Literaturgefluester

2011-10-15

Sagenhaftes Island

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:40

Island ist das Gastland der heurigen Buchmesse in Frankfurt und soweit ich das beurteilen kann, wird das ein bißchen stärker präsentiert, als es vor einem Jahr Argentinien und vor zwei Jahren bei China war. Vielleicht hängt das mit dem Land zusammen, das ein bißchen exotisch ist und sowohl eine starke Naturgewalt, als auch seine Sagas und eine Sprache hat, die sich seit dem Mittelalter nicht sehr verändert hat.
„Wenn es das Wetter erlaubt, kommen wir wieder zusammen!“, sollen sie Isländer, habe ich gehört, sagen und sich über die Vulkanausbrüche nicht sehr aufregen und weil sie von der Natur so sehr abhängig sind, ziehen sie sich auf das Lesen und das Schreiben zurück. Ein kleines Land in dem es sehr viele Verlage gibt, wo die Leute viel lesen und auch selber schreiben, jeder Prominente hat seine eigene Biografie und außerdem sollen die Leute an Feen, Hexen und Trolle glauben, bzw. an Elfen und wo die wohnen, wird dann die Straße herumgebaut.
Das gehört vielleicht zum Klischee, ich weiß es nicht, war ich ja noch nicht in Island, weiß nur, daß Herr Lindner in seine kleine Galerie in der Schmalzofgasse vor Jahren ein paar isländische Künstler eingeladen hat, mit denen ich mich nach der Vernisage unterhielt und als ich mit dem Alfred vorigen Sonntag auf der Rudolfshöhe war, sind wir mit drei Leuten an einem Tisch gesessen, wo mir die Tochter, eine Bankerin, ihr Handy mit Aufnahmen aus Island und den Naturschönheiten, die es dort gibt, entgegengehalten hat und die waren tatsächlich sagenhaft.
Sonst weiß ich nicht viel über Island, seit ein paar Wochen hört man aber im Radio darüber, hatte Ö1 ja einen Island Schwerpunkt und im Literaturhaus bin ich vorige Woche auch gewesen, das war aber eine Veranstaltung der Exilbibliothek und als Viktor Urbanic mit seiner Frau und seinen Kindern nach Island kam, soll es dort noch kaum Straßen und keine Autos gegeben haben, inzwischen ist Island zu einem der reichsten Länder aufgestiegen und 2008 durch den Bankencrash wieder hinuntergefallen und heuer ist es Gastland in Frankfurt und dafür wurden zweihundert Bücher, glaube ich, übersetzt und es gibt auf der Messe einen Islandpavillon und dafür wurden die Isländer aufgerufen sich vor ihren Bibliotheken zu fotografieren und das Bild auf facebook zu stellen, dreißig Portraits wurden für die Messe ausgewählt und so kann man in dem Pavillon unter den Bildern von lesenden Menschen herumgehen, Kaffee trinken und wahrscheinlich auch mit isländischen Autoren sprechen.
Ich war ja zweimal auf der Frankfurter Buchmesse 2000 und 2002, da war einmal Polen und das andere Mal Litauen das Gastland, da kann ich mich noch sehr genau an die Pavillons erinnern. Ich glaube, es gab dort Gratiskaffee, den ich mir auch immer holte, von 2000 habe ich noch viele Portraithefte polnischer Autoren und ein T-Shirt mit einem wilden Kopf, wo ich mir übersetzten ließ, daß „Willkommen in Breslau“ oder so, darunter steht, im Litauen-Pavillon gab es Teesackerln zur freien Entnahme, heuer werden in Frankfurt die Bücher der isländischen Autoren zu finden sein und darüber weiß ich nicht sehr viel.
Gar nichts eigentlich, außer den Namen Halldor Laxness und der Tatsache, daß der 1955 den Nobelpreis bekommen hat und da konnte ich mir vorstellen, daß ich was von ihm mit der Bibliothek meiner Eltern erbte, was aber nicht zu stimmen scheint.
