Literaturgefluester

2012-02-16

Literatur ist der Rede wert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:23

Nachdem das literarische Portrait von Urs Widmer in der Alten Schmiede ausgefallen ist, wollte ich eigentlich zu Hause bleiben und den Veit Heinichen Krimi weiterlesen, dann hörte ich aber im Radio, daß es wieder eine literarische Soiree im Radio Kultur Cafe geben wird. Das hörte ich schon vor einem Jahr einmal und bin, nach dem ich das Programm eruiert hatte, hingegangen, diesmal war es einfacher, wei die Diskutanten und die zu besprechenden Bücher durchgesagt wurden. Ich habe nur bezüglich der Beginnzeit offenbar nicht aufgepasst und so war die Diskussionsrunde schon im Gang, als ich um Punkt sieben das Radiokulturcafe betrat.
Und falls jetzt einer meiner Leser einwerfen sollte, daß es unerhört ist zu spät zu kommen und einer selbsternannten Literatin nicht würdig, entgegne ich gleich, es ist gut, daß ich das nicht gewußt habe, denn ich hätte, da es noch einen Befund zu schreiben gab, nicht früher kommen können und hätte jetzt nicht Marlene Streeruwitz „Schmerzmacherin“, aber davon später.
Die Diskussion war also schon im Gang, als ich mir ein freies Plätzchen suchte und es wurde Hannelore Valencaks „Die Höhlen Noahs“, das bei Residenz neu aufgelegt wurde, gerade besprochen, was mich sehr interessierte, weil ich auch der Meinung bin, daß Hannelore Valencak in einer Reihe mit Ilse Aichinger, Marlen Haushofer und Hertha Kräftner oder zumindestens mit den beiden letzteren zu stellen ist, wie Günter Kaindlsdorfer meinte, bzw. damit Anton Thuswaldner von den Salzburger Nachrichten widersprach, der der Meinung war, daß in dem Buch nur statische schablonenhafte Figuren vorkommen. Günter Kaindlsdorfer sah aber Entwicklung und Bewegung und lobte das Buch als großartigen Roman und daß man sich darauf freuen kann, was man vielleicht noch von dieser Autorin zu lesen bekommt. Da habe ich Dank der offenen Bücherschränke ja schon den „Vorhof der Wirklichkeit“ gelesen und inzwischen auch noch das Jugendbuch „Ich bin