Literaturgefluester

2011-12-31

Quälereien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Der Einstieg in mein neues Buchprojekt scheint noch nicht so gelungen, wahrscheinlich weil ich mit der „Frau auf der Bank“ schneller als erwartet fertiggeworden bin, das hatte ich erst so im Jänner oder Februar erwartet und mir lag noch die harsche „Mimi“-Kritik, die ich nicht ganz teile, in den Ohren. Ich halte das Buch zwar für ein bißchen besser, als es JuSophie tut, es stimmt aber, ich finde für meine Bücher keinen Verlag. Zwar suche ich nicht mehr wirklich, aber das mit dem selbst Herausgeben ist leider etwas schwierig. Zwar geht es schnell, ist billig, und das Resultat sehr schön, aber man ist weit weg von Gut und Böse, sprich davon einen Buchpreis, ja nicht einmal eine einigermaßen objektive Rezension zu bekommen, also nicht das Richtige, wenn man es ernst und ehrlich meint und sich sehr bemüht.
Gut, es gibt das Internet und das halte ich für einen Segen, denn da kann ich kompensieren, so einigermaßen halt, denn es ist ein wenig einseitig, wenn nur ich schreibe und keine Antwort kommt oder höchstens eine, die ich auch nicht will. Vielleicht war das das Gefühl und der unbewußte Gedanke „Nicht schon wieder, denn wenn du jetzt in sechs Wochen ein Rohkonzept hinlegst, das sich ein halbes Jahr später in ein sehr schönes Digitaldruckbuch verwandelt, das ich nicht bei Wikipedia bekanntgeben kann und wenn ichs jemanden zeige, sagt der gequält „Schön!, schaut aber nicht richtig hin, machst du dich bei deinen Lesern nur lächerlich!“
Ich hatte aber eine Idee, die so im November durch einen Blog zu mir kam, über drei Frauen zu schreiben, die zu verschiedenen Zeitpunkten in einer Wohnung leben, Thomas Stangls Emilia Degen hat mich auch ein wenig darin verstärkt und vielleicht auch Evelyn Schlag mit ihrem Ungarnroman. Damit bin ich einmal losgeprescht und das ging ganz gut. Allerdings nicht sehr lange, denn als ich dann das Szenario hatte, da ist eine Großmutter, die wurde 1915 geboren und starb 2000 und hat in der Nazi Zeit ihre jüdische Freundin und 1965, die aus Budapest versteckt, hatte ich schon die ganzen Jahrhundertromane, die in der letzten Zeit darüber geschrieben wurde, Arno Geiger, Michael Köhlmeier, etc im Kopf und hörte Klaus Nüchtern sagen „Nicht schon wieder ein Familienroman!“
Das ist es ja, es wurde schon sehr viel geschrieben, die Kritiker sind übersättigt und die Schreibratgebbücher sagen dir ganz genau, wie du es machen oder nicht machen sollst. Auf Seite fünzig einen Spannungsbogen, sagte er, sagte sie, darf man nicht schreiben und zuviel von der Autobiografie soll auch nicht enthalten sein und dann natürlich der eigene Ton, die eigene Stimme, die den Leser vom Hocker reist und nicht schon wieder eine Geschichte von einer Tochter, einer Mutter und einer Großmama, das ist nicht neu, das wäre die „Mimi“ viel mehr, aber das hat auch nicht gepasst.
Zuerst habe ich aber das Krimi-Ratgeberbüchlein gelesen, das ich mal im Schrank gefunden habe und das war sehr interessant und sehr konkret, nur hat es geraten, sich zuerst ein genaues Konzept zu machen und ich bin eigentlich eine Drauflosschreiberin, die dann nach Seite fünfzig nicht mehr weiter weiß.
Also holte ich mir die „Schneeflockenmethode“ hervor und kam darauf, daß ich nicht wirklich weiß, worüber ich schreiben will, bzw. immer gleich denke, daß es so nicht geht. Und das ist ja tödlich, da bekommst du gleich ein „Nicht genügend“ im Schreibseminar, denn das mußt du schon, werden die Kritiker mahnen und die Augen rollen, aber ich wußte auf einmal nicht mehr, will ich jetzt drei Geschichten von der Rosa, der Marianne und der Theresa schreiben, sondern dachte nur, Ungarnaufstand nicht aktuell, denn das hat ja schon die Evelyn Schlag und der Prager Dissident, den die Marianne mit Achtzehn trifft, ist das auch nicht und außerdem müßte ich da sehr viel recherchieren und daran bin ich ja, als ich 1990, als ich über den Fall des Kommuniswmus in Ungarn schreiben wollte, gescheitert. Außerdem ist die Marianne in den Seiten, die ich habe, schon wieder soetwas, von männerfeindlich und das ist ja ein Abklatsch aus der „Absturzgefahr“, höre ich schon wieder die Kritiker im Kopf. „Keine Klischees und schreib doch nicht immer dasselbe!“ Darauf ist mir eingefallen, die Theresa keinen georgischen Studenten, sondern einen aus Kairo kennenlernen zu lassen, denn das ist aktuell und darüber gibts noch nicht soviele Romane, nur ist die Theresa bis jetzt auch eine eher verklemmte Jungfrau und das hatte ich ebenfalls schon und das ist auch nicht modern.
Über was will ich jetzt wirklich schreiben? Von der „Wiedergeborenen“, die ihre Metamorphosen in der großen Altbauwohnung hat, bin ich schon weit weg und habe sogar sehr viel Stoff und wenn ich mich auf die Theresa und ihren Albert konzentriere, wirds vielleicht aktuell, nur über das was da am Tahirplatz passierte, müßte ich auch recherchieren. Dafür kam mir eine überforderte Türkin beim Lidl zu Hilfe, das ist jetzt Alberts Tante. Heißt man in Kairo übrigens auch Emine oder ist das ein rein türkischer Name? Und der Tod von Vaclav Havel brachte auch eine Schreibidee, denn, daß der Jan am Wenzelsplatz wohnt, hatte ich schon und dort gibt es eine Tafel zur samtenen Revolution, wo die ehemaligen Regimegegner und Kerzen und Blumen brachten.
Also eigentlich viele Ideen, für viele Romane, das hat mir auch schon jemand gesagt und ich wußte noch immer nicht, schreibe ich jetzt über die Theresa und die Marianne, die irgendeinen Konflikt miteinander haben, welcher ist noch nicht klar oder über die Rosa und wie integriere ich das, wenn ich beides tue?
