Literaturgefluester

2011-10-10

Preisträger

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:31

Ich sitze vor dem Laptop, höre im Radio Ingram Hartingers Portrait über Tomas Tranströmer und habe gerade nachgegooglet, daß Eugen Ruge mit seinem Debutroman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“, den deutschen Buchpreis 2011 bekommen hat und bin vor kurzem von der Alten Schmiede zurückgekommen, wo die Bachmannpreisträgerin Maya Haderlap slowenische Gedichte und aus ihrem neuen Roman „Engel des Vergessens“ gelesen hat.
Eine wahre Preisträgerriege, der literarische Herbst hat es in sich und mir sind wieder einmal in der Alten Schmiede fast die Tränen hinuntergeronnen, denn wen ich mich auch noch so sehr bemühe, werde ich das wahrscheinlich nie erleben und das Lesen des neuen Buches von Ruth Aspöck hatte es auch in sich.
Eigentlich hatte ich noch eine vierte Option, denn als ich am Donnerstag im Literaturhaus war, fand ich dort die Einladung zur Buchpräsentation und Lesung von „Lautschrift 2011, der ersten Publikation des einzigen universitären Literaturinstitus Österreichs, nur leider fand die Veranstaltung um vierzehn Uhr im Ausstellungszentrum Heiligenkreuzer Hof statt und da hatte ich eine Diagnostik und im Anschluß zwei Befunde zu schreiben.
So bin ich erst kurz nach sechs in die Alte Schmiede gegangen und hatte noch ein bißchen Zeit in den Morawa zu schauen und mir das Programm der Buch Wien zu holen, um herauszufinden, daß am neunten November, meinem Geburtstag, die Eröffnung ist und, daß einen Tag früher Klaus Nüchtern den Staatspreis für Literaturkritik erhält.
Da gehe ich ja immer Herrn Auinger vom Bmuk um Einladungen an, was er immer freundlich weitergibt, aber nur kurzfristig zu nützen scheint und seine Frau, mit deren Tochter Anna einmal in die Schule ging, habe ich beim Hinabgehen in die Alte Schmiede gleich gesehen. Um dreiviertel sieben war das, also sehr früh, trotzdem strömten schon die Massen in den Keller und es war gar nicht so leicht einen Platz zu finden. Zwar waren noch einige frei, aber die waren besetzt, so habe ich mich auf einen der beiden nicht reservierten in die erste Reihe gesetzt und war sehr weit vorn.
Wenn eine Bachmannpreisträgerin liest, ist es sehr voll in der Alten Schmiede, so gehört es sich auch und so sind die jungen Mädchen auch im Gang gestanden, als die strahlende Preisträgerin mit Kurt Neumann und Daniela Strigl aufgetreten ist. Am Büchertisch lag neben dem Roman, ein großer Lyrikband in Slowenisch, Deutsch und Englisch, den Maja Haderlap, wie Kurt Neumann erklärte, offenbar schon einmal hier präsentierte. Da aber Lyrik natürlich den literarischeren Stellenwert hat, begann Maya Haderlap, die Lesung mit ein paar zweisprachigen Gedichten, die sie aber schon in Deutsch geschrieben hat und im Anschluß von einer Freundin übersetzen ließ und so hat sie vom „Sommer“ und von „Venedig“ gelesen und dann, glaube ich, den Text, der im Volltext zu den Bachmannlesern erschienenen ist, über ihre Sprache. Sie hat erst in der Volksschule Deutsch gelernt und dann im Gymnasium noch einmal ihre Sprache verloren, weil man offenbar in der Eisenkappler Volksschule trotzdem slowenisch gesungen hat und Gedichte lernte. Zumindest handelt das erste Stück das Maya Haderlaß las von ihrer Mutter mit der sie als Kind während des Bügeln slowenische Gedichte lernte und die Mutter erzählte, dann noch etwas von „Vögeln, die alle faulen Kinder holen“ und, daß „die sieben Kilometer, die die Ich Erzählerin Sonntags in die Kirche gehen mußte, nichts machen, weil der Weg zum lieben Gott eben steinig ist.“ Dann gab es noch den Konflikt zwischen der Mutter und der Großmutter und die Großmutter war im KZ in Ravensbrück und holte die Pfanne, um die Ich Erzählerin auszuräuchern, als sich die in der Pubertät einmal im Bikini zeigte.
