Literaturgefluester

2011-12-15

Kurt Neumanns Zweitschriften

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Geballte literarische Prominenz in der Gesellschaft für Literatur: Friederike Mayröcker, Herbert J. Wimmer, Friedrich Achleitner, Peter Rosei, Heinz R. Ungar, Brigitta Falkner, Christine Huber, Ruth Aspöck, Elisabeth Reichert, Wolfgang Helmhart u.u.u.
Kurt Neumann stellte sein neues, bei Sonderzahl erschienes Buch „Zweitschriften“ – Texte, Reden, Aufsätze, Rezensionen, Interviews, vor, in dem ich schon vor einer Woche geblättert habe. Manfred Müller moderierte und führte gleich am Anfang ein Interview, beziehungsweise stellte er Fragen zur Entstehung des Buchs und zu Kurt Neumanns Medizinstudium, hat er das ja abgeschlossen, aber schon vorher in Gmunden Veranstaltungen moderiert, ab 1977 kam die Leitung des literarischen Programms der Alten Schmiede und daneben lange Jahre das eigene Schreiben: Gedichte, einige Bücher und dann die Frage zum Titel des Buchs?
Die Primärtexte beginnen zu fehlen, erläuterte Kurt Neumann, weil keine Zeit dafür seit einigen Jahren, dafür viele Lesungseinleitungen, Laudatios, Gebrauchsliteratur, wie e-mails etc. Die Auswahl der Texte, die fast alle Auftragsarbeiten sind, hat er selbst getroffen und irgendwann auch die Entscheidung sich außerhalb der Alten Schmiede öffentlich zu äußern.
Dann gab es drei Texte, die für mich erstaunlich waren, nämlich erstens eine Rede zur Gründung einer literarischen Akademie im Forum Stadtpark, die überhaupt nicht das enthielt, was man sich von einer solchen erwartet, nämlich „Literatur ist wichtig!“, so würde ich es höchstwahrscheinlich formulieren, sondern eine Reihe von Zitaten von Julien Green, über Waldmüller zu Milena Jesenka und deren Brief aus dem Jahr 1938, daß wir alle so tun als ob, während wir am Abgrund tanzen, geht wahrlich unter die Haut. Ich habe in dem Buch von Annemarie Selinko vor kurzem etwas Ähnliches gefunden, was das mit der Gründung einer literarischen Akademie zu tun hat, scheint auf dem ersten Blick nicht ganz klar, auf dem zweiten fällt die starke Ironie, Spott und Sarkasmus auf und das fand sich auch beim zweiten Text, den Kurt Neumann, wie er anmerkte, 1998 anläßlich der österreichischen EU-Präsidentschaft für ein sogenanntes Jubelbuch des damaligen Redisdenzverlages geschrieben hat und er Jochen Jung noch immer danke, daß er den Text genommen hat. Es gibt darin auch eine Menge von Zitaten, die, wie Kurt Neumann später erklärte, unter anderen aus Kafkas „Prozeß“ stammen. Er klopfte dazu immer mit den Fingern, um sie erkenntlich zu machen und dann ging es los mit der geballten EU-Kritik, die einer, da wir ja mit der Eu offenbar gerade einem Abgrund entgegenschleudern, nur zum Schaudern bringt. Die Ironie des dritten Textes war dann etwas leiser und mehr Literaturbezogener.
Ein Streitgespräch zwischen K und N, ob die Alten oder die Jungen recht haben und was besser ist, um zur Literatur hinüberzugehen und die Frage zu klären, was ein erfolloser Schriftsteller ist, beziehungsweise die junge Anpassungsliteratur anzuprangern die Konsumententauglich zu sein hat und Krimis, wie vom Fließband schreibt und die Poetry Slam Kultur entwickelte, die, wie Kurt Neumann meinte von den Stehgreifreden und der Fastnachttradition kommt.
Danach gab es ein langes Gespräch mit vielen Fragen von Manfred Müller, über den Poetry Slam wurde auch diskutiert, wobei Wolfgang Helmhart auf den amerikanischen Einfluß hinwies und ich denke ja auch immer, daß der Poetry Slam zum Teil sehr politisch ist, wenn er auch Publikumswirksam ist und mit dem Konkurrenzcharakter spielt.
Die politisch ironisch distanzierten Kurt Neumann-Texte, der sehr intellektuell zu sein scheint, waren sehr beeindruckend und es wird spannend sein, ob er in der Pension in die Sprache und in die Primärliteratur zurückfindet? Nachher bin ich ein Stück mit Ruth Aspöck zurückgegangen, die inzwischen ihre Grillparzer-Reisen in Stuttgart abgeschlossen hat, jetzt das Buch schreiben wird und ihre „Langweilige Blindschleiche“ im Jänner in der Alten Schmiede vorstellt.
Zu Kurt Neumann ist noch anzumerken, daß er 1950 geboren wurde und etwas zu verlinken gibt es auch.

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