Literaturgefluester

2012-01-14

Samstagsbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:06

Wie ging es weiter mit dem Schreiben der „Wiedergeborenen“ und was tut sich sonst im Leben einer seit fast vierzig Jahren, so „besessen“ wie „erfolglos“ vor sich hinschreibenden Frau? Die Weihnachtsferien sind beendet, ich bin in die Praxis zurückgekommen und habe die ersten zwei Veranstaltungen im neuen Jahr besucht, dazwischen gab es einen langen meditativen Spaziergang auf dem Wilhelminenberg zu der Hochzeit von Alfreds alter Freundin Ingrid und ab Donnerstag wurde fleißig weitergeschrieben. Das Handlungskonzept ist mir ja in der vorigen Woche in etwa so gekommen und da finde ich wirklich interessant, was aus der ursprünglichen Idee, eine Philosophiestudentin wohnt in einer Wohnung, in der auch ihre Mutter und ihre Großmutter lebten und macht eine Metamorphose durch verschiedene Zeiten, Welten und Identitäten durch, geworden ist.
Denn die hat sich in den zwei Monaten in denen ich daran denke und arbeite, wirklich mehrmals verändert und ist auch durch mehrere Krisen gegangen. Inzwischen habe ich fast hundert Rohseiten, fünfunddreißig Szenen und fünfzigtausendfünfundert Worte. Der Nanowrimo wäre, allerdings mit Zeitüberschreitung, geknackt und ich weiß wieder einmal mit der Handlung nicht recht weiter, werde wieder korrigieren und dann bis zum Ende planen. Das heißt, so ungefähr weiß ich es schon und ich denke, ich bin auch schon ziemlich am Schluß oder so im dritten Drittel. Soll so sein. Interessant ist diesmal, glaube ich, wirklich die Entwicklung. Am Anfang habe ich ja ziemlich ins Blaue geschrieben, habe gedacht, ich mache wie im „Haus“, drei Romane. Einen über die Rosa, die Marianne und die Theresa und verbinde das alles mehr oder weniger kunstvoll miteinander. Jetzt ist es bei den zwei Handlungsebenen, die von der Marianne und der Theresa abwechselnd getragen werden, geblieben. Von der Idee die tote Rosa mit einer Jahreszahl oder via ihrem Tagebuch in die Handlung zu bringen, habe ich gelassen. Und die beiden Freundinnen, die Hannah und die Esther, für die ich je einen Charakterbogen angeglegt habe, werden in die Geschichte durch ihre Söhne, die sie bekommen haben, den Schriftsteller Ari, der aus Israel gekommen ist, um das Memoir über seine Mutter im Salzburger und auch im Wiener Literaturhaus vorzustellen und Johann Molnar, der aus Graz nach Wien kam, um mit seiner Tochter Margit, der Nachbarin Theresas, in die Oper zu gehen und seine außereheliche Tochter Ilona zu treffen, die in Budapest als freie Schauspielerin lebt, von Viktor Orbans Reformkurs aber, nach Wien getrieben wurde, um dort ein freies Theater zu gründen, bzw. ihre Forinths auf ein Wiener Konto zu legen, was ich diese Woche in den Journalen so hörte, daß das die Ungarn jetzt so tun, entwickelt.
So weit bin ich mit dem Schreiben gekommen. Theresa ist mit Albert Taher in die Konditorei Aida gegangen, hat dort Johann Molnar mit Ilona gesehen, während Marianne in Salzburg inzwischen im Literaturhaus war, Ari Eisenstein angesprochen hat und ihm nun Salzburg zeigt und Jan hat sich auch bei ihr gemeldet, um ihr zu sagen, daß er kommen will, weil Hanka Haugova im Prager Hospiz gestorben ist.
Was jetzt kommt, ist das Finale und der Weg dorthin. Irgendwie reizt mich ja die Idee, nach den Kritiken der letzten Bücher, das fulminant in der Wohnung in der Währinger Straße enden zu lassen. Alle kommen zusammen, bevor sie wieder auseinandergehen, Ari nach Jerusalem, Marianne nach Salzburg, Jan nach Prag und Theresa eventuell eine Wohngemeinschaft mit Albert, Ilona und deren Freund Gabor gründen wird.
Wie ich das verbinde und welche Szenen davor kommen, weiß ich noch nicht. Werde, wie beschrieben, jetzt einmal die bisherigen hundert Seiten vornehmen und alle darin vorhandenen Ungereimtheiten und Fehler ausmerzen, so stimmt das Alter meiner Protagonisten noch nicht ganz. Das Ganze also so glätten, daß ich weiterschreiben kann und dann die nächsten Szenen planen.
