Donaureise entstanden ist, daß Oswald Egger ebenfalls ein Wort- und Sprachspieler ist, habe ich schon auf einigen seiner Lesungen erfahren. Danach war ich nach dieser langen Donaureise schon etwas müde und erschöpft, habe aber wieder viel gelernt und einige Bekannte gesehen.

2011-10-29

Literatur im Fluß

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Nachdem die MS Stadt Wien am Mittwoch gut am Brigittenauer Sporn angekommen ist, gibt es die Literatur im Herbst heuer zwei Wochen früher und sie hat auch einen anderen Namen, ansonsten ähneln sich die eingeladenen Autoren, zweiundzwanzig sind es an der Zahl, beziehungsweise überschneiden sie sich, hat sich die Literatur im Herbst im Vorjahr ja Ex-Jugoslawien gewidmet, 2009 der Wende, 2008 der Ukraine, Rumänien, Bulgarien etc waren auch schon dran.
Also ein bißchen eine Wiederholung und auch das gleiche Design, der gleiche Veranstaltungsort im Odeontheater in der Taborstraße und der von der a. punkt-Buchhandlung betreute Büchertisch und da lag unter anderen Martin Kubaczeks „Strömung“ auf, ein Buch das an der Donau spielt und ich vor ungefähr einem Jahr gelesen habe. Ruth Aspöcks Donauliteratur fehlte, das stimmt und ist ein wenig schade, weil sie ja quer den Strom hinauf und hinunter verlegt und einige sehr spezifische Donaubücher hinausgegeben hat. Den Verlag gibt es zwar nicht mehr, aber ein Erinnerungsreferat in Verbindung mit dem neuen Buch, wäre eine interessante Ergänzung gewesen und eine Bestandaufnahme was die heimischen Literaten anzubieten haben, aber das Bekannte wird meistens übersehen.
Walter Famler hat die Veranstaltung eröffnet und den Stadtrat Mailath-Pokorny entschuldigt, der offenbar etwas anderes zu erledigen hatte, sowie Richard Wagner, der am Samstag lesen sollte und das ist ein deja vue, denn der in Rumänien geborene, in Berlin lebende Autor hätte auch 2009 zusammen mit seiner Ex-Frau lesen sollte.
Laszlo Vegel, der am Donnerstag in der Sendung „Von Tag zu Tag“ und am Abend in der Alten Schmiede war, wird ihn vertreten und Laszlo Földenyi aus Ungarn hat den Eröffnungsvortrag „Welche Farbe hat die Donau?“ gehalten und damit begonnen, daß er als Fünfzehnjähriger in der Donau badete, dann schwenkte er nach Wien und auf die „schöne blaue Donau“ und auf die „Donauweibchen“, das ist auch Strauß-Walzer, hin, bevor nach Budapest und zur roten Donau kam, da die Nazis 1944 die Juden dort hineingeschossen haben.
„Am Quell der Donau“ ein Gedicht von Hölderlin kam auch in dem Vortrag vor und so heißt auch eines der Bücher aus der Edition die Donau hinunter.
Der 1952 in Debrecen Ungarn geborene Laszlo F. Földenyi zählte aber noch andere Gedichte auf, die von ungarischen Nationaldichtern stammen und andere Farben, das unheimliche grau und schwarz gibt es ja auch, von dem hat schon Erwin Riess am Donnerstag auf dem Schiff gesprochen, während die Donau in Budapest manchmal gelb sein soll.
Dann gabs eine Pause, in der einer der Stammbesucherinnen meine Bücher zeigte. Die „Mimi“ und die „Absturzgefahr“, das zum Thema passende „Und Trotzdem“ hatte ich nicht mitgenommen, aber das habe ich schon 2009 in der Alten Schmiede vorgestellt.
Danach kamen wieder bekannte Gesichter, nämlich Christoph Ransmayr, der ein Stück aus der „Letzten Welt“ las, das auf meiner Leseliste für das Jahr 2012 steht und Ilija Trojanow, der 2009 Herta Müller vertreten hat, bzw. aus ihrer „Atemschaukel“ las. Diesmal berichtete er von der Gefangeneninsel in Belene, in Bulgarien. Eigentlich hielten die beiden einen Dialog und interwieten sich gegenseitig. Ilia Trojanow erwähnte, daß „Die letzte Welt“ in Rumänien unter Ceausescu verboten war und Christoph Ransmayr, der sich den Strom in Abschnitten imaginiert, hier ein Stück Donau, dann ein Stück Mississippi, Ganges und Mekong, las ein Stück aus einem Werk in Progress, das im nächsten Jahr erscheinen wird und wünschte sich von Ilija Trojanow eine Lesung über den Fluß Ganges.
Den Autorendialog II führten Michal Hvorecky und Michael Stavaric, der vom Tod Jirsi Grusa, dem früheren tschechischen Botschafter und Pen Präsidenten berichtete.
Ansonsten las der in Bratislava lebende Michal Hvorecky dasselbe Stück aus seinem Roman, das er schon auf dem Schiff gelesen hat. Interessant, daß der gebürtige Tscheche Michael Stavaric einen slowakischen Autor übersetzte und interessant, daß das Buch, das auf slowakisch „Donau in Amerika“ heißt, in der deutschen Übersetzung, die noch nicht erschienen ist „Tod auf der Donau“ heißen wird. Das Gespräch zwischen den beiden war auch sehr interessant, denn Michal Hvorecky, der selbst auf einem einer amerikanischen Gesellschaft gehörenden Donauschiff gearbeitet hat, erzählte, daß ihn die Fahrt auf dem langsamen Dampfer aus den neunzehnhundertdreißiger Jahren sehr erstaunte. Achtzehn Stunden Fahrt von Budapest bis Bratislava, da rasen die Tragflügelboote und die amerikanischen Luxusschiffe vorüber. Er hat es aber sehr genossen und nur bedauert, daß es so wenige Romane über die Donau gibt, da bin ich mir, wie erwähnt, gar nicht so sicher und der Büchertisch war auch voll mit spannenden Büchern.
Noch ein Todesfall ist zu vermelden, der allerdings nichts mit der Donau zu tun hat, Janko Messner, der große Kärtner Slowene, der bei meiner ersten „Freiheit des Wortes“- Veranstaltung lesen wollte, dann aber sehr stürmisch absagte, ist am 26. Oktober in Klagenfurt gestorben.
Und hier das Archiv 2008, 2009, 2010 1 2 3

