Literaturgefluester

2011-12-12

Neubeginn

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Am Donnerstag bin ich für mich ganz überraschend mit dem Korrigieren fertiggeworden. Nein, das Buch gibt es noch nicht zu lesen, das Manuskript kommt jetzt zum Alfred, der ein solches daraus macht. Die Bank im Rathauspark ließe sich jetzt vielleicht fotografieren. Alfred meint aber, daß das in Zeiten des Christkindlmarkts keine so gute Idee ist, denn „Die Frau auf der Bank“ spielt ja im Oktober, wenn wir aber zuwarten, kommt vielleicht der Schnee, dann passt es auch nicht und im März oder so könnte das Buch schon fertig sein…
Auf jeden Fall gibt es aber schon Gedanken für die nächste Arbeit, die sind hier ja schon ein paar Mal aufgeschrieben, auch wenn sie inzwischen noch nicht viel konkreter wurden.
Am Donnerstag war jedenfalls ein Feiertag und ich ein bißchen verkühlt, da habe ich das „Mörderische Wochenende“ vorgezogen und war ganz überrascht von dem Buch bzw. erstaunt zu erfahren, wie konkret ein Wochenendkrimiworkshop sein kann, daß da in der Gruppe halbe oder sogar ganze Romane angedacht, bzw ausgeschrieben werden können.
Ich bin ja nicht so sehr ein Krimischreibetyp, aber die Idee des vorher Auskonzipierens, hat für eine Vielschreiberin schon etwas an sich, denn es könnte ja sein, daß es mir an der Handlung fehlt und das so bleibt, wenn ich mit der ersten vagen Idee gleich fröhlich losstolpere und wenn dann die Ideen ausbleiben, mich um das Recherchieren, Tieferwerden, die harte Arbeit eben, die den Roman erst zu einem solchen macht, herumdrücke. Meine Kritiker deuten manchmal so etwas an. Also wäre es eine schöne Idee zu versuchen, aus dem vorhandenen Einfall ein Romangerüst zu machen und zu schauen, wie weit ich damit komme, ich muß mich ja nicht daran halten, vielleicht hilft es aber.
Für den Freitag hatte ich eine Einladung der Regina Alfery, einer lieben Psychologenkollegin, die in einem Geriatriezentrum arbeitet, malt und in letzter Zeit auch komponiert, die mich immer zu ihren Ausstellungen einlädt und jetzt auch in ein Konzert in die Alte Schmiede, denn die hat ein sehr tolles Musikprogramm, das ich mir vorsichtshalber nie sehr genau anschaue, denn es gibt ja schon genügend Literaturveranstaltungen. Am Freitag hat es aber gepasst, wieder einmal in einem anderen Rahmen in der Alten Schmiede aufzutauchen, ich habe außer der Regina niemanden gekannt, obwohl mir Ruth Aspöck einmal sagte, daß sie gerne dort hingeht, weil es die tollsten Konzerte zu freien Eintritt gibt.
Auf den Weg in die Alte Schmiede nehme ich mir meistens die Gratiszeitungen, falls es die am Karlsplatz noch gibt, mit und in einer solchen stand im Horoskop auch richtig „Ich soll mich an meine neue Arbeiten machen, aber aufpassen, denn die anderen können es vielleicht besser als ich!“
Wusch, stimmt vielleicht, wenn man es auf der Erfolgsseite betrachtet, aber nicht unterkriegen lassen, denn solche Ideen hindern nur, wie die Psychologin weiß, dann kam ich nach Hause und hatte einen Kommentar des lieben Rudis, der mich mahnte, daß ich bei dem Artikel über sein neues Buch schon wieder einen Buchstaben vergessen habe. Das passiert mir manchmal bei seinem Namen, da habe ich diesmal zwar aufgepasst. Daß ich aber vielleicht nicht so schludderig schnell sein sollte, ist schon klar und ich nehme es mit in die neue Bucharbeit.
Der Samstag begann mit dem Zuendelesen eines Buches in der Badewanne, das auch zum Thema passt. Denn Wolfgang Herrndorf ist Mitglied der Zentralen Intelligenz Agentur und das sind ja die, die ihre Bücher genau nach dem Publikumsgeschmack konzipieren und beim Bachmannpreis gewinnen.
Apropos Bücher, da brauche ich mir bezüglich meiner Lesungslisten keine Sorgen machen, denn auf der Hunderbücherliste fehlen nur mehr die Anna Gavalda und der Thomas Wollinger und der Badezimmerstoß ist entsprechend zusammengeschrumpft. Also war ich auch da vorsorgend und habe von den sechzig Stück, die ich im nächsten Jahr lesen will, die, die sich in Wien befinden, ins Badezimmer geschleppt und da jetzt wieder zwei hohe Stöße. Es sind schöne neue oder auch ältere Bücher, die sich da angesammelt haben und weil ich so schnell bin, wird sich wahrscheinlich der Gedichtband, den ich kürzlich bei Fix-Poetry gewonnen habe, auch noch in diesem Jahr ausgehen. Ich will mich ja auch ein bißchen mit Gedichten beschäftigen und da ist das wöchentliche Gewinnspiel