Literaturgefluester

2011-11-06

KriLit und Geburtstagslesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22
Anton Blitzstein

Anton Blitzstein

Stefan Eibel Erzberg

Stefan Eibel Erzberg

Nach der freitäglichen negativen Überraschung bin ich am Samstag doch noch einmal zur Krilit hinausmarschiert, gabs da ja ein verlockendes Programm und außerdem wollte ich mir die Bücher abholen, die ich beim Stand „Literatur der Arbeitswelt“ deponiert hatte. Als ich so um halb zwölf eintraf, war es in den Sälen ziemlich leer. Nur vier Zuhörerinnen bei Brigitte Voykowitsch „Dalits – Die Kaste der Unberührbaren in Indien“, obwohl das ein sehr interessantes Buch war, das viel vom Leben der unberührbaren Frauen, die es geschafft haben, zu studieren und sich in die indische Mittelschicht hinaufzuarbeiten, erzählte. Dann wurde es etwas voller, auf jedenfall war aber Helmuth Barth-Engelbarth, der ein Buch über die „Rote Ziege Zora“ und „GeBlödeltDichte“ geschrieben hat, laut und stimmgewaltig, vor allem las er sich sehr schnell durch sein Kinderbuch mit sehr viel politischen Anspielungen aus dem deutschen Land und erklärte zwischendurch, wie er dazugekommen war. Harry Rowohlt ziemlich ähnlich, wahrscheinlich nicht so bekannt. und dann Gedichte, wo er den deutschen Politalltag und seine Schweinereien verarschte.
Dadurch versäumte ich die Präsentation des „Duftenden Doppelpunkts“, aber den habe ich im Frühjahr ohnehin intensiv verfolgt und hätte Petra Öllinger nur nach dem versprochenen Rezensionsexemplar fragen könnten, habe sie aber nicht mehr gesehen. Der Driesch-Verlag präsentierte noch einmal sein neues Heft, das ich inzwischen habe, da es mir Franz Blaha zum Geburtstagsfest mitbrachte, er las sehr beeindruckende Dialektgedichte, Elfie Resch hatte eine Flüchtlingsgeschichte und das GAV-Mitglied Wolfgang Ratz las und sang mehr oder weniger politische Texte vor.

Eva Jancak

Eva Jancak

Rudi Lasselsberger

Rudi Lasselsberger

Als ich zur nächsten Lesung wollte, begrüßte mich Reinhold Schrappeneder und ich erkannte, daß der junge Mann, der beim Dialektworkshop der El Awadalla sagte, daß er gern mehr Dialekt reden wollte und schon einige albanische Worte gebrauche, die die Albaner als altmodisch empfinden, Ilir Ferrir war, der um halb drei sein bei der Edition Atelier erschienenes Buch „Rauchschatten“ präsentierte. Er hat glaube ich einmal einen der Exilpreise gewonnen und wurde beim Bremer Preis auch von Andrea Grill zur Lesung mitgenommen, diesmal hat er sich einige Albaner als Publikum mitgebracht und erzählte, daß er lange an dem Buch geschrieben hat und daß sein Vater meinte, daß er die kommunistische albanische Wirklichkeit nicht ganz verstanden hätte. Er las dann eine sehr politische Stelle, wo einer vom Parteikader sehr getadelt wird, weil er die Arbeitszeitverkürzung in seiner Abteilung einführen will.
Dann habe ich noch einen Roman einer Salzburger Autorin aus dem Guthmann Peterson Verlag „Eine Hand voll Mond“, gehört und bin zu einem Vortrag eines Altlinken Deutschen Gewerkschafters gegangen, der lang und breit von den politischen Kämpfen in den Siebzigerjahren erzählte, eine Handvoll meist schwarzgekleideter Jugendlicher haben andächtig zugehört, dann bin ich gegangen. Eigentlich wollte ich noch länger bleiben, lasen doch Judith Gruber-Rizy und Helmut Rizy aus Alfred Hirschenbergers Texten, einem 1919 geborenen Wiener Arbeiterdichters, den ich einmal bei Ruth Aspöck kennenlernte, Richard Weihs und Gerhard Loibelsberger hätten auch noch gelesen, aber das Geburtsfest nahte und da haben sich heuer, besonders viele Leute angemeldet. Ich lade ja immer meine ganzen Bekannten ein, so circa fünfzig werden das sein und zwanzig kommen meist, viel mehr gehen in das Wohnzimmer ohnehin nicht hienein, diesmal sinds aber, glaube ich, über fünfundzwanzig gewesen und das Einladen war auch etwas schwierig, habe ich ja zwei Briefe von der Post zurückbekommen, obwohl sie richtig frankiert waren, was wieder köstliche Satiren auf die Post geben könnte bzw. Trauerreaktionen, was sich da alles zum Nachteil verändert hat und noch etwas war anders, außer mir haben nur Männer gelesen und davon die meisten zum ersten Mal. Habe ich ja im letzten Jahr durch meinen Blog oder auch so einige interessante Autoren kennengelernt.
Als ich aufsperrten, da saß schon Rudi Lasselsberger im Vorzimmer und telefonierte, während Alfred ziemlich unbekleidet aus dem Badezimmer kam.

