Literaturgefluester

2012-01-28

Studentenlesung II oder Namen suchen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:32

Das Institut für Sprachkunst hat ja eine Kooperation mit dem Literaturhaus, so daß es die Lesarten gibt, wo im Vorjahr Terezia Mora, Wilhelm Genanzino, Katja Langen-Müller etc lasen und es im letzten Jänner sowohl das Symposium „Die Praxis des Schreibens“ als auch eine Studentenlesung mit Lesungen der Studierenden des ersten Jahrgangs gab. Da derzeit überall eingespart wird, wird das auch diese Schiene betreffen, so gab es keine Lesungen mehr oder weniger berühmter Mainstreamautoren mehr, wohl aber eine Präsentation des Symposiumbandes vorigen Samstag, die ich versäumte, weil wir da in Harland waren. Es gibt auch eine Zeitschrift der Studententexte, die irgendwann präsentiert wurde, wo ich nicht kommen konnte und diesen Freitag eine Studentenlesung der Studierenden des zweiten Jahrgangs.
Ich habs schon mal geschrieben, mit den Namen tue ich mir schwer. Denn die des ersten Jahrgangs waren problemlos im Internet abzurufen, die des zweiten standen auch darin, die druckte ich mir aber leider nicht aus, so daß ich auf das Literaturhausprogramm angewiesen war und da stimmten sie, wie sich herausstellen sollte, auch nicht ganz, standen ja Iris Gassenbauer, Johanna Müller, Benjamin Quaderer und Miel-Amelie Wanka im Programm, die nicht gelesen haben. Sonst war auch einiges ein bißchen anders, weil im letzten Jahr sehr viel reserviert war und ich irgendwo ganz hinten gesessen bin, bin ich diesmal eher früh gekommen, so früh, daß ich noch einen Umweg zum Bücherschrank machen konnte, der übrigens durch einen von Hermann Nitsch mitgestalteten zur zwei Jahresfeier am 5. 2. um 15 Uhr ersetzt werden wird. Jetzt gibt es aber noch das alte Kastel und da fand ich zwei schöne alte Bücher von einem Paul Keller drin, von dem ich inzwischen ergooglet habe, daß das ein sehr populärer schlesischer Dichter war, den alle lesen wollten und das steht in einem der Bücher, ohne bibliografisch Angaben auch so drin, daß die Ärzte die Keller Bücher den Kranken empfehlen und das man sie seiner Familie schenken soll, „Denn man soll nie vergessen, es gibt kein edleres und billigeres Geschenk als ein gutes Buch!“, das steht in einer Ausgabe von 1932.
Ferdinand Schmatz stand schon vor dem Literaturhaus, als ich meinen Platz belegte und stand noch dort, als ich mit den Büchern zurückgekommen bin. Reserviert war diesmal nichts und um dreiviertel sieben auch noch ziemlich leer. Ich sollte dann auch weder Gustav Ernst, Rober Schindel, noch den Literaturhausleiter sehen und es gab auch keinen Programmzettel, wo die Namen und die Texte, wie im Vorjahr standen.
Es füllte sich dann aber mit vielen jungen Leuten und der alte Herr, der immer zu Literaturveranstaltungen geht und einmal von Emmy Werner ziemlich zusammengeschissen wurde, weil er sie kritisierte, war auch da, ist aber in der ersten Pause gegangen und der andere, der am Dienstag auch in der Gesellschaft für Literatur, bei der anderen Jugendlesung war.
Barbara Zwiefelhofer begrüßte und las die Reihenfolge der Lesenden so schnell vor, daß ich sie nicht mitschreiben konnte und von den Namen, die im Programm standen, kannte ich niemanden.
Vom ersten Jahrgang habe ich ja Sandra Gugic durch den Exilpreis gekannt. Ferdinand Schmatz, der einzige Vertreter des Lehrkörpers kam dann auch, sagte „Ich bin der Körper“ und versicherte, daß die Studenten die besten Texte lesen würden, die in den ersten drei Monaten des Studienjahres entstanden sind und sagte noch dazu, daß er sie nicht kenne. Dann kam ein junger Mann, erklärte, daß jeder zehn Minuten und es zwei kurze Pausen geben würden und bedauerte, daß die Lehrer nicht anwesend seien, aber Robert Schindel auf einer Veranstaltung und Doron Rabinovici auf der Demonstration gegen den Burscheschaftsball, der in der Hofburg stattfindet. Dann wollte er zu lesen beginnen ohne seinen Namen zu sagen, was mich störte, weil die Lesung nicht in der angeführten alphabetischen Reihenfolge war. So traute ich mich nachzufragen und hoffe daß meine Berichterstattung stimmt. Der erste Leser, der auch den Abend moderierte, war Bastian Schneider und er las einen sehr anspruchsvollen Text über das Schreiben und über Wörter, die mit den Grimmschen Märchen begannen und mit Grafitis endeten, dazwischen war auch noch einiges zu hören. Die zweite Leserin stellte sich dann vor und hieß Katharina Luger, die mich mit ihrem „Morgengebet im Soll“ sehr beeindruckte.
