Literaturgefluester

2012-01-10

Alle Wege

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:15

„Alle Wege“ führen nach Rom sagt das Sprichwort und da gibt es ein Östereich-Atelier oder eine Stipendiatswohnung in der Via di Tor Millina und da zieht es die österreichischen Autorinnen von Martin Ammanshauser bis Cornelia Travnicek bekantlich hin. Viel mehr als dreizehn werden sich in der schon etwas abgehausten Wohnung, Andrea Stift hat einmal in ihren Blog, ein paar Fotos derselben hineingestellt, ihre Rom-Phantasien niedergeschrieben haben. Linda Stift, ihre Cousine hat jedenfals dreizehn Autoren gebeten, ihre Rom-Geschichten für eine Anthologie zusammenzustellen, die bei Sonderzahl herausgekommen ist. Thomas Kussin und Matthias Zsutty haben Fotos dazu gemacht, von der berühmten Künstlerwohnung gibt es keine und der Buchtext verspricht „Frische neue Blicke auf die citta eterna. Und wie nebenbei entsteht ein Panorama der österreichischen Gegenwartsliteratur.
Dann springen wir hinein, es hat ohnehin lang genug gedauert, bis ich das Buch gelesen habe und beginnen mit Rosemarie Poiarkow „Wenn der Papst stirbt“, da sind wir gleich mittendrin in dieser Künstlerwohnung, obwohl, die 1974 in Baden bei Wien geborene, von der ich „Wer, wenn nicht wir?“ gelesen habe, erst, wie auf der Biografieseite steht „vor hatte, um ein Rom Stipedium anzusuchen, vorzugsweise in Okotober“ steht noch dabei.
Johannes Gelich machte das in „Ponte Mammolo“ auch, das heißt vorher war er in Madrid, dann kommt er in die Via di Tor Millina 35, wird von einem bildenden Künstler und einer Fotografin zum Spaghetti-Essen eingeladen und hat in seinem Zimmer Alpträume, denn im selben Bett haben schon Robert Menasse und Franzobel geschlafen, welche Vorstellung?, das Klo ist dauern verstopft, bzw. wird von ihm besetzt und über Pasolini will er seine Stipendiatsarbeit auch noch schreiben.
Dann kommt Andrea Stifts Text „Schmutzig“, die war im Juli 2007 das erste Mal in Rom, als ein Harry Potter erschienen ist, den sie dann gleich in der Buchhandlung Feltrinelli um Mitternacht erstand. 2009 war sie, glaube ich, noch einmal dort, jedenfalls habe ich diesem Jahr ihren Blog entdeckt und da auch die berühmten Fotos gefunden. Der nächste Text ist von Anna Kim und der bereitete mir ein bißchen Schwierigkeiten, beziehungsweise bestätigte er meine Vorurteile, warum ich mich so oft vor Anthologien und Kurzgeschichtenbänden drücke. Denn man liest sich ein in eine Geschichte und dann kommt ein ganz anderer Stil und das macht das Mitdenken ein bißchen schwierig. Noch unverständlicher wurde es bei Markus Köhle, denn der vermischte gleich genial das Deutsche mit dem Italienischen in „Amore fa mal di testa e daneggia gravamente la capacita linguale“, na klar, hat er ja in Rom Romanistik studiert, was mir gar nichts ausmachte, versuchte ich während meiner Italienaufenthalte ja Italienisch zu lernen und habe deshalb immer ein tausend Lektionen Italienisch Sprachbüchlein mitgenommen. Mieze Medusa versuchte es dann gleich auf Englisch „Its fobidden to rubbish the monument“, beginnt mit dem Südbahnhof, den es nicht mehr gibt und der Zugsfahrt, versucht dabei einen Stefan zu vergessen, lernt einen Sven kennen, geht mit ihm essen und Kaffee trinken und macht auch eine Stadtführung.
