Literaturgefluester

2012-01-12

Der Geist von San Francisco

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Wieder einmal war es schwierig mit den Veranstaltungen, stellte doch Ruth Aspöck gemeinsam mit Gerhard Jaschke ihr neues Buch in der Alten Schmiede vor und dieses habe ich schon gelesen und auch die Präsentation bei der Buch-Wien gehört, trotzdem habe ich der Ruth als sie mich dazu in den Weihnachtsferien „Save the date!“ einlud, zugesagt. Dann kam aber auch eine Eiladung von der Wien-Bibliothek zur Präsentation des neuen Ritter-Buches „Der Geist von San Fransisco“ – verstreut publizierte und nachgelassene Texte von Wolfgang Bauer und ich habe mich bei der Ruth entschuldigt, habe ich ja, seit dem ich das Literaturgeflüster betreibe, so eine Regel, möglichst nicht zu einer Veranstaltung zu gehen, wo ich das Buch schon kenne, um meinen hundert bis hundertfünfzig täglichen Lesern, eine möglichste Bandbreite des Literaturbetriebes zu bieten. Und der 2005 verstorbene Grazer Dichter ist ja sehr interessant. Erst einmal besitzt er das Vorurteil, daß er in der Grazer Szene in der lebte, oft gesoffen hat, jedenfalls habe ich, als ich 1984 mit dem Alfred und der sehr kleinen Anna einmal zu einer Supervision in Graz war und am Schloßberg spazierengegangen bin, einen Text geschrieben, der von der besoffenen Grazer Dichter Szene Szene handelt. Dann besitze ich ein Foto von ihm, das am Harlander Klo hängt, wo er auf der von Gösta Maier organisierten „Tag der Freiheit des Wortes -Veranstaltung“, die 1998 oder so in Villach stattgefunden hat, gelesen hat und bei „Rund um die Burg“ habe ich ihn auch ein paar Mal gehört. Da war interessant, daß er seine Texte offenbar gerne öfter gelesen hat, so daß ich oft einmal etwas doppelt hörte.
Jetzt fand in der Wien-Bibliothek eine Präsentation eines Bandes erstmals oder wiederaufgelegter Werke statt, weil, wie die Direktorin Sylvia Mattl-Wurm in ihrer Einleitung erklärte, 2002 der Vorlaß an die Wienbibliothek verkauft wurde und als da die Mitarbeiter, die Schachteln aus Graz holten, soll der Dichter gesagt haben „Nach Wien, wo Grillparzer und Nestroy wohnten, gehöre ich ohnehin hin!“
Sylvia Mattl-Wurm erzählte noch, daß es tausend Nachläße in der Wien-Bibliothek gäbe und freute sich über die gut besuchte Veranstaltung. Es war nämlich sehr voll, auch wenn ich die extrovertierte Dame, mit der ich im Lift gefahren bin, nicht unbedingt für einen Bauer Fan gehalten hätte und ich sah auch die ältere Dame, die am Montag ebenfalls in der Alten Schmiede war und von der ich eigentlich gedacht hätte, daß sie zu Aspöck-Jaschke geht. Der Germanist Thomas Antonic hat jedenfalls das Buch herausgegeben und der Ritter Lektor, dem ich fast erzählt hätte, daß ich mir am Montag den „Crauss“, um zwei Euro beim Morava gekauft habe, hat eigeleitet und Dank gesagt. Interessant die Einreihung Wolfgang Bauers zwischen Avantgarde, postexperimenteller Bellestristik und Popliteratur und auch, daß von Ulk, Klamauk und Pseudotexting die Rede war und daß Wolfgang Bauer mit seinen beiden Werken „Change“ und „Magic Afternoon“, die in den Sechzigerjahren auf allen Bühnen gespielt wurden, Thomas Bernhard überholte. Dann hat er aber mit dem Stück „Memory Hotel“ anders zu schreiben begonnen und Friedrich Torberg und Hilde Spiel, die ihn vorher sehr lobten, ließen ihn fallen.
Das erwähne ich deshalb, weil ich da gerade das Hilde Spiel Buch zu ihrem hundersten Geburtstag lese. Der Schauspieler Wolfgang Böck hat danach aus dem neuen Band gelesen, „Den Geist von San Fransisco“, wieder zum Leben erweckt und ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diesen Text, der von einem amerikanischen Dramatiker handelt, der in San Fransisco plötzlich von einem Wiener mit „Hey Karl!“ angesprochen wird, daraufhin nach Wien fliegt und einen Tag lang dort im ersten Bezirk herumspaziert und im Cafe Hawelka daraufkommt, daß er der Doppelgänger von einem Karl Maria Ring, einem bekannten Maler, ist, nicht schon einmal bei „Rund um die Burg“ gehört habe.
Als Draufgabe las der Schauspieler dann noch den „Tod von H. C. Artmann“ 1969 geschrieben, einen prophetischen Text, wie Wolfgang Böck anmerkte, denn da lauern zwei Grenzer auf den Dichter, weil Österreich will einen Literaturpreis vergeben und das wissen die Dichter nicht, weshalb sie ins Ausland gingen. Jetzt soll H. C. Artmann zurückgeholt und verhaftet werden, der weigert sich aber und wird erschoßen, Nachsatz, „Da ist er ja, geboren und gestorben in Österreich!“ Das war zwar erst ein bißchen später, nämlich 2000, wie Ernst Jandl und nachher gab es Wein und Knabberstangen und ich hörte dem Gespräch zweier Damen zu, die darüber rätselten, ob Karl Maria Ring, Franz Ringel sei? Denn der hätte ein Atelier in der Porzellangasse gehabt und kamen auf das Trio Franz Ringl, Joe Berger und Wolfgang Bauer zu sprechen. Eine der Damen meinte, sie hätte alle drei gekannt und ich war vor ein paar Jahren bei der „Hirnhäusl“ Präsentation und wenn ich mich nicht irre, hat dieses Buch auch Thomas Antonic herausgegeben.

1 Kommentar »

  1. Ottwald John hat mir amTag nach der Lesung in der Hauptbücherei den Text Wolfgang Bauers vorgetragen und ich war damit richtig glücklich. Wir sprachen lange über diesen Text und ich freue mich, das ich mit diesem neuen Buch Wolfgang Bauer von einer anderen Seite kennengelernt habe.
    Er hat oft, wie Eva schreibt, mit GAV-Kollegen und Kolleginnen gelesen, so auch öfters mit mir.
    Ich freue mich über diese, seine neue Publikation, wenn er auch nicht mehr bei uns ist.

    Kommentar von Ruth — 2012-01-22 @ 18:00 | Antworten


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