Literaturgefluester

2012-01-03

Szenen füllen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:21

Habe ich jetzt die vierzig Seiten, von denen ich am Freitag schrieb, weggeschmissen oder schreibe ich wieder fleißig und etwas besser motiviert weiter?
Erraten, es ging vorwärts, wenn auch nicht gleich. Denn aus den zwei Szenen, die ich nach den „Quälereien“, schreiben wollte, ist nichts geworden. Da habe ich mich an den Laptop gesetzt, ich schreibe jetzt nicht mehr mit der Hand und wieder nur gedacht „Das ist ja Mist, was ich da habe!“ und war auch nicht imstande, weiterzuschreiben, weil soetwas von blockiert. So habe ich die paar Ideen, die ich hatte, in einem schlechten Deutsch den letzten zwei Szenen angefügt, das heißt, die Theresa erfährt von Margit Mayerhofer, daß die Esther ihre Großmutter ist und die Marianne und der Jan, wollen von der Moldau in ein Wirtshaus gehen und treffen am Wenzelplatz Menschen mit Kerzen und mit Blumen, die ihnen sagen, daß Vaclav Havel gestorben ist. Dann habe ich meine Blockierung, mein nicht Schreiben wollen oder können, selbst bemerkt und gedacht, da stimmt doch etwas nicht, du kannst doch schreiben und schaffst es locker in einer Stunde einen tausend Wort Artikel über den Schreibprozeß zusammenzubringen und Buchbesprechungen hast du im letzten Jahr auch hundertvierzehn geschafft, die sogar gelobt wurden. Das soll mir die zwanzigjährige Autorin, die die sogenannten Indie- Autoren unter Anführungszeichen setzt, erst einmal nachmachen. Dann bin ich schlafen gegangen, beziehungsweise habe ich dem Stephan Eibl auf sein Neujahrsgedicht gemailt „Es wird nichts mit meinem Romanprojekt, ich gebe das Schreiben daran auf!“ und mich noch einmal gewundert, weil das ja schon lange her ist, daß ich sowas machte, die letzten zehn Jahre habe ich ja an die fünfundzwanzig Bücher, wie am Fließband geschrieben und, daß man da ein bißchen ausgeschrieben ist, ist klar, vor allem wenn ich bei den Rückmeldungen nur immer „Das geht nicht und du kannst es nicht, etc!“, höre. Am Samstag bin ich dann mit dem Rad nach St. Pölten gefahren, habe mit dem Alfred Kaffee getrunken und bin am Nachmittag mit ihm auf die Rudolfshöhe hinaufgewandert und am Abend, das habe ich ja schon geschrieben, mich zuerst vor meinen Text gesetzt, habe wieder nur gedacht „Hui, ist das schlecht!, dann wollte ich zuerst in der Badewanne das Bachmann-Buch auslesen und dann bis halb zwölf, die erste Szene nochmals korrigiert und sie mit ein bißchen Fleisch gefüllt. Dann sind schon die Ideen gekommen, was ich vielleicht noch verbessern könnte, damit die Handlung weitergeht oder erst zu einer wird.
Sonntag früh habe ich dann schon einen etwas positiver gestimmten Neujahrsbericht geschrieben und bin am Nachmittag über einige sehr interessante Schreibvidos gestoßen.
