Literaturgefluester

2011-11-22

Was jetzt, Cornelia?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 16:52

„Was jetzt, Cornelia?“, eine Donauland Linzenausgabe von 1979 und Gesellschaftsroman von Elisabeth Gürt, von der man relativ viele Bücher im offenen Bücherschrank findet. Ich habe einige ihrer Bücher gelesen, einige waren im Bücherkasten meiner Eltern, ein paar habe ich bei anderen Gelegenheiten antiquarisch bekommen, ein uraltes einmal um zehn Schilling oder einen Euro bei Hintermayer von dem sich schon der Umschlag in Luft auflöste.
Schaut man bei Google nach, findet man nichts über die Autorin, außer, daß man ihre Bücher antiquarisch erwerben kann, aber keine biografischen Angaben, so daß ich eigentlich nur raten kann. Ihre Bücher spielen in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, dieses hier dürfte schon in den Siebzigerjahren spielen und wenn ich mich recht erinnere, habe ich die Autorin vor zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren einmal bei einer Veranstaltung des Schriftstellerverbandes hochbetagt, gesehen.
Inzwischen wird sie wahrscheinlich gestorben sein und bei den Blättern zu den Büchergilde Gutenberg Werbeheften, die ich von meinem Vater erbte, gibt es eines, wo ihr Bild neben Erika Mitterer und Vicki Baum als Beispiel für die Frauenliteratur der Gegenwart abgebildet ist. Eine österreichische Gesellschaftsautorin also, die viele Frauenromane geschrieben hat, die in den Fünfzigerjahren in den Büchergilde und Donaulandausgaben zu finden waren und heute so gut, wie vergessen ist, beziehungsweise deren Bücher in den Antiquariaten verscherbelt werden.
Einige habe ich gelesen, da mich ja das Leben in Wien der Dreißiger und der Fünzigerjahre sehr interessiert und so kann ich mich erinnern, daß ich in der Zeit, als ich meinen Vater betreute und von ihm nach Lainz in den Pflegehelferunterricht gefahren bin, manchmal einen Gürt-Roman in der Tasche hatte.
Dieser hier ist aus dem Bücherschrank und es scheint ein späterer Gürt-Roman zu sein, handelt er doch von einer Fünfundfünzigjährigen, das ist Cornelia, die Kinderpsychologie studierte, da ihre älteste Tochter aber schon dreißig ist, kann sie nicht sehr lange berufstätig gewesen sein, sondern sehr bald nachdem sie geheiratet hat, nur noch Hausfrau und Mutter gewesen. Eine bürgerliche gut situierte Hausfrau, ist ihr Man doch Möbelfabrikant. Das ist der Ausgangspunkt des Romans. Othmar hat Cornelia gerade verlassen und ist zu seiner jüngeren Sekretärin gezogen, die auch noch ein Kind von ihm erwartet und Cornelia stellt sich die Frage, was soll ich nun tun?
Nach Außen ist alles geordnet, der Unterhalt bezahlt, die Wohnung bürgerlich und auch die Nachfolgerin kommt auf Besuch und bringt Blumen. Blumen werden in dem Roman überhaupt sehr oft gebracht. Trotzdem stellt sich Cornelia diese Frage und forscht sogar im Schulamt nach, ob sie wieder als Psychologin tätig werden kann?
Kann sie mit Fünfundfünzig natürlich nicht, da gibt es aber ihre beiden Töchter Marion, gerade dreißig, wunderschön und gut verheiratet, eine femme fatal und sehr oberflächig, die die jungen Dichter unterstützt und ihre Gedichte für dreißigtausend Schilling drucken läßt, dabei ihren Gatten, den ebenfalls gutsituierten, erfolgreichen Architekten Phil und vor allem ihren zehnjährigen Sohn Ronald vernachläßigt und ins Tagesheim steckt, während die andere Tochter Ruth den Schuldienst für den sie ausgebildet wurder, verläßt und in München ein Künstlerleben führt.
Das ist die Ausgangslange und zeigt die Problemlage auf, die er verarbeiten will. Denn, wie macht man es mit Beziehungen? Cornelia ist umgeben von Leuten, die ihr einreden wollen, daß Bindungen nicht wichtig sind und man altmodisch und von vorgestern ist, wenn man sich einbildet, daß eine Bezieung lebenslang halten soll.
So taucht auch ein Jugendfreund auf, ebenfalls mit einem Hausmütterchen verheiratet und mit einer jungen Freundin ausgestattet, der Cornelia im Bett haben will und als sie nicht darauf einsteigt, sich von ihrer Freundin Palatschinken backen läßt.
Aber eigentlich weiß Cornelia ohnehin was sie will, gibt es da ja das von ihren Eltern geerbte Landgut, aus dem sich ein Kinderferienlager machen läßt und der kleine Ronald ist ohnehin vernachläßigt genug und in Gefahr keinen Halt im Leben zu finden, weil sich seine schöne Mutter zuwenig um ihn kümmert und Ruth wird schwanger und das ist in einem freien Künstlerleben auch recht schwierig.
Am Ende hat sich alles eingerenkt und zu einer schönen Ordnung hingebracht. Marion kehrt zu ihrem Phil zurück und Ruth mit künftigen Kind und Mann nach Wien, um den Schuldienst wieder aufzunehmen, während ihr Ben als Graphiker Karriere machen wird und Cornelia kann sich als Psychologin auf ihrem Landgut den anderen entwurzelten Kindern widmen, mit ihren reiten und Ostereier bemalen und sogar einen Apotheker, der als Junggeselle auf sie gewartet hat, scheint es auch zu geben.
Chicklit des vorigen Jahrhunderts einer inzwischen ziemlich vergessenen Erfolgsautorin, die sehr viele Frauenromane mit vordergründig gesellschaftlich relevanten Zeitthemen geschrieben hat, die mich als politisch interessierte Frau natürlich interessieren, obwohl, die Politik kommt, wie in in solchen Romanen üblich, nicht vor und das Milieu ist die gut situierte Mittelschicht und die Probleme werden auch nur angerissen und dem scheinbar guten Ende zugeführt. Trotzdem kommt der sexuelle Mißbrauch vor und eine Vierzehnjährige, die versucht aus dem Schulfenster zu springen, weil sich der Freund ihrer Mutter ihr genähert hat.
Und so lese ich sie ganz gerne die Frauenromane von gestern und vorgestern, den politischen Bezug dazu, kann ich mir ja denken, bzw. wurde darüber in den gestrigen Jelinek-Dialogen diskutiert und es könnte ja auch sein, daß das Buch in derselben Zeit, wie Elfriede Jelineks „Liebhaberinnen“ geschrieben worden ist und so habe ich die Lektüre auch ganz spannend gefunden.

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