2011-10-28

Priessnitz-Preisträger Richard Obermayr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52

Der 1970 in Ried im Innkreis geborene Richard Obermayr ist der achtzehnte Reinhard Priessnitz Preisträger und Leser des Literaturgeflüsters wissen, daß ich ihn, den ich öfter mal bei Literaturveranstaltungen treffe, sehr gern zitiere. Ihn und Andrea Winkler mit deren schönen Worten, den Worträuschen und Sprachduschen ohne Plot und Handlung, die realistische Autorin ihre Schwierigkeiten hat.
Woher und wie lange ich Richard Obermayr kenne, habe ich schon beschrieben nachdem ich vorigen März in der Alten Schmiede bei der Präsentation seines zweiten Romans „Das Fenster“ war und ich habe, als ich Arno Schmidts „KAFF auch mare crisium“ gelesen habe, an die Lektüre des „Gefälschten Himmels“ gedacht, wo es mir bezüglich der Lektüre ähnlich ging, obwohl Richard Obermayr lange nicht so unverständlich, wie der große Meister ist. Er hat aber auch keine lineare Handlung, erzählt keine Geschichte sondern rauscht in wunderschönen Worten vor sich hin.
Irgend etwas scheint mich an diesen Worträuschen anzuziehen, vielleicht weil ich denke, man müßte beides verbinden, die realistische Handlung und die Sprachgewalt, so daß es klar war, daß ich in das Literaturhaus und nicht zu der Vorveranstaltung der Literatur im Herbst in die Alte Schmiede gehe, obwohl eine Preisverleihung gab es nicht mehr. Nur mehr die Lesung des Preisträgers, möglicherweise wurde der Laudator und der Blumenstrauße eingespart, aber so wortgewandte Männer interessieren sich wahrscheinlich ohnehin nicht für Blumensträuße und einer der Juroren, nämlich Gustav Ernst war auch da und Michael Hammerschmied der Preisträger von 2009. 2010 war Andrea Winkler die Preisträgerin und daran schließt Richard Obermayr nahtlos an, obwohl er vielleicht doch ein klein wenig realistischer als seine Vorgängerin ist.
Das Literaturhaus war wieder ziemlich leer, als ich eingetroffen bin, ich habe aber Hansjörg Zauner, der 1996 den Priessnitz-Preis bekommen hat, getroffen und mich mit ihm lange unterhalten. Hansjörg Zauner kenne ich ungefähr seit der Zeit, als ich in die GAV gekommen bin, da habe ich ihn im Zusammenhang mit dem fröhlichen Wohnzimmerkreis der Ilse Kilic öfter getroffen und 1996 hat er in einem rosa Overall, wie er mir gleich erzählte, beim Bachmannpreis gelesen. Ich war aber damals ohnehin in Klagenfurt und habe zugehört. Er hat den Lesereigen begonnen und später hat Richard Obermayr, wenn ich mich nicht irre, ein Stück des „Gefälschten Himmels“ gelesen. Ist damit aber nicht sehr aufgefallen. Bei mir aber schon, haben sich bei mir ja die „Worträusche“ eingeprägt und so habe ich mich intensiv mit Hansjörg Zauner unterhalten, der mich auch zu seiner Fotoausstellung einlud, die am vierzehnten November in der Hauptbücherei eröffnet wird, eingeladen hat.
Dann kam Kurt Neumann, was mich ein wenig wunderte, daß er nicht in der Alten Schmiede, bei Laszlo Vegel war, aber wahrscheinlich ist Kurt Neumann auch ein Fan der Sprachgewalt und Gustav Ernst mit Karin Fleischanderl.
Robert Huez eröffnete und der Preisträger saß schon am Podium und las ein paar Szenen aus „Dem Fenster“ in dem es, was ich schon wieder vergessen hatte, um die Vergänglichkeit der Zeit und um eine Familie und einen Schuß, der sich nach hinten löst oder nicht, ging und ich wurde gleich wieder von den Assoziationen eingenebelt, bewunderte die schöne Sprache, suchte nach einer Handlung und versuchte nachzuvollziehen, wie sich Richard Obermayr von einer Assoziation zu nächsten hantelte.
Er las auch sehr überzeugend und ich schrieb einige der schönen Sätze auf.
Bei der zweiten Stelle erklärte Richard Obermayr, daß er darauf bei einer Reise nach Paris gekommen sei, als er sich beweisen wollte, daß er schreiben kann und mit einem Notizbuch herumgezogen ist, da ist ihm eine Bäckerei aufgefallen. So beschrieb er die Verkäuferin, wie sie mit einer Zange das Brioche aus der Auslage holt und er dann an diesem kauend wieder über die Zeit und ihre Vergänglichkeit nachdenkt.
Ein sehr philosophischer Roman. Richard Obermayr las noch einige Stellen, im Anschluß hörte ich ihn zu Robert Huez sagen, daß er eigentlich viel mehr erklären wollte, sich aber dachte, daß er sich nicht selbst zu kommentieren brauchtl und ich habe mich beim Glas Wein, vorher habe ich mir am Büchertisch nochmals den Klappentext durchgelesen, weil ich mich nicht traute, Richard Obermayr nach der Handlung zu fragen, lange mit Wolfgang Helmhart, auch ein experimenteller Dichter aus dem fröhlichen Wohnzimmerpreis über diese Fragen unterhalten, der mir erzählte, daß er, wie Richard Obermayr aus Schwanenstadt kommt und ihn dort öfter am Parkplatz trifft und über Richard Obermayr habe ich gerade ergooglet, daß er 2008 Stipendiat von Halma, dem europäischen Netzwerk literarischer Zentren war und das ist auch der Verein, der das Literature in Flux via Danube Projekt bei dem ich gestern ein Stück die Donau hinaufgefahren bin, mitorganisiert hat.