„Ich soll keinen Fernseher haben, ich soll beim Bachmannpreis lesen, ich soll eine Auflage von mindestens 1500 Bücher haben, ich soll einen Bachmannjuror kennen, keine Adjektive verwenden, pünktlich sein, nicht zu spät kommen, einen eigenen Blog führen und andere Literaturblogs leben, etc.“
So ist es, glaube ich und wenn schon die sehr jungen Frauen im zweiten Studienjahr vom Literaturbetrieb so belastet sind, ist das nicht gut, ich mußte bei dem Text aber sehr lachen und die anderen taten das auch.
Konrad Priessnitz hatte Gedichte, in denen der Name „Trakl“ vorkamen, an ihn erinnerten und sich auch reimten.
Und Johanna Kliem, die nicht im Programm stand, beeindruckte auch durch ihren sehr gekonnten Text, von dem ich mir nicht ganz sicher bin, ob er „Das schwarze Loch hieß“, das kam jedenfalls öfter darin vor und noch einiges andere, so „Schaumkugeln“, Friederike Mayröcker und ein Bad in Budapest von dem die Großmutter öfter schrieb. Dann gab es die kurze Pause und die nächste Runde, wo die Vornamen nochmals angekündigt wurden. So begannen Magda und Laurenz. Magda war, habe ich mir zusammengereimt, Magdalena Caterina Mayer und ihre Gedichte wurden von einem Laurenz, der nicht im Programm steht, musikalisch performanct und das Ganze war „Was besonderes“, es ging aber auch, um einen Friedhof und um die Namen, derer, die dort liegen „Kannen, Kerzen etc“.
Dann kam Teresa Dopler, deren Namen als erste im Programm steht, mit dem Text „Meine Haut, deine Haut“, in mehreren Abteilungen, jedenfalls lebt eine Frau mit Oskar, der Tiefseefische malt und nur mit einem Leintuch schlafen will. Er bespritzt sie auch mit Farbe und will sie nach ihrem Tod oder bis zu ihrem Tod bemalen, ums Ziebelschneiden geht es auch. Nils Georg Treutlein hatte wieder Lyrik, zum Teil auf Englisch, zum Teil bezog er sich auf die Duineser Elegien. Bei Michael Marco Fitzthum habe ich mir „Der Mann mit dem Hut“ dazugeschrieben und es ging, um einen Essay eines Schriftstellers oder um einen Brief von einem, der jedenfall mit „viel Liebe Marco“ endete.
Nach der Pause kam ein Video von Norbert Kröll, der sich schon vorher auf das Podium gesetzt hatte und seine Lesung filmen ließ, trotzdem aber alle gegrüßte und auch wartete, bis der Herr in der letzten Reihe ruhig geworden war.
Stephan Pointner las einen Auschnitt aus einem längeren Text namens „Auslese“, wo es um Zahlen und um den Freitod ging, der Sätze hatte, wie „Der Freitod ist ein Meister aus Mürzzuschlag“, sich aber gleich auf das Zitat bezog.
Johanna Wieser las von „Verlorenen Dingen“ und zuletzt kam Roland Grenl und beeindruckte mich durch einen sehr realistischen Text. Einen Dialog zwischen einem aus einer Satelitenstadt, der nur mehr vier Zähne im Mund hat und einem oder einer Deutschen, die er am Schluß damit küssen will. Das ganze nennt sich „Pospischilkapitel“ und ich finde es schön, daß das bei einem Hochschullehrgang für Sprachkunst möglich ist, ist aber auch kein Wunder, ist ja Gustav Ernst unter den Lehrern und der war als Vorbild denke ich, recht gut zu erkennen, jedenfalls habe ich an ihn dabei gedacht. Nachher gab es wieder Wein und Bier, diesmal keine Brötchen. Ich erkannte Rhea Krcmarova, die ja am Montag im tschechischen Zetrum liest. Die anderen jungen Leute nicht, eine hatte aber ein rotes Spielzeugauto an einer Kette, um den Hals, was mich ebenfalls sehr beeindruckte, weil ich mir dachte, daß sich daraus sicher ein sehr schöner Text schreiben läßt.
Sehr spannend also die zweite Studentenlesung, die allererste habe ich ja vor zwei Jahren am Tag der offenen Tür an der Angewandten gehört und an die vorige hat sich eine rege Diskussion mit JuSophie geknüpft, der ja leider „Mimis Bücher“ nicht gefallen hat. Ob sich diesmal eine Diskussion ergibt, weiß ich nicht. Ich werde aber nachschauen, was sich über die Studenten ergooglen läßt und bin natürlich sehr gespannt, wer es von ihnen vielleicht einmal zum Bachmann, Priessnitz oder anderen Preis bringen wird und ich war auch sehr fleißig, habe ich ja am Nachmittag, das Flugblatt für die „Mittleren VI“ erstellt, zum Vorbereitungstreffen eingeladen und auch das Einleitungsreferat für die Lesung am 21. März im Amerlinghaus erstellt, zu der ich alle daran Interessierten herzlich einlade, weil es da sicher auch einige interessante Stücke Literatur zu hören geben wird.

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4 Kommentare »

  1. was für ein vertrottelter artikel. find ich gut, dass das geflüster ist. ganz, ganz leise. nur, dass da jemand nuschelt ist zu vermerken…

    Kommentar von orschloch — 2013-08-27 @ 04:40 | Antworten

  2. Was ist daran vertrottelt und so leise find ichs gar nicht? War jedenfalls eine sehr interessante Lesung die Einblick in die Literaturentstehung der ganz Jungen gab. Von einem der Vortragenden habe ich sogar ein Lob bekommen. Aber es stimmt, daß ich den Blog „Literaturgeflüster“ nannte, weil ich im Literaturbetrieb eine leise Stimme habe.

    Kommentar von Eva Jancak — 2013-08-27 @ 06:31 | Antworten

  3. weiß nicht, wie du das schreibst. finds einfach nicht kompetent. sorry. aber noch mehr sorry für meinen aggressiven kommentar und danke für dein softendes feedback. 🙂

    aber das mit der literaturkritik… ich weiß nicht so recht…

    lg, t.

    Kommentar von torschloch — 2013-08-29 @ 05:26 | Antworten

  4. Das ist wahrscheinlich die Frage, was man unter kompetent versteht? Ich würde meine Beiträge als subjektiv und das Literaturgeflüster, als das persönliche literarische Tagebuch einer seit vierzig Jahren schreibenden und sich auch schon sicher so lang im Literaturbetrieb herumtreibenden Frau bezeichnen.
    Wenn ich auch was kritisieren darf, warum bezeichnen Sie sich als „orschloch“, obwohl Sie das ja jetzt relativiert haben und über Ihre „gesoftete“ Antwort habe ich mich auch gefreut, denn ich habe schon überlegt, ob ich Ihren Kommentar nicht einfach löschen hätte sollen?
    Jetzt bin ich froh, daß ich es nicht getan habe. Weil sich dadurch, wie man sieht auch etwas verändern und man ins Gespräch kommen kann!
    Vielleicht schreiben Sie mir noch, was genau Sie als nicht kompetent empfunden haben? Ich habe ja hier meine Eindrücke von der Lesung wiedergegeben. Also geschrieben, wie es war, wie ich es empfunden habe, was gelesen wurde, etc…
    Literaturwissenschaftlerin bin ich keine, sondern habe Psychologie studiert. Aber ich denke, wenn man vierzig Jahren zu Lesungen geht und selber schreibt, kriegt man schon einiges mit, obwohl ich glaube, daß gerade das subjektive Geplauder über den Literaturbetrieb, das ist, was ich im Netz verbreiten will!
    Also wenn Sie Lust haben, bleiben Sie dabei und wenn Ihnen etwas zu wenig kompetent erscheint, schreiben Sie es mir!
    Wie kompetent sind eigentlich Sie im Literaturbetrieb?

    Kommentar von Eva Jancak — 2013-08-29 @ 08:49 | Antworten


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