Literaturgefluester

2011-12-31

Quälereien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Der Einstieg in mein neues Buchprojekt scheint noch nicht so gelungen, wahrscheinlich weil ich mit der „Frau auf der Bank“ schneller als erwartet fertiggeworden bin, das hatte ich erst so im Jänner oder Februar erwartet und mir lag noch die harsche „Mimi“-Kritik, die ich nicht ganz teile, in den Ohren. Ich halte das Buch zwar für ein bißchen besser, als es JuSophie tut, es stimmt aber, ich finde für meine Bücher keinen Verlag. Zwar suche ich nicht mehr wirklich, aber das mit dem selbst Herausgeben ist leider etwas schwierig. Zwar geht es schnell, ist billig, und das Resultat sehr schön, aber man ist weit weg von Gut und Böse, sprich davon einen Buchpreis, ja nicht einmal eine einigermaßen objektive Rezension zu bekommen, also nicht das Richtige, wenn man es ernst und ehrlich meint und sich sehr bemüht.
Gut, es gibt das Internet und das halte ich für einen Segen, denn da kann ich kompensieren, so einigermaßen halt, denn es ist ein wenig einseitig, wenn nur ich schreibe und keine Antwort kommt oder höchstens eine, die ich auch nicht will. Vielleicht war das das Gefühl und der unbewußte Gedanke „Nicht schon wieder, denn wenn du jetzt in sechs Wochen ein Rohkonzept hinlegst, das sich ein halbes Jahr später in ein sehr schönes Digitaldruckbuch verwandelt, das ich nicht bei Wikipedia bekanntgeben kann und wenn ichs jemanden zeige, sagt der gequält „Schön!, schaut aber nicht richtig hin, machst du dich bei deinen Lesern nur lächerlich!“
Ich hatte aber eine Idee, die so im November durch einen Blog zu mir kam, über drei Frauen zu schreiben, die zu verschiedenen Zeitpunkten in einer Wohnung leben, Thomas Stangls Emilia Degen hat mich auch ein wenig darin verstärkt und vielleicht auch Evelyn Schlag mit ihrem Ungarnroman. Damit bin ich einmal losgeprescht und das ging ganz gut. Allerdings nicht sehr lange, denn als ich dann das Szenario hatte, da ist eine Großmutter, die wurde 1915 geboren und starb 2000 und hat in der Nazi Zeit ihre jüdische Freundin und 1965, die aus Budapest versteckt, hatte ich schon die ganzen Jahrhundertromane, die in der letzten Zeit darüber geschrieben wurde, Arno Geiger, Michael Köhlmeier, etc im Kopf und hörte Klaus Nüchtern sagen „Nicht schon wieder ein Familienroman!“
Das ist es ja, es wurde schon sehr viel geschrieben, die Kritiker sind übersättigt und die Schreibratgebbücher sagen dir ganz genau, wie du es machen oder nicht machen sollst. Auf Seite fünzig einen Spannungsbogen, sagte er, sagte sie, darf man nicht schreiben und zuviel von der Autobiografie soll auch nicht enthalten sein und dann natürlich der eigene Ton, die eigene Stimme, die den Leser vom Hocker reist und nicht schon wieder eine Geschichte von einer Tochter, einer Mutter und einer Großmama, das ist nicht neu, das wäre die „Mimi“ viel mehr, aber das hat auch nicht gepasst.
Zuerst habe ich aber das Krimi-Ratgeberbüchlein gelesen, das ich mal im Schrank gefunden habe und das war sehr interessant und sehr konkret, nur hat es geraten, sich zuerst ein genaues Konzept zu machen und ich bin eigentlich eine Drauflosschreiberin, die dann nach Seite fünfzig nicht mehr weiter weiß.
Also holte ich mir die „Schneeflockenmethode“ hervor und kam darauf, daß ich nicht wirklich weiß, worüber ich schreiben will, bzw. immer gleich denke, daß es so nicht geht. Und das ist ja tödlich, da bekommst du gleich ein „Nicht genügend“ im Schreibseminar, denn das mußt du schon, werden die Kritiker mahnen und die Augen rollen, aber ich wußte auf einmal nicht mehr, will ich jetzt drei Geschichten von der Rosa, der Marianne und der Theresa schreiben, sondern dachte nur, Ungarnaufstand nicht aktuell, denn das hat ja schon die Evelyn Schlag und der Prager Dissident, den die Marianne mit Achtzehn trifft, ist das auch nicht und außerdem müßte ich da sehr viel recherchieren und daran bin ich ja, als ich 1990, als ich über den Fall des Kommuniswmus in Ungarn schreiben wollte, gescheitert. Außerdem ist die Marianne in den Seiten, die ich habe, schon wieder soetwas, von männerfeindlich und das ist ja ein Abklatsch aus der „Absturzgefahr“, höre ich schon wieder die Kritiker im Kopf. „Keine Klischees und schreib doch nicht immer dasselbe!“ Darauf ist mir eingefallen, die Theresa keinen georgischen Studenten, sondern einen aus Kairo kennenlernen zu lassen, denn das ist aktuell und darüber gibts noch nicht soviele Romane, nur ist die Theresa bis jetzt auch eine eher verklemmte Jungfrau und das hatte ich ebenfalls schon und das ist auch nicht modern.
Über was will ich jetzt wirklich schreiben? Von der „Wiedergeborenen“, die ihre Metamorphosen in der großen Altbauwohnung hat, bin ich schon weit weg und habe sogar sehr viel Stoff und wenn ich mich auf die Theresa und ihren Albert konzentriere, wirds vielleicht aktuell, nur über das was da am Tahirplatz passierte, müßte ich auch recherchieren. Dafür kam mir eine überforderte Türkin beim Lidl zu Hilfe, das ist jetzt Alberts Tante. Heißt man in Kairo übrigens auch Emine oder ist das ein rein türkischer Name? Und der Tod von Vaclav Havel brachte auch eine Schreibidee, denn, daß der Jan am Wenzelsplatz wohnt, hatte ich schon und dort gibt es eine Tafel zur samtenen Revolution, wo die ehemaligen Regimegegner und Kerzen und Blumen brachten.
Also eigentlich viele Ideen, für viele Romane, das hat mir auch schon jemand gesagt und ich wußte noch immer nicht, schreibe ich jetzt über die Theresa und die Marianne, die irgendeinen Konflikt miteinander haben, welcher ist noch nicht klar oder über die Rosa und wie integriere ich das, wenn ich beides tue?
Das weiß ich jetzt schon, ich schreibe einfach „1938“ hin und lasse die Rosa dann mit ihrer Freundin Hannah im versteckten Kammerl kommunizieren, nur will ich das wirklich oder ist das nicht der fünfhundertste Aufguß eines Holocaust-Romans, den niemand lesen will?
Mit diesen Stimmen im Kopf blieb es bei vagen Andeutungen auf ein gefundenes Tagebuch und die Fallen, bzw. die Hinweise auf die Hannah und die Esther, habe ich aus den vorhandenen Seiten dann auch nicht so entfernt, wie ich es eigentlich wollte. Dafür hat die Theresa inzwischen Albert wieder getroffen, die Marianne ist nach Prag gefahren und der kleine David, der Nachbarbub, steht mit einem alten Foto seiner Uromama vor der Wohnungstüre und die heißt Esther.
Soweit bin ich jetzt auf neununddreißig Rohseiten gekommen und die Idee, die jetzt wegzuschmeißen und neu zu beginnen und den Schwerpunkt anders zu setzen, damit ich mich nicht blockiere und wirklich was Neues entsteht, wo Klaus Nüchtern nicht gleich die Augen verdreht, ist mir schon mehrmals gekommen. Nur der sieht das sowieso nicht an und kommt auch nicht auf meinen Blog. Aber ich will mich nicht selbst blockieren, sondern eine Chance haben, damit nach außen zu kommen.
Gestern bin ich beispielsweise sehr lustlos und sehr blokiert am Laptop gesessen, habe die letzten zwei Szenen geschrieben und dabei ständig gedacht „Das wird nichts, das wird nichts!“, etc. Also genau das, was man nicht denken soll, wenn man einen Roman schreiben will, nur hatte ich mir vorher die Kulturjournal-Diskussion über die 2011 Neuerscheinungen mit Daniela Strigl, Petra Hartlieb und Klaus Nüchtern angehört, deshalb zitiere ich letzteren so oft und habe gehört „Thomas Glavinic und Doris Knechts Romane sind nichts“, obwohl sie ja auf den Shortlisten standen, dafür wurde Marlene Streeruwitz von Daniela Strigl sehr gelobt und so etwas schwebt mir ja auch irgendwie vor, nur ob ich es so abgehoben hinbringe?
Was ich ja vielleicht ein bißchen in der „Absturzgefahr“ und bei den „Zwillingswelten“ hinbekommen habe, ist das Weiterentwickeln der Handlung von Szene und Szene. Deshalb schreibe ich derzeit vielleicht so lustlos weiter, sammle Material und denke, das kann ich nachher noch verändern. Nur tat ich das bisher eigentlich nie sehr und so bin ich wieder oder eigentlich noch immer ratlos und weiß nicht, wie es weiter geht? Für zwei Szenen habe ich noch Ideen. Dann könnte ich wieder das bisher Vorhandenen durchgehen und entscheiden, ob ich von vorn anfange oder doch der Rosa eine Stimme gebe und eine Geschichte schreibe, wo eine Tochter einen ägyptischen Studenten kennenlernt, die Mutter sich mit ihrem ehemaligen Liebhaber aussöhnt oder zerstreitet, die Großmutter mit ihren zwei Freundinnen vielleicht ein Geheimnis hatte oder nicht und die Margit Mayerhofer, die die Enkeltochter Esthers ist, vielleicht doch irgendwo die Tosca singt.
Stoff für einen Jahrhundertroman, nur gibt es davon schon soviele. Thomas Wollinger meint immer, daß alles schon in einem drinnen ist, das stimmt sicher, nur was ist in mir? Der Gedanke, ich kann es nicht, weil die, die mir bisher sowas sagten, bis jetzt rechtbehielten oder die leise Stimme der Theresa, die wenn ich doch ein bißchen recherchiere, etwas über die EU und die Krise, in der wir stecken und die ja sehr aktuell und vielleicht noch nicht so ausgeschrieben ist, erzählt?
Das Ergebnis wird erst das nächste Jahr bringen, das ist gewiß, mein Wunsch wäre ja einmal ein halbes Jahr für ein Rohkonzept zu brauchen, aber wenn dann nur das herauskommt, was ich auch in sechs Wochen geschrieben hätte, habe ich nichts davon.
Die Ideen mit dem „Zeit lassen“ und vielleicht ein paar Kurzgeschichten schreiben, habe ich auch noch immer oder die, wenn ich wieder in Wien bin, herumzufahren und die Theresa sozusagen auf der Straße finden.
Nach Prag werde ich nicht reisen, aber zu den Ereignissen in Ägypten könnte ich recherchieren oder herausfinden, was ich wirklich schreiben will?
Derzeit schreibe ich viel im Literaturgeflüster darüber und weiß nicht recht, ist das die Flucht nach vorn oder zurück? Es wäre aber gut den Gedanken „Du kannst es nicht!“, aus dem Kopf zu bekommen. Denn damit ist man sehr blockiert und hindert sich selbst. Wie tut man das aber, wenn die Kritiker wirklich sagen „Das interessiert uns nicht, das haben wir alles schon gehört und einen Beistrichfehler hast du auch, also kannst du es wirklich nicht und du mußt ja nicht schreiben, hör damit auf, es gibt ja ohnehin schon soviel Bücher, die niemand lesen will?“
Stimmt alles, nur will ich es und die anderen tun es auch und bei Petra van Cronenburg kann man diese Tage einen ganz ähnlichen Artikel lesen, bei dem mich am meisten die zwanzigjährige Autorin verunsicherte, die gerade ihr erstes Buch herausgebracht hat und schon ein bißchen abfällig über die spricht, die es halt im Selfpublishingverfahren versuchen, weil ihnen das Schreiben auch wichtig ist, da gefällt mir Petra van Cronenburgs Standpunkt, daß das vielleicht eine Entlastung des überfüllten Buchmarkts bringen könnte und jeder tun soll, wie er kann, schon besser.
Und natürlich muß man das Schreiben lernen und auch aufpassen sich nicht zu sehr zu wiederholen und in den Krisen, die es gibt, nicht steckenzubleiben.
In diesem Sinn wünsche ich ein erfülltes neues Schreib- und Lesejahr und werde sehen, wie es mit meinen Schreibgelüsten weitergeht!
Für die, die mein Ringen der letzten Wochen nachlvollziehen wollen, gibt es hier die Prozeßberichte: 1 2 3 4 5 6 7 8 9

