Literaturgefluester

2012-02-04

Schöne Künste

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:58

„Schöne Künste“ von Evelyn Grill, 2007 erschienen, ist eine Satire auf den Kunstbetrieb und zwar eine sehr scharfe bissige, in Krimi-Form verpackt, geschrieben in einer elaborierten Sprache in unverkennbaren Bernhard Stil und im gehobenen Milieu einer wahrscheinlich deutschen Kleinstadt angesiedelt, ich habe Evelyn Grill daraus, glaube ich, einmal bei „Rund um die Burg“ lesen hören.
Im neuen Kunstmuseum besagter Provinzstadt findet eine Vernisage und ein Happenig statt, der Museumsdirektor Morwitz steht mit seinem Äffchen auf der Schulter, seiner schönen Halbschwester und deren Gesellschafterin im Saal, gibt Erläuterungen zum Gesamtkunstwerk Ganymed von Schmoizz, der lasziv und fett am Boden liegt und von der Gattin eines Vorstandsmitglieds ausgepeitscht wird, während das Äffchen lustig herumspringt. Das Mueseum ist überhaupt in eine Stätte der modernen Kunst verwandelt vorden, wo die Fettstühle von Beuys vor sich hinranzen, die Wiener Aktionisten erwartet werden, während die vom Kunstmäzen Escher gestifteten Impressionisten im Keller vergammeln oder überhaupt schon verkauft wurden.
Und jener Mäzen hat einen Sohn namens Viktor, der auch ganz seltsame Vorlieben pflegt, so speist er zu Abend mit seiner Frau im roten Abendkleid, spricht mit ihr und läßt ihr ein weiches Ei sevieren, aber Cosima ist nur eine Puppe, nämlich die andere Halbschwester des Museumdirektors, aber schon vor zehn Jahren verstorben, weil sie ein Kind erwartete, dessen Vater nicht Escher war. Der hat sich seither aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und geht nur mehr seinen Geschäften, sprich der Verwaltung seines Vermögens nach, er besucht aber auch die beiden Kunsthistoriker des Museums und vögelt nachts die Puppe, aber eigentlich gilt sein interesse der noch lebenden Halbschwester und da liegen die Karten gut, denn der Museumsdirektor wird ermordet. Der war homosexuell und traf sich mit seinen Strichbuben im Beuyssaal, was ihn in Eskase versetzte und zu neuen Ideen zu noch neueren Performances brachte. Er und sein Affe werden aber im Saal erstickt und erstochen aufgefunden, was Escher zum Lachen und in das Haus seiner ehemaligen Schwägerin bringt, die gedenkt sich aber, stellt sich gleich heraus, wieder zu verheiraten und zwar mit einem Lehrer und Verfasser scheußlicher Poems und er verbringt sogar die Nacht in der Villa der schönen Witwe. Escher, der seine Puppe inzwischen versorgt und begraben hat, steht hinter einer Mülltonne verborgen vor dem Haus, schaut hinauf und als der Bräutigam herauskommt, schleppt er ihn in einen ehemaligen Luftschutzkeller und läßt ihn von den Ratten zerfressen. Inzwischen stellt sich heraus, daß der Direktor und das Museum verschuldet war, so daß die beiden schönen Luxusfrauen ausziehen müssen, Escher, der Margot heiraten will, bietet ihr gleich seine Villa an, bekommt aber die androgyne Gesellschafterin an ihrer Seite nicht los, denn die schläft sogar an Margots Seite oder sitzt an ihrem Bett, wenn Escher seine Frau, er hat Margot schnell geheiratet, sein Geld machte es möglich, die beiden Luxusweibchen waren ja völlig mittellos, besuchen will, Escher tröstet sich indessen auf die Hochzeitreise und versucht das neue Kunstmuseum wieder in ein altes zu verwandeln, Linda begleitet ihn als Assistentin, zu einer geschäftlichen Besprechung, nur schade, daß er dabei eine Rolltreppe hinunterfällt, im Krankenhaus verstirbt, während sich die beiden Frauen jubelnd in die Arme fallen.
Wirklich böse und auch interessant, denn ich habe von Evelyn Grill schon sehr viel gelesen und besprochen und kenne ihre „Rahmenhandlung“ aus dem Abdruck in der sozialistischen Frauenzeitung „Die Frau“, die ja meine Mutter abonnierte, aus den Siebzigerjahren. Elfriede Haslehner hat sie für den Wiener Frauenverlag entdeckt, dann ging sie nach Deutschland in das kleine Städtchen Freiburg im Breisgau und begann ihre Romane im Thomas Bernhard Manier zu schreiben, bitterböse und mit einer sehr starken Sprache. „Ins Ohr“ habe ich gelesen und von Elfriede Haslehner geschenkt bekommen, „Winterquartier“ gab es bei Buchlandung um einen Euro, wenn man fünf Suhrkamp Taschenbücher nahm, „Wilma“ steht noch auf meiner Leseliste und „Den Sammler“ habe ich auch bei „Rund um die Burg“ gehört und müßte ich noch im Bücherschrank oder anderswo finden. Im Vorjahr ist das „Antwerpener Testament“ erschienen und das hat sich vom der scharfen Bernhard Satire ein bißchen abgewandelt und ist mehr ein allgemeiner leicht und wohl auch ein wenig bissig geschriebener Gesellschaftsroman geworden, interessant also zu erfahren, was noch alles von Evelyn Grill kommen wird.
Dieses Buch habe ich auch aus dem Bücherschrank, aus welchen weiß ich nicht mehr, wenns aber der in der Zieglergasse war, dann wär es noch einmal interessant, denn der feiert am Sonntag seinen zweiten Geburtstag, beziehungsweise wird er da durch einen neuen von Hermann Nitsch gestalteten ersetzt, was ja irgendwie zum Thema passt.

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