2011-10-27

Am Literaturschiff

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31



Am Montag gab es im Morgenjournal einen Bericht über die MS-Stadt Wien und dem „Literature in Flux“-Projekt „A literary Journey along the Danube, from Ruse to Vienna“. Kristina Pfoser berichtete von dem Literaturschiff, daß am dreiundzwanzigsten September in Bulgarien aufgebrochen ist und über Rumänien, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowakei am sechsundzwanzigsten Oktober in Wien ankam und in der heurigen Literatur im Herbst- Veranstaltung ihren Abschluß findet.
Mit einer speziellen Bordkarte, die die Alte Schmiede ihrem September-Programm beilegte, konnte man die letzte Station mitfahren und einen Tag ein schwimmendes Literaturhaus live erleben. So bin ich mit dem Alfred früh aufgestanden, daß wir am acht am Schwedenplatz in einen Bus einsteigen und um zehn in Bratislava mit dem Schiff ablegen konnten.


Zweiundsechzig Autoren haben in diesem Monat, glaube ich, auf dem Schiff gelesen, einige sind die ganze Zeit mitgefahren und ich denke, es ist eine tolle Idee, die osteuropäische Literatur noch ein bißchen bekannter zu machen und sich mit Gedichten, Romanen, Erzählungen etc mit der Donau zu beschäftigen.
Ganz so neu ist diese Idee zwar nicht und auf der anderen Seite, nämlich von Wien nach Bamberg, hat sie Ruth Aspöck schon 2007 aufgegriffen und ist mit dem Rad diese Strecke in drei Wochen abgefahren, wo es jeden Tag ein einem Ort eine Lesung aus einem in ihrem Verlag entstandenen Buch gab. Wir sind von Ybbs bis Regensburg mitgefahren und ich habe in Vilshofen, die „Donaugeschichtenbücher“ vorgestellt und während dieser Radkarawane ist uns auch die Idee gekommen, vielleicht im nächsten Jahr in die andere Richtung zu fahren.


Das wurde zumindestens mit dem Rad nicht verwirklicht, Ruth ist die Strecke mit dem Schiff inzwischen, glaube ich, auf den Spuren Grillparzers nachgefahren und ich habe in „Und trotzdem“ meine Helga Schwarz nach dem sie ihre Krebsdiagnose bekommen hat, mit dem Rad die Donau bis ans Schwarze Meer hinunter fahren lassen.
Jetzt haben das die Autoren getan und sich in Lesungen und Symposien mit der Donauliteratur und ihrer Geschichte beschäftigt und es gab auf der MS Stadt Wien auch ein dichtes Lesungsprogramm und ich habe einige Bekannte getroffen, die ich gleich auf mein literarisches Geburtstagsfest eingeladen habe oder die Einladung wiederholte.
Die erste Stunde von zehn bis elf verbrachten wir mit Kaffee trinken und auf dem Deck beim Betrachten der Landschaft, dann ging es in das sogenannten Cafe der Literaturzeitschriften, denn da gab es einen Raum mit einem Tisch voll Literaturzeitschriften, die man sich zur freien Entnahme aussuchen konnte, eine eigene Tragtasche mit dem „Literatur in Flux“-Aufdruck gab es auch. Es wurde das Projekt „visegradliterature.net“ vorgestellt, wo ungarische Gedichte in verschiedenen Sprachen übersetzt wurden. Im zweiten Veranstaltungsraum sollte um halb zwölf unter dem Titel „Graue Donau, schwarzes Meer“ ein Gespräch mit Dana Grigorcea, Erwin Riess und Erich Klein stattfinden, da aber alle drei nicht erschienen sind, moderierte Walter Famler allein, las ein Stück aus Dana Grigorceas Donauroman vor und erzählte, daß die Autorin nicht auf das Schiff zurückgekommen ist, bei der vorigen Veranstaltung wurde von einer slowakischen Autorin erzählt, die in Bratislava dem Schiff nagewunken hätte und deshalb ihr Gedicht nicht lesen könne und Dana Gricorcea, die auch am Abend am Programm stand, sollte dann erzählen, daß sie von ihrer Besichtigungstour durch Bratislava ein bißchen zu spät zurückkam und auf sich aufmerksam machen wollte, die Autoren winkten aber ahnungslos zurück. Noch war es aber nicht soweit, erst passierten wir die österreichische Grenze und kamen wir an dem berühmten Felsen vorbei, den alle fotografieren wollten.

Während des Mittagessen im Restaurant und auch sonst ein paarmal spielte die Tschuschenkapelle. Am Nachmittag ging es weiter mit verschiedenen Lesungen. Spannend so viele Donauromane vorgestellt zu bekommen. Der Slowake Michal Hvorecky hat einen besonders interessanten geschrieben, wo die Amerikaner offenbar die Donau beherrschen und Luxuspensionisten dort Kreuzfahrten machen lassen, während das Personal so stark evaluiert wird, daß es nur mehr „Haben Sie einen excellenten Ausflug gemacht?“, sagen kann. Excellent war auch das Erleben der Einfahrt durch die Schleuse und die Ankunft am Brigittenauer Sporn. Das war um sechs und und sieben gab es die Abschlußveranstaltung mit Erwin Riess und seinen „Groll und der rote Strom“ und dem Roman, der in der Schweiz lebenden Dana Grigocea, die inzwischen mit dem Zug nach Wien gefahren ist. Die Veranstaltung war öffentlich, das heißt man konnte auf das Schiff kommen und zuhören, ohne mitgefahren zu sein, was einige auch taten.
Anschließend gab es eine Diskussion, wo Walter Famler auf die gesellschaftskritischen Ansprüche der Autoren Bezug nahm und Erwin Riess, der aus dem Roman schon beim vorletzten Volksstimmefest gelesen hat, betonte, daß für ihn Haltung und Stellung beziehen wichtig ist.
Danach konnte man noch ein bißchen auf dem Schiff bleiben und Walter Famler lud zu den Folgeveranstaltungen ein. Geht es ja am Donnerstag in der Alten Schmiede mit der Uraufführung von Laszlo Vegels „What Is Yugolslawia?“, der auch auf dem Schiff gelesen hat, weiter und am Freitag mit der Eröffnung der „Literatur im Herbst“ im Odeon-Theater, wo einige der Autoren wieder lesen werden.