2011-12-30

The Weeping Woman on the Streets of Prague

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

„The weeping woman on the streets of prague“, ist ein internationales Buch, geschrieben von der 1954 in Chateauroux geborenen, Sylvie Germain, die an der Sorbonne Philosophie studierte und von 1986 bis 1993 in Prag Französisch unterrichte, wo sie, wie bei Wikipedia steht, die politische Dissidentenszene miterlebte, heute lebt sie als freie Autorin in Paris und Pau.
Gefunden habe ichs vor ein paar Tage im Wortschatz-Margareten und hätte es wahrscheinlch liegen lassen, wenn ich nicht gerade Informationen über Prag bräuchte. Ich habe die englische Version erwischt, aus dem Französischen übersetzt von Judith Landry. Da ich noch nie etwas von Sylvie Germain gehört habe, habe ich nachgegooglet und herausgefunden, daß „Die weinende Frau in den Straßen von Prag“, 1994 bei Aufbau erschienen ist und in den wenigen Rezensionen, die zu finden sind, kommt sie nicht gut weg.
„Ein Wispern und Raunen, ein Säuseln und Staunen, aber es ist nicht das Christkind. Sondern eine hinkende Riesin, was allerdings keinen Unterschied macht, denn auch sie ist nicht real, nur ein Wunschkind der Phantasie. – Mit ihrem geschwollenen Sirenengesang lockt Sylvie Germain die Leser auf eine Geisterreise nach Prag, wo Golems fußkranke Schwester im Drüben fischt. – Aber auch solche Mysterien haben ein Instant-Verfallsdatum. Hier ist es um etwa hundert Jahre überschritten“, schreibt etwa das Focus-Magazin.
Ich habe das Buch ganz poetisch gefunden, obwohl es natürlich Schwierigkeiten mit der Sprache gibt und es wahrscheinlich ein Wagnis ist, ein französisch geschriebenes Buch auf Englisch zu lesen. Die zweite Rezension die ich gefunden habe, hat aber auch von einer „miserablen deutschen Übersetzung“, gesprochen.
Es beginnt mit einem Prolog, hat einen Epilog und zwölf Begegnungen, wobei jedem Kapitel Zitate von tschechischen Dichtern vorangestellt sind.
Ob sich die poetische Prosa wirklich zwischen „Kafka und Rilke“ bewegt, wie ich in der anderen Rezension gefunden habe, kann ich nicht beurteilen, es hat sich aber auch auf Englisch gut gelesen, die metaphernreiche Geschichte von der weinenden Riesin, die in das Buch ein und aussteigt und sich durch Prag bewegt, die Ich-Erzählerin ist ihr immer dicht auf der Spur.
Sie hat kein Aussehen, keinen Namen und keine Geschichte, so gibt es auch keine Handlung, es werden aber die Jahreszeiten bemüht, der Nebel und der Flieder, wenn ich es richtig übersetzt habe und dann ist man auf einmal in einem Haus, wo ein Schriftsteller wohnte und die Seiten des Papiers, das er beschrieb, liegen auf dem Boden, interessant, daß es sich dabei um Bruno Schulz handelt, der ja in Drohobycz, Polen lebte und ich so schnell nicht herausfinden konnte, ob und wie lang er auch Prag war?
Sylvie Germain deutet nur an, beschreibt oder „säuselt“, wie der Focus meint und ist dann schnell wieder weg und bei der nächsten Begegnung und da geht es, um einen Jungen namens Franta Bass, der in Theresienstadt ermordet wurde, in einer anderen Begegnung geht es nach Vysehrad, dem Schloß, wo einst die Prinzessin Libussa lebte, um den heiligen Nepomuk geht es, um ein Buch Kafkas und natürlich um die Liebe und den Tod.
Am Schluß verschwindet die Riesin wieder und es wird noch einmal die Geschichte Prags beziehungsweise, die des gesamten Lebens zusammengefasst, von den Schlößern Hradcany und Vyserad bis zu den Ghettos und Theresienstadt.
Ist das Leben ja grausam und allgewaltig, bringt zum Weinen und die hinkende Riesin, das Gedächtnis der Stadt, kann uns davon erzählen.
Ich fand es schön in sovielen Metaphern über eine Stadt zu lesen, bei der man an Kafka und an Golem denkt. Ich hätte mir ja etwas Politisches erwartet, will ich ja über einen Dissidenten schreiben, der 1968 nach Wien geflüchtet ist und nach der samtenen Revolution nach Prag zurückkehrte, habe diesen Auflug aber, auch wenn er durch die Sprachenvielfalt vielleicht genauso hinkt, wie es der weinenden Riesin zugeschrieben wird, sehr poetisch gefunden.
Das Buch ist auch noch in der Reihe „Schwarzes Prag – Prague Noir“ erschienen und ist, entnehme ich der Biografie, der Beginn einer Prag-Trilogie.
Und ich habe mir inzwischen ein paar Videos über Prag angesehen und darüber nachgedacht, was ich von der Stadt gesehen habe, als ich 1988, war es, glaube ich, ein paar Tage zwischen Weihnachten und Sylvester mit Alfred und Anna dort gewesen bin.

