Literaturgefluester

2011-11-21

Jelinek-Dialoge

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:57

Das Elfriede Jelinek Forschungszentrum, das sich ja um 2004 nach der Nobelpreisverleihung, glaube ich, gegründet hat und dem auch Christoph Kepplinger angehört, veranstaltet regelmäßig Jelinek-Symposien. Bei einem großen war ich in der Alten Schmiede, dann war ich schon zu Literaturgeflüsterzeiten einmal im Radio-Kultur-Cafe und jetzt gab es die „Jelinek- Dialoge“ – Sätze und Gegensätze aus Literatur und Wissenschaft, wo acht jüngere Gegenwartsautoren eingeladen wurden einen Text zu schreiben, den sie gemeinsam mit einem Literaturwissenschaftler diskutierten. Gestern ging das los im Schauspielhaus, da waren wir aber in Harland, außerdem hätte es achtzehn Euro Eintritt gekostet und das zahle ich nicht, fällt es mir sowieso schon schwer zu Veranstaltungen zu gehen und immer abseits zu stehen und nie selbst wo eingeladen zu werden, obwohl ich ja auch etwas zu sagen und zu schreiben hätte.
So habe ich Paulus Hochgatterer und Konstanze Fliedl zu „Du sollst Vater und Mutter ehren – der Autor und seine literarischen Eltern“, Bettina Balaka und Wynfried Kriegleder „Lockvögel, Baby“, Gerhild Steinbuch und Eva Horn „…immer nur Natur“, Peter Clar und Peter Ernst „Ich habe einen Stift und bin zu allem fähig – Der Autor und sein Leser“, Händl Klaus und Richard Schrodt „Ich ersehne die Alpen“ und Ewald Palemtshofer und Alexandra Millner „das sprechen kann man nicht – eine schriftliche Unterredung“ versäumt und könnte mir nur selber meine Gedanken dazu machen. Heute bin ich aber zu den letzten zwei Dialogen nämlich Andrea Winkler und Ronald Innnerhofer „Wir, wen kümmerts, wer (brigitte, paula, erich und heinz) spricht? und Olga Flor und Daniela Strigl „Das Haus aus Spreche ist mir leider zusammengekracht“ in die Alte Schmiede zurechtgekommen. Und das war sehr interessant, habe ich ja in den Siezigerjahren, die 1975 erschinenen „Liebhaberinnen“ gelesen und Elfriede Jelinek, die man damals noch bei Lesungen erleben konnte, bei der bei Balasz Nemeth sagen, hören, meine Figuren sind Kunstfiguren, denn Charaktere interessieren mich nicht. Das hat mich damals sehr erstaunt und Abwehr hervorgerufen, will ich doch anders schreiben, aber wer widerspricht einer Elfriede Jelinek? Andrea Winkler hat es in ihrem Text wieder sehr sanft und freundlich mit ihrer wunderschönen Sprache getan und hat Fragen an die Germanistikstudentin Susi gestellt, die in dem Buch auch irgendwo auftaucht, warum die Paula und die Brigitte keine eigene Sprache haben. Die Siebzigerjahre, wo es einen neuen Realismus gab und man nicht erzählen durfte, sind weit weg, der Literaturwissenschaftler Innerhofer erklärte, wie das war mit dem Wolfsgruber und dem Innerhofer und der Elfriede Jelinek, die als Frau gegen die Männer angeschrieben hat und sich dabei von ihren Personen sehr distanzierte und erklärte, daß er in der Welt, wo die Frau keine Chance hat und dann doch nur in der Fabrik oder in der Prostitution,bzw im Bett ihres trinkenden, sie schlagenden Mannes landet, selber aufgewachsen ist.
Im zweiten Dialog beschäftigte sich Olga Flor, die ja erst kürzlich mit Daniela Striegl in der Alten Schmiede diskutieren hörte, mit ihren Jelinek Leseerfahrungen und verhedderte sich öfter dabei, während Daniela Strigl, wie Pia Janke in ihrem Schlußwort anmerken sollte, die Grenzen der Wissenschaft verlassen hat und fast schon selber literarisch oder essayistisch geworden ist, jedenfalls verglich sie Jelinkes Sprache mit Zitaten aus der „Kinder der Toten“, „Neid“ oder „Gier“ mit den Werken Olga Flors und meinte, daß die auch keine sehr optimistische Welt aufzeige.
Dann kam die Pause, wo man den Büchertisch betrachten konnte, ich nutze die Zeit Christoph Kepplinger daran zu erinnern, daß er die „Absturzgefahr“ im November in der Volksstimme rezensieren wollte und stand ein bißchen isoliert herum, während sich Andrea Grill, Manfred Müller und die anderen, die gekommen waren, intensiv unterhielten. Auffallend viele junge Mädchen, wahrscheinlich Germanistikstudentinnen und ein paar Stammbesucherinnen. Dann läutete die Glocke und es kam zur Schlußdiskussion „Fortschreibungen – Gegenschreibungen – Neuschreibungen“ mit Bettina Balaka, Andreas Beck, dem Direktor vom Schauspielhaus, Pia Janke von der Jelinek Stiftung und Kurt Neumann. Christian Schenkermayr moderierte und stellte Fragen zu Elfriede Jelinek und ihren Einfluß auf die Autorentexte. Gerhild Steinbuch lernte ich, hätte ihren Ton am intensivsten getroffen, Bettina Balka betonte, daß sich seit den Siebzigerjahren viel geändert hat und es jetzt keine marxistischen Autoren mehr gäbe, da widersprach ihr nicht nur Eva Brenner, die meinte, sie würde lieber Elfriede Jelinek lesen, während sich der Theaterdirektor in einen Endlosdialog über das Theater verwickelte, den Andrea Winkler schließlich mit der Frage unterbrach, ob sie, wenn sie beispielsweise zwei Jelinek-Bücher und dann nichts mehr von ihr gelesen hätte, sie fortschreiben – gegenschreiben – oder neuschreiben würde? Und mir ist aufgefallen, daß die meisten Autoren verleugneten, einem Jelinek Einfluß erlegen zu sein, während das bei Thomas Bernhard ein bißchen anders ist, wie ich ja auch in der „Alten Schmiede“ vor ca einem Jahr hören könnte, aber wahrscheinlich ist es einfacher diesen Ton zu treffen, bei der Jelinek ist das, glaube ich, schwieriger und interessant ist ja auch, daß sie ihre Texte so bereitwillig den Regisseuren zur Weiterbearbeitung überläßt.
Was nehme ich mir, die ich ja keine unbedingter Jelinek Fan bin, aber sehr viele ihrer Romane gelesen habe, mit? Daß ich sowohl politisch als auch psychologisch schreiben will und mir der Charakter der Figuren sehr wichtig ist und es inzwischen sehr viele sehr junge Frauen gibt, die Germanistik oder Literaturwissenschaften studieren, aber das ist etwas, das ich ohnehin wußte, hat ja Anna Lindner, die mit der Anna maturierte, das auch getan und schon zwei Bücher geschrieben, sie ist aber, glaube ich wieder in Rumänien, dafür war Alexandra Millner, die ja die Anna ein paar Jahre unterrichtet hat, beziehungsweise zu dieser Zeit Praktikantin in der Rahlgasse war.

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