2011-10-26

Vorschau auf Zwillingswelten

Filed under: Uncategorized — nagl @ 00:22

„Katharina und Lisbeth sind Zwillingsschwestern, die mit 60 vor einer entscheidenden Veränderung stehen, nämlich am Beginn der Pension, die eine nach ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin; die andere als Bibliothekarin, die aufgrund des letzten Auftrags ihres vor kurzem verstorbenen Liebhabers die lange Liste ihrer noch ungelesenen Bücher ins Netz gestellt hat, über deren Lektüre sie laufend berichtet, wohl auch, um sich durch solche Lebenszeichen von ihren Depressionen abzulenken und sich öffentlich ans Leben zu binden.

Katharina, die beruflich den helfenden Umgang mit Menschen gewohnt ist, beginnt den neuen Lebensabschnitt mit einer Fahrt nach Linz zum Begräbnis ihrer Mutter. Eine Nachbarin hat sie von deren Tod informiert hat, nachdem sie 30 Jahre nichts von sich hören ließ.

Währenddessen hat sie genug Zeit, sich insistierend und detailgenau an Episoden aus den Fallberichten über zwei ehemalige Klientinnen – Martha und Lenka, die zu ihren Hauptfreundinnen geworden sind – zu erinnern. Obwohl sie aus desolaten Verhältnissen stammen und im Heim aufgewachsen sind, sind sie erfolgreiche Frauen geworden: die eine als Kinderärztin, die andere als Krimischriftstellerin, deren Einladung nach Sizilien Katharina nun folgt.

Die dreiteilige Erzählung endet in Linz, und zwar nicht so, als wäre sie tatsächlich vom Leben geschrieben worden, also mit einer Katastrophe, sondern macht deutlich, dass sich schlimme Familiengeschichten, angeschoben von einigen Zufällen, auch enträtseln und einen versöhnlichen Schluß finden können.“

E. A. Richter

So wird es ausschauen, das neue Buch, das zweite Kapitel „Friedhof der ungelesenen Bücher“, kann man auf meiner Homepage finden, der sehr interessante Entstehungsprozeß ist hier nachlesen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