2011-12-29

Jahresrückschau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:51

2011 hat zwar noch drei Tage, ich beginne aber schon einmal mit dem Rückblick, das literarisch, wahrscheinlich bedingt durch den Wirtschaftskrisenjammer nicht besonders viel gebracht hat, obwohl ich so aktiv, wie immer gewesen bin und wahrscheinlich noch ein bißchen manischer vor mich hingeschrieben habe.
Das betrifft vor allem das Literaturgeflüster, denn da hat es heuer wirklich fast schon jeden Tag einen Artikel gegeben und meine Urlaubsimpressionen habe ich rückwirkend in die Tage, wo ich noch in Polen war, hineingestellt, aber auch beim eigentlichen Schreiben, habe ich zu Jahresbeginn die „Absturzgefahr“ fertig korrigiert, die dann im Sommer erschienen ist, „Zwillingswelten“ und die „Frau auf der Bank“ geschrieben. „Zwillingsleiden“ ist im November herausgekommen, die „Frau auf der Bank“ liegt noch auf Alfreds Schreibtisch um ein Buch zu werden und ich habe auch schon mit dem nächsten Projekt begonnen. Das die „Wiedergeborene“ heißen könnte, ich schon vierunddreißig Rohseiten habe, sonst aber noch ein bißchen im Dunklen tappe und vielleicht mit der ersten Idee, drei Frauen in einer Wohnung, ein bißchen zu vorschnell losgezogen bin und jetzt schauen muß, ob ich damit zu einem Plot komme, der nicht nur die Wiederholung des vorhergegenen ist.
Trotzdem schreibe ich einmal, merke ich im Jahr 2011 Schreibfortschritte, wieder ein bißchen sicherer bin ich und ein bißchen flüßiger ist es geworden und ich sehe das auch als ein Ergebnis des Literaturgeflüsters, wo ich mein Schreiben permanent reflektiere und der Öffentlichkeit aussetze. Meine Leserschaft nimmt auch leicht zu, die Kommentatoren halten sich, seit der Otto Lambauer verschwunden ist, nach wie vor zurück, ich habe aber in JuSophie, die sich Anfangs des Jahres meldete und mir ein paar sehr konstruktive Kommentare schickte, wieder eine Kritikerin gefunden, die auch die Schwächen meiner Arbeiten sieht, die es natürlich gibt und es ist auch sicher gut, den Spiegel vorgehalten zu bekommen und zu hören „Da mußt du noch aufpassen, sei nicht so schnell, versuche tiefer in deine Personen hineinzukommen und vielleicht nicht zu viel in die Handlung hineinzupacken, sondern das was du hast, genauer ausdifferenzieren!“, so würde ich es mir raten und ich habe auch ein paar treue Leser, die mir immer wieder liebe Kommentare senden, wie den Rudi Lasselsberger, Ruth Aspöck und Margit Koller und dann hat sich auch mit Sara Wipauer eine junge Autorin gemeldet, die ich dann im Cafe Anno kennenlernte und den nächsten Buchtext schreibt. Daß ich vielleicht mehr über Literatur diskutieren will, lebe ich auf Thomas Wollingers Blog „Schreiben“ aus, dem ich fast täglich Kommentare schicke und den ich heuer auch im Cafe Anno kennenlernte und auch ein paar andere interessante Blogreaktionen sind gekommen, so hat sich während ich mit Alfred und seiner Wandergruppe in den Bergen war, der Arco Verleger bei mir geleldet, der meinen Bericht zu „Kurz nach 4“ gelesen hatte und Originalbriefe bei mir vermutete, die ich gar nicht hatte, aber über „Kurz nach 4“ wird es zu diesem Zeitpunkt nicht so viele Rezensionen gegeben habe und da ich ja das Aufbau-Taschenbüchlein mit den Verlegerbriefen 2005 oder so in Leipzig bei Hugendubel gefunden habe, habe ich gleich verknüpft. Ja, Sigi Maron hat meine Besprechung zu „Schmelzwasser“ auch gefunden und der Wieser-Verlag, die zu „Blaubarts Kinder“, was mich freute, daß er sie in sein Verlagsprogramm druckte, denn ich habe mich beim Lesen sehr schwer getan, so überhaupt keine Informationen über das Buch und seine Autorin zu haben. Das hatte ich einmal über Ulrich Becher auch nicht, in der Neuausgabe von „Kurz nach 4“ gibt es aber einen ganzen Informationsblock zum Autor und zur Geschichte des Buches, solche Informationen sind wichtig und werde sie sicher lesen, wenn ich mir, wie ich hoffe, irgendwann 2012, „Nachtigall will zum Vater fliegen“ vornehmen werde.
Ansonsten hat es mit den Publikationen, außer den beiden selbstgemachten Büchern mager ausgesehen. Im neuen „Ohrenschmaus“-Buch „Kann nicht schlafen“ gibt es zwar ein Vorwort von mir. So habe ich auch einmal in der Bibliothek der Provinz publiziert und die Anthologie mit den Texten vom Volksstimmefest 2010 „Abgeschoben Rassismusrepublik Österreich“, in der meine „Kätzin Murana“ drinen ist, ist erschienen, wurde aber nicht mehr, wie die beiden anderen Anthologien von 2008 und 2009 mit einer Extra-Lesung vorgestellt und von der Anthologie der 2011 Texte, wo der Text drinnen wäre, den ich ursprünglich für die Zeitschrift „Landstrich“ geschrieben habe, habe ich auch noch nichts gehört, fürchte aber Christoph Kepplinger und Roman Gutsch sind immer noch sehr beschäftigt.
Auch meine Lesungen sind sehr zurückgegangen, das führe ich ein bißchen auf die Einsparbemühungen bezüglich Schuldenbremse oder auch auf die Mainstreamphilosophie zurück. 2010 habe ich ja relativ viel gelesen. 2011 gab es die „Mittleren“, das Volksstimmefest, die Poet-Night, dann habe ich einmal bei einem Poetry-Slam mitgemacht und einmal im Cafe Kafka gelesen und hatte dann die Lesung im Cafe Amadeus, wo außer mir aber nicht sehr viele Leute waren. Beim Osterspaziergang in St. Pölten war ich und natürlich bei meinem literarischen Geburtstagsfest und das war ein Erfolg und eine sehr schöne Männerlesung.
Und als besondere Kurosität oder Minusschlag habe ich den Wikipedia-Kontrolleur empfunden, der mir zu Zeiten, wo sich jeder seine E-Bücher ganz leicht selber machen kann und das auch sehr beworben wird, meine Digitaldruck Bücher hinausstreichen mußte und eine Unter dem Gürtel Beschimpfung „Und sowas ist Therapeutin!“, gab es in der Spamkiste auch.
So balanciere ich halt immer noch im Abseits herum, leide daran und jammere darüber, interessiere mich nach wie vor sehr viel für Literatur, gehe oft zu Lesungen und war in diesen Jahr bei sehr vielen schönen Veranstaltungen, die ich gar nicht alle aufzählen kann, da müßte man sich durch den Blog zappen, wo es ja fast täglich einen Artikel gibt. Neu sind zwar nicht die Schreibberichte, die ich immer über mein jeweiliges Work in Progress einstelle, aber, daß ich, nachdem sich die Spam-Leserin beschwerte, daß mein Schreiben unverständlich ist, zusammenfasse, verlinke und der jeweiligen Buch-Präsentation voranstelle, so daß man, wenn man will, sich ein bißchen in den Schreibprozess einlesen kann und dann gibt es bis Jahresende wahrscheinlich hundertfünfzehn Buchbesprechungen.
Denn, ich habe, dank der offenen Bücherschränke, mehr gelesen und da gibt es wieder zwei neue, den am Zimmermannplatz intitiert von Frank Gassner, wo ich bei der Eröffnung war und den in Margareten, den ich sozusagen fast vor meiner Haustür habe. Ich halte diese öffentlichen Bücherschränke, die jetzt wie die Schwammerln spriessen für eine sehr gute Idee und ein Geschenk für mich, muß aber aufpassen, mich nicht zu reichlich zu beidenen, denn man muß ja alles unterbringen. So habe ich mir Ende voriges Jahr, als die Bücher schon ein bißchen ungeordnet herumlagen, ein neues Bücherregal gekauft, das sich inzwischen schon ein bißchen gefüllt hat und zu einer eigenen Leseliste bin ich inzwischen auch gekommen, die im Feburar mit einer „Hundert Bücher“- Challenges angefangen hat, dieses Soll habe ich sehr leicht erfüllt, hatte ich die hundert Bücher schon im Sommer fixiert und auch eine andere Bücherliste in den Blogroll gestellt, wo man jetzt immer in mein Leseverhalten leicht einsehen kann und alle Bücher, die ich seit es das Literaturgeflüster gibt, besprochen haben, eingetragen sind.
Inzwischen habe ich hundertdreizehn Bücher in diesem Jahr gelesen und den Frank McCourth sogar in Deutsch und in Englisch, die ersten sechzig Bücher für 2012 schon in Wien ins Badezimmer und in Harland übers Bett gelegt und auch schon Pläne für das übernächste Jahr.
Beim Lesen wird sich in den nächsten Jahren sicher einiges verändern, weil der Kindle das gedruckte Buch verdrängen wird. Das werde ich beobachten, mir, glaube ich, aber keinen Kindle kaufen, sondern sicher weiter greifen fühlen riechen, unterstreichen und glaube, daß ich mit den Bücherschränken, die sich in der nächsten Zeit vielleicht besonders reichlich füllen werden, bis sie sich selbst abschaffen und dem, was sich so ansammelt, locker auskommen kann.
Lieblingsbuch habe ich nach wie vor keines, mich aber wieder quer durch den Krautgarten gelesen, denn ich habe einen offenen Lesegeschmack und in den Bücherschränken auch ein bißchen Chick lit gefunden. Krimis lese ich auch sehr gerne und auch immer wieder etwas Experimentelles, ansonsten bin ich, glaube ich, eine Anhängerin der österreichischen Gegenwartsliteratur und höre, wenn ich dort schon nicht lesen kann, immer eifrig beim Bachmannlesen mit, gehe zum „Rund um die Burg Marathon“, wo ich auch gern lesen würde und das „kurioseste“ Buch das ich heuer gelesen habe, war sicher der Arno Schmidt, da war ich dann auch bei der „Zettels Traum“-Präsentation in der Hauptbücherei und habe Peter Henisch dort getroffen, dessen neues Buch ich ja auch gelesen habe und auch sonst ein paar Rezensionsexemplare, so daß ich schon glaube, auf dem aktuellen Stand der Gegenwartsliteratur zu sein und so freue ich mich schon auf das neue Jahr und die neuen alten Bücher, denn da warten ja schon zwei Geschichten-Bücher auf mich, die ich 2010 von der Buch-Wien nach Hause brachte, aber nicht gelesen habe, weil ich Kurzgeschichten nicht so gerne lese, ein Vorurteil, das ich nicht nur durch die Short-Cuts der heurigen Fried-Tage korrigierte, sondern schon früher ein paar Kurzgeschichtenbände in meine Liste aufgenommen und auch in diesem Jahr z.B. mit „Sommerhaus, später“ gelesen habe, dann werde ich mich durch meine Geburtstagsbücher lesen, bevor es an das geht, was noch zu finden ist.
Und jetzt mit der „Weinenden Frau“ in die Badewanne, um ein bißchen Roman-Recherche zu betreiben und meine Bücherliste noch ein ein bißchen zu verlängern.

