Literaturgefluester

2011-12-30

The Weeping Woman on the Streets of Prague

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

„The weeping woman on the streets of prague“, ist ein internationales Buch, geschrieben von der 1954 in Chateauroux geborenen, Sylvie Germain, die an der Sorbonne Philosophie studierte und von 1986 bis 1993 in Prag Französisch unterrichte, wo sie, wie bei Wikipedia steht, die politische Dissidentenszene miterlebte, heute lebt sie als freie Autorin in Paris und Pau.
Gefunden habe ichs vor ein paar Tage im Wortschatz-Margareten und hätte es wahrscheinlch liegen lassen, wenn ich nicht gerade Informationen über Prag bräuchte. Ich habe die englische Version erwischt, aus dem Französischen übersetzt von Judith Landry. Da ich noch nie etwas von Sylvie Germain gehört habe, habe ich nachgegooglet und herausgefunden, daß „Die weinende Frau in den Straßen von Prag“, 1994 bei Aufbau erschienen ist und in den wenigen Rezensionen, die zu finden sind, kommt sie nicht gut weg.
„Ein Wispern und Raunen, ein Säuseln und Staunen, aber es ist nicht das Christkind. Sondern eine hinkende Riesin, was allerdings keinen Unterschied macht, denn auch sie ist nicht real, nur ein Wunschkind der Phantasie. – Mit ihrem geschwollenen Sirenengesang lockt Sylvie Germain die Leser auf eine Geisterreise nach Prag, wo Golems fußkranke Schwester im Drüben fischt. – Aber auch solche Mysterien haben ein Instant-Verfallsdatum. Hier ist es um etwa hundert Jahre überschritten“, schreibt etwa das Focus-Magazin.
Ich habe das Buch ganz poetisch gefunden, obwohl es natürlich Schwierigkeiten mit der Sprache gibt und es wahrscheinlich ein Wagnis ist, ein französisch geschriebenes Buch auf Englisch zu lesen. Die zweite Rezension die ich gefunden habe, hat aber auch von einer „miserablen deutschen Übersetzung“, gesprochen.
Es beginnt mit einem Prolog, hat einen Epilog und zwölf Begegnungen, wobei jedem Kapitel Zitate von tschechischen Dichtern vorangestellt sind.
Ob sich die poetische Prosa wirklich zwischen „Kafka und Rilke“ bewegt, wie ich in der anderen Rezension gefunden habe, kann ich nicht beurteilen, es hat sich aber auch auf Englisch gut gelesen, die metaphernreiche Geschichte von der weinenden Riesin, die in das Buch ein und aussteigt und sich durch Prag bewegt, die Ich-Erzählerin ist ihr immer dicht auf der Spur.
Sie hat kein Aussehen, keinen Namen und keine Geschichte, so gibt es auch keine Handlung, es werden aber die Jahreszeiten bemüht, der Nebel und der Flieder, wenn ich es richtig übersetzt habe und dann ist man auf einmal in einem Haus, wo ein Schriftsteller wohnte und die Seiten des Papiers, das er beschrieb, liegen auf dem Boden, interessant, daß es sich dabei um Bruno Schulz handelt, der ja in Drohobycz, Polen lebte und ich so schnell nicht herausfinden konnte, ob und wie lang er auch Prag war?
Sylvie Germain deutet nur an, beschreibt oder „säuselt“, wie der Focus meint und ist dann schnell wieder weg und bei der nächsten Begegnung und da geht es, um einen Jungen namens Franta Bass, der in Theresienstadt ermordet wurde, in einer anderen Begegnung geht es nach Vysehrad, dem Schloß, wo einst die Prinzessin Libussa lebte, um den heiligen Nepomuk geht es, um ein Buch Kafkas und natürlich um die Liebe und den Tod.
Am Schluß verschwindet die Riesin wieder und es wird noch einmal die Geschichte Prags beziehungsweise, die des gesamten Lebens zusammengefasst, von den Schlößern Hradcany und Vyserad bis zu den Ghettos und Theresienstadt.
Ist das Leben ja grausam und allgewaltig, bringt zum Weinen und die hinkende Riesin, das Gedächtnis der Stadt, kann uns davon erzählen.
Ich fand es schön in sovielen Metaphern über eine Stadt zu lesen, bei der man an Kafka und an Golem denkt. Ich hätte mir ja etwas Politisches erwartet, will ich ja über einen Dissidenten schreiben, der 1968 nach Wien geflüchtet ist und nach der samtenen Revolution nach Prag zurückkehrte, habe diesen Auflug aber, auch wenn er durch die Sprachenvielfalt vielleicht genauso hinkt, wie es der weinenden Riesin zugeschrieben wird, sehr poetisch gefunden.
Das Buch ist auch noch in der Reihe „Schwarzes Prag – Prague Noir“ erschienen und ist, entnehme ich der Biografie, der Beginn einer Prag-Trilogie.
Und ich habe mir inzwischen ein paar Videos über Prag angesehen und darüber nachgedacht, was ich von der Stadt gesehen habe, als ich 1988, war es, glaube ich, ein paar Tage zwischen Weihnachten und Sylvester mit Alfred und Anna dort gewesen bin.

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