von Fix Poetry, an dem ich regelmäßig teilnehme, ein wahrer Segen. Vier oder fünf Bücher habe ich in diesem Jahr gewonnen und nur den „Beyoglu Blues“ gelesen. Die anderen stehen noch auf meiner Liste, ein ganz dickes Buch ist auch dabei. Danach hat sich das Schreibvorbereitungsritual vor dem Beginn eines neuen Textes zum Friseur zu gehen, fast von selbst ergeben. Ein eher ruhiger Spaziergang durch den Weihnachtssamstag am offenen Bücherschrank Margaretens, in dem es diesmal Melitta Brezniks Erzählband „Figuren“ ein Buch, das genauso, wie das der Manuela Kurt heißt, aber sicher einen anderen Inhalt hat, gab, vorbei. Evi von Zwillingsleiden, die inzwischen in den fünften Bezirk gezogen ist, hat den offenen Bücherschrank entdeckt, beschreibt bzw. fotografiert regelmäßig seinen Inhalt und stellt die Fotos in ihren Blog.
Beim Friseur auf der Reinprechtsdorferstraße trugen die Friseurinnen Weihnachtsmützen und als ich zurückkam geriet ich vor den brennenden Kerzen des Adventkranzes gleich in die erste Krise. Die Mappe mit den Kritiken, die ich mir regelmäßig vor dem Neubeginn heraushole, um nachzusehen, wo ich aufpassen muß, hatte ich mir schon am Freitag durchgelesen und auch einen Teil meiner Schreibberichte im Literaturgeflüster. Da finde ich die möglichen Schwachstellen genau aufgelistet. Jetzt war die Idee ein Konzept aufzustellen und dazu eignet sich die „Schneeflockenmethode“, die es bei schriftsteller-werden.de zu finden gibt, sehr gut. Nur habe ich leider die entsprechenden Mappen nicht gefunden. Die Mappe mit dem Louise Doughty Buch war dagegen leichter zu finden und die Nervosität, der Druck und der Gedanke „Du kannst es nicht“ war schon wieder da. Als ich dann in mein grünes Buch geschaut habe, wo die Ideen der letzten drei Bücher aufnotiert sind, war ich gleich wieder blockiert und habe mir gedacht, mit der Idee einer Philosophiestudentin, die im Kabinett ein paar Schachteln alter Fotos findet, kannst du keinen Roman schreiben und wie ist das jetzt mit der Mutter und der Großmutter?
Es sind drei Romane bzw. drei voneinander unabhängige Geschichten und meine Kunst, das im Laufe der Zeit so miteinander zu verweben, das etwas Neues daraus wird.
Wie, das weiß ich noch nicht genau, denn ich habe mir die „Schneeflockenmethode“ zwar wieder durchgelesen, bin aber schon bei dem ersten Satz, wo man sich den Inhalt aufschreiben soll, steckengeblieben. Zwar weiß ich jetzt, daß Katharina über Wittgenstein dissertieren könnte und, daß der Vladi aus Tiflis ein Geiger sein könnte, ist mir während des Konzertes in der Alten Schmiede auch eingefallen. Daß die erste Szene, die ist, wo Vladi einzieht und Katharina die Schachtel in die Küche stellt, wußte ich schon. So weit ganz klar und noch nicht geschrieben. Danach muß ich wahrscheinlich drei Romane planen und kann dafür im Sinne der Schneeflockenmethode ein Konzept erstellen, wenn ich das schaffe und will. Die Marianne, 1950 geboren, wohnt inzwischen in Salzburg, 1950 muß sein, denn sie hat ja 1968 als Studentin Jan aus Prag kennengelernt, als der nach Wien flüchten mußte, 1982 oder 1983 hat sie Katharina geboren, Jan ist wahrscheinlich nicht der Vater. Mutter Großmutter und Tochter haben zusammen in derselben Wohnung gewohnt, Rosa ist 2000 gestorben, da ist Marianne, die Journalistin ist, nach Salzburg umgezogen, wo sie mit Jan, der inzwischen vielleicht wieder in Prag lebt, eine Fernbeziehung haben kann. Da passt das Geburtsdatum 1982 besser zur Katharina, denn die bleibt alleine in der Wohnung und beginnt Philosophie zu studieren und Rosa hat 1938 oder 1942 ihre jüdische Freundin Hannah ein paar Jahre einquartiert und 1956 ist Esther, eine andere Freundin aus Budapest gekommen und hat eine Weile bei Rosa und ihrer kleinen Tochter gelebt. Daraus lassen sich schon drei Geschichten machen, einen Konflikt zwischen Mutter und Tocher könnte es jeweils auch geben und wie sich das mit den in die verschiedenen Zeiten schwenken und den Wiedergeburten vereinen läßt, weiß ich nicht und ist die große Kunst, in die es in den Weihnachtsferien, bzw. im nächsten Jahr gehen könnte.
Gutes Gelingen wünsche ich mir. In der Kronenzeitag habe ich gelesen, daß Robert Menasse einen großen Roman über die EU und Brüsssel schreibt und Thomas Tranströmers Gedichte, der ja am Samstag den Nobelpreis in Stockholm bekommen hat, waren in Ö1 auch zu hören.

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