Literaturgefluester

2011-10-13

Alltag, Stimmung, Sphären

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:22

Wieder einmal Textvorstellungen moderiert von Angelika Reitzer in der Alten Schmiede, wo sie wieder drei starke jüngere Frauenstimmen, geboren 1967, 1980 und 1985 vorstellte. Ich verfolge die Angelika Reitzer Veranstaltungen schon von Anfang an und war auch bei fast allen, so daß ich Valerie Fritsch durch sie kennenlernte, Sandra Gugic weiterverfolgen konnte, etc.
Jetzt habe ich zwei neue Autorinnen kennengelernt, da ich Nadine Kegele schon beim letzten Volksstimmefest hörte und die Veranstaltung sozusagen als Abwechslung zum intensiven Buchmessensurfen, das ich dieser Tage intensiv betreibe, betrachtet.
Christl Greller habe ich gleich beim Eingang gesehen, ansonsten vorwiegend junge Leute, die glaube ich, hauptsächlich aus dem Bekanntenkreis Nadine Kegeles stammten, die ihnen die Stränge aus dem Romanprojekt, aus dem sie zu lesen plante, erklärte.
Angelika Reitzer begann mit einem Zitat von Wilhelm Genazino zu Kleidern und erklärte, daß das auch sehr gut zu den Texten der drei Frauen passen würden, die sie alle durch eine Publikation in der Rampe, die sie gemeinsam hatten, kennenlernte.
Begonnen hat die Älteste der drei, die 1967 in Linz geborene Wirtstochter Karin Peschka, mit drei Texten von denen der erste „Fräulein Luise oder der kleine Lärm“ von der Geruchsbelästigung durch eine Sandlerin handelte, die sich in einem aufgelassenen Ein Euro Shop auf Gratiszeitungen mit ihren Billasackerln ausbreitete und dabei den Tetrapack Wein verkonsumierte.
Sehr poetisch eine Sandlerin „Fräulein Luise“ zu nennen. Das war auch der ganze Text und der zweite mit dem Titel „Donauwalzer“, aus einem Zyklus, wo zwei Frauen miteinander tanzen, während sich ihre Männer über ihren Hintern unterhielten.
Der dritte war noch ungewöhnlicher in unserer Zeit, wo man konkret, poetisch oder höchstens realistisch aber auf gar keinen Fall „altmodisch“ schreiben darf. War doch die Familiengeschichte des Mariechens, das mit seinen Käfern spielt, bei der Mutter Bindfaden aus dem Mund kommen sieht und den Tod schließlich aus dem Zimmer der Großmutter vertreibt, sehr märchenhaft.
Oder war es doch die magische Phase des Kindes? Karin Peschka hat, wie sie sagte, auch als Sozialarbeiterin gearbeitet, daher sind ihr alle Schichten vertraut, die Großmutter, die sich zum Sterben aber ein Kreuz mit schwarzen Hühnerfedern wünscht, hat offenbar ihre magischen Gaben an die Enkeltochter weitergegeben, während sich die Mutter ausgeschlossen fühlt und zwar „Vater“ zum Großvater sagt, von diesem aber nur mit „Hey du!“ angesprochen wird.
Interessant und ungewöhnlich und sehr poetisch, dann kam die 1980 in Vorarlberg geborene Nadine Kegele, die ich wie schon beschrieben, beim letzten Volksstimmefest hörte, die im Literaturinstitut in Leipzig aufgenommen wurde und nun aus einem sehr neuen Romanprojekt las, das sie für ein Stipendium einreichte, das wie sie meinte, aber noch sehr unfertig sei und das war ein rasanter Reigen von Beziehungen, die durch das Leben rasten, ein Michael, ein Alex, ein Gregor, eine Caro und noch ein paar andere kamen vor.
Nachher wurde diskutiert, ob das als Episodenroman zu verstehen sei und es eine Handlung gibt? Angelika Reitzer erwähnte noch etwas von Sprichwörtern, die sie in den Texten gefunden hätte.
Die dritte Leserin, die 1985 ebenfalls in Linz geborene, Marianne Jungmaier, auch eine unter Dreißig, die Film studierte und die Leondinger Akademie des Schreibens absolvierte, überraschte ebenfalls mit einem sehr poetischen Text „Wintersonnenwende“, die Geschichte einer Frau, die sich plötzlich im Hause eines Jakobs und seiner Mutter befindet, von ihr gefragt wird, ob sie Kinder mit ihm haben will, danach die Mutter pflegt und schließlich Jakob, nachdem sie seine, ihre und die Wäsche der Mutter gewaschen hat, wieder verläßt.
Dann kam noch ein Reisetext, der sich mit Marianne Jungmaiers Träumen vermischte, zu dem sie Rückmeldung wünschte.
Träume haben auch in der ersten Geschichte eine Rolle gespielt, träumt doch die Ich-Erzählerin vom Tod ihrer Mutter.
Sehr poetisch die Alltagsphärengeschichten der drei jungen Frauen, poetisch und doch auch realistisch, zumindestens die Personen von Karin Peschka, die Knechte und die Sandlerinnen und keine Intellektuelle, wie Angelika Reitzer in der Diskussion anmerkte und dann wieder magisch märchenhaft.
Wieder bin ich sehr gespannt, was und wieviel ich von den Autorinnen noch hören werde und jetzt werde ich die junge Poesie der Alten Schmiede wieder verlassen und mich für den Rest der Woche zu den großen Stimmen, die sich in Frankfurt auf das blaue Sofa setzen oder sich von 3SAt bzw. ARD interviewen lassen, begeben.

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