Ex Libris hat in den letzten Wochen ein bißchen Nachhilfeunterricht gegeben und so hatte ich ein paar der unaussprechlichen und schwer zu merkenden Namen gehört und ein Prospekt habe ich in einer Buchhandlung, als ich beim Tag der offenen Tür im Writersstudio war, auch gefunden, inzwischen aber wieder weggelegt und dann lagen auch im Literaturhaus vor einer Woche einige Bücher auf und da ich seit Mittwoch ziemlich intensiv das blaue Sofa in Frankfurt verfolge, das jeden Tag eine isländische Autorin oder einen Autor bringt, verfolge, hat sich mir der Name Kristof Magnusson eingeprägt. Das ist zwar ein deutscher Autor, er hat aber eine „Gebrauchsanweisung für Island“ geschrieben und die habe ich, glaube ich, im Literaturhaus durchblättert und, daß Island ein Land mit sehr bedeutenden Krimiautoren ist, habe ich inzwischen auch erfahren. Ich habe zwar noch keinen gelesen, gestern war aber Arnaldur Indriöason auf dem blauen Sofa und der hat mehrere solche geschrieben und dann gibt es Frau, nämlich Kristin Steinsdottir, die mit dem Roman „Im Schatten des Vogels“ ein Stück isländischer Geschichte aufdeckte, wo die Leute am Land ihre Verwandten mit psychischen Problemen einfach in Kisten steckten, weil ein Psychiater zu teuer war oder als Schande galt. Heute saß am Sofa Steinunn Siguröardottir, die in Frankreich und jetzt in Berlin lebt und mit „Der gute Liebhaber“, einen Roman von einem Muttersöhnchen geschrieben hat, der sich plötzlich im Bett mit einer Psychoanalytikerin befindet, die ihn aufblättert.
Der Bankencrash scheint bei den jüngeren Autoren auch eine Rolle zu spielen, so gibt es einen Roman, der „Eine Frau“ oder so ähnlich heißt und von einer solchen handelt, die von einem Banker in ein tolles Apartement eingeladen wird und dann entdeckt, daß sie von dort nicht mehr herauskann. Leider habe ich den Namen Autor vergessen, es gibt aber noch einen anderen Roman, der im Radio vorgestellt wurde, nämlich Hallgrimur Helgasons „Eine Frau bei 1000 Grad“, der von einer alten Kämpferin handelt, die sich mit einer Grantate in einer Garage eingeschlossen hat.
Ob ich das alles jemals lesen werde, weiß ich nicht, bin aber, als ich in meinem Bibliothekskatalog blätterte, darauf gekommen, daß ich doch einen Roman von Halldor Laxness habe, nämlich „Atomstrom“, wofür er, glaube ich, auch den Nobelpreis bekommen habe, in der schönen alten rororo Taschenbuchausgabe, die ich ja ein bißchen sammle und das ist ein Buch aus dem offenen Bücherschrank, bei dem es eine Neuerung gibt, nämlich einen Zettel, an die Benützer, daß sie sich, weils dort letzter Zeit öfter leer war, nicht so gierig bedienen, sondern überlegen, ob sie schon alle Bücher gelesen haben, die sie dort entnahmen. Das betrifft mich nun ein bißchen, habe ich ja noch einige Ungelesene auf meiner Leseliste stehen, aber vor „Atomstrom“ entweder 2011 oder im nächsten Jahr einzuplanen. Da hinke ich mit meinen Leselisten ja ein bißchen nach, habe ich mir ja vor drei Jahren, als die Türkei Gastland war und ich den Besitz von Yasar Kemals „Granatapfelbaum“ bei mir entdeckte, vorgenommen, das Buch zu lesen und es noch immer nicht getan und auch das Buch von Borges, das mir der Martin einmal zum Geburtstag schenkte, herausnahm, habe ich wieder in das Regal zurückgelegt. Jetzt liegt „Atomstrom“ auf der Falter Bücherherbst Beilage am Wohnzimmertisch, bei dem ich in den letzten Tagen öfter mit dem Laptop saß und nach Frankfurt surfte und stimmt mich optisch in das sagenhafte Island ein, in dem die Leute lesen, Bücher schreiben und eine wunderbare Landschaft haben, in die man vielleicht einmal fahren sollte, aber noch habe ich einen Tag zum Buchmessensurfen und da, habe ich gesehen, treten auch noch ein paar isländische Autoren auf.

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