2011-12-28

Gräber und Drüber

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:38

Zum Jahresende kommt ein bißchen Lyrik, habe ich mir ja schon im Februar 2010 vorgenommen, mehr Gedichtbände zu lesen, der Kurzgeschichtenvorsatz kam in diesem Jahr und fix poetry hat mich heuer auch mit so vielen schönen Gedichtbänden deutscher Gegenwartslyriker beschenkt, die mir ansonsten unbekannt geblieben wären, denn beim Dicht-Fest lesen ja meist Österreicher, die mir wenigstens vom Hörensagen so einigermaßen bekannt sind.
Aber Fix-Poetry hat ja ein wöchentliches Gewinnspiel und so sind dieses Jahr vier Lyrikbände zu mir gekommen. Ich nehme mal an, daß ich Michael Arenz „Die Vulgarität der davongeschwommenen Felle“ schon voriges Jahr gewonnen habe und 2009 Kerstin Hensels Roman „Lärchenau“ und ein Ritter-Bändchen, das ich, ich muß es gestehen, noch nicht gelesen habe. Den „Beyoglu blues“ davon schon im Juli, als ich für „Die Frau auf der Bank“ recherchierte, dann kamen H.G. Adlers „Andere Wege“ und kurz darauf noch Thomas Spaniel „die irren kurse einer sterbenden fliege“ , beide Bücher stehen auf der Leseliste, aber Andreas Reimann „Gräber und Drüber“, geht sich in diesem Jahr noch aus.
Es ist ein Buch der Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 2010 erschienen und Andreas Reimann wurde 1948 in Leipzig geboren. „Ab Mitte der 60er Jahre“ steht im Klappentext „machte er sich einen Namen als Lyriker. Er studierte bis zu seiner Exmatrikulation aus politischen Gründen am Literaturinsitut in Leipzig. Wegen seiner kritischen Haltung wurde er zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und in den folgenden Jahren mit einer Veröffentlichungssperre belegt.“
Man merkts den Gedichten an, daß sie trotz der poetisch schönen Sprache sehr politisch sind, obwohl das „Gräber und Drüber“ zuerst nicht auf diese Idee kommen lassen.
Es gibt vier Teile „Der sich erinnernde Lehm“, „Die Kosten für die Gräber“, „Nach dem Wetterbericht“ und „Später Gewitter“.
Dann beginnts noch weit weg von der ehemaligen DDR mit einem „Monolog“
„Gräber. Und drüber die seelen. Irre wird der, der sie zählt. Alter, beginnst du zu zählen? Ich zähl seit dem Anfang der Welt.“
Ein starker Ton und sogar in Reimen.
„Gräber und gräber. Und drüber, alter mann spring!“
Dann gehts zur „Demonstration“
„Der Bannenträger mit muskeln wie batzen gebrannten lehms, trug vorbei an der ehrentribüne am kampftag die leuchtende fahne marx engels lenin und (damals noch) stalin: das war ein beeindruckend bild“
Im zweiten Teil geht es gleich mit den Gräbern weiter und es kommen auch die verschiedensten Todesarten vor.
„quer über die badewanne lege ein brett ein stabiles daraufzustellen das neuerworbene vielversprechende fernsehgerät“
Nein, das hat weder mit Gräbern noch mit Sterben zu tun, aber einen sehr beeindruckenden frischen Ton.
„vermengt mit dem gries und dem eigebl dazu, das gibt eine nahrhafte suppe“.
Dafür kommen wir bei der „Welle“ nach New Orleans und dem Thema näher.
„wo liegen deine toten und toten und fortgerissen die häuser sind.
Und ein tornado ging durch die stadt new orleans. Und ihm folgte die flut.
Und der flut keine hilfe von der regierung.
Und schickte sie also statt des brotes nach new orleans
ihre soldaten, zu hindern die leute
am plündern des supermarkts.“
Aber auch die „elegische drössnitzer hymne“ hat es in sich:
„Mitunter ist ein sterben, das den nächsten nichts hinterläßt.“
Und „Nach einem halben Jahrhundert“
„Selbst die brecht priesen, weil beharrlich sie ihn nicht verstanden, werdens heutzutage wohl nicht mehr tun“.
Dann kommen schon „Die Kosten für die Gräber“
„Wer kann nicht bezahlen die hohen gebühren
für eine haltbare grabstatt der seinen
muß haben ein gutes gedächtnis“.
Im dritten Teil „Nach dem Wetterbericht“ trifft der Vater den verlorenen Sohn“ und gibt ihm den Rat nicht mehr zurückzukommen:
„Und komm wieder mein sohn, wenn du soweit bist gegangen, daß du bereit bist, dich uns, die wir sehr dich vermissen, beizugesellen unter dem stein.“
es gibt auch eine „Erfahrung mit Dichtern“
„Einst gings mir schlecht, doch warn alsbald zugegen, die freunde hilfreich, also gings mir gut.“
Und das „Gefängnis Cottbus Zweitausendundzehn“
Beim „Morgenspaziergang“ sagt der Hundebesitzer „du arschloch der tut dir doch nichts, er wolte nur spielen, als ich so dalag und unfähig war, den speichel des tieres mir vom gesicht zu wischen.
er riecht ihren angstschweiß, sagte der mann.“,
während es sich bei den „Hunden“ wieder schön reimt:
„Doch auf den granitenen stufen, sitzen sie noch wenn es tagt, es hat sie keiner gerufen, es hat sie auch keiner verjagt.“
Bei „Später Gewitter“ geht es um das Wetter, aber auch um „Verlustanzeigen“
„Meine freunde sind verschollen, all die tollen wundervollen, die proleten und poeten, mit verschiednen maultrompeten“, um „Verzicht“, „Frieden“ und „Herbstanfang“, etc.
Stark, poetisch, politisch, aber auch gefühlvoll und manchmal fast ein wenig kitschig, die Gedichte des Leipziger Dichters, der mir fast unbekannt gewesen ist. Es gibt aber einen Band „Leipziger Gedichte“ von ihm, auch Liebesgedichte hat er geschrieben, nach dem nach der Wende seine Gedichte wieder erscheinen durften.
Interessant so ein Ausflug in die moderne deutsche Lyrik, nachdem ich heuer ein bißchen E.A. Richter, Hans Lebert und Kurt Klinger gelesen habe. Ein Dietmar Füssel Band wartet auch noch aufs Lesen und auf die H.G. Adler-Gedichte, die bei Drava erschienen sind und von Helmuth A. Niederle in der Edition Milo herausgegeben wurden, freue ich mich schon.