2011-10-25

Vor dem 90. Geburtstag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:39

Am 1.11. wird Ilse Aichinger neunzing Jahre alt. Zu diesem Anlaß gibt es einige Veranstaltungen, Ö1 hat eine eigene Literaturschiene und wird von den „Nachtbildern“ über „Tonspuren“, „Radiogeschichten“ bis zur „Hörspielgalerie“ alles senden. Die Wiener Vorlesungen bringen einen Vortrag von Josef Winkler „Da flog das Wort auf“ mit einem Kommentar von Alexandra Millner und präsentieren ihrer Werke, die in der „Edition Korrespondenzen“ erschienen sind.
Die Alte Schmiede hat natürlich auch ihre Festveranstaltung mit einer Sondernummer des „Hammers“ in der alle Ilse Aichinger Lesungen, die es in der Alten Schmiede gab, aufgezählt sind. Bei einigen war ich dabei und eine ist schon im Literaturgeflüster verewigt. Da bei dem vorverlegten Geburtstagsfest Marlene Streeruwitz aus dem 1978 erschienenen Gedichtband „Verschenkter Rat“ lesen sollte, wußte ich nicht, wieviele Leute sich in den Keller hinunterbegeben werden und bin so rechtzeitig hingegangen, daß ich vor verschlossenen Türen gestanden bin. Ein paar Leute standen schon davor und Marlene Streeruwitz huschte durch die Zeitschriftengalerie hinein. Danach wurde es gar nicht so voll, obwohl ich einige Bekannte gesehen haben. Darunter wieder Elfriede Haslehner, die eine wirklich literarisch Interessierte ist, die mit einem Band „Der größeren Hoffnung“ aus den Sechzigerjahren auf Autogrammsuche war, aber Ilse Aichinger nahm ja schon bei der Veranstaltung mit ihrer Zwillingsschwester Helga Michie, wo Andrea Eckert aus ihren Werken las, nicht mehr teil. Ich habe sie, das habe ich höchstwahrscheinlich schon geschrieben, 2001 bei „Rund um die Burg“ das letzte Mal gesehen. Da wurde sie zu Mittag gemeinsam mit Antonio Fian vom Literaturhaus eingeladen, vor Dietmar Grieser, das ziemlich leere Zelt füllte sich plötzlich mit älteren Damen, die ungeduldig auf die Uhr schauten und sich ärgerten, das die zarte alte Frau am Podium ihre Eindrücke von nine elefen mit zittriger Stimme herunter las, obwohl sie schon ihren „Grieser“ hören wollten. Da habe ich mir gedacht, einmal wird das Zelt voll sein und Dietmar Grieser oder ein anderer wird aus den Werken Ilse Aichingers lesen und alle sind gebannt und hören zu.
Ich habe mir die „Größere Hoffnung“ in den Siebzigerjahren gekauft und gelesen und zum achtzigsten Geburtstag gab die Edition Korrespondenzen die „Kurzschlüsse“ heraus und präsentierte sie in den Räumen der Beamtenversicherung. Da gab es ein Programmheftchen, auf das ich mir ein Autogramm geben ließ, jetzt habe ich eines von der alten Dame und kann mich erinnern, daß sich einige Leute darüber mokierten, daß ich mir das Buch nicht kaufte. Das hat mir der Alfred dann zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt und die „Subtexte“ aus denen Andrea Eckert 2007 las, habe ich auch, sowie „Film und Verhängnis“, 2001 bei S. Fischer erschienen.
Dann gabs noch einmal eine Ausstellung im Literaturhaus, wo Frau Aichinger, glaube ich, auch nicht mehr war, da habe ich mir das Plakat geholt, das noch immer im Wohnzimmer hängt.
Inzwischen gibt es ein neues Buch, Kurt Neumann leitete die Veranstaltung ja ein, daß die Alte Schmiede keine Geburtstage von Autoren, sondern nur die von ihren Büchern feiern würde und so gibt es einen Interviewband und in dem habe ich am Freitag in der Pause zwischen dem kulturpolitischen Arbeitskreis und der Neuaufnahmelesung beim Morawa geblättert. Das Hilde Schmölzer Buch „Frau sein und Schreiben“ mit einem Aichinger Interview habe ich auch. In Anita C. Schaubs „Frauenbuch“, fehlt das Aichinger Interview, da kann ich mich erinnern, daß Anita C. Schaub erzählte, daß das zwar geplant war, aber nicht zustande gekommen ist.
In dem ORF-Artikel steht etwas, „das Ilse Aichinger am liebsten niemals geboren worden wäre und im Kino sterben wollen würde“. Kurt Neumann eröffnete die Veranstaltung, daß sie am 1.1. ihren neuzigsten Geburtstag feiern muß, ob sie will oder nicht und wies auf die Lesung aus „Verschenkter Rat“ vom 9. 12. 2003 hin, bei der Ilse Aichinger fast alle Gedichte gelesen hat.
Ob ich da dabei war, weiß ich gar nicht, möglicherweise nicht, es gab aber eine Leinwand und so konnte man Teile ihrer letzten Alten Schmiede Lesung hören, danach las Marlene Streeruwitz weiter und sagte anschließend, daß sie die Texte nicht kommentieren wolle und nur „die Kostbarkeiten“ lobte, für sie sie ihr sehr danken kann.
Dann kam die Hörspielregisseurin Renate Pitroff und hielt ein Einleitungsreferat zu dem 1977 aufgenommenen Hörspiel „Gare Maritime“ bei dem Ilse Aichinger selbst Regie führte. Ein surreales Hörspiel in dem es um das Atmen und sehr viel anderes geht, zwei Männer eine Puppe in ein Hafenmuseum schleppen, wo viele wunderliche Dinge passieren, mit feinen Humor beschrieben, so daß ich Kurt Neumann beim Lachen beobachten konnte.
„Bewahren Sie Ihr Werk im Herzen!“, riet Kurt Neumann zum Abschied auch und ich hatte nun zu entscheiden, ob ich Dienstags zu den Wiener Vorlesungen gehe oder, wie ich eigentlich wollte, nochmals in die Alte Schmiede zur zweisprachigen Lesung von Bora Cosics „Im Ministerium für Mamas Angelegenheiten“ und habe mich für die Wiener Vorlesungen entschieden, wo es im Wappensaal des Rathauses um dreiviertel sieben noch angenehm leer war, dann ist Christel Fallenstein gekommen, Norbert Leser ist hinter mir gesessen, Utta Roy-Seifert neben mir und Hubert Ch. Ehalt stellte wieder den Sinn der Wiener Vorlesungen vor. Diskurs und Widerspruch ist, glaube ich, die Grundidee und so hat er zum neunzigsten Geburtstag den Büchnerpreisträger von 2008 Josef Winkler eingeladen, der seinen Vortrag damit begann, wie er einsam auf der Bühne bei der Preisverleihung am 1. 1. 2008 gestanden ist, die Gladiolen angesehen hat und daran denken mußte, daß die große österreichische Dichterin diesen Preis nicht bekommen hat. Sie hat ihn noch immer nicht, Josef Winkler hat aber zwei ihrer Bücher diesen Sommer nach Indien mitgenommen und ist mit ihnen durch die Tempelanlangen gezogen und in seinem Vortrag hat er sich wieder viel von seiner Kärtner Kindheit, der Großmutter der drei Söhne im Krieg gefallen ist und die mit sechzig Jahren am geborochenen Herzen gestorben ist, vom Großvater, der beim Apfelbaum betete und von der Mutter, der Schwester der drei gefallenen Söhne, die irgendwann den Vater geheiratet hat, bezogen. Dazwischen kommen katholischen Sprücherln vor, die er wie eine Litanei hinunterrasselte und immer wieder Aichinger Sätze „Spiegelungen sind…, schreibt Ilse Aichinger“, beispielsweise. Alexandra Millner, die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin, die einmal Anna in Deutsch unterrichtete, verglich in ihrem Kommentar Ilse Aichinger mit Josef Winkler und stellte die Frage, was der Kärntner Dichter aus dem katholischen Dorf, der seine Heimat immer wieder verläßt, um nach Indien oder Italien zu reisen mit der Wiener Halbjüdin, die einen Teil ihrer Familie durch die Shoah verlor, gemeinsam hat und kommt zu dem Schluß, daß beide einen bedeutenden Roman geschrieben haben, der die Literaturgeschichte veränderte, „Menschenkind“ Josef Winkler „Die größere Hoffnung“ Ilse Aichinger und, daß sich beiden die Leidenschaft fürs Kino gehen teilen. Dann kam der Verleger der Edition Korrespondenzen Reto Ziegler und erzählte, wie er zu Ilse Aichingers Bücher gekommen ist, er hat drei oder vier von ihr verlegt, zuletzt den besagten Interviewband „Es muß gar nichts bleiben“ und erzählte, das, was die Meisten wohl sehr interessierte, wie es Ilse Aichinger persönlich geht. 2001 hat er ihre Wien-Gedichte herausgebracht, Richard Reichensperger ihr damaliger Lebenspartner vermittelte, als er 2004 einen tödlichen Autounfall hatte, entwickelte sich eine intensivere Freundschaft zwischen der Autorin und dem Verleger, der mit Ilse Aichinger ins Kono ging und sie auch nach ihrer Krankheit 2005, als sie zu schreiben aufhörte, weiterbesuchte. Am Büchertisch lagen die in der Edition Korrespondenzen erschienen Bücher auf, zwei davon habe ich ja gelesen, in die anderen, wie zum Beispiel „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“ 2004 erschienen, hineingeschaut.

