Literaturgefluester

2011-11-15

Bestandsaufnahme

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:01

Das ist der Versuch eines literarischen Textes mit und ohne Kanten nach den intensiven Eindrücken von vier Tagen Buch-Wien. Herumschauen, herumlaufen, danebenstehen, zwischen all den Bücherbergen, dem Schauen, Hören und dem Lesen von Texten, die alle besser als meine sind? Mitnichten, nichts davon, natürlich nicht und dennoch, trotzdem, Depression ob der eigenen Unbeachtetheit. Was mache ich denn falsch, nicht einmal einen klitzekleinen Verlag zu finden, während das den anderen scheinbar doch gelingt, während die anderen scheinbar sehr viel besser sind? Mitnichten, natürlich, nichts davon. Daran nicht glauben und daher weiter machen, schon fast vierzig Jahre lang. Achtundzwanzig Bücher sind auf diese Art und Weise schon entstanden, fünfundzwanzig im sogenannten Selbstverlag. Ein Wort, das ich nicht leiden kann und das infolgedessen auch nicht stimmt. Denn ich bin kein Verlag und keine Verlegerin, sondern eine realistisch schreibende Frau, eine ehemalige Hauptschülerin mit einer wunderbaren Deutschlehrerin und Knödelakademieschülerin mit einer ebensolchen und tapfer dann entschloßen versucht, sowohl zu schreiben, als auch Psychologie zu studieren. Alles beide festentschlossen und nicht geglaubt, daß das so schwer sein wird und die Türen in den Literaturparnaß so ewig verschlossen bleiben, denn natürlich gedacht, es wird schon werden, wenn ich nur beharrlich bin. Mitnichten nichts davon, denn in dieser Bücherflut der zweihunderttausend jährlichen Neuerscheinungen scheinen meine fünfundzwanzig selbstgemachten Bücher keine Chance zu haben und nicht aufzufallen. Da kann ich tun und machen was ich will und solches auch schon prophezeit bekommen.
„Das wird so bleiben!“, haben die wohlmeinenden Kollgeinnen gesagt und ich habe es nicht geglaubt. Wie können sie das wissen? Sind sie doch keine Hellseherinnen der Literatur. Man kann immer besser werden, hat die Verhaltenstherapeutin trotzig vor sich hingedacht. Dennoch haben sie bis heute rechtbehalten und trotzdem schreibe ich weiter, denn das kann man nicht verbieten und führe diesen Blog. Einzigartig und ziemlich unbeachtet und interessiere mich auch weiter für Literatur. Deshalb beinahe bis zur Erschöpfung auf der Buch-Wien herumgelaufen, unzählige Lesezeichen entgegengestreckt bekommen haben und auch mit meinem Interesse aufgefallen.
„Was machst du denn hier, bist du schon wieder, bist du immer da?“, verwundert und erstaunt gefragt worden sein. Und auch daneben gestanden, auf den Empfängen, wo sich die Insider küssten und umarmten, daneben gestanden, gewartet und dann schüchtern, das eine oder auch das andere Buch angefragt, denn die interessieren mich ja noch immer und ich lese sie sehr gern. Versuche mich ihnen wertschätzend zu nähern und mich in ihnen wiederzufinden. Was ich auch kann, hat doch die Bestsellerautorin mit dem kurzen Röckchen dieselbe Frage nach der literarischen Qualität, wie ich gestellt bekommen. Nur hat sie mehr Erfolg und geht entsprechend selbstbewußt mit diesen Fragen um.
„Das ist mir ganz egal!“, kann sie mit einem Blick auf die Lesermassen, die zu ihr gekommen sind, antworten, während ich, wenn ich nicht aufpasse, bei meinen Lesungen ganz alleine bin und dennoch trotzdem weiterschreiben. Libromanic, hypographic, scribophil, wie nennt man dieses? Das habe ich mit einem Freund schon einmal diskutiert, während mir die Kollegen raten, doch nicht so viel zu schreiben. Warum nicht, wenn es mir Freude macht? Die Freude hält sich angesicht der Ignoranz und der Kritik, die immer wieder kommt, aber doch in Grenzen und so kann es schon einmal passieren, daß mir die Tränen herunterrinnen, wenn ich bei einer Lesung einer Erfolgsautorin sitze und dennoch trotzdem tue ich es gern und bin, wie ich es schon einmal formulierte, von der Literatur besessen, die ja etwas Schönes ist und dann am Sonntagabend nach den vier Buchmessentagen inmitten der Bücherberge, der Buchhandlung Thalia doch etwas erschöpft und mißgestimmt. Wo bleibt die Freude am fünfundzwanzigsten eigenen Buch? Das erst einen Tag später ausgeschickt werden wird, an die Nationalbibliothek, die ihr Pflichtexenmplar haben will, an die Dokumentationsstelle für Literatur, an die Alte Schmiede für die Textvorstellungen und den ORF für einen Sendetermin. Irgendwo sollte ich das neue Buch auch präsentieren und an ganz kleinen Orten, wo dann zwei drei Leser kommen, gelingt das manchmal auch. Wenn ich es aber bei Wikipedia eintrage, streicht man es mir dort neuerdings heraus.