2011-12-27

Faule Kredite

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:16

„Faule Kredite“, Ein Fall für Kostas Charitos, ist ein Finanzkrimi zur Situation Griechenlands, im Sommer 2010 geschrieben, von Petros Markaris und er beginnt sehr bedächtig. Mit der Hochzeit von Kommissar Charitos Tochter Katerina mit dem Arzt Fanis und die bessere Hälfte Adriani hat alles arrangiert, wie man das macht, so mußte sich der Vater auch ein neues Auto kaufen, daß er seine Tochter nicht in dem schäbigen alten zur Kirche fährt, aber die Geschichte spielt ja zur Zeit der Finanzkrise, wo die Zulagen und die vierzehnten Gehälter gestrichen wurden und die Leute auch nicht, wie bisher mit fünfundvierzig oder so in Pension gehen können.
In dieses Szenario hinein wird die Leiche eines Bankers mit abgeschlagenen Kopf gefunden, abgeschlagen von einem Schwert und das können, erfahren wir sogleich die Schwarzafrikaner am besten und der pensionierte Banker Sissimopoulos, der jetzt nur noch für die Gartenarbeit lebt, hatte auch einen schwarzen Butler und war ansonsten ein äußerst unsympathischer Mensch und Kommissar Charitos hat auch einen unsympathischen Kollegen, den Chef der Terrorabteilung und der nimmt gleich die Aufklärung an sich und weil Griechenland ja unter EU-Kuratel steht, werden zwei Briten von Scotland Yard zur Mithilfe gebeten und die lassen gleich den Butler Bill verhaften, was die Söhne des Toten zur Weißglut bringt.
Es geht aber weiter mit dem Morden, jetzt kommt jemand dran, der sich mit Hedgesfonds beschäftigt und noch ein unsypathischer Holländer von einer Rating-Agentur, der im Fernsehen erklärt, daß es keine Gesellschaft sondern nur Gruppen gibt. Außerdem tauchen Posters und Stickers auf, auf denen die Bevölkerung aufgefordert wird, ihre Kredite nicht zurückzuzahlen und der Kommissar hat den Verdacht, daß das kein Terrorakt, sondern die Tat eines gefeuerten Bankbeamten oder jemandes, der seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen konnte,ist. Die sympathische Assistentin Koula erstellt auch gleich eine Liste möglicher Verdächtiger und der Kommissar sucht sie alle auf, sie waren es aber nicht.
Dazwischen wird das Alltagleben in der Krise eingeflochten, der Kommissar hat einen Banktermin, kommt aber nicht hin, weil die Innenstadt wegen Demonstrationen gesperrt ist und die Polizisten sagen ihm, sie können ihn nicht im Streifenwagen dorthin fahren, weil wenn der domoliert wird bekommen sie keinen Ersatz und als er mit der U-Bahn fahren, die die Rentner, die zur Demo wollen, ihre Emporung. Seine Ehefrau erleidet einen Schock, als sie zusehen muß, wie aus dem gegenüberliegenden Fenster jemand springt, weil er seine Kreditraten nicht mehr zahlen kann, weil sie aber eine resolute Mama ist, kauft sie nur mehr Sonderangebote und kann sogar die Tochter mitversorgen, die ja im Probejahr als Juristin nichts verdient und sogar Schülern Nachhilfestunden geben muß, aber dem Spitalsarzt Fanis nicht recht sein kann, wenn der seine Frau nicht mehr allein versorgen kann. Fanis, den der Kommissar kennenlernte, als er, in wahrscheinlich einem früheren Krimi, einen Herzinfarkt erlitt, hat aber einen Nobelpatienten, der seinen Körper als Dopingsportler ruinierte, trotzdem zu Geld gekommen ist und seinen Arzt, als Dank für die Behandlung in seiner Hotelkette umsonst Urlaub machen läßt und dieser Patient, der auch bei der Hochzeit war, hat Zutrauen zu dem Kommissar, so versorgt er ihm mit ein paar Tips und der Fall kann eine unerwartete Wendung nehmen, als herausgefunden wird, daß das D, das neben den geköpften Leichen lag „Doping“ und nicht „Debit“ etc bedeutete und wir haben, wenn der Fall gelöst ist, eine Menge über das Leben in der Krise gelernt.
Ich habe mich ohnehin die ganze Zeit gefragt, wie lebt es sich in Athen und, wie kann der Spagat aufgehen, wenn eine Regierung Hausaufgaben erfüllen muß, die nur aus Streichen von Gehältern etc besteht. Petrus Markaris führt uns das auf sehr spannende und vergnügliche Art vor, so makaber die Situation auch ist, die Wirtschaftskrise mit einem afrikanischen Schwertkämpfer zu erklären und der Zusammenhang mit dem Doping ist vielleicht auch eine etwas konstruierte Wendung, aber spannend ist die Geschichte sehr und leicht zu lesen, wenn vielleicht nicht die griechischen Namen wären, die sich schwer merken lassen.
Deshalb bin ich höchstwahrscheinlich auch über den anderen Petros Markaris Krimi gestolpert, den ich schon gelesen habe „Der Großaktionär“, den ich als eher etwas mühsam in Erinnerung habe, mich aber auch an die Tochter Katerina, die damals wahrscheinlich noch studierte und den kommunistischen Freund Sissis erinnern kann. Ich glaube, ich habe das Buch auch für „Thalia“ besprochen und bekommen habe ich es bei einer Buchmesse in Leipzig, da war ich beim Diogenes-Stand und habe gesehen, wie gerade Bücher an Buchhändler verteilt wurden und gefragt, ob ich auch eines haben kann?
Ausnahmsweise hat es geklappt und so habe ich den Namen Petros Markaris kennengelernt, den ich dann auch einmal bei der Kriminacht bei einer der „Rund um die Burg“ – Veranstaltungen sah und als Griechenland, das Thema der Literatur im Herbst war, habe ich ihn getroffen und da auch seine Übersetzerin Michaela Prinzinger gesehen.
Petros Markaris, der 1937 in Instanbul geboren wurde, kann sehr gut Deutsch, weil er in Stuttgart und in Wien studierte, was wohl auch der Grund sein wird, daß er heuer bei der Buch-Wien als Eröffnungsredner eingeladen war. Da habe ich schon einiges über den Wirtschaftskrimi gehört, ich war ja auch bei einem Gespräch am 3SAT-Stand und habe einen Teil des Filmes über ihn gesehen, den 3Sat ausstrahlte.
Als mich dann der Alfred fragte, weilche Bücher ich mir zu Weihnachten wünsche, ist mir dann das eingefallen und ich kann es wirklich sehr empfehlen, wenn man auf amüsante Weise etwas über ein gar nicht lustiges Thema erfahren will, daß uns alle wahrscheinlich treffen wird und Marlene Streeruwitz Weihnachtsgeschichte im „Standard“ greift auch dieses Thema auf und erzählt uns sehr gekonnt, wie es uns später vielleicht einmal gehen wird.
Manche Bücherblogger lesen jetzt Wirtschaftsbücher übers Geld, um darüber etwas zu erfahren, man kann es aber auch mit einem Krimi tun. Ob ich jetzt mehr von Hedgefonds und wie es zu der Wirtschaftskrise gekommen ist, die mir sehr bedenklich erscheint und mich an die Zeit vor 1938 denken läßt, weiß ich nicht, ein bißchen von dem griechischen Lebensgefühl, das bei uns ja auch nicht viel anders ist, höchstens, daß man den Kopf schüttelt, wenn man liest, das sich jemand ärgert, weil man nicht mehr mit fünfundfünzig in Pension gehen kann, habe ich schon erfahren und kann darüber nachdenken, obwohl das Leben ja kein Krimi ist.

2011-12-26

Feiertagsstimmung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:16

Weihnachten ist diesmal ein verlängertes Wochenende, das wir wieder in Harland verbringen. Am Freitagabend sind wir hingefahren und am vierundzwanzigsten bin ich am Vormittag mit meinen neuen Schuhen auf dem Rad in die Stadt gefahren, weil ich in das Promenadecenter zum Uhrengeschäft Dunky mußte, ist ja meine Uhr am vorletzten Sommerfrischentag stehengeblieben, ich dachte es wäre die Batterie und kaufte mir eine, bevor wir zur Silvia fuhren, sie blieb aber wieder stehen, so daß ich mir am Samstag vor dem Volksstimmefest eine neue Uhr kaufte. Zwei Jahre Garantie und die Batterie muß auch ein Jahr halten, nur leider blieb sie im November stehen und ging ab da zurück, so daß ich, als wir das letzte Mal in Harland fuhr, zwischen dem Einlösen der Weihnachtsgutscheine noch einmal zu Dunky fuhr und die Uhr abgab. Jetzt wurde sie ausgetauscht und hält hoffentlich ein bißchen länger und ich habe am Nachmittag weiterzuschreiben versucht. Ging nicht sehr gut, wahrscheinlich weil ich wußte, es ist nur begrenzt, denn um fünf wurden wir ja bei den Eltern beim Christbaum erwartet. Ich habe aber ein paar Zeilen geschrieben, wo die Theresa bei ihrer Dissertation sitzt und von ihrer Nachbarin besucht wird, dann soll sie wieder in die NB gehen und dabei den Albert treffen. So weit bin ich aber nicht gekommen, kam vorher doch die Anna und erzählte mir etwas von ihren Klienten in der Autisten WG, wo sie Betreuerin ist. Dann kam schon das Christkind und hat natürlich ein paar schöne Bücher gebracht, die ich mir gewünscht habe und die ich in Harland so zwischen den Jahren lesen werde. Petrus Markaris „Faule Kredite“ wird wohl noch auf die alte Leseliste kommen, wie es mit dem „Mythos Bachmann“ wird, weiß ich nicht recht, ist das Buch wahrscheinlich nicht leicht und schnell zu lesen, aber sicher interessant. Auf beide Bücher bin ich durch die Buch-Wien gekommen, war Petrus Markaris ja da heuer der Eröffnungsredner und das Bachmann-Buch wurde auch vorgestellt. Auf Gary Shteyngart „true sad love story“ bin ich durch diverse Bücherblogs gekommen, scheint das ja ein ziemliches Kultbuch zu sein und es ist auch eine Zeitlang bei Anna Jeller in der Auslage gestanden, jedenfalls hat es sich die Anna gleich mitgenommen, so daß ich es vorläufig nicht lesen kann. Dafür habe ich von Alfred noch ein Buch bekommen, daß ich nicht erwartet habe, aber sicher ebenso interessant ist, nämlich Dana Gricorceas „Baba Rada – Das Leben ist vergänglich wie die Kopfhaare“ und es wurde ja auf dem Schiff vorgestellt, als wir am Nationalfeiertag von Bratislava nach Wien gefahren sind und den Arche Literaturkalender habe ich auch bekommen. Den bekomme ich jedes Jahr und so habe ich schon eine ganze Kalendersammlung in Wien. Diesmal ist das Thema „Paare“ und ich habe ihn schon durchgeblättert, als wir bei Alfreds Eltern in der Küche saßen und den Fisch gegessen hatten. Da gab es wieder die vom Schwiegervater gebackenen Vanillekipferln, die sehr köstlich sind und von der Anna gab es jede Menge Badesalze und Badeöle, denn ich lese ja hauptsächlich in der Badewanne, das ist auch schon Tradition und ein Badetuch von den Schwiegereltern zu dem Kuvert und den Lindkugeln. Von dem Geld kaufe ich mir natürlich keine Bücher, denn ich habe ja schon genug und jetzt noch einen Bücherkasten auf der Margaretenstraße und da findet sich immer erstaunlich aktuelles. Marlene Streeruwitz, Robert Schindels „Gebürtig“, Paula Köhlmeier „Maramba“ etc, gibt es ja in Margareten viele Bücherblogger und auch sonst offenbar Leute, die gerne Bücher lesen und Marlene Streeruwitz hat im „Standard“ auch einen köstlichen Artikel zu der Situation, der in Folge der Schuldenbremse etc eingesparten Menschen, eine kleine Vorschau, wie es uns in vielleicht zehn bis füfzehn Jahren gehen wird.
Jetzt habe ich aber in Harland Arno Surminskis „Jokehnen“ ausgelesen und überlegt, daß ich, weil wir ja im Sommer in die Baltischen Staaten fahren, wo der Alfred von der Anna, einen Reiseführer bekam, Cornelius Hell, wenn ich ihn bei einer Lesung treffe, fragen könnte, welche Bücher er dafür empfiehlt? Die Renata Serelyte habe ich ja schon gelesen und als Litauen 2002 Gastland in Frankfurt war, waren wir dort und ich habe ein bißchen was mitgebracht, das ich heraussuchen könnte, aber jetzt ist erst das verlängerte Weihnachtswochenende an der Reihe.
Am Christtag Essen bei den Eltern, dann waren wir auf der Rudolfshöhe und in meinen Roman sollte ich auch wieder hineinkommen.
Da herrscht derzeit der Gedanke „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“ und es ist noch vieles ungeordnet. Als ich am Nachmittag zwei Szenen geschrieben habe, war ich wieder sehr unzufrieden und dachte, daß ich keinen Handlungsstrang im Kopf habe und nicht weiß, was ich wirklich will. Die dreißig Seiten, die ich jetzt habe, sind ein Rohgerüst mit all den üblichen Klischees und lange nicht so gut, wie vielleicht die „Mimi“, die ja von JuSophie so abgeurteilt wurde. Ich bin eben ein bißchen ausgeschrieben und als ich die Theresa-Szene so einigermaßen hinbekommen hatte und die Marianne damm am Prager Bahnhof stand, wußte ich nicht weiter, denn es reicht ja nicht, daß der Jan bei seiner Ehrung erfährt, daß Vaclav Havel gestorben ist, was ist Jans Charakter? Keine Ahnung und was will die Marianne bei ihm? Die Theresa wird den Albert näher kennenlernen, aber reicht das für einen Roman und ist das dann soviel anders, wie „Die Absturzgefahr“? Über Prag kann ich nicht viel erzählen und das, was ich über den Jugendstilbahnhof bei Wikipedia fand, half auch nicht weiter. Also wieder so ein Gefühl, daß ich die zweidreißig Seiten besser wegwerfe oder damit an den Start zurückkehre. Gut, ich will ja diesmal länger als sechs Wochen brauchen. Aber ich müßte für die Theresa eine schneidige Handlung finden, irgendwann hatte ich ja eine Idee, wie ich es mit Rosas Freundinnen machen könnte, aber die ist jetzt weit weg und das was in dem grünen Büchlein steht, kann ich nicht mehr lesen. Also zurück an den Start oder mehr über den Jan und seine Motive herausfinden, einen Charakterbogen habe ich schon über ihn angelegt. Vielleicht auch ein eigenes Heftchen und dann in Wien die „Weeping woman“ herausholen und 1977, als die Charta 77 war, habe ich mir beim „Herzog“ so ein kleines Büchlein gekauft, das müßte ich in dem riesigen Regal im Harlander Wohnzimmer finden. Aber gut, ein Roman schreibt sich nicht in sechs Wochen und wenn man immer nur hört „Du kannst es nicht und es wird nie etwas werden, auch wenn du dich noch so sehr bemühst!“, kämpft man auf ziemlich verlorenen Boden, wenn man es trotzdem versucht.