2011-10-24

Ruhe auf der Flucht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:54

Die 1951 erschienene Erzählung „Ruhe auf der Flucht“ von Lilly Sauter ist wieder ein Gustostückerl aus dem Bücherschrank, denn hier wird direkt und wahrscheinlich sehr authentisch vom Leben kurz nach dem Krieg erzählt.
Die Ich-Erzählerin Barbara, die sonst ziemlich biografielos bleibt, hat sich in das Tiroler Bergdorf Andorf zu ihrer Tante Irene und Onkel Ferdinand einem Arzt zurückgezogen, der die meiste Zeit vor dem Radioapparat sitzt, während die Tante, die musische bürgerliche Kultur aufrechtzuerhalten sucht und bereitwillig die Nachbarn, die von der amerikanischen Besatzung ausquartiert werden, bei sich aufnimmt und sich mit dem Dienstmädchen Fanny herumbemüht, das alle Heiligen beschwört.
Das Buch springt rasant in die Handlung ein, einige Tage nach Kriegsende, wo noch die Hakenkreuzfahnen von den Häusern wehen, bzw. die Kreuze hinausgeschnitten und durch weiße Leintuchstücke zu rot weiß roten Flaggen gemacht werden und am Bahnhof die Züge zum Plündern bereitstehen, um die sich alle drängen, vor allem aber die Jungen aus dem „Kinder-Land-Verschickungs-Lager“.
Barbara offensichtlich eine bürgerliche junge Frau schließt sich mehr oder minder freiwillig der Plünderung an und läßt sich Reis in ein Gefäß schütten, da Reis etwas ist, „das man sich nicht entgehen lassen darf“ Frau Dr. Gruspaden mit den fünf Kindern, deren Nazivergangenheit und stramme NS-Mutterschaft man sanft erahnen kann, zieht mit einem belandenen Handwagen an Barbara vorüber und schreit ihr stolz „Das ist schon die zweite Fuhre!“, entgegen. Barbara sieht einen Mann am Bahnhof stehen, der ihr noch einige Male begegnen soll, hört von Juden, die vorübergetrieben wurden und die Typhus hatten und in einem Heustadel übernachteten in dem sich schon eine Flüchtlingsfamilie „verkrochen hatte. Mann, Frau und ein ganz kleines Kind.“
Barbara geht nach Hause zu Tante, Onkel und dem Dienstmädchen und nimmt bereitwillig alle Nachbarn bei sich auf, nur als die fromme Fanny auch noch die Flüchtlingsfamilie einquartieren will, weigert sich sich, wegen der Ansteckungsgefahr. Es gibt die Frau Zarubin, offenbar eine russische Musikerin, die in dem kleinen Bergdorf Schwierigkeiten mit dem Musizieren hat, obwohl ihr die hilfsbereite Tante Irene ihr Klavier anbietet und als das Radio zusammenbricht, holt Barbara Karl aus dem Kinder-Verschickungslager, Sohn eines Elektrohändlers, der es ihr und den Toaster, der Brotröster genannt wird, wieder repariert, nachdem er die entsprechenden Drähte organisieren konnte.
Es gibt auch die Nachbarn Gish und Heini Brekker, offensichtliche Bundesdeutsche, die es irgendwie herverschlagen hat und Heini macht sich gleich beim amerikanischen Militärkommando unentbehrlich und heuert Barbara als Dolmetscherin an, da diese und die Tante natürlich perfekt Englisch sprechen.
Inzwischen ist die Flüchtilingsfamilie weitergezogen und weil die ebenfalls sehr gutmütige Frau Malllonder, die sehr damit hadert, daß die Amerikaner ihrem Sohn in dem Krieg in den ihn die Nazis schickten, ein Bein weggeschossen haben, ihnen eine blaue Decke schenkte und sich die Frau darin einwickelte, werden sie von den Bauern für die „Heilige Familie“ gehalten, weil sie so offensichtlich dem Grestener Altarbild sehr ähnlich sehen.
Das löst eine Welle von Aktionen aus, das ganze Dorf, das Hoffnung sucht, pilgert hinauf und nimmt Konserven, Schokolade und alles andere, das sich von den Amerikanern bekommen läßt, mit, was allmählich auch Frau Dr. Gruspaden merkt und um die Milche für ihre Kinder fürchten läßt, so daß zuerst Klatsch und Tratsch entsteht, später soll die Familie von den Amerikanern abgeholt und ihres Heiligenscheins beraubt werden, was Barbara, die zwar kein „Schokolade-Mädchen“ oder „Ami-Pupperl“ ist, sich aber trotzdem in den musikalischen Ray Hartmann mit Vater aus Österreich und Mutter aus Russland verliebt, zu einer Rettungsaktion veranlaßt.
Ray wird daraufhin von seiner vorübergehenden Kommandofunktion zwar enthoben, was aber nicht viel macht, da Barbara ohnehin die Bild seiner Braut Bessie in seinem Koffer entdeckte, so daß am Schluß, als die Flüchtlingsfamilie gerettet ist und alle mit dem seltsamen Mann am Bahnhof, um ein Lagerfeuer sitzen, das Leben in dem neuen Österreich im Sinne der Menschlichkeit weitergehen kann….
Ein wenig kitschig mutet die Geschichte mit der heiligen Familie dem heutigen Leser vielleicht an, die Authentizität der nahvergangenen Kriegsereignisse macht das Buch aber sicher sehr empfehlenswert und ich habe von Lilly Sauter, die 1913 in Wien geboren wurde und 1972 in Innsbruck starb, das erstemal vor ein paar Jahren beim Christine Busta Symposium der Gesellschaft für Literatur gehört. Da war ihr ein eigener Vortrag gewidmet, sonst ist die Autorin, Kusthistorikerin, Kritikerin und Veranstalterin ziemlich vergessen, im Internet kann man aber ihren Nachlaß finden, der von der Universität Innsbruck verwaltet wird und das Lexikon „Literatur in Tirol“ hat ihr Leben auch sehr genau aufgearbeitet. Über „Ruhe auf der Flucht“ das 1951 in der österreichischen Verlagsanstalt Innsbruck erschienen ist, kann man auch eine Beschreibung finden, die der Autorin psychologisches Einverständnis und christlichen Humanismus zugesteht. Sonst hat Lilly Sauer noch Gedichte und Novellen geschrieben, die ebenfalls im Internet zu finden sind.