„Eigenverlag wollen wir nicht!“, heißt auch hier die Devise, es bleibt die Hoffnungslosigkeit und die Frage nach den Alternativen. Aufgeben nie, das tut man nur bei einem Brief, ganz klar und es ist ja auch sehr schön, das neue Buch. Nur schade, daß das niemand merkt und auch schon die Kritkierstimmen kamen. Aber ebenfalls ganz klar, gibt es ja zweihunderttausend Neuerscheinungen, von denen man höchstens zweihundert im Jahr lesen kann und damit ist man schon sehr beschäftigt. So hält sich auch der Erfolg in Grenzen, ebenfalls ganz klar. Und denoch, trotzdem ist da eine, die interessiert sich sehr für Literatur und schon sehr lang dafür. Vor vielen vielen Jahren von einem Freund geraten bekommen, sich am eigenen Schreiben zu freuen und nicht nach dem Erfolg zu schielen. Damals darüber sehr empört. Denn die Elfriede Jelinek und der Peter Handke tun das doch ebenfalls nicht. Heute sich dabei ertappen, das als Erfolgsrezept zu formulieren und etwas später doch zusammenzuzucken. So nicht, so soll es doch nicht sein. Was aber ist die Alternative und warum finde ich keinen klitzekleinen Verlag? Andererseits gefallen mir meine Bücher sehr. Hätte aber doch ganz gerne ein klein wenig Aufmerksamkeit. Denn da ist eine, die interessiert sich sehr für Literatur. Für die eigene und die der anderen und kann ihr neues Buch nicht bei Wikipedia präsentieren. Macht nichts, gibt es ja das Literaturgeflüster und die eigene Website und da steht natürlich alles drin. Bleibt dann noch das Eigenlob und die eigene Laudatio auf das unermüdliche Werk, denn da ist eine, die interessiert sich sehr für Literatur.
„Es ist wie es ist!“, sagen die Liebe und Erich Fried. Den Erich Fried Preis bekommt aber immer jemand anderer und man soll sich auch nicht selber loben, das hat man schon in der Schule gelernt, obwohl das heute wenigstens die Hilfsorganisationen „Empowering“ nennen. Soll man aber schreiben, darf man es, wenn man es kann? Man darf es nicht, um den großen Goethe nicht zu beleidigen, einmal, wenn ich es recht erinnere, Andre Heller in einer Büchersendung sagen gehört zu haben. Aber der schreibt ja selbst und hat seine eigenen vielbeachteten Bücher und es ist ja schön, wenn man es kann. Vor allem in Zeiten, wie diesen, wo man das in den Schulen nicht mehr so selbstverständlich lernt und die Leseförderung überall angesagt ist. Dann bekommen die Volksschulkinder, die übergebliebenen „Edition-Zwei“ – Exemplare in die Hand gedrückt, die offenbar trotz Förderung, auch nicht die rechte Beachtung finden und ich stehe etwas verloren bei der Kochbühne herum, stopfe mir den Beinschinken von dem glücklichen Bioschwein aus Gars am Kamp in den Mund, eße Brot und Kren dazu und sage einer netten Dame, die sich darüber wundert, „Ich bin ja schon sehr lange da!“
„Es ist doch erst elf!“, wundert diese sich. Ja, aber schon Sonntag und da hatte ich bereits sehr viele Bücher angesehen und Lesungen gehört und bin in dieser Zeit natürlich nicht zum Lesen gekommen, obwohl auf meiner Hundertbücherliste noch neun ungelesene Bücher stehen und schon wieder ein neu Erschnorrtes hinzugekommen ist.
„Hineinstopfen und hinauskotzen!“, nennt es meine Kritikerin. Ich nenne es anders, bin ich ja immer noch vom Wort begeistert, schwimme aber nicht im Wörthersee und werde auch nicht nach Klagenfurt eingeladen. Die „Drei S“ liegen indessen unbeachtet im Regal, denn da ist ja der Gedanke,“Wozu soll ich mich abmühen, es bringt ja sicher wieder nichts!“
Aber aufgeben nie, das tut man nicht bei einem Roman. Ich kann ja weiterschreiben und wenn ich das nur genügend selbstbewußt praktiziere, habe ich meinen Teil getan. Denn da ist ja eine, die interessiert sich sehr für Literatur, lautet doch die Dankesrede, die ich halten würde, wenn…
Ich halte sie mir selber und ziehe mich nach einem intensiven Arbeitstag, in dem ich nach dem intensiven Buchmessenherumgelaufe der letzten Tage, dem Erleben aus der ersten Hand, erstaunlich schnell zurückgefunden habe, mit dem dicken, von der Buchmesse nach Hause gebrachten Buch in die Badewanne zurück. Denn da ist eine, die interessiert sich trotz aller fehlenden Ecken, Kanten und vielen Schwierigkeiten sehr für Literatur, tut was sie kann und schreibt darüber und wem das interessiert, dem dankt sie sehr!

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