Literaturgefluester

2011-11-12

Dritter Buchmessetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:22

Wunderschönes Wetter und ein langer Spaziergang durch den zweiten Bezirk, wo man die Herren mit den langen Mäntel und den großen Pelzmützen spazieren gehen sieht, die ahnen lassen, was da vor siebzig Jahren passiert sein muß und durch den Prater, wo es den Donauwalzer zu hören gibt und bei der Geisterbahn. die (Toten)glocken läuten, dann an der Seniorenmesse, der Pädagogica und der Heimtiershow zur Buch-Wien und gleich zum richtigen Schwerpunkt zurechtgekommen, Karim El-Gawhary erzählte von der arabischen Revolition und den neunzehnjährigen Scharfschützinnen Gadaffis, die zu weinen beginnen, wenn sie an ihre Zukunft denken und von einem Arzt der bisher nur an seinen Beruf und seine Familie dachte und dann nach und nach in die Revolution hineingeglitten ist.
Lange bin ich nicht geblieben, hatte ich ja ein Date mit Gerlinde Tamerl, die sich zwar verspätete, der weibliche Lehrling unterhielt sich zwar inzwischen mit mir und fragte nach welche Bücher aus dem Haymon-Verlag ich gelesen hätte? Einige sind es inzwischen gewesen. Ich hatte wieder Wünsche an Frau Tamerl und um zwölf las Andrej Kurkow im Literaturcafe und der ist ein Diogenes-Autor. „Picknick auf dem Eis“ habe ich gelesen und den Autor ein paar Mal in Wien live gehört, einmal bei einer ukrainischen Veranstaltung in der Kunsthalle, dann vor drei Jahren bei der Literatur im Herbst und bei der Lesefestwocheneröffnung war er 2008 auch. Jetzt ist „Der wahrhaftige Volkskontrolleur“ bei Haymon erschienen und wenn ich das Buch vorziehen will, komme ich wahrscheinlich wirklich in Bedrängnis meine „Hundert-Bücher-Liste“ zu schaffen, denn das Buch ist sehr dick. Es ist aber inzwischen signiert und Ingrid Schramms und Michael Hansels „Hilde Spiel und der literarische Salon“ hat mir Gerlinde Tamerl auch gegeben. Hilde Spiel hat ja jetzt ein Gedenkjahr und das Reich-Ranicky-Buch zu Hilde Spiel gabs vor einem halben Jahr bei „Buchlandung“ um einen Euro und steht auf meiner Leseliste. Stress, Stress, Stress. Dabei ist die Buch-Wien eine sehr betuliche Sache, obwohl es heute am Samstag ab Mittwoch ziemlich voll war und das, obwohl die Pensionisten keinen freien Eintritt mehr hatten. Es gibt aber die Kochbühne und da machte jemand, der ein Dracula-Kochbuch geschrieben hat, einen wirklich guten Blattsalat mit Hühnerleber und Himbeeren und Liesl Wagner-Bacher trat mit ihrem Schwiegersohn auf. Ich erwähne es wieder, in die Alte Schmiede kann ich fast das ganze Jahr gehen, die Haubenköche leiste ich mir nur auf der Buch-Wien, es ist aber ohnehin genügend Literarisches abgefallen, da bin ich konsequent. So wurde Ulrich Bechers „Kurz nach 4“ auf der FM4-Bühne von Christoph Haacker vorgestellt und Judith Scharlansky präsentierte den „Hals der Giraffe“ auf der ORF-Bühne. György Dalos war im Literaturcafe und wurde wieder von Alexandra Föderl-Schmid zur „Größe und Untergang des sowetischen Imperiums“ befragt und besonders interessant für die Seitenblicke-Literaturflüsterin, die ehemalige Russland ORF Korrespondetin und nunmehrige Schriftstellerin Susanne Scholl, war sowohl beim Andrej Kurkow und hat mit ihm „russisch parliert“, als auch beim György Dalos und Jurorin bei den Exil-Literaturpreisen, die ja seit vorigen Jahr nicht mehr im Amerlinghaus mit dem guten Buffet des Beisls, sondern um fünf auf der ORF-Bühne vergeben werden, war sie auch und dort passierte ein kleines Unglück, erlitt doch der Juror Sina Tahayori, den ich vorige Woche auf der Krilit kennengelernt habe, einen Schwächefall und fiel zusammen, was die Freude der Preisträger wahrscheinlich ein wenig trübte. Emily Walton war jedenfalls unter den Preisträgern und Nadja Spiegel, die ja ein besonders junges Literaturtalent ist und auch eine Schulklasse des Konrad Lorenz Gymmnasiums in Gänserndorf. Es gab auch die üblichen Politikeransprachen und da betonte der Bezirksvorsteher des siebenten Bezirks, daß sich eine Lösung für das Amerlinghaus finden wird, was ich wirklich sehr erhoffe, denn mich ladet ja warhscheinlich niemand ein, meine Lesungen auf der Buch-Wien abzuhalten. Dann war der Buchmessentag zu Ende und ich überlegte die Abendoptionen, gibt es ja die Lesefestwoche und um die habe ich mich biseher eher gedrückt. Es gab aber eine tolle Lesung im Literaturhaus, eine im jüdischen Museum und eine andere im republikanischen Club, zu der ich eigentlich wollte. Gelandet bin ich im Collegium Hungarium bei einer Veranstaltung von Kulturkontakt und das war etwas Besonderes, nämlich neue Texte über die Donau und zwar von bulgarischer, kroatischer, rumänischer, serbischer, ungarischer und slowakischer Seite. Gabriele Madeja moderierte, es spielte wieder die Tschuschenkapelle und die Texte wurden zum Thema „Donau“ extra geschrieben. Es gab auch ca zweihundert projezierte Donaubilder und eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Donau und nacher gab es slowenischen und ungarischen Wein, sehr gute Pogatscherln und eine angeregte Diskussion.
Ich bin was die Buchwien betrifft, wieder total begeistert und blogge auch sehr intensiv darüber, was aber offenbar nicht bemerkt wird, so wunderte sich Zwillingsleiden, daß sich in der Bloggerszene diesbezüglich nichts tut, während wegen Frankfurt alle aus dem Häuschen waren. Ja, die Buch-Wien ist sehr klein und eine Fortführung der Buchwoche im Wiener Rathaus, aber Österreich ist ein kleines Land mit einem noch kleineren Buchmarkt und ein Monat nach Frankfurt werden sich Suhrkamp, Rowohlt, Fischer etc, hier nicht exklusiv präsentieren wollen und eine Bloggerszene, wie in Deutschland, wo hunderte jugendliche Bücherblogger, wie die Schwammerln aus dem Boden schießen, um angeblich Rezensionsexemplare zu bekommen, haben wir ebenfalls nicht, aber Anni Bürkl, Cornelia Travinicek und leselustfrust haben in den letzten Jahren über die Buch-Wien geschrieben, Claudia Zotzmann tat das auch dieses Jahr und, daß die Bücherblogger nicht auf die Buch-Wien gehen wollen, finde ich sehr schade und es ist auch bedenklich, stimmt da wohl etwas nicht mit der Kommunikation. Gut, es gibt am Wochenende keine Verkleideten, wie in Frankfurt und in Leipzig die die Hallen stürmen, nur Literatur, die Kochbühne, die Textbox, die ich bisher versäumte, die Messebuchhandlung, die mit Ikea Möbel ausgestattet zum Lesen eindlädt und morgen, die Charlotte Roche, wem es interessiert, kann es ja einmal probieren und den Kulturqiz gibt es um dreizehn Uhr dort auch.

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