Literaturgefluester

2011-11-08

Staatspreis für Literaturkritik und Jury Andruchowytsch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:22

Die Lesefestwoche der Buch-Wien hat begonnen. Gestern war die Eröffnung im Akademietheater mit Navid Kermani, anschließend gab es einen Umtrunk in der Grünangergasse und die Sendung les.art wurde, glaube ich, wieder aufgenommen. Ich war mit Alfred und Anna im Restaurant Beograd beim Geburtstagsessen und habe von der Anna Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ bekommen und erst heute mit der Lesefestwoche begonnen und da wurde um fünf der Staatspreis für Literaturkritik an Klaus Nüchtern am Minoritenplatz vergeben.
Als ich mir einen Platz suchte, hat mir Ruth Aspöck zugewinkt und erklärt, daß sie sich kurzfristig für die Veranstaltung entschieden hat und lauter bekannte Gesichter im Publikum, nur Klaus Nüchtern, der inzwischen einen Bart trägt, hätte ich fast nicht erkannt, dafür Daniela Strigl die die Laudatio hielt.
Begonnen hat es aber mit Musik mit Oskar Aichinger und Franz Koglmann und Klaus Nüchtern, der Literaturkritiker des Falters ist ja ein sehr bekannter Mann. Bachmannjuror, selbst Buchautor und Kolumnist, über den offenen Bücherschrank hat er, glaube ich, ein bißchen zynisch geschrieben und diese Initiatve für unnötig erklärt, klar, wenn man selbst wahrscheinlich unzähliche Rezensionsexemplare bekommt, Juror beim Alpha Literaturpreis war er auch.
So kleidete Daniela Strigl ihre Laudatio auch in einige Thesen ein und zitierte, glaube ich, ein paar Sätze aus den Nüchtern-Rezensionen, erklärte wieder, daß eine Rezension keine Inhaltsangabe des Buches ist, na klar. Ich schreibe ja auch keine solchen und bin keine Berufskritikerin.
Die Sektionschefin Andrea Ecker hat die Frau Minister vertreten und als Staatsakt, wie sie sagte, die Urkunde an den Preisträger verteilt, der sich lang und breit für die Ehrung bedankte.
„Danke, für die guten Worte, meinen Arbeitsplatz und dafür, daß ich danken kann!“
Bezüglich der Funktion der Kulturkritiker wird ja immer lobend angeführt, daß sie, weil sie die Spreu vom Weizen trennen, dem allgemeinen Lesepublikum, die Auswahl „Welches Buch soll ich mir jetzt kaufen?“, sehr erleichtern. Wobei ich ehrlicherweise anführen muß, daß ich die Kulturkritiker eigentlich nicht brauche und mich manchmal über ihre elaborierten abgehobenen Berichte auch ein bißchen ärgere. Ich lese auch nicht viele Kritike, sondern habe, weil ich ja zu Lesungen gehe und auch im Internet surfe, glaube ich, ohnehin einen guten Überblick über die Literaturlandschaft. Und dann interessiere ich mich ja für eigentlich alles und so kann ich ziemlich ungeschaut herumgreifen und blind die Auswahl treffen. Mehr als höchstens hundertzehn Bücher werde ich im Jahr nicht schaffen, aber welche ich lese, ist ja eigentlich egal.
Dann kam das Buffet und da habe ich Ruth Aspöck verloren, so daß ich wieder etwas isoliert herumgestanden bin und die bekannten Gesichter beim Brötchen essen und dem Gläschen Wein studieren konnte, Small talk mit Robert Huez, Hanno Millesi begrüßt, Brigitta Falkner gesehen, Armin Thurnher, den Falter-Chefredakteur und die Stammbesucher.
Dann bin ich gegangen, wollte ich doch zur Hauptbücherei, weil, wie Günter Kaindlsdorfer, der Programmdirektor, den ich auch gesehen habe, beim Buch-Wien Jour-fixe im Juni erklärte, dort der osteuropäische Schwerpunkt ablaufen wird und heute Jury Andruchowytsch, seinen soeben in Deutsch erschienen Roman „Perversion“ vorstellte.
Der Weg führte über den offenen Bücherschrank und da habe ich mir ein Geburtstagsbuch ausgesucht, nämlich Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“, ein Buch, das ich in einer Hand tragen kann, obwohl ich noch einige andere Bücherschrankbücher auf meiner Leseliste habe, denn beim Bücherschrank herrschen jetzt strengere Sitten, bzw. gibt es einige Briefe, die am Schrank und auf der Facebookseite zu finden sind.
Den 1960 geborenen ukrainischen Schriftsteller habe ich schon vor drei Jahren bei der Literatur im Herbst und bei der Eröffnung der Lesefestwoche im Museumsquartier kennengelernt und hatte einen sehr sympathischen Eindruck. Katha Gasser moderierte und erzählte in der Einleitung etwas von der literarischen Performance Gruppe Bu-Ba-Bu, die Jury Andruchowytsch mit einigen anderen Autoren gegründet hat. Mit dem 1996, bzw. 1999 in der Ukraine erschienenen Roman „Perversion“ hat er sich von dieser Gruppe verabschiedet. Den Roman hat er am 13. Dezember 1994 begonnen und an seinem Geburtstag am 13. März 1995 beendet. Rabelais, Bulgakow und Esterhazy haben bei dem Werk Pate gestanden, steht im Einleitungstext und es geht um einen Karneval bzw. um die These, daß es Karneval nur in einem Land geben kann, in dem Unfreiheit herrscht. Trotzdem reist in dem Buch, ein Autor aus der Ukraine über Krakau, Bratislava, Wien, Prag, Berlin, München nach Venedig, weil er dort zu einem Symposium eingeladen wurde und schreibt darüber offenbar Briefe an den Herausgeber. Jury Andruchowytsch las die Stelle vor, wo der Autor in München von einer schönen Frau, die er für eine Hure hält, in eine Wohnung geführt wird, wo sonderbare Riten und Gesänge ablaufen und dann noch den Einladungsbrief zu dem Symposium, der von jemanden geschrieben wurde, der nicht Ukrainisch versteht und vierundvierzig Wörterbücher dazu brauchte. Dann gabs noch eine Diskussion über die EU und orangene Revolution und es war sehr spannend Jury Aduchowytsch Deutsch lesen zu hören, im Publikum waren aber, glaube ich, einige Ukrainer, obwohl die Lesung einsprachig war.

Advertisements

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: