Literaturgefluester

2012-01-21

Vier starke Frauen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52

„England in den Siebzigern: Hippies, Flower Power, die Hoffnung auf Freiheit, Gleichheit, Brüder – und Schwesterlichkeit. Es ist die Geschichte einer Aufbruchszeit. Damals als es Ziele gab, für die es sich zu kämpfen lohnte und die, natürlich, von ewigen Bestand sein würden…“, steht auf der Buchrückseite von Fay Weldons „Vier starke Frauen“, ein Buch aus der Ein Euro Buchlandungskiste, 1997 erschienen und es handelt, wie in der Vorbemerkung steht, von Layla, Stephanie, Alice, Nancy und Co, die Frauen, die in London 1971, den Frauenverlag Medusa gründeten und das ist schon einmal ein Thema für mich, da ich ja im Arbeitskreis schreibender Frauen im Wien der Siebzigerjahre, ein bißchen die Gründung des Wiener Frauenverlages mitverfolgte, dann erlebte, wie er eine „Milena“ wurde, den es jetzt noch gibt, wahrscheinlich ist er auch erfolgreich, nur leider kein Frauenverlag mehr, weil man den ja, wie ich immer höre, nicht mehr braucht und er jetzt gerade Herren aus dem vorigen Jahrhundert, wie beispielsweise Rudolf Brunngraber, von dem mir Ruth Aspöck kürzlich sagte, daß er ein eher patriachaler Mann war, wiederauferlegt.
Aber dazu später, jetzt ins London von 1971, das mir, da ich nach meiner Matura im Sommer 1973, ein Monat lang im Westpark Hospital in Epsom war, seltsam rückständig erscheint, aber vielleicht wars damals wirklich so, mir ist es jedenfalls nicht so vorgekommen.
Lalya und Stephanie, Frauen Mitte zwanzig, kleben jedenfalls Plakate „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“ auf Littfaßsäulen und rennen dabei in ein junges Paar Brian und Nancy, die aus Neuseeland kommen und einen Verlobungsring tragen, um.
Ein paar Leute wundern sich über die seltsame Aufschrift, denn was soll eine Frau ohne Mann? Die zwei Frauen haben es aber eilig, denn sie haben in Stephanies Haus, wo sie mit ihrem Mann Hamish und ihren zwei Söhnen lebt, eine Art Frauentreffen, da kommen dann alle hin. Zoe mit dem Kinderwagen, in dem die kleine Saffron sitzt, weil ihr Mann Bull sich weigerte, auf das Kind aufzupassen und Zoe ist sauer, denn sie hat Soziologie studiert und muß jetzt Windeln wechseln. Alice, die Übersinnliche, die ebenfalls studierte und Vorträge hält und Daffy aus der Unterschicht, die von Stephanie gleich beleidigt wird, daß sie dumm ist und ihren Mund halten soll.
Zuerst ist man baff, dann erfährt man warum, schleppt Hamish Daffy doch ins Bett in den Oberstock, während unten die Frauen Medusa gründen. Zuerst können sie sich nicht über den Namen einigen, dann tanzen sie schließlich im Kreis, ziehen sich aus dabei und Bull trommelt an der Tür. Die Nachbarn stehen vor den Fenstern und schauen den Nackten zu und Stephanie erwischt Hamisch und Daffy und verläßt nackt das Haus und ihre Söhne, vielleicht auch ein wenig unverständlich.
Inzwischen liegen Brian und Nancy, in der leeren Jugendherberge, Nancy will vögeln, aber Brian eine Jungfrau heiraten, wieder unverständlich, außerdem will er, daß sie ihm seine Socken stopft, so verläßt sie ihn, macht einen Sekretärinnenkurs und heuert ein Jahr später bei Medusa an.
Jetzt habe ich etwas vergessen, als der brüllende Bull an der Türe trommelte, hat er Zoe aufgefordert mitzukommen, was sie auch tat, also nichts an mit der Arbeit im Frauenverlag. Sie bekommt ein zweites Kind, ist vordergründig nur mehr Hausfrau und Mutter und wird von ihrem Bull auch gründlich beleidigt. Schreibt aber trotzdem heimlich ein Buch „Verlorene Frauen“ und bietet es Medusa an. Layla und Stephanie können sich nicht einigen, ob sie es nehmen. Stephanie ruft an und sagt Bull, sie soll mehr schicken und der sagt seiner Frau, der Verlag nimmt es nicht, weil es grottenschlecht ist, daraufhin bringt Zoe sich um. So endet der erste Teil. Ein paar Bettgeschichten, die mir ebenso unglaublich scheinen, so landet Lalyla, als sie daraufkommt, daß sie nicht mehr schwanger werden kann, im Bett von Hamisch und Duffy, die sich seither um die Kinder kümmert, bringt sie zu Stephanie zurück, aber sie will sie nicht. Das passiert aber, glaube ich, schon im zweiten Teil „Ein Nest geiler Nattern“ und der endet auf Zoes Begräbnis, wo der Geistliche vergeblich bittet doch keine feministische Veranstaltung aus einer Beerdigung zu machen.