Das weiß ich jetzt schon, ich schreibe einfach „1938“ hin und lasse die Rosa dann mit ihrer Freundin Hannah im versteckten Kammerl kommunizieren, nur will ich das wirklich oder ist das nicht der fünfhundertste Aufguß eines Holocaust-Romans, den niemand lesen will?
Mit diesen Stimmen im Kopf blieb es bei vagen Andeutungen auf ein gefundenes Tagebuch und die Fallen, bzw. die Hinweise auf die Hannah und die Esther, habe ich aus den vorhandenen Seiten dann auch nicht so entfernt, wie ich es eigentlich wollte. Dafür hat die Theresa inzwischen Albert wieder getroffen, die Marianne ist nach Prag gefahren und der kleine David, der Nachbarbub, steht mit einem alten Foto seiner Uromama vor der Wohnungstüre und die heißt Esther.
Soweit bin ich jetzt auf neununddreißig Rohseiten gekommen und die Idee, die jetzt wegzuschmeißen und neu zu beginnen und den Schwerpunkt anders zu setzen, damit ich mich nicht blockiere und wirklich was Neues entsteht, wo Klaus Nüchtern nicht gleich die Augen verdreht, ist mir schon mehrmals gekommen. Nur der sieht das sowieso nicht an und kommt auch nicht auf meinen Blog. Aber ich will mich nicht selbst blockieren, sondern eine Chance haben, damit nach außen zu kommen.
Gestern bin ich beispielsweise sehr lustlos und sehr blokiert am Laptop gesessen, habe die letzten zwei Szenen geschrieben und dabei ständig gedacht „Das wird nichts, das wird nichts!“, etc. Also genau das, was man nicht denken soll, wenn man einen Roman schreiben will, nur hatte ich mir vorher die Kulturjournal-Diskussion über die 2011 Neuerscheinungen mit Daniela Strigl, Petra Hartlieb und Klaus Nüchtern angehört, deshalb zitiere ich letzteren so oft und habe gehört „Thomas Glavinic und Doris Knechts Romane sind nichts“, obwohl sie ja auf den Shortlisten standen, dafür wurde Marlene Streeruwitz von Daniela Strigl sehr gelobt und so etwas schwebt mir ja auch irgendwie vor, nur ob ich es so abgehoben hinbringe?
Was ich ja vielleicht ein bißchen in der „Absturzgefahr“ und bei den „Zwillingswelten“ hinbekommen habe, ist das Weiterentwickeln der Handlung von Szene und Szene. Deshalb schreibe ich derzeit vielleicht so lustlos weiter, sammle Material und denke, das kann ich nachher noch verändern. Nur tat ich das bisher eigentlich nie sehr und so bin ich wieder oder eigentlich noch immer ratlos und weiß nicht, wie es weiter geht? Für zwei Szenen habe ich noch Ideen. Dann könnte ich wieder das bisher Vorhandenen durchgehen und entscheiden, ob ich von vorn anfange oder doch der Rosa eine Stimme gebe und eine Geschichte schreibe, wo eine Tochter einen ägyptischen Studenten kennenlernt, die Mutter sich mit ihrem ehemaligen Liebhaber aussöhnt oder zerstreitet, die Großmutter mit ihren zwei Freundinnen vielleicht ein Geheimnis hatte oder nicht und die Margit Mayerhofer, die die Enkeltochter Esthers ist, vielleicht doch irgendwo die Tosca singt.
Stoff für einen Jahrhundertroman, nur gibt es davon schon soviele. Thomas Wollinger meint immer, daß alles schon in einem drinnen ist, das stimmt sicher, nur was ist in mir? Der Gedanke, ich kann es nicht, weil die, die mir bisher sowas sagten, bis jetzt rechtbehielten oder die leise Stimme der Theresa, die wenn ich doch ein bißchen recherchiere, etwas über die EU und die Krise, in der wir stecken und die ja sehr aktuell und vielleicht noch nicht so ausgeschrieben ist, erzählt?
Das Ergebnis wird erst das nächste Jahr bringen, das ist gewiß, mein Wunsch wäre ja einmal ein halbes Jahr für ein Rohkonzept zu brauchen, aber wenn dann nur das herauskommt, was ich auch in sechs Wochen geschrieben hätte, habe ich nichts davon.
Die Ideen mit dem „Zeit lassen“ und vielleicht ein paar Kurzgeschichten schreiben, habe ich auch noch immer oder die, wenn ich wieder in Wien bin, herumzufahren und die Theresa sozusagen auf der Straße finden.
Nach Prag werde ich nicht reisen, aber zu den Ereignissen in Ägypten könnte ich recherchieren oder herausfinden, was ich wirklich schreiben will?
Derzeit schreibe ich viel im Literaturgeflüster darüber und weiß nicht recht, ist das die Flucht nach vorn oder zurück? Es wäre aber gut den Gedanken „Du kannst es nicht!“, aus dem Kopf zu bekommen. Denn damit ist man sehr blockiert und hindert sich selbst. Wie tut man das aber, wenn die Kritiker wirklich sagen „Das interessiert uns nicht, das haben wir alles schon gehört und einen Beistrichfehler hast du auch, also kannst du es wirklich nicht und du mußt ja nicht schreiben, hör damit auf, es gibt ja ohnehin schon soviel Bücher, die niemand lesen will?“
Stimmt alles, nur will ich es und die anderen tun es auch und bei Petra van Cronenburg kann man diese Tage einen ganz ähnlichen Artikel lesen, bei dem mich am meisten die zwanzigjährige Autorin verunsicherte, die gerade ihr erstes Buch herausgebracht hat und schon ein bißchen abfällig über die spricht, die es halt im Selfpublishingverfahren versuchen, weil ihnen das Schreiben auch wichtig ist, da gefällt mir Petra van Cronenburgs Standpunkt, daß das vielleicht eine Entlastung des überfüllten Buchmarkts bringen könnte und jeder tun soll, wie er kann, schon besser.
Und natürlich muß man das Schreiben lernen und auch aufpassen sich nicht zu sehr zu wiederholen und in den Krisen, die es gibt, nicht steckenzubleiben.
In diesem Sinn wünsche ich ein erfülltes neues Schreib- und Lesejahr und werde sehen, wie es mit meinen Schreibgelüsten weitergeht!
Für die, die mein Ringen der letzten Wochen nachlvollziehen wollen, gibt es hier die Prozeßberichte: 1 2 3 4 5 6 7 8 9