Ich habe noch nie so viel zwischendurch korrigiert und das Ganze immer wieder von vorne durchgegangen, wahrscheinlich, weil sich der Handlungsbogen zwischendurch sehr verändert hat und Personen auftauchten, von denen ich Ende November noch keine Ahnung hatte, daß sie kommen werden. Andere Ideen, wie zum Beispiel den griechischen Studenten oder Studentin habe ich fallen lassen und der Vladi oder Wassili Scharkawilli aus Tiflis ist auch zu einem koptischen Christen aus Kairo geworden.
Finde ich interessant und es war auch eine spannende Arbeit, wo ich wieder über einige meiner Hemmungen gekommen bin und das ist ja, glaube ich, meine große Schwierigkeit. Die Heimmung und das ewige „Das darst du nicht!“, im Kopf, dem ich in meinen Quälereien-Artikel ja tapfer den Garaus gesetzt habe und ich glaube, es ist mir auch gelungen, ein bißchen lockerer damit umzugehen und dabei hilft mir, so masochistisch das vielleicht auch klingt, die öffentliche Diskussion im Literaturgeflüster. Masochistisch deshalb, denn da kann man ja auch angegriffen werden, wenn man so öffentlich über seine Grenzen schreibt und sich als Eine outet, die Schwierigkeiten mit dem Verlagsfinden hat und trotzdem schreiben will.
So hat sich wieder mein Kritikerduo gemeldet und gemeint, daß es viel besser schreibt als ich! Soll so sein, ich bemühe mich so gut ich kann und kann aus meiner Haut nicht heraus. Arbeite aber daran oder auch nicht, denn ich bin, wie meine Leser wahrscheinlich bemerken, auch ein bißchen eigensinnig und versuche selber zu reflektieren, wie gut oder schlecht ich bin und da komme ich zu dem Resumee, daß ich mit dem Schreiben nicht viel Glück hatte und mich wahrscheinlich meine Persönlichkeit und der fehlende Förderkreis am Hineinkommen in den Literaturbetrieb hinderte, so daß ich nach wie vor am Rand herumkrebse, beziehungsweise mich durch das Literaturgeflüster ein bißchen davon entferne, wie ich das auch vor zehn Jahren mit dem sogenannten „Selfpublishing“ machte“.
Ich tue was ich kann, wenn ich könnte, würde ich bei Suhrkamp verlegen, klar, keine Frage, aber es stimmt schon, der Autobus ist nicht gekommen, der mich nach Stockholm fährt. Der wäre auch sehr überfüllt, weil alle dorthin wollen und ich vielleicht nicht die Ellenbogen habe, die anderen hinauszudrängen, um selber einzusteigen. So schreibe ich mehr oder weniger verzweifelt alleine vor mich hin, berichte darüber im Literaturgeflüster meinen hundert bis hundertfünzig täglichen Lesern und setze mich gelegentlichen Kritkerinnen aus, die ihre Freude daran haben „Du bist eine Hobbyautorin und ich bin viel besser!“, zu schreiben. Soll so sein! Ich schreibe so gut ich kann und das ist mir bei der „Wiedergeborenen“, glaube ich, gar nicht so schlecht gelungen.
Auch wenn meine Sprache wieder am Boden der Realität blieb und ich fast mit einer Akribie „sagte er, sagte sie“ , verwende, aber Gustav Ernst tut das auch und sagt „Na und!“, dazu und die Verlage, die mir das herausstreichen, habe ich ja nicht. Was ich aber schön finde, ich wiederhole es, ist der Schreibprozeß und das Überwinden von Hemmungen, es ist auch flüßiger geworden. Wie weit es trotzdem noch an der Oberfläche ist und ich bei der Personenführung tiefer werden sollte, muß ich mir noch anschauen.
Ich werde, wenn ich das Rohkonzept fertig habe, mir auch den Frey noch einmal herausholen, obwohl ich nicht mit allen, was er schreibt, einverstanden ist und ich auch keinen amerikanischen Roman schreiben will, der von einem Autor gecoacht wurde, der sich an Balzac oder Nabokov, also wieder an die Europäer, allerdings an denen des neunzehnten Jahrhunderts, orientiert. Da bleibe ich lieber gleich in der Gegenwart und in Wien.
Und ein bißchen Erfolg gibt es auch zu berichten. Ich habe gestern nämlich wieder einmal Druckfahnen durchgesehen, hat Christoph Kepplinger, die zur neuen Volkkstimmeanthologie geschickt. Es wird wieder Buch, juchee und von mir, einen veröffentlichten Beitrag geben, mit dem ich, wenn ich will, zum Pen marschieren kann. Aber ob der mit einer Volksstimmeanthologie etwas anfangen will, ist fraglich, ganz abgesehen, davon, daß ich aus der GAV nicht austrete!
Vielleicht zur Orientierung die bisherigen Schreibberichte 1 2 3 4 5 6

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