2011-10-23

Friedhof für Verrückte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:43

„Friedhof für Verrückte“, von Ray Bradbury, verbindet, wie die New York Times schreibt, „Elemente der Detektivgeschichte, des Hollywoodromans und der Monsterfabel auf eine Weise, die nahezu einmalig ist.“
Vor allem ist die zu Halloween 1954 zwischen der berühmten Filmstadt und einem Friedhof spielende vierhundertfünfzig Seiten Geschichte eigentlich sehr banal, obwohl sie so fantastisch klingt.
Held ist ein junger Drehbuchschreiber, der mit seinem Freund Roy einem Experten für Spezialeffekte in den Studios eine Monstergeschichte schreiben soll. Da bekommt er plötzlich einen Brief, der ihn in der Nacht auf den Friedhof bestellt, dort sieht er auf einer Leiter die Leiche des Filmmagnaten Charles Arbuthnot, der vor zwanzig Jahren einen tötlichen Autounfall hatte.
Es ist eine Puppe und die beiden Freunde werden am Abend in ein Restaurant bestellt, wo sie einem Monster begegnen, das hinter einer Wand mit einer schönen Blinden diniert. Roy ist begeistert, hat er doch endlich das Vorbild für sein Monster und baut es im Studio nach.
Darauf wird sein Studio zerstört, Roys Leiche scheint an einem Galgen zu baumeln, der Ich-Erzähler vermutet jedoch, daß er sich im Maximus Filmstudio versteckt, wendet sich an seinen Freund Crumley, einen Privatdetektiv, mit ihm besucht er den Friedhof und Arbuthnots Grab. Sie finden mit Hilfe eines Blinden heraus, daß es dort nie eine Leiche gab, aber einen unterirdischen Gang, der direkt in die Studios und in das Büro des jetztigen Bosses Manny Leiber führt. Inzwischen begegnet der Held dem Monster im nachgebauten Notre Dame und einen Christusdarsteller. Er bekommt auch heraus, daß das Monster nächtlich in der Friedhofskirche beichtet.
Ein paar Leichen gibt es auch noch und ein von Roy Holdstroms gespieltes Doppelmonster, bis am Schluß herauskommt, was der Leser längst schon ahnt, daß Arbuthnot nie gestorben ist, sondern durch den Unfall verunstaltet im Geheimen die Studios weiterregierte und Roy von einem Erpresser auf den Friedhof geführt wurde.
Das alles wird in den vierhundertfünfzig Seiten in einer fantastischen Schnelligkeit erzählt und ist eine Liebeserklärung auf das Hollywood der Fünzigerjahre mit allen seinen seltsamen Typen, in dem ja nachgebaut von Maskenbildern und Action-Spezialisten die unglaubliche Dinge passieren.
Da ist der Maskenbildner Lenins, der versoffenen Christusdarsteller J.C, aus dessen Händen das Kunstblut tropft und dessen Unglück es ist, daß ein Jesus Christus keine Frauengeschichten haben darf und die Autogrammjänger, die mit ihren Mappen vor den Studios und den Restaurants stehen und dann ihre Schätze an Agenturen verkaufen oder in ihren Wohnungen horten. Monster entstehen und ein Geistereuropa auf dem Studiogelände und der 1929 geborene und in Los Angeles lebende Ray Bradbury, der viele Filmdrehbücher, aber auch „Fahrenheit 451“, dessen Verfilmung mit Oskar Werner mich in den Siebzigerjahren im Gartenhaus meiner Eltern sehr begeisterte, geschrieben hat, erzählt auf eine sehr humorvoll phantastische Art und Weise vielleicht einen Teil seiner Lebensgeschichte, einer kunstvoll verrückten Welt, die Europa regierte und die Schauspieler, Komparsen, Drehbuchautoren feuern, aber auch berühmt machen konnte und man erfährt sehr viel von der Filmwelt, ihren Leiden und Spezialeffekten, ist der junge Drehbuchautor ja ein Filmexperte, hat diese mit der Muttermilch aufgezogen, er haßt auch Alkohol und Drogen, was in dieser Filmwelt wahrscheinlich nicht immer lebbar ist und zieht auf eine sehr amüsant rasante Weise, die Filmwelt durch den Kakao.
Was zweifach passt, den 1990 erschienenen, im Bücherschrank gefundenen, Roman, gerade jetzt zu lesen, wurde doch vor ein paar Tagen die Viennale eröffnet und Halloween ist demnächst auch.

2011-10-22

GAV-Veranstaltungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:31

Dieses Wochenende wieder GAV-Veranstaltungen. Das heißt die Generalversammlung findet seit einigen Jahren nur mehr Samstags statt und am Freitag gibt es seit zwei jahren wieder einen kulturpolitischen Arbeitskreis. Das ist eine Veranstaltung, die es in den Neunzigerjahren in Salzburg und in Innsbruck gegeben hat, dann für einige Zeit eingeschlafen ist, weil aber bei den Generalversammlungen immer der Wunsch nach einer politischen Diskussion laut wird, hat ihn Ruth Aspöck vor zwei Jahren wieder ins Leben gerufen.
„Kritik und Wünsche an die GAV lautete das Thema und ich habe meinen Wunsch die Jurykriterien zu diskutieren, artikuliert, bin ich ja eine, die sich mit ihren breiten Literaturbegriff bezüglich Ablehnungen schwer tut.
Inzwischen hat die GAV schon an die sechshundertachtzig Mitglieder, zu den GVs kommt ein kleiner Teil, zum kulturpolitischen Arbeitskreis haben sich zehn Mitglieder eingefunden.
Ruth Aspöck hat ein Papier Rolf Schwendters aus den Neunzigerjahren verlesen in dem es um die Unterscheidung zwischen den etablierten Autoren, dem Nebenerwerbsschriftstellern, den Facharbeitern und der literarischen Bohemiene ging. Daran hat sich seither nicht sehr viel verändert.
Danach teilte Ruth Aspöck rosa Kärtchen aus und ließ uns unsere Assoziationen zur Hochkultur, Subkultur und Literatur aufschreiben. Da sind mir zur Subkultur „Rolf Schwendter, Poet-Night, Cafe Amadeus und Wienzeile, das ist eine Literaturzeitschrift“, eingefallen, zur Hochkultur „der Eventcharakter, die Salzburger Festspiele und Anna Netrebko“ und zur Literatur natürlich „gut und wichtig, zu wenig im Orf vertreten, Buch-Wien, Buchpreis, Buchmessen, Rund um die Burg, Preise, Förderungen, Verlage“.
Daraus entwickelte sich eine interessante Diskussion, wie das mit der Hochkultur und den Operbesuchen ist und ob man Bücher, die auf den Bestsellerlisten stehen, lesen soll?