Die nächste Autorin konnte höchstwahrscheinlich schon Italienisch, als sie Rom bereiste, hat dort auch als Zimermädchen gearbeitet und in die Anthologie ein Stück von „Stillbach“ hineingestellt und das war sehr interessant, besucht das deutsche Zimmermädchen doch in der Zimmerstunde den Fontana di Trevi und erwischt dort ihre Kollegin, wie sie mit einem Magneten die Münzen aus dem Wasser fischt, die die Touristen hineinschmeißen, um sich entweder in einen Römer zu verlieben oder in die ewige Stadt zurückzukommen. Sabine Gruber wurde 1963 in Meran geboren und lebt inzwischen in Wien. Und Michael Stavaric zählt in „Und in Italien“ sämtliche Vorurteile auf, die man über diese und über andere Städte haben kann. „Und in Rom ist es allen Frauen, die MARIA heißen, verboten als Prostiutierte zu arbeiten, und im übrigen Italien ist es das nicht“
In Angelika Reitzers „Scherbenhügel“ geht es gleich wieder in das Österreich-Atelier. Das heißt nicht gleich, zuerst geht es zu einer Fastenkur, die aber kein Erfolg wurde, so kommt sie nach Rom und läßt sich dort von ihren Mitbewohnern bekochen. Und Olga Flor beschreibt in den „Katakombenheiligen“ die negativen Seiten, der ewigen Stadt, erzählt von den Bettlern, den Taschendieben und den Männern, die einen in die Toreinfahrten locken und zu vergewaltigen suchen, während Linda Stift, die viermal dieses Atlier besuchte in „Macks Verhängnis“ einen verhinderten Heiratsschwindler seine Leiden schildern läßt. Er will in Rom eine reiche alte Frau verführen und berauben, stolpert aber über die amerikanischen Lolitas in den Eisdielen, kauft sich einen halben Liter Zitroneneis, spritzt ab, bekleckert seine Hose und findet am nächsten Tag auch in den Nobelhotels, die ersehnten reichen alten Frauen nicht. Und Cornelia Travnicek erinnert unter Palmen am Wiener Graben, daß Schriftstellerinnen gar nicht auf Urlaub gehen können und, daß man in Rom vor lauter Erwartungshaltung nicht schreiben kann oder höchstens einen Italienroman „Aber wer braucht schon soviele Italienromane?“ und war 2010 durch den Umweg über Paliano, wo das andere Österreich Atelier, das es in Italien gibt, liegt, „zum ersten Mal in der ewigen Stadt.“ Am Schluß führt uns Martin Ammanshauser noch auf den Friedhof und zitiert die Reisen, die, der Vater Johann Caspar Goethe, Johann Wolfgang Goethe und sein Sohn August machte. Und ich war 2003, glaube ich, einmal dort, auf einem Campingplatz mit dem Alfred ein bißchen außerhalb, da ich in der Zeit, wo ich noch unabhäng war und keinen Kassenvertrag hatte, nicht recht wußte, wie man sich um ein Rom-Stipendium bewirbt und vielleicht auch keines bekommen hätte, so also als Touristin mit einem literarischen Reiseführer durch die Stadt gezogen und dann 2004, als „Tauben füttern“ schrieb, davon zehrte, macht da ja die arbeitslose Lehrerin, Veronika Schätzmeister, wie angeblich sehr viele Italiener auch, Urlaub auf ihrem Balkon mit Ausblick auf den Donaukanal, während sie im Italienischen Billig Supermarkt Spaghetti, Chianti etc einkaufte, um ihrer Freundin dann in Mails von einem vorgetäuschten Urlaub vorzuschwärmen, während unten am Donaukanal eine Tauben fütternde alte Frau erschlagen aufgefunden wird. So jetzt habe ich auch ein bißchen zu den Büchern der Autoren und den Veranstaltungen, die ich von ihnen schon besucht habe, verlinkt. Ich habe ja bei den „Mittleren“ einmal Cornelia Travnicek und Andrea Stift eingeladen, da war auch Lina Stift und da hat die Anthologie vielleicht auch ein bißchen ihren Ausgang genommen, mit der man am besten wahrscheinlich nach Rom fahren und sie dort lesen sollte, da kann man dann auch am Campo di fiori und zu dem Haus gehen, in dem eine andere Exil-Römerin, nämlich die berühmte Bachmann einmal lebte.

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