Literaturgefluester

2012-02-29

Poetik der Kindheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:59

Heute hätte es wieder Entscheidungsschwierigkeiten gegeben, im Literaturhaus stellte die Edition Exil unter anderen Susanne Gregors Debutroman „Kein eigener Ort vor“, aber der steht schon auf meiner Leseliste und sollte als nächstes zum Lesen drankommen, wird aber höchstwahrscheinlich von Edith Kneifls historischen Krimi „Der Tod fährt Riesenrad“ verdrängt werden und dieses Buch wurde heute auch in der Wien Bibliothek präsentiert.
Also wollte ich bevor ich das Buch bekommen habe, dort hingehen und überlegte es mir dann, denn es gibt ja noch mehr historische Krimis derzeit, Anni Bürkl hat vor kurzem auch einen herausgebracht und im März wird das Kneifl Buch und die historischen Krimis von Auguste Groner, die Traude Korosa neu herausgegeben hat, vorgestellt. Also dachte ich, gehe ich, dort hin und heute in die Hauptbücherei zur Präsentation von Paulus Hochgatterers Poetik der Kindheit „Katzen, Körper, Krieg der Knöpfe“ das auf Grud der poetischen Vorlesungen entstanden ist, die er 2011 in Zürich gehalten hat und die waren vor zwei Wochen in Ö1 in der Sendung „Im Gespräch“ zu hören und ich bin zwar kein besonderer Paulus Hochgatterer Fan, seine eindrucksvollen Beschreibungen über die armen, traumatisierten oder sonstwie ausgebeuteten Kinder, die manchmal im Standard oder bei den Gedanken für den Tag erscheinen, interessieren mich aber sehr und „Über die Chirurgie“ und „Das kleine Buch vom Fliegenfischen habe ich auch gelesen und mir einmal das Freibord-Heft gekauft, wo Gerhard Ruiss nackt auf der Klomuschel sitzt und im Heft die Staatsstipendiaten und Preisträger vorgestellt wurden. Paulus Hochgatterer war dabei. Ich habe zu dieser Zeit ebenfalls noch angesucht, nichts bekommen und inzwischen begriffen, daß der Literaturbetrieb sehr sehr hierarchisiert ist und nicht alle gewinnen werden.
Zu der Buchpräsentation zu gehen ist sicher eine gute Idee habe ich gedacht, dann hat mich gestern aber die Grippe erwischt. Vorher habe ich noch gedacht, daß es heavy werden wird, weil ich abrechnen sollte, dann bin ich den ganzen Tag im Bett gelegen und nur zu meinen Stunden aufgestanden und gedacht, wenn ich es nicht schaffe in die Hauptbücherei zu gehen, schreibe ich einen Artikel mit dem Titel „Krankenstandsbericht“, in dem ich meine Befindlichkeit und alle andere Neuigkeiten hinschreibe und die sind genauso unerfreulich, wurde in den letzten Tagen doch vermehrt nach Prof. Hütterer oder einem Bild von Franz Hütterer bei mir gesucht und dann sagte mir der Alfred, daß er in der Nacht auf Diestag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist. Soviel ich weiß, hatte er psychische Probleme, deshalb hat sich auch Richard Weihs bei den „Wilden Worten“ von ihm getrennt und er hat auf seinen Bärenblog sehr offen darüber geschrieben und ich kenne ihn durch das Lesetheater, bzw. durch den „Tag der Freiheit des Wortes“ wo er gelesen hat und mir seinen Gedichtband gab, den ich hier besprochen habe. Auch einer, der jünger als ich war, 1954 geboren und weil ich ja ziemlich regelmäßig das Literaturgeflüster beschreiben will und mit dem Lesen von Hans Falladas „Wer einmal aus dem Blechnaps fraß“, krankheitsbedingt ohnehin nicht weiter komme und die Rechnung für das Umschneiden der Birke zu bezahlen war, habe ich mir gedacht, probiere ich es halt, bin an den Bücherschränken vorbeigegangen und ansonsten mit Straßenbahn und Bus gefahren. Von den Bücherschränken ist zu