Dann kamen die weniger lustigen Stellen, nämlich die Namen der Personen, die während des Krieges verschwunden sind und es wurde vom Schweigen gelesen, das über dieses Stück Kärntner Geschichte bisher herrschte. Maya Haderlap hat sie aufgedeckt und so wird das Buch inzwischen auf Slowenisch übersetzt, aber das ist auch nicht so einfach, denn das Kärntner Slowenisch ist ja kein richtiges Slowenisch und ob das in Laibach oder Maribor anerkannt wird?
Maya Haderlap erzählte Daniela Striegl dann noch, daß es die ersten Tage nach dem Bachmannpreis wunderbar in Klagenfurt war, weil sie da in den Geschäften endlich auf Slowenisch angesprochen wurde, aber jetzt geht sie erst einmal daran, den deutschen Literaturbetrieb zu entdecken.
Richtig, wenn sie sich in den Nacht- oder Morgenzug setzt, kommt sie wahrscheinlich noch rechtzeitig in Frankfurt an und das ist für mich der Übergang zum deutschen Buchpreis, der ja um achtzehn Uhr fünfzig bekannt gegeben wurde und das ist ja die inoffizielle Eröffnung der Buchmesse und ich hatte keine Ahniung wer ihn bekommen wird. Waren mir von den sechs der Shortlist ja nur Marlene Streeruwitz und Sibylle Lewitscharoff bekannt und da eine Österreicherin da ja nicht so leicht und so oft gewinnt, hätte ich an Sibylle Lewitscharoff getippt, aber die Erfahrung lehrt, den Preis bekommt sicher einer der vier anderen und den kenne ich nicht oder doch, von Eugen Ruge habe ich in den letzten Tagen auf den Literaturseiten schon etwas gefunden und so war die Überraschung gar nicht so groß, als ich mir nachdem ich nach Hause gekommen bin, das Video an- und dann gleich wieder abdrehte. Hatte ich ja Ö1 eingeschaltet, denn das Portrait des Nobelpreisträgers interessierte mich natürlich auch, umso mehr, da ich am Freitag, als ich, bevor ich ins Parlament zur Jurysitzung, gegangen bin, mir am Naschmarkt eine Melange und ein Kipferl kaufte und dabei in der Zeitung „Heute“ blätterte, die sic darüberh mokierte, daß ein unbekannter Schwede und nicht Philip Roth den Preis bekommen hat, obwohl der und Haruki Murakami doch so viele Fans und Bücher haben, während der neue Nobelpreisträger nur ein Dutzend Gedichtbände hat und Marcel Reich-Ranicky ihn nicht kannte.
„Das ist uns in diesem Fall leider zu wenig!“, schrieb die Zeitung und ich dachte, daß Herr Reich-Ranicky und der Heute-Artikelschreiber ja nun Tomas Tranströmer kennenlernen könnten. Ich habe mir jedenfalls das Portrait angehört und bin danach erst auf die Seite des deutschen Buchpreises gegangen und auch zufrieden, denn Bücher über die ehemalige DDR interessieren mich ja sehr und der neue Buchpreisträger mit dem besten Roman des Jahres, macht auch einen sehr sympathischen Eindruck. Der beste Roman ist es natürlich nicht, sondern nur einer von vielen guten. Maya Haderlaps Roman ist sicher auch dabei und der von Josef Haslinger, der übrigens heute auch in der Alten Schmiede war, Judith Schalanskys „Hals der Giraffe“, das es ja nicht auf die Shortlist geschafft hat, die ich alle lesen will und mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünsche, jetzt kommt auch Eugen Runges Buch hinzu, aber halt, die meinen Samstageintrag gelesen habe, wissen, daß ich mit meiner Leseliste ringe, also lieber bescheiden sein, das Kunstlesebuch habe ich aber schon begonnen und Manfred Chobots Text gelesen.

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