Ich tue es natürlich, aber ich habe einen breiten Geschmack und die GAV hat sich einmal von dem konservativeren PEN abgespaltet und es ist auch eine interessante Frage, was man sich von einem Schriftstellerverein erwartet?
Danach gab es zweistündige Pause, die ich in der Buchhandlung Morawa verbrachte, um mich durch die Mainstraimbücherberge durchzusehen, die es in in diesem Herbst gibt, bis es um sieben mit der Lesung der Mitglieder weiterging, die im Vorjahr aufgenommen wurden.
Das ist, glaube ich, auch eine Idee, Ruth Aspöcks. Als ich 1987 aufgenommen wurde, hat es eine „Neuerscheinungslesung“ gegeben.
Aber die Idee, daß sich die neuen Mitglieder durch eine Lesung vorstellen, ist sicher interessant. Es gibt auch ein Heft mit Textproben, der zwölf Mitglieder, die im vorigen Jahr aufgenommen wurden. Acht davon haben gelesen.
Susanne Ayoub ein Stück aus ihrem „Baghdadroman“, an dem sie gerade arbeitet. Susanne Ayoub kenne ich ja schon sehr lang und habe sie, glaube ich, in der Szene Margareten in der Pannaschgasse kennengelernt und war auch bei Lesungen aus ihrem Roman „Engelsgift“. Aus „Mandragora“ hat sie einmal bei „Rund um die Burg“ gelesen.
Den 1953 in Salzburg geborenen Wolfgang Eibl kannte ich noch nicht, er hat acht Gedichte gelesen und jedes davon zweimal und empfahl beim zweiten Lesen die Augen zuzumachen, damit man sich die Bilder besser vorstellen kann.
Dagmar Fischer kenne ich auch schon länger, habe sie bei der Poet-Night lesen gehört und war auch bei ihrer Lesung bei den Wilden Worten. Ihr Buch „Lyreley“ habe ich auch zu Haus. Und Gertraud Klemm habe ich im Februar bei den Textvorstellungen kennengelernt, als sie ihr Buch „Mutter aus Papier“ vorstellte. Jetzt las sie einen Auszug aus „Herzmilch“, der auch in den Textproben abgedruckt ist. Martin Klaus M. Menzinger und Sabine Nikolay habe ich nicht gekannt, wohl aber Judith Pfeifer, die zehn Gedichte las, die schon in verschiedenen Anthologien abgedruckt sind. Beim Erich Fried Symposium 2009 „laut lauter lyrik“ bediente sie den Textautomaten, so habe ich ein Foto mit einem Text von ihr neben meinem Bücherregal hängen und ihre Gedichte sind auch ähnlich beeindruckend, wie die von der in Buenos Aires geborenen Victoria Slavuski, die in New York und in Paris lebte und jetzt in Wien Dichterin und Kulturjournalistin ist, die in Englisch und in Spanisch zu schreiben scheint und drei Gedichte las, die von Evelyn Holloway übersetzt wurden.
Heute gings zur Generalsversammlung, wo ich in der Alten Schmiede einige Kollegen wieder traf und neue Mitglieder kennenlernte, mit Margot Koller ihr neues Buch tauschte und es ein dichtes Tagesprogramm gab. Die Veranstaltungen für das Jahr 2012 wurden diskutiert und darüber gesprochen, daß man sich von den Kollegen nicht zu zu vielen Lesungen einladen lassen darf, bzw. sich von ihnen keine Veranstaltung organisieren lassen soll.

Meine „Mittleren VI“ sind aber problemlos durchgegangen. Jetzt kann ich die Veranstaltung, die ich diesmal mit mit Patricia Brooks, Elisabeth Chovanec, Dine Petrik und Lale Rodgarcia-Dara, die ich noch fragen muß, zu organisieren beginnen.
Am Nachmittag gabs wieder eine rege Diskussion bezüglich der Neuaufnahmen. Es gibt jetzt klare Regeln, daß die Jury jedes Jahr neu bestimmt werden soll und unter anderen haben wir jetzt Raimund Bahr, Rene Freund, Gabi Kreslehner, Carolina Schutti, Johanna Tschautschner, Peter Paul Wipplinger, Valerie Fritsch, Rudolf Kraus, Manuela Kurt, Helga Pregesbauer, Nathaniel Horowitz und Ka Ruhdorfer als neue Mitglieder. Danach gings zum Abendessen ins Gasthaus Pfudl, wo es Fritattensuppe, Gulasch und Sachertorte gab, bzw. ich mir von den Menuvorschlägen aussuchte und mich sehr intensiv mit Andreas Renoldner, Rudi Lasselsberger, Fritz Widhalm, Ilse Kilic und noch einigen anderen unterhielt, mit Rudi Lasselsberger wieder ein Glas Wein trank und beim Nachhauseweg ein Stück gemeinsam mit Stephan Eibl-Erzberg ging, den ich bei meinem Geburtstagsfest in zwei Wochen gemeisam mit Rudi Lasselsberger und E.A. Richter als Lesende erwarten darf, gegangen, der wieder interessantes zu erzählen hatte und einige Gedichte rezitierte.
Und jetzt ein bißchen schlafen bevor es in den Tierpark Ernstbrunn und dann zum Sladky-Fototreff geht. Die Literatur im Nebel lasse ich, wie jedes Jahr aus.
Hier das Generalversammlungsarchiv 2008, 2009 1 2, 2010 1 2

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