berichten, daß der „Wortschatz“ derzeit keine Tür hat, das weiße Kasterl ist offenbar doch zu filigran für den öffentlichen Gebrauch und die Bücher daher naß, weil es in den letzten Tagen geregnet hat und bei dem vom Nitsch gestalteten, der robuster ist, gab es eine Menge Fay Weldon Bücher und ein Kolik Heft, das ich liegen ließ, denn ich bin, nachdem mir Haymon in den letzten Tagen drei Bücher schickte, ein bißchen in Bedrängnis mit meiner Bücherliste, beziehungsweise habe ich das Lesesoll schon ein bißchen überzogen. Aber das ist ja ein Problem mit dem ich gerne lebe, wird halt die Anna in zwanzig Jahren, einiges Ungelesenes in die Bücherschränke legen, wenn es die dann noch gibt.
In der Hauptbücherei war es, als ich um dreiviertel Sieben eintraf erstaunlich voll, es gab schon Wein zu trinken, so holte ich mir ein Glas, nippte daran herum und bin am Schluß gleich gegangen. Aber vorher begrüßte Martina Schmid und sagte, daß sie auch sehr verkühlt, krank und heiser ist, aber die zwanzigjährige Zusammenarbeit mit Paulus Hochgatterer feiern wollte, denn 1992 ist er zu ihr gekommen, 1993 ist „Über die Chirurgie“ erschienen. Da war ich zwar der Meinung, daß das nicht der erste Hochgatterer-Roman ist, aber ich bin, wie erwähnt, keine Hochgatterer Expertin. Dann las Paulus Hochgatterer eine halbe Stunde und wurde in der Diskussion mit Michael Fleischhacker auf den Kinderpsychiater festgelegt, Offenbar ist das ein guter Aufhänger für die Journalisten und das Publikum, denn ich hörte auch ein Gespräch zweier junger Männer mit, die sagten, daß sie sich für Hochgatterer interessieren, aber nicht Psychiater werden wollen und die Poetik-Vorlesungen scheinen sich mit Kindern zu beschäftigen.
„Vom Kind das zur Welt kommt, das schreit, das verstummt, das liest, das stirbt, etc.“
Die erste Poetologie der Kindheit beschäftigt sich mit dem jungen Famulanten im Krankenhaus Allensteig, das es wahrscheinlich nicht mehr gibt oder geben wird, dem der Oberarzt bei seinem ersten Kaiserschnitt das Kind in den Arm legte und dann vom Gasthaus Bier und Würstel holen ließ. Dann kam ein Stück von einem Kind, das mit sieben Jahren noch nicht spricht und daher vom kleinen Paulus mit einem Holzgewehr angeschossen wurde, heute laufen diese Kinder in Gefahr den Eltern weggenommen zu werden. Und das dritte Beispiel, war das eine Legasthenikers, wo die Lehrerin zwar die Schreibschwäche aber nicht die mathematische Begabung bemerkte und das Kind zum Verstummen brachte, Paulus Hochgatterer hoffte, daß er trotzdem Mathematiker geworden ist Am Land und in der Unterschicht in den Sechzigerjahren wohl kaum, aber die Beispiele waren sehr beeindruckend und regen zum Nachdenken an. Dann kam eine Diskussion, wo alle lachten, obwohl die Poetik der Kindheit gar nicht lustig ist und mich nur freut, daß Paulus Hochgatterer, wie ich den Zwangskindergarten ab eineinhalb oder zwei, wie das die Grünen fordern, für einen Wahnsinn und eine Bevormundung hält. Er würde sich nicht in die Politik einmischen, meinte Michael Fleischhacker, die Standard Texte und die Gedanken zum Tag, sind für mich aber das Gegenteil und jetzt habe ich doch einen Artikel geflüstert und werde meine Abrechnung wahrscheinlich am Freitag machen. Da wollte ich zwar zur Stoffsuche losziehen, aber da stecke ich ohnehin schon wieder oder noch immer fest, ich habe zwar eine Idee, aber nicht mehr den Glauben, daß ich damit literarisch auffallen kann, was eigentlich auch sehr traurig ist.

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