Toll, was es da im Internet so alles gibt! Wenn ich daran denke, daß ich vor dreißig Jahren ehrfurchtsvoll vor den fünfzehn goldenen Regeln des Schreibens gesessen bin und mir immer wieder die Briefe der Schule des Schreibens, dieser Hamburger Fernakademie, das einzige, was es damals gegeben hat, zuschicken haben lassen, die damals die einzigen waren, die sagten „Du darfst schreiben und wenn man das will, hat man schon Talent!“, aber natürlich viel Geld dafür verlangten. Jetzt haben die im September eine Konferenz in Berlin abgehalten, James N. Frey, das ist der „Mit dem verdammt guten Roman“, dem einzigen Schreiblehrbuch, das ich mir einmal kaufte und fast auswendig gelesen habe, ohne wirklich etwas damit anzufangen, dazu eingeflogen und zwei tolle Videos darüber in das Netz gestellt. Eines ist eine Stunde lang und zeigt eine Diskussion über das Thema „Zwischen Muse und Markt“, wo drei höchstwahrscheinliche Gebrauchsautorin und die Verlegerin Sandra Uschtrin vor einer Schars „Möchtegerns“ ein bißchen aus dem Nähkästchen der Verlagswelt plauderten und das war sehr interessant und das kann ich jenen nur empfehlen. Wurde da ja über Pseudonyme diskutiert und ich habe mich ohnehin schon gewundert, warum vielschreibende Autoren, wie etwa Julia Kröhn, soviele Pseudonyme haben? Ich würde das nicht wollen, weil mir das nicht als authentisch erscheint. Aber wenn sich ein Name nicht trägt, schlagen das die Verlage vor, wurde erklärt und, daß angeblich sehr viele Autoren sehr viele Pseudonyme haben. Die, die ich kenne und beispielsweise in der Alten Schmiede lesen oder auf der deutschen Buchpreisliste stehen, haben das nicht, aber offenbar ist der Literaturbetrieb wirklich total hierarchisiert. Oben sind die die sogenannten E-Autoren, also die Buchpreislistenträger oder die, die beim Bachmannpreis lesen und ihre Bücher bei Suhrkamp Fischer oder Rohwohlt haben, aber dann gibt es noch die vielen vielen Fantasy, Krimi, Chick Lit etc Schreiber, das sind wahrscheinlich auch die, mit den Pseudonymen, dann gibt es noch die Indies- mit den E-Books und ganz unten in der Rangreihe mich mit meinem Blog mit neunhundertdreißig Artikel in dreieinhalb Jahren, fünfundzwanzig selbgemachten Büchern etc.
Das war sehr toll, weil ich im Netz dann noch weitere Videos fand, darunter eine ZDF Diskussion in sechs Teilen „Wie schreibt man einen Roman?“ mit Julia Franck, Moritz Rinke, Hanns-Josef Ortheil und John von Düffel, also die die ganz oben in der Rangreihe stehen, aber von den Bücherbloggern vielleicht nicht unbedingt gelesen werden und das, was die erzählten, erschien mir zum Teil sehr bekannt und schon selbst erlebt. Was mich wieder ein bißchen ermutigte, vielleicht doch nicht so eine „Autorin“ zu sein. Ich lasse die Anführungszeichen jedenfalls weg.
Ja, die Gebrauchsautoren, bei der Schule des Schreibens-Diskussion, die schon mal historische Romane unter einem Frauennamen einreichten, sagten, daß man sich seine Stecknadel im Heuhaufen suchen soll und gegen den Strich der Genres bürsten soll und so weit bin ich inzwischen auch gekommen, bei meiner eigenen Diskussion der letzten Wochen. Soll ich jetzt einen Roman über drei Frauen schreiben, wenn es doch schon soviele über dieses Thema gibt und mir dann dachte, versuch so gut zu schreiben, wie du kannst, deine Fallen aufzulösen, um vielleicht zu dem Eigenen zu kommen, das, was wirklich nur ich kann, statt dem fünfhundertfünften Holocaustroman, den ich ja nicht selbst erlebte. Und das war auch, das was die Schreibprofis riefen, „Schreiben, schreiben, schreiben und dann noch dreimal lesen und so oft leiden!“
Nicht aufgeben, dann wirds vielleicht noch was und wenn es hundertmal abgelehnt wird, reich es noch ein hunderterstes Mal ein! Da denke ich inzwischen zwar auch und wenn ich das getan habe, bekomme ich einen Herzinfarkt und in meinem Mailkasten, steht wieder „Nein!“
Aber was soll es, wenn es mir wichtig ist und das Literaturgeflüster ist auch eine Veröffentlichungsmöglichkeit, auch wenn es außer mir niemand liest. Denn das, was die bei dieser Diskussion vergessen haben, ist, daß die Leser immer weniger lesen, auch, weil sie ja vermehrt selber schreiben wollen.
