Literaturgefluester

2012-01-15

Glückliche Ehe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:17

„Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias ist ein Buch aus meinem Lieblingsbücherkasten und es stammt, glaube ich, aus dieser Kuppitsch-Bücheraktion, jedenfalls war es neu, 2010 erschienen und es ist ein Roman von einem Autor, von dem ich sonst wahrscheinlich nichts etwas gehört hätte.
Rafael Yglesias wurde 1954 in New York City geboren, ist der Sohn eines kubanisch stämmigen Schriftstellerpaars, brach mit Siebzehn die Schule ab, um einen Erfolgsroman zu schreiben, wurde dann Drehbuchautor, und hat seine Frau Margaret Yoskow, 2004 durch Krebs verloren und 2009, nach dreizehn Jahre Pause als Romancier einen Roman über seine Ehe und das Sterben seiner Frau geschrieben.
„Das vorliegende Buch ist frei erfunden. Namen, Personen, Institutionen, Orte und Ereignisse entstammen der Fantasie des Autors oder werden fiktiv benutzt. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen oder anderen erfundenen Ereignissen, Schausplätzen, Organisationen und toten oder lebenden Personen ist rein zufällig.“
Das stört mich an dem Buch, weil mir vorkommt, daß da die Leser wegen der Rechtssicherheit ein bißchen verarscht werden. Das Buch ist jedenfalls „Für sie“ gewidmet und beginnt in abweselnden Handlungssträngen vom Leben des Schriftstellers und Schulabbrechers Enrique Sabas und seiner Frau Margaret zu erzählen. Mit abwechselnden Kaptielfolgen, beginnt es doch in den Siebzigerjahren, da hat Enrique sein drittes Buch geschrieben, mit seiner älteren Freundin Sylvie mit der er einige Jahre zusammenlebte, Schluß gemacht und erfährt von seinem Freund Bernard, kein so literarischen Wunderkind wie er, obwohl er später ein berühmter Kritiker wird, von einer Margret, die aber in „einer ganz anderen Liga als er spielt“, so daß er ihm ihre Telefonnummer verweigert.
Im nächsten Kapitel ist Margret, die an Darmkrebs leidet und an den verschiedensten Schläuchen hängt und schon unzählige Operationen hinter sich hat, austherapiert und beschließt zu sterben, beziehungsweise sich in die Hospizpflege zu begeben.
So geht es weiter. Auf der einen Seite wird der Beginn der Beziehung zwischen den Beiden erzählt. Enriques Eltern sind Schriftsteller, Margrets Eltern Geldleute und sie eine begabte Fotgraphin und Malerin. Er geht zum ersten Date, bzw. zu einem sogenannten Waisendinner, in einem viel zu dicken Wollpullover und stellt sich ungeschickt an, bis Margaret sagt, daß sie ihn liebt und es zum ersten Kuß, später zur Hochzeit und den beiden Söhnen Greg und Max kommt. Es gibt auch eine Ehekrise, einen Seitensprung und einen Ehetherapeuten, der natürlich ein Psychoanalytiker namens Goldfarb ist, auf der anderen Seite bespricht Margaret mit ihrer Hospiz-Ärtzin Natalie Ko genau durch, wie sie sterben will und wie die Behandlungen nach und nach abgesetzt werden. Enrique stellt einen Verabschiedungsfahrplan zusammen, wo die Familie und die Freunde kommen, es gibt unzählige Verabschiedungsdinners, obwohl Margret schon lange kein Essen mehr halten kann und bei ihr alles wieder unten herauskommt, bzw. sich verstopft und abgesaugt werden muß.
Der jüngere Sohn hat Schwierigkeiten mit dem Loslassen und Enrique ist der starke Mann, dem alles aufgeladen wird und mit ihren Eltern verhandeln muß, daß Margaret ihre Verabschiedung in einer anderen Synagoge haben und auf einem anderen Friedhof begaraben werden will. Am Schluß sucht sie mit einer Freundin die Kleider heraus mit denen sie begraben werden will und will dazu auch die Ohrringe haben, die das einzige Geschenk waren, daß Enrique für sie aussuchte, daß ihr passte.
Der letzte Tag der Verabschiedung ist für Enrique reserviert, der ihr verschiedenes, darunter, daß er sie liebt, sagen will. Margaret fällt aber früher schon ins Koma, bzw. bekommt sie einen Schüttelfrost, so daß Enrique, in Versuchung kommt, ihr Leben doch ein bißchen zu verlängern, am Schluß bestimmt aber doch Margaret, den Zeitpunkt und das Ehepaar kommt zu seiner Verabschiedung.
Ein sehr beeindruckendes Buch über ein sehr beeindruckendes Thema, von dem die meisten von uns nichts hören wollen. Eine sehr beeindruckende Schilderung von der Art, wie ich beispielsweise, nicht sterben möchte. Ich gehe davon aus, darin sehr viel Autobiografie und Lebensbewältigung des Autors zu finden und habe trotzdem einen sehr kunstvoll konstruierten amerikanischen Roman gelesen, der alle Themen enthält, die dieser haben soll.
Sex und Crime, einen spannenden Aufbau und eine gekonnte Entwicklung, man erfährt auch viel vom Leben in New York, das es, nehme ich an, wirklich gibt und über die Kunst des Romanschreibens und die Vorstellungen, die ein literarisches Wunderkind in New York so hat und wie der Literaturbetrieb in Amerika so läuft. Balzac und Raskolnikow werden erwähnt und der junge Enrique träumt davon einen amerikanischen Roman in Fortsetzungen im Stile Balzacs zu schreiben. Daraus wird nichts, er wird ein Drehbuchautor und beim zweiten Roman hatte er schon weniger gute Rezensionen, wie beim ersten und seine Vorschüße hat er auch schon ausgegeben, bevor er sie bekommen hat.
Ein beeindruckendes Buch über ein sehr großes Thema, das mir entgangen wäre, hätte eine Buchhandlung vielleicht nicht dem Bücherschrank etwas, was sich möglicherweise nicht so gut verkauft, gespendet, was sehr schade wäre, denn eine so beeindruckende Schilderung des amerikanischen Lebens mit allen seinen Höhen und Tiefen, habe ich schon lange nicht gelesen. Die Literatur ist aber ein so harter Job, wie das Leben und wir lesen alle viel zu wenig, ich weiß.

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