2011-12-25

Jokehnen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:01

Arno Surminskis „Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen“ ist eigentlich ein Sommerbuch, bin ich doch durch unsere Masurenreise darauf gekommen und ich habe den Namen Arno Surminski das erste Mal gehört, als mich Alfred am Campingplatz in Elblag fragte, ob ich ihn kenne?. Nein, aber im literaturquiz, das ich ja manchmal spiele, wird danach gefragt, welche ostpreußische Schriftsteller den Namen Arno tragen, Arno Holz und Arno Surminski ist die Antwort und in dem Buch steht der berühmte Satz „Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt“, es wird aber sicher wieder einiges autobiografisch sein, wurde Arno Surminski doch 1934 in Ostpreußen als Sohn eines Stellmachers geboren und blieb nach der Deportation seiner Eltern 1945 allein zurück, bis er dann über einen Aufenthalt bei kanadischen Holzfällern 1962 in Hamburg ansäßig wurde und am Beginn des Buches, fährt eine Hebamme mit einem Fahhrad, das ihr die neuen Machthaber zustanden, damit sie besser ihre Arbeit erledigen kann, an dem Tag an dem Hindenburg verstarb, zu dem Haus des Schneiders und Bürgermeisters Steputat, weil seine Martha niederkam und dann wird der Name für den kleinen Erdenbürger ausgesucht „“Adolf wäre doch auch was Gutes!“, schlug die Hembamme vor“, der Vater entscheidet sich aber für Hermann nach dem Dichter Hermann Sudermann, der Rastenburger Dichter Arno Holz wäre aber auch eine Möglichkeit gewesen.
So wächst der kleine Hermann auf im deutschen Reich in Ostpreußen, wo nur noch der alte Mayor in seinem Schloß, Hindenburg die Treue hält und nach seinem Tod wird auch diese Fahne, statt des Hakenkreuzes gehißt, ansonsten kommen jedes Jahr die jungen Dienstmädchen in das Schloß und verlassen es ein Jahr später, um eine gute Partie mit einem Gutsbeamten einzugehen, um das erste Kind sehr frühzeitig zu bekommen, nur Anna will den Melker August nicht heiraten und wird ein paar Tage später tot im Teich gefunden. Der kleine Hermann hat aber vorerst ein schönes Leben mit seinem Freund Peter. Dorflehrer Klose ist ein Nazi und seine Frau geht mit den Kindern singend in den Wald und als er einberufen wird, kommt eine junge Lehrerin, die es in der Einsamkeit nicht aushält und ihren älteren Schülern Nachhilfestunden gibt und dann knarrt es verdächtig in der Kammer, so daß stattdessen eine ältere Lehrerin kommen muß. Denn die Männer sind ja in den Krieg gezogen, nur Bürgermeister Steputat versucht in seinem Amt alles so gut, wie möglich zu machen und sich auch für den Juden Samuel einzusetzen, was aber nicht gelingt. So wächst der kleine Hermann als strammer Hitlerjunge auf, die Polen werden zur Zwangsarbeit verpflichtet, haben es aber gut in dem Dorf, denn in Jokehnen geht alles ganz bedächtig weiter, nur SS-Führer Neumann erscheint gegegentlich und gibt seine Anweisungen, beispielsweise die, daß der Jude Samuel Mathern verschwinden muß, über dessen ehemaliges Stoffgeschäft, später die Stalin Fahne wehen wird, aber das ist erst 1945 und im Jänner dieses Jahres erlebt der wackerer Bürgermeister, der nicht genau weiß, ob man sich jetzt an die Anweisungen das Dorf nicht zu verlassen, halten oder nicht vielleicht doch flüchten soll, die Enttäuschung, daß sich Hitler doch nicht so um die Jokehnen kümmert, wie er immer dachte und, daß das Hackenkreuz auf seinem Anzug nicht viel wert ist. Er wird dann auch mit seiner Frau zur Arbeit nach Rußland verschleppt und kommt mir ihr nicht mehr zurück, vorher vergewaltigen die Russen noch alle Frauen, ganz egal ob alt oder jung und Hermann und sein Freund Peter kommen etwas zuspät in die Marmelade-, Zwieback- und Bonbonbaracke, so daß sie mit einem Sack Himbeerbonbons nur mehr zusehen können, wie die in die Luft fliegen. Sie versuchen dann zu flüchten und nach dem Abtransport der Eltern, kommt der Elfjährige allein in das verwüstete Haus seiner Eltern zurück, bleibt da eine Weile und vegnügt sich mit Peter, die anderen verlassenen Häuuser mit gefundenen Granaten in die Luft zu jagen, bevor die Russen und die Polen kommen und der Marschbefehl erteilt wird, daß sich alle Deutschen auf den Weg nach Deutschland machen müssen, weil Ostpreußen nicht mehr zu Deutschland gehört.
„Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland? Viele sind nicht angekommen.“, steht auf Seite dreihundertvierzig, auf den nächsten drei Seiten sind die Namen der Dorfbewohner angeführt und daneben steht, was aus ihnen geworden ist. Bei Hermann Steputat steht „elf Jahre alt. Wer nimmt ein üergebliebenes Kind? Er stand ganz allein da. Da löste sich die Schubgilasche aus ihrer Kinderschar, ging auf Hermann zu, ergriff seine Hand und sagte „Komm mit, Jungche, komm mit!“
„Jokehnen“, 1974 geschrieben und erfolgreich verfilmt, ist offenbar Arno Surminskis erstes Buch, war er doch bis 1972 in einer Hamburger Versicherungsanstalt tätig, danach ist er mit einer Reihe von Erzählungen und Romanen, die von Ostpreußen und dem Schicksal der Vertriebenen handeln, bekannt geworden und ich habe sehr lange an dem Buch, das aus Alfred Besitz stammt, gelesen, habe ich ja schon im Sommer, als ich mit der Harlander Leseliste fertig war, damit begonnen, da wir seither aber nicht sehr oft in Harland waren, habe ich es jetzt erst beendet.
In Alfreds Reiseführer habe ich dann im Piraten-Camp von Arno Surminski gelesen. „Die Reise nach Nikoleiken„, ein Buch das wir nicht haben, wird dort erwähnt und in Gyziko habe ich in der Touristeninformation eine Zeitschrift gefunden, in der man einige Flüchtlingsgeschichten nachlesen kann, da nach ihrer Pensionierung einige wieder in die jetzt polnischen Orte zurückommen und ihre Lebensgeschichten zum Teil bei Verlagen wie „Frieling“ herausgeben, wenn sie nicht so berühmt wie Arno Surminsiki sind. In den Führern wird auch Ernst Wiechert als ostpreußischer Dichter erwähnt und von dem habe ich „Die kleine Passion“ im Bücherschrank gefunden und auf der Leseliste für das nächste Jahr.