Medusa ist aber unheimlich erfolgreich und die Frauen kapieren langsam auch, daß die Frauenbewegung wichtig ist, obwohl sie noch nicht zu ihren Hormonen und ihren Tagen stehen können und Alice driftet in die esoterische Welle ab, legt Pyramiden und Karten…
Der dritte Teil heißt „Saffrons Suche“ und da ist Zoes kleine Tochter fünfzehn, geht nach der Schule in ein Buchgeschäft und kauft sich um ihr Taschengeld eine feministische Zeitschrift, die bei Medusa erscheint, muß ins Haus einsteigen, weil der betrunkene Vater nicht die Türe öffnet und ihrem kleinen Bruder erklären, daß er nicht schuld, am Tod der Mami ist. Sie macht sich auf die Suche das Geheimnis aufzuklären und hat eine Kopie des Mannuskriptes, Zoe brachte sich auch um, weil Bull die Seiten verbrannte, unterm Bett versteckt. Das landet Jahre später doch bei Medusa, wird ein Welterfolg und die Frauen prellen die Familie um das Geld, weil Bull nicht das Kleingedruckte las.
Der vierte Teil spielt zwanzig Jahre später, Flower Power ist vorbei und Saffron Chefredakteurin einer Frauenzeitschrift und sie will auch Medusa haben, vielleicht, um ihre Mutter zu rächen, vielleicht aber auch, weil sie eine Powerfrau geworden ist. Sie vögelt zwar mit einem von Hamishs Söhnen, geht aber zu den Geldgebern und kauft dem Aidskranken Partner Laylas seinen Pozentanteil ab. So ist sie schließlich die Besitzerin, während sich Stephanie und Layla endgültig zerstreiten. Alice bleibt esoterisch und Nancy zu Brian zurückgeht, beziehungsweise mit ihm um die Welt segelt.
Und aus der Traum vom Londoner Frauenverlag oder auch nicht, Saffron wird ihn schon aufpäppeln, während der Wiener, wie erwähnt,den Bach hinuntergeschwommen ist und es war interessant von einer Zeit zu lesen, die lange vergangen ist oder so scheint.
Ein bißchen glaube ich ja nicht, daß es wirklich so war oder habe ich es in Wien anders erlebt. Aber auch da hat die AUF jetzt zugemacht, weil Eva Geber in Pension gegangen ist, Ruth Aspöck ist das schon lange und ich habe auch nicht viel Glück beim Wiener Frauenverlag, bzw. bei Milena gehabt, obwohl ich dort natürlich auch meine Manuskripte hinschickte.
Aber drei Texte hatte ich in Anthologien. In der allerersten „Aufschreiben“ nichts, denn da hat mir Elfriede Haslehner den Text zurückgeschickt und gemeint, ich solle stattdessen in Therapie gehen. Allerdings in der „Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst“- Anthologie ist mein Text „Die freundlichen Stimmen oder auf einen Anruf warten“ drinnen, den ich zwar, nach dem Erfolg der „Güler“, zu der Arbeitsweltanthologie von „Jugend und Volk“ schickte und die schickten es zum Frauenverlag, die es nahmen. Dann folgte lange nichts. Erst als Karin Balluch den Verlag leitete, Elfriede Haslehner wurde ja ziemlich stürmisch entfernt, hatte ich Anfangs des neuen Jahrtausend zwei Texte, nämlich in der „Viechereien“-Anthologie und im Widerstandsbuch „Die Sprache des Wiederstands ist weiblich….“, den „Widerstand beim Zwiegelschneiden“.
Aber das nur am Rande, denn das gehört nicht zu Fay Weldons Roman, die 1931 geboren, eine britische Bestsellerautorin und Feministin ist und ich habe, vor Jahren, als man, wenn man seine Stimme für die lange Nacht des Hörspiels, was auch nicht mehr so heißt, abgab, ein Buch gewinnen konnte, Fay Weldons „Ehebruch“ gewonnen und am Rathausplatz beim Warten auf das Filmfestival im Sommer gelesen und war beeindruckt von der starken Sprache und dem starken Thema. Damals hatte ich soetwas noch nicht glesen. In meinem Katalog findet sich noch „Memoiren eines Teufelsweibs“, das habe ich, glaube ich, auch gelsesen, kann mich aber nicht mehr erinnern. Wohl aber auf die „Bulgary Connection“, die in Edith Broczas Buchkisten waren. Das hat mir aber nicht so gut gefallen und „Frau im Speck“ war einmal im Bücherkasten, das muß ich noch lesen.
Und zu diesem Buch ist zu sagen, daß die Erinnerungen an die wilde Zeit des Feminismus der Siebzigerjahre, die ich miterlebte, natürlich sehr beeindruckend ist. In England war das offenbar ein bißchen anders, als bei uns in Wien, aber vielleicht übertreibt eine Bestsellerautorin auch ein bißchen, um den Publikumsgeschmack zu treffen. So kommt es mir jedenfalls vor und am Schluß geht alles den Bach hinunter, beziehungsweise wechselt der Verlag die Besitzer und das haben wir in Wien auch erlebt.

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