Marinko Stefanovic

Marinko Stefanovic

E. A. Richter

E. A. Richter

Es folgten dann sehr rasch die ersten Gäste, es gab ein bißchen Lachs und Käse zum Essen und auch die ersten Geschenke trudelten ein, Rudi Lasselsberger, der ein kindliches Gemüt zu haben scheint, hat mir ein Märchenbuch und ein Stofftier mitgebracht. Von Trude Kloiber habe ich Maya Haderlaps „Engel des Vergessens“ ein zweites Mal bekommen. Ich verstehe auch nicht, wieso das so oft passiert, daß ich ein Buch zweimal bekomme, gibt es ja genügend zur Auswahl könnte man denken, jetzt habe ich mir Judith Schalanski „Der Hals der Giraffe“, stattdessen gewünscht.
Sara Wipauer die eindeutig die jüngste war, brachte einen chinesischen Spruch und meinte, daß man vor dem Geburtstag nicht gratulieren dürfe. Stephan Eibel Erzberg wolle mir die „Stehlen und Rauben- Anthologie aus der Edition Splitter“ ebenfalls ein zweites Mal schenken, ansonsten Schokolade, Geschenkkörbe, Blumen u.u.u. Anton Blitzstein, der sozusagen als Überraschungsgast auftrat, brachte mir sein Buch „Phantastischer Individualismus in Wien, Literatur und Malerei von Anton Blitzstein aus den Jahren 1980-2010“ mit, dessen Nachwort es eigentlich unverständlich macht, daß er beim „Ohrenschmaus“ nicht mitmachen darf und las ein paar Psychiatrie kritische Texte, dann folgte Stephan Eibel Erzberg und das ist ja ein begnadeter Performer, der wieder die Geschichte erzählte, daß eine Zeitung jeden Tag ein Gedicht von ihm bringen wollte, dann war aber das erste zu sexistisch, das zweite zu politisch u. u. u. Ich zeigte wieder meine Werkshow vor und las dann die „Tanzstundenszene“ aus der „Frau auf der Bank“.

Marinko Stefanovic, den ich vor einem Jahr bei der Literatur im Herbst kennenlernte, meinte, daß ich ihm zum Schreiben von Gedichten in Deutsch ermuntert hätte, er hat mir eine Zeitlang sehr viele Gedichte geschickt, die inzwischen alle im Augustin veröffentlicht wurde, gab eine Probe daraus und fand beim Publikum großes Gefallen. Er gab mir auch Rückmeldung über „Mimis Bücher“, das er ja ins bosnische bzw. serbokroatische, wie er die Sprache noch immer nennt, übersetzt und darüber und über „Die Absturzgefahr“ und das „Haus“ habe ich mich auch mit Christel Fallenstein, die die Bücher gelesen hat, unterhalten. Vorher hat noch Rudi Lasselsberger eine Stelle aus seinem neuen Buch „Tanz in den Mai“ gelesen, das auf meiner Leseliste steht. Bei E.A.Richter wurde es dann wieder lyrisch, es gab unter anderen einige Rosengedichte zu hören.
Dann gabs ein gutes Buffet, obwohl so viele Leute gekommen waren, daß im Zimmer während der Lesung fast kein Platz frei war, ist sehr viel übergeblieben. Außer den bekannten Schweinslungenbraten in Blätterteig und Spinatstrudel, hat es viele Kuchen gegeben. Connections zwischen meinen Besucher von denen sich einige kannten und sich andere neu kennenlernten, gab es auch und jetzt habe ich wieder ein paar Bücher mehr, zum Beispiel noch Auguste Groners „Der rote Merkur“, von dem ich mir auch nicht gan sicher bin, ob ich den Wiener Kriminalroman aus dem Jahr 1907, schon gelesen habe, Anni Bürkl hat ja einmal ein paar ihrer Romane ins Internet gestellt, den mir Judith Gruber-Rizy brachte und Christel Fallenstein brachte mir Ilana Shmueli, eine Theodor Kramer Preisträgerin „Sag, daß Jerusalem ist über Paul Celan Oktober 1969 – April 1970“ gebracht, jetzt bin ich sehr müde und erschöpft.
Und hier die früheren Geburtstagsfeste 2008, 2009, 2010