2011-12-24

Wichtig nehmen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 03:40

Das Schreiben ist für mich das Wichtigste, da gibt es keinen Zweifel, habe ich da ja auch einen Nachholbedarf und Anerkennungsnotstand. Dann gibt es einen Brotberuf, von dem ich lebe, der ein bißchen Anerkennung gibt und seine klaren Strukturen hat. Wenn ich Stunden eingetragen habe, ist das das Wichtigste, kommt der Klient dann nicht, setze ich mich vor dem Laptop und schreibe und im Sommer zwischen meinen Stunden auch im Garten. Jetzt hat der Alfred irgendwelche Solaraktien gekauft, wo er „Gea“-Gutscheine bekommt, die er mir mit der Auflage gab, daß ich mir dafür Eisbär-Schuhe, warm gefüttert, kaufen soll, damit wir damit, am Wochenende sollte es ja kalt werden, auf die Rudolfshöhe gehen können.
Am Dienstag gab er mir sie, am Mittwoch war das unmöglich, weil am Vormittag und Nachmittag Psychotherapie und Diagnostik, am Abend habe ich mich zwischen das neue Bücherregal und dem Tisch mit den Kerzen und dem Adventkranz gesetzt und bin langsam in Schreibfluß gekommen und am Donnerstag gab es nur eine Abendstunde. Dafür ist die Milch ausgegangen, so daß ich wieder zum „Lidl“ mußte, dann hätte ich natürlich in die Himmelpfortgasse laufen können, aber dann wäre ich nicht oder nur sehr bedingt zum Schreiben gekommen und der Schreibfluß dahin und da hatte ich ohnehin schon ein schlechtes Gewissen, beziehungsweise wurde ich durch die entsprechende Einstiegslektüre und das Eigen-Bücher-lesen ohnehin schon daran gehindert.
„Ich gehe nicht zum „Gea“, sondern schreibe, weiter!“, habe ich gedacht und das auch mit Erfolg getan. Sind am Donnerstag vor dem Bücherregal und den Kerzen, ich war vor dem „Lidl“ auch beim „Kika“ und habe mir noch einmal einen Satz Kerzen für den Adventkranz gekauft, weil die schon abgebrannt und ich niemals vier Kerzen auf einmal brennen hatte, gekauft, doch zwei Szenen entstanden und zwei weitere schon aufnotiert. Das schlechte Gewissen kam aber wieder, denn eigentlich hätte ich ja Zeit für die Schuhe gehabt, denn mein Schreiben ist ja eigentlich keine Arbeit, wird sie ja nicht anerkannt, ich bekomme kein Geld dafür, finde keinen Verlag, etc und wir leben ja in einer Gesellschaft, wo nur das wichtig ist und wenn in der Sendung „Von Tag zu Tag“ einmal ein Autor über seine Bücher spricht, der nicht Menasse oder Winkler heißt, ruft sicher jemand an und fragt „Können Sie davon leben?“
„Blödsinn!“, habe ich natürlich zurückgedacht.
„Mein Schreiben ist auch wichtig und nur so kann ein guter Roman entstehen, wenn ich mich auch so verhalte und nicht nur nebenbei, schnell schnell ein paar Sätze hineinquetsche und die Schuhe kann ich auch später kaufen, es ist ohnehin nicht kalt und ich habe auch noch andere.
Am Freitag hatte ich um zwei Uhr eine Diagnostik, am Vormittag vor mein zweites Weihnachtsbuch zu besprechen, seltsamerweise scheine ich das ein wenig wichtiger zu nehmen, vielleicht, weil das schneller geht, als die schwer zu kalkulierende Romanarbeit, dann den Befund schreiben und einzupacken, also auch keine Zeit für Schuhe und nächste Woche in den Praxistagen wahrscheinlich auch nicht, weil wieder Diagnostik und Termine und abrechnen muß ich auch, vielleicht im Jänner, wenn ich ohnehin zur „Ohrenschmaus“-Besprechung muß“, dachte ich mit ein wenig Unbehagen, als der Alfred in das Badezimmer kam und fragte, ob ich die Gutscheine schon eingelöst habe und sich nicht auf den Ausverkauf vertrösten lassen wollte, wo sie vielleicht auch billiger sind.
Um halb vier ist das Kind gegangen, ich habe den Alfred angerufen und gefragt, ob ich zum „Gea“ laufen oder gleich den Befund schreiben soll und bin losgegangen. Jetzt habe ich schöne warme hellbraune Eisbär-Schuhe, in denen ich am Montag wahrscheinlich schwitzen werde, wenn nicht doch noch das vorausgesagte Winterwetter kommt und das Punschstandl vor dem Falco-Platz für den es ja Gratisgutscheine gab, habe ich jetzt auch gefunden und dort gibt es leckeren Mandarinen-Ingwer oder Bratapfelpunsch und vor dem Eislaufverein stand ein junges Mädchen mit einem Korb und teilte Backformen aus.
Alles bestens also, denn es geht sich meistens ohnehin alles aus, weil ich sehr diszipliniert bin und auch gut planen kann.
So daß dem Weihnachtswochenende nichts im Wege steht und der Roman weiter wachsen und sich entwickeln kann, schließlich habe ich fast vierzig Jahre Erfahrung mit meiner doppelten Identität. Der Brotberuf ist wichtig und interessant und die Literatur leider immer noch das Stiefkind, wie ich schon vor zwanzig Jahren in dem Buchkultur Interview sagte, aber für mich sehr wichtig und daher kann es sein, daß ich manchmal keine Zeit für Schuhkäufe habe, weil ich schreiben will, wie ich sie auch nicht habe, wenn ich teste, zuhöre oder einen Befund verfasse und während ich das flüstere, ist von Rudolf Lasselsberger eine Weihnachtskarte mit singenden Elchen und rollenden Augen gekommen und von Stephan Eibel ein Weihnachtsgedicht

„wenn für jedes Lebewesen auf Erden
nachts der Mond in Form einer Colaflasche erscheint
dann wird mit beinah hundertprozentiger Sicherheit
im Sommer Pesi Cola als neue Sonne hinunterbrennen

wenn alle wennsätze wahr geworden sind
die neueerfundenen speisen längst verdaut
dann stehe ich vor dem weihnachtsbaum und sage:
uff“

schreibt er.
Dem ist nichts hinzuzufügen als „Schöne Weihnachten!“
Wünsche für das Ernster- und Wichtigernehmen des eigenen Schreiben, habe ich für das nächste Jahr aber auch an mich.

