Literaturgefluester

2011-11-11

Zweiter Buchmessetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:05

Am Vormittag wurde im Rathaus der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln an Alfred Komarek vergeben. Das ist ein Preis, den der Hauptverband 1990 einführte und der während bzw. bei der Eröffnung der Buchwoche im Rathaus vergeben wurde. Da brauchte man eine Einladung, 2007 hatte ich eine und war bei der Preisverleihung an Martin Pollack dabei. Danach transformierte sich die Buchwoche in die Buch-Wien und zog in die Messehalle, die Ehrenpreisverleihung im Rathaus wurde aber beibehalten, die Verleihungen an Paul Lendvai, Erika Pluhar und Armin Thurrnher habe ich versäumt, zu der an Armin Thurnher bin ich zwar auf der Einladungsliste gestanden, habe es aber vorgezogen, sozusagen in Sache Sprache unterwegs zu sein oder schlicht und einfach eine dieser Werbefahrten zu machen. Heuer habe ich den Preis mit der Messe kombiniert, da er inzwischen aber am Vormittag vergeben wird, bin ich erst am frühen Nachmittag auf die Buch-Wien gekommen und habe im Staatssenatssitzungssaal außer den Festrednern auch nicht viele Leute gekannt.
Heinz R. Unger natürlich und den Preisträger, da war ich schon einmal bei einer Ehrung in der Grünangergasse und im März bei einer Veranstaltung in der Buchhandlung Thalia. Der Rahmen war sehr feierlich, im Staatsenatssitzungssaal war ich noch nicht sehr oft, Stadtrat Ludwig erzählte auch warum und erklärte die Portraits der Bürgermeister, die an den Wänden hingen. Das von Helmut Zilk wurde von Maria Lassnig gemalt und die Rede des Wohnbaustadtrats, der den Bürgermeister vertrat, war sehr lang und gründlich, mir kommt vor er hat sich sehr liebevoll darauf vorbereitet und auch ein altes Foto aus dem Ö3-Archiv erwähnt, das den jungen Alfred Komarek zeigt. Dann folgte die Laudatio von Ehrhard Busek, der einmal Vizebürgermeister war und die war auch sehr lang und gründlich, erwähnte die Schulzeit in Bad Aussee und Herzmanovsky-Orlando und zitierte einen Text, in dem die Eisenbahn in Langsamkeit versinkt, Parallelen zur Gegenwart sind wohl nur zufällig. Es gab dann ein intensives Fotoshooting mit allen Beteiligten, eine Dankesrede in der gekonnt humoristischen Art, wo Alfred Komaek meinte, daß auch ein toleranter Mensch nicht unbedingt jeden leiden können muß und zum Abschluß ein paar Brötchen, Sacherwürfeln, Obsttörtchen und ein Glas Wein. Dann bin ich durch den Prater zu den Messehallen hinausmarschiert und Christa Stippinger gleich um zwei Bücher angeschnorrt. Um die Exilpreistexte 11, dann wollte ich eigentlich den Berlinroman von Petra Lehmkuhl, bin aber zu Susanne Gregors „Kein eigener Ort“ gekommen, der gleich anschließend auf der FM4-Bühne vorgestellt wurde. Susanne Gregor wurde 1981 in Zilina, in der Slowakei geboren, da kamen wir immer vorbei, wenn wir im Sommer in die hohe Tatra fuhren, ist also auch noch eine vielleicht unter Dreißigjährige und beginnt ihren hundertzehn Seiten Roman mit dem Satz „An der Grenze wurde ich mit einem Ruck wach, als hätte mich das Leben selbst aus dem Schlaf gerissen“, die junge Autorin scheint also auch eine Frau der schönen Worte zu sein und es geht in dem Buch, wie ich dem Text entnehme, um die „Geschichte einer jungen Frau im Spannungsfeld zwischen Liebe und Abhängigkeit“.
2010 hat sie auch einen der Exil-Literaturpreise gewonnen. Ich bin nicht lange bei der Lesung geblieben, wurde bei 3-Sat ja Petra Hartlieb von Ernst A. Grandits zu ihrem Wien-Berlin Krimi „Auf der Strecke“ interviewt, den sie gemeinsam mit Claus-Ulrich Bielefeld geschrieben hat. Die Buchhändlerin saß im roten Buch-Wien T-Shirt da und erzählte, wie sie dazugekommen ist mit Herrn Bielefeld, mit dem sie immer während der Frankfurter Buchmesse essen geht, einen Krimi zu schreiben. Sie scheinen sich mit dem Schreiben kapitelweise abgewechselt zu haben und das Buch spielt im Literaturmilieu, so heißt der Berliner Ermittler Thomas Bernhardt und ein berühmter Schriftsteller wird tot im Zug auf der Strecke zwischen Wien und Berlin aufgefunden. Sujets, die mir ja bekannt sind, so hat mich Ruth Aspöck am Dienstag auch gefragt, ob es bei den „Zwillingswelten“ um Ilse Aichinger und ihre Zwillingsschwester geht? Geht es nicht, im „Verrückten Traum der Thea Leitner“ heißt der Lektor aber Günter Grass und das wurde nicht nur von Elfriede Haslehner sehr beanstandet. Hier wurde das Buch aber sehr gelobt und soll auch in Serie gehen, das heißt am zweiten Krimi wird schon geschrieben und da geht es dann nicht mehr um Literatur.
Ich bin weitergewandert und habe mir Michael Kumpfmüller auf der ORF-Bühne angehört, inzwischen wurde der Bundespräsident wieder vom Hauptverband herumgeführt und als ich meine Psychologie Kollegin Elfriede Hofer traf, fragte mich die als Erstes, ob ich den Bundespräsident gesehen hätte und der Herr vom Brösl-Bär-Verlag unterbrach und wies uns auf seine Lesung am Sonntag hin. Ich war noch immer auf der Suche nach Gerlinde Tamerl, die um vier kommen sollte, schaute ein bißchen zu der Kochbühne und hörte mir dann Walter Kohls Lesung „Das leere Land“ im Literaturcafe an, der von Alexandra Föderl-Schmid vom Standard moderiert werden sollte, die aber irgendwie im Stau steckengeblieben ist. Um fünf gab es die Alpha-Sieger- Lesung im Literaturcafe, da wurden zwei Casino Austria Tafeln aufgestellt und der Moderator stellte, die 1971 in Salzburg geborene Autorin Anna-Elisabeth Mayer, die am Leipziger Literatur Institut studierte und ihren Debutroman „Fliegengewicht“ vor, der in einem Krankenhaus spielt und eine junge Frau zu drei alten Damen auf eine Station kommt. Ich bin auch da nicht zu Ende geblieben, habe ich ja noch immer Gerlinde Tamerl gesucht und auf der Kochbühne wurden Weihnachtslebkuchen gebacken und erklärt. Zufällig bin ich daraufgekommen, daß die junge Frau, die eine Dame im grauen Pullover zum Lebkuchenteig aufspritzen animierte und Kostproben verteilte, Gerlinde Tamerl war. Die Kostproben waren köstlich, man konnte sie in warmen oder schon fertigen Zustand genießen, was vor allem die Kinder reichlich ausprobierten und der zweite Buch-Wien Messetag war vorbei. Er hat sowohl Spaß gemacht, als auch wieder ein wenig deprimiert, vor allem weil ich von einigen Kollegen angesprochen wurden, die sich wunderten, daß ich mich so intensiv hier aufhalte und fragten, ob das nicht sehr anstrengend sei?

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