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3 Kommentare »

  1. herzlichen dank für das schöne fest! kulinarisch, dichterisch, persönlisch, fantastisch, wunderbarisch und die köstlische betreuung durch den bloßfiaßigen, einfach jancakisch!!! lg rl

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2011-11-06 @ 13:53 | Antwort

  2. Liebe Eva!
    Wie immer war dein Geburtstagsfest ein Erlebnis. Was ist hervorragender: deine Auswahl der Lesenden oder die Kulinarik von Alfred? Ich kenne niemanden, der oder die ein Fest unter Freunden so verbindet: Immer neue Texte, andere Menschen und viel Anregendes. Dein vorgetragener Text lässt uns auf den kommenden Roman neugierig werden. Wenn wir schon zum Geburtstag am 9. 11. gratulieren dürfen (das chinesische Verbot, zuvor zu gratulieren, missachtend) dann wünschen wir jetzt nochmals „many happy returns“.
    Wir können uns sehr gut vorstellen, dass du, nachdem wir alle gegangen waren, erschöpft warst, aber jetzt wirst du ausgeschlafen sein und dem neuen Jahr mit Zuversicht entgegengehen.
    Schöne Grüsse
    Ruth und Robert

    Kommentar von Ruth — 2011-11-06 @ 18:54 | Antwort

  3. Ja, ich finde mein literarisches Geburtstagsfest auch sehr schön, 1986 ist mir die Idee zu einem „literarischen Salon“ gekommen, aber monatliche Literaturtermine gehen bei mir nicht, da hätte ich nicht genug Publikum, so hat sich die Idee mit dem Geburtstagsfest eigentlich von selbst entwickelt. Ich verstehe es als „Hausmusik“ in Sachen Literatur, die mir sehr sehr wichtig ist, ansonsten habe ich kein Konzept und kein Programm. Ich lade einfach alle meine Bekannten ein und in Bezug der Lesenden gibt es auch keine große Auswahl, bin ich auch eine Gegnerin des Auswählens. Aber ich kenne eben sehr viele Autoren und ungefähr ein Monat vorher, greife zum Telefon oder Mail und frage an.
    Ich hatte ja schon den Ruf, daß ich nur Frauen einlade, das hat sich spontan aus dem Arbeitskreis schreibender Frauen bzw. der Frauen lesen Frauen Runde so ergeben und dann bin ich an sich ein treuer Mensch, der vielleicht auch dazu neigt, dieselben einzuladen, ist auch einfacher, als mir Absagen zu holen.
    Aber diesmal war es, ich glaube auch, durch das Literaturgeflüster anders, da hatten sich eben einige interessante Männer angeboten. Ich habe im Laufe der Jahre natürlich auch schon gedacht, die Sache aufzugeben, aber jetzt bleibe ich dabei, denn mein literarisches Geburtstagsfest ist etwas Besonderes und wie immer, war auch dieses Fest besonders schön!
    Ich war schon durch die KritLit, bei der ich mich am Freitag und am Samstag sehr intensiv herumgetrieben habe, ein wenig müde und bezüglich „Alpha“, wegen dem ich das Fest auf Samstag verlegt habe, weshalb die Anna nicht kommen konnte, da sie Nachtdienst hatte, auch frustriert, dann habe ich gebloggt, aufgeräumt und war gerade mit dem Alfred am sonntäglichen Spaziergang auf der Mostalm und Pläne bezüglich 2013, wenn ich sechzig werde, habe ich auch schon, da gibts nämlich ein „Sechzig Minuten Eva Jancak Special“, ist aber nicht so neu, denn zum Fünfziger habe ich auch allein gelesen.
    Vielen Dank für deine gute Wünsche, da ich ja eine „rote“ Atheistin bin, habe ich es nicht so sehr mit dem Aberglauben und das Fest einfach wegen der Buch-Wien um eine Woche vorverlegt, weil ich dachte, daß ich da am Freitag vielleicht zu einer Lesung gehen will.
    Morgen gehe ich mit dem Alfred und der Anna ins „Beograd“ sozusagen privat feiern und am Mittwoch, dem Geburtstagstag zu Eröffnung der Buch-Wien und da stehe ich auf der Einladungsliste, so daß nichts schiefgehen kann und wir sehen uns am Donnerstag bei deiner Lesung.

    Kommentar von Eva Jancak — 2011-11-06 @ 19:08 | Antwort


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