Da bin ich mit meinen hundertvierzehn 2011 Bücher auch eine Ausnahme, aber mir wurde ja auch schon gesagt, daß ich die „Buchimie“ betreibe, ja und in der Buchpreisklassediskussion wurde von den anerkannten Schreibeprofis dasselbe gesagt. „Talent, Ausdauer und eine verkorkste Kindheit!“ und einiges, was die Buchpreisträger dort erzählten, habe ich auch schon erlebt, obwohl ich ja am untersten Ende der Rangreihe stehe.
Es war also ein interessantes Schreiblernseminar und eines das mich wirklich weiterbrachte. Dann bin ich noch in die Badewanne gestiegen und habe das Bachmann-Buch, das auch sehr interessant war, ausgelesen. Vorher aber schon noch einmal zwanzig Seiten korrigiert und war mit meiner Rohseitenmaterialsammlung wieder ausgesöhnt. Denn da steckt viel drin. Die Profis setzen die Romanschreibzeit übrigens mit zweieinhalb Jahren an. Da bin ich weit darunter, aber ich habe ja keinen Lektor, der mich an der Stange hält und mein Schreibcoaching versuche ich mir selbst zu geben. Aber die Ideen kamen wieder, auch wenn ich dazu tendiere, der Rosa keine eigene Stimme zu geben und eher in der Gegenwart, also bei der Theresa und der Marianne zu bleiben und wenn ich da vielleicht ein bißchen abgehobene Handlung hineinbringen kann, habe ich vielleicht gewonnen. Ich habe also noch immer kein fertiges Romankonzept und weiß noch immer nicht so genau, wo ich hin will. Der Titel „Wiedergeborene“ könnte aber passen.
Und am Montag habe ich dann auf das Radfahren und das Baden verzichtet und fertig korrigiert und da mußte ich die letzten Szenen, die, bei denen ich vorige Woche stockte, gehörig auffüllen, aber das war kein Problem. Da wußte ich jetzt weiter, habe ein bißchen Mariannes Eifersucht erklärt, eine Sonja Pilankova und eine Hanka Haugova erfunden und nachgerechnet, daß die Esther eigentlich schon in der Währingerstraße schwanger gewesen sein muß, also habe ich noch ein Geheimnis. Und auf eine Falle muß ich vielleicht auch aufpassen, wenn ich weiterkommen will. Die man vielleicht „Die Angst vor dem Schreiben!“ nennen könnte. Denn da sitze ich vor meiner Materialsammlung, die sich langsam füllt, denn die Ideen kommen wieder und merke bei den Szenen, das muß ich noch ausführen, daran sollte ich noch arbeiten und dann bekomme ich Angst und gehe vielleich auf meine Statistikseite.
Also Hemmungen überwinden, daran bleiben, da haben ja auch die Profiautoren ein bißchen erzählt, wie sie moglen, um sich an der Stange zu halten. Ich müßte mir irgendwo aufschreiben „In sechs Wochen schreibt man keinen Roman, liebe Eva!“ und tue das ja auch im Literaturgeflüster. Und als ich damit durch war, wars zu finster, um doch noch Rad zu fahren und ich habe zwei neue Szenen angefügt, so daß ich jetzt bei achtundvierzig Seiten und 24.367 Wörtern halte. Die Szenen sind, daß der Jan und die Marianne am Wenzelsplatz Sonja Pilankova und Pavel Smetana treffen und dann die Nacht mit ihnen saufen und, daß die Margit Mayerhofer David und Sara zu Theresa bringt, damit sie singen kann und die wühlen sich durch die Esther Fotos.
Weiter weiß ich nicht und weiß noch immer nicht so wirklich, wie es lang geht, fühle mich aber nicht mehr blockiert. Denn ich kann schreiben, vielleicht ein bißchen anders und ein bißchen eigenwillig, aber ich habe es schon viel getan und wenn ich jetzt noch ein bißchen über meine Fallen kommen, bin ich wieder ein Stück weitergekommen und wenn meine Schreibberichte ein bißchen weiterhelfen, soll mich das freuen, mir bringen sie, glaube ich, sehr viel.

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