2 Kommentare »

  1. Du liebe Eva ,
    Ist es auch bei Dir so dass die beste Ideeen aufkommen, Wenn Du nicht schlafen kannst . Und dass Du dann anfangst die neue Gedanken aufzuschreiben?

    Kommentar von frans postma — 2012-01-01 @ 15:14 | Antwort

  2. Ja manchmal kommt es zu Spontaneinfällen, die ich dann auch aufschreibe, in dem konkreten Fall sind die Ideen, vielleicht doch weiterzumachen nach den Blogeinträgen, bzw. beim Korrigieren gekommen. Da geht es, glaube ich, auch um das Materialsammeln. Und da habe ich ja viel, nur das meiste wurde schon geschrieben oder müßte vielleicht genauer recherchiert werden. Es ist aber auch ganz gut gleich Ungenauigkeiten, die blokieren, weil sie nicht stimmen, zu beseitigen. So hatte ich zuerst den Namen Blumental für die Theresa ausgewählt, weil der schön ist und mir gefällt, er ist aber vielleicht zu einseitig und könnte in eine andere Richtung weisen, denn ein Holocaustroman wird es wohl nicht werden, so habe ich es in Brunner abgeändert und bin wieder offen für das Neue.
    Und was die leidige Frage mit der Autobiografie betrifft, da kann man auch immer kleine Fehlspuren setzen, die ganz lustig sind, so hat meine Mutter Rosa geheißen und wurde 1915 geboren, sie ist aber nicht 2000 geboren und hatte keine Wohnung in der Währingerstraße und dort auch nicht mit zwei Freundinnen gelebt.
    Alles Gute, lieber Frans für das neue Jahr, ich habe dir gerade ein Mail geschickt!

    Kommentar von jancak — 2012-01-01 @ 15:23 | Antwort


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