2011-12-23

Die Familie Pfäffling

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:23

Jetzt kommt das zweite Weihnachtsbuch und es passt haargenau, denn am 23. 12. 2010 habe ich Andreas Pittlers „Chuzpe“ hier besprochen und bin da ein paar Tage mit Mayor Bronstein in den ersten Weltkrieg zurückgegangen und die 1852 geborene und 1929 verstorbene, erfolgreiche Kinderbuchautorin Agnes Sapper hat „Die Familie Pfäffling“, sogar schon 1906 herausgebracht und das Buch, das ich passend, während des literarischen Umgangs durch den siebenten Bezirk in meinem Lieblingsbücherschrank gefunden habe, hat auch im ersten Teil den Untertitel „Eine deutsche Wintergeschichte“ und dann hat noch eine Großmutter mit blauer Tinte in Kurrent „Kriegsweihnacht 1944“ hinein geschrieben, also wieder ein bißchen Geschichtsunterricht vor dem großen Fest, obwohl ich zuerst den Eindruck hatte, einer Mogelpackung aufgesessen zu sein, beginnt doch die Wintergeschichte im Herbst, als die Schule anfängt und da wohnt in einem deutschen Städtchen auf Untermiete der Musiklehrer Pfäffling mit seinen sieben Kindern, der Gattin Cäcilie und der tauben Dienstmagd, in dem Vorband „Das kleine Dummerle“ wurde wohl seine Wohnungssuche beschrieben, denn mit sieben Kindern war es wahrscheinlich auch 1906 schwer eine Wohnung zu finden. Nun ist sie gefunden, die Hausleute wohnen unten, die treffliche Familie ist oben untergebracht und so marschieren die drei großen Brüder ins Gymnasium, die Zwillingsmädchen Marianne gehen brav in die Töchterschule, das kleine Dummerle Frieder spielt Harmonika und das Elschen ist noch zu Haus, dort ist Friede, Eintracht, Eierkuchen aber wenig Geld und so macht es ein Problem, wenn die Buben nach Hause kommen und Lineale, neue Schulbücher oder sonst was haben wollen, aber dennoch werden sie studieren, nur Frieder will Musiker werden und geigt, spielt, träumt so dahin, da ist der Vater streng und erlaubt das nur für zwei Stunden und auch andere Probleme werden gelöst. So wird der Familie einmal gekündigt, weil die Buben den „Leonidenschwarm“ betrachten wollen, der wackere Hausherr hält das für eine Burschenschaft, es sind aber nur Sternschnuppen, so reden sich Frau Pfäffling und die Hausfrau aus und alles kommt in Ordnung. Herr Pfäffling soll auch Musikdirektor werden, alle freuen sich und singen schon im Chor „Drum rufen wir mit frohen Sinn, es lebe die Direktorin!“, dann kommt aber die Nachricht, die Schule ist noch nicht gebaut. So ging es zu im vorigen Jahrhundert, obwohl Herr Pfäffling ein hervorragender Pädagoge ist und das Herz auf dem rechten Fleck trägt und sich auch alles wieder einrichtet, so gibt er russischen Emigranten, ja die Revolution kam ja bald, Unterricht, die zahlen aber nicht, weil die jungen Herren das Geld verspielten und Herr Pfäffling bringt es nicht zusammen, dem General einen Brief zu schreiben, um diesen nicht wegen der Schlechtigkeit seiner Söhne zu betrüben. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen und ist wohl das was JuSophie eine idealistisch naive Erzählung nennen würde und am Schluß wird Herr Pfäffling Direktor. Seine Frau Cäcilie hat auch ihre Mutter zu ihrem achtzigsten Geburtstag besucht, ist von dort aber schon eine Woche früher zurückgekommen, weil sie es ohne ihre Familie nicht mehr länger aushielt. Ja und die deutsche Weihnacht kommt auch natürlich vor, da bekommen die Kinder zuerst ihr Zeugnis und rechnen dem strengen Vater eine Durchschnittsnote vor, weil Wilhelm eine vier in Mathematik bekommen hat und der kleine Träumer Frieder soll einer Dame einen Christbaum in ihre Wohnung tragen und gerät dabei in Schwierigkeiten, dafür bekommt er aber eine Geige und ist so verliebt in sie, daß er gar nicht zu spielen aufhören kann und eine Andeutung, daß nur die Deutschen so recht und richtig Weihnachten feiern können, gibt es ganz dezent auch. Der zweite Band ist dann keine Weihnachtsgeschichte mehr, sondern beschreibt „die Erlebnisse der großen Pfäfflingkinder“, im Dachgeschoß der Musikschule, wo es neben der tauben Walburg noch deren Nichte Resi als kleines Dienstmädchen gibt, der Zwilling Anne, der an Ohrenschmerzen litt und schwach im Lernen war, ist inzwischen verstorben, dafür kommt der älteste Karl heim, der schon als Aushilfslehrer arbeitet und hat sich in die Kunstgewerblerin Hanna verliebt und Frieder will von der Schule abgehen, um endlich Musiker zu werden, der strenge Vater erlaubt es aber nicht. Karl bringt auch einen Freund nach Haus, der nach Afrika gehen und dort Farmer werden will, ja Kolonialismus gab es damals auch, dazu braucht er eine tüchtige Farmerfrau und hat die „in dem anmutigen kleinen Ding“ Marie gefunden. Das schreibt er später seiner Tante und die liest das Frau Pfäffling vor. Marie findet das zuerst lieb, schlägt das Angebot später aber doch wegen Hochmuts des Bräutigams aus, dem erst in Afrika einiges schiefgehen muß, bevor er reumütig zurückkehren und selbst um die Hand Maries anhalten kann und Karls Ehe geht auch vorerst schief, wohnt er mit Hanna doch nebenan und die Künstlerin ist so ungeschickt im Haushalt, daß ständig die Mutter und die Schwester herbeigerufen werden und Karl mehr bei seinen Eltern, als bei seiner Gattin ist. Das renkt sich aber ein und Karl nimmt eine Stelle in einer anderen Stadt an, so daß der Vater und die Söhne vergnügt in den Wald gehen, während die Mutter mit Marie an deren Aussteuer näht. Herr Pfäffling ist aber schon über fünfzig, so bekommt ihm das Bergsteigen nicht, bekommt einen Schlaganfall und Cäcilie muß lernen, alleine weiterzuleben. Ist nicht ganz so schlimm, denn der Bürgermeister bietet ihr an, daß sie noch fünf Jahre in der Dienstwohnung bleiben kann, „bis dahin sind die Kinder aus dem Haus“ und so ist es dann auch. Otto, der Jurist, ist ein bißchen weniger sympathischer als die anderen, nämlich ein Karrierist und so kommt er auf die Idee, das adelige Fräulein Ludowika zu heiraten, das sich Löckchen nennen läßt und auch sonst ein wenig zurückgeblieben ist. Auch das löst sich auf, denn die gute Ludowika gibt ihm selbst den Ring zurück, als sie andere junge Männer bei einer Reise in die Schweiz sagen hört, daß das nicht der richtige Gatte für sie ist und man kann sich ausdenken, was aus dem guten Otto zwanzig Jahre später geworden ist. Vorläufig scheint aber erst der erste Weltkrieg zu herrschen und der wird auch nur vorsichtig angedeutet, die Soldaten ziehen fröhlich herum und das kleine Reserl, das nicht immer so traurig sein will, flirtet fröhlich mit ihnen, fragt dann aber doch ganz anständig nach, ob sie sie ohnehin heiraten wollen? So renkt sich alles ein und am Schluß bekommt Frieder, der ein schlechter Lehrer und auch nicht der Typ fürs öffentliche Auftreten ist und man vom Komponieren allein nicht leben kann, heraus, daß das Geigenbauen das richtige für ihn ist und kann auch gleich ein solches Geschäft übernehmen und eine praktische energische Braut, die ihm dann die Buchhaltung macht und Missionarskinder in einer Kinderkrippe aufziehen will, hat er auch.
So weit die Idylle zu Beginn des vorigen Jahrhunderts oder das, was in diesem, den Kindern zur Erbauung vorgelegt wurde, heute könnte einem das Gruseln kommen, ob der naiven Reinheit der deutschen Übermenschen, wissen wir ja, was aus denen, die es so gut meinten und sich ständig entschuldigten, wenn mal ein Schneeball ausgekommen ist, geworden ist und ich frage mich auch ein bißchen, wie das junge Mädchen, es war wohl eines, das Buch in der Kriegsweihnacht aufgenommen hat, wo man wohl schon merkte, daß das alles nicht mehr so schön friedlich ist? Ein weiteres Gruseln kommt bei der Vorstellung, daß die alte Dame inzwischen wohl verstorben ist, so daß sich ihr damaliges Weihnachtsgeschenk im Bücherkasten findet und ich muß, wenn ich nach Harland komme, in Anita Schaubs Frauenbuch nachschauen, ob Agnes Sapper jetzt die Groß- oder die Urgroßmutter der B. ist, denn sie ist ja, glaube ich, nicht nach Österreich gekommen, die B. aber und ihr Onkel Theodor Sapper in Graz aufgewachsen. In Würzburg, wo Agnes Sapper gestorben ist, entnehme ich Wikipedia, gibt es es ein Wohnheim für psychisch Kranke, das nach ihr benannt ist und aus einem Altenheim hervorgegangen ist, daß sie aus den Honoraren der „Familie Pfäffling“ gestiftet hat und Agnes Sappers Kinderbücher habe ich weiter entnommen, werden zum Teil noch immer oder wieder aufgelegt.

2011-12-22

Romanarbeit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:27

Es geht natürlich weiter mit der Romanarbeit, die sechzehn Seiten wurden durchgesehen und wer es wissen will, die Anspielungen auf die Mutter und die Großmutter, beziehungsweise, auf die beiden Freundinnen Rosas, Hannah und Esther habe ich dringelassen, sonst den Text gestrafft, Widersprüche beseitigt, um eine halbe Seite gekürzt und an die ohnehin recht kurze fünfte Szene, Theresa geht über den Volksgarten in die Nationalbibliothek, gleich die Einkaufsszene mit der Kopftuchfrau hinzugefügt, das hat gerade gepasst. Heute zehn Seiten und zwei Szenen weitergeschrieben und mich inzwischen vom Ausgangsszenario entfernt.
Inzwischen gibts zwei Ebenen, Theresa und Marianne, Jan hat eine Stimme bekommen, die Rosa entsteht in den Hannah und Theresa Szenen, eine eigene Stimme hat sie bis jetzt nicht und wird es wahrscheinlich auch nicht. In den zwei Szenen, die ich heute geschrieben habe, baut sich die Handlung weiter auf, Theresa kocht ihrer Mutter Spaghetti, dann sitzen die beiden Frauen bei Kaffee und Apfelstrudel und sprechen über Rosas Tagebuch. In Szene sechs sitzt Marianne im Zug und fährt nach Prag. Theresa wird Albert treffen und der wird inzwischen bei einer Tante wohnen. Das ist die Frau aus dem Supermarkt, wahrscheinlich kommts zur Theresa-Albert Beziehung, während Marianne mit Jan in Prag spazieren geht und vom Tod Vaclav Havels erfährt. Eine griechische Studentin, die vom Leben in Athen, während der Finanz- und Wirtschaftskrise berichtet, könnte auch noch kommen, damits aktuell bleibt und, wie die Rosa und ihren Freundinnen sich weiter entwickeln, wird spannend werden.
Es bleibt auch beim bisherigen Schreibstil, daß sich die Handlung von Szene zu Szene weiterentwickelt. Einfälle schreibe ich in mein grünes Notizbuch auf und gehe beim Weiterschreiben das Bisherige durch. Wo genau ich hinkomme, weiß ich also nicht. Die „Wiedergeborene“ könnte aber als Titel passen, weil sich die die Handlung der Vergangenheit durch die Gegenwart weiterentwickelt und ich korrigiere mehr.
Da bin ich genauer, versuche keine Unklarheiten entstehen zu lassen, denn, da war bisher eine Schwiergigkeit. Ich habe eine Idee und fange zu schreiben an, dabei stellt sich heraus, daß es nicht so, wie gewünscht geht, ich schreibe es einmal auf und korrigiere dann im nächsten Durchgang. So wußte ich zum Beispiel nicht, wie der Platz in Kairo heißt, auf dem die Demonstrationen stattfinden, habe nachgegooglet und eingefügt, so wird es konkreter, ich habe auch die Namen öfter geändert, bis sie mir passend erschienen. Theresa wird Alberts Tante kennenlernen und dann gibt es noch die Idee, daß Margit Mayerhofer die Enkeltochter von Esther Molnar ist und den Seitenstrang von Margits Gesangskarriere, aber wie, weiß ich noch nicht.
Spannend, wie sich ein Roman entwickeln kann und ich denke, das ist auch das Faszinierende am Schreiben. Zuerst muß man natürlich Material sammeln, denn eine Idee ist kein Roman. Da ist man oft gleich festgefahren. Es läßt sich aber von einer Idee zur nächsten kommen und das ist in den paar Wochen, seit ich daran konzipiere, passiert. Wohin ich kommen werde, weiß ich nicht und das Neue, das die Leser locken könnte und mir endlich einen Verlag bescheren, fehlt vielleicht auch noch, da bin ich vielleicht auch eigensinnig und begnüge mich mit dem, was in mir drin ist, wie das Thomas Wollinger nennt, statt dem Zeitgeist zu folgen und von Katastrophe zu Katastrophe zu springen, wie die, dann beim Bachmannpreis lesen, aber das fürchte ich, würde mir zu aufgesetzt und unglaubhaft erscheinen, so daß ichs lieber lasse. Ob da der Schreiblehrer nützlich wäre, der „Tus!“, sagt, weiß ich nicht, denn den habe ich ja nicht. Trotzdem denke ich, daß das Entwickeln von Szene zu Szene, das auch bei der „Frau auf der Bank“ tragend war, eine Weiterentwicklung ist und es passiert auch viel in Monologen. Das gehört auch zu mir. Andererseits wachsen meine Dialoge und wechseln sich damit ab. Wie lange ich brauchen werde, weiß ich auch noch nicht, kann schon sein, daß es bei den sechs Wochen bleibt, ich sammle erst Material, ob ich dann zu einem wirklichen Umschreiben komme, ist auch nicht klar, bis jetzt habe ich das aber viel getan. Jetzt sinds 27 Seiten und 13 894 Worte und wenns mit der Romanrbeit so intensiv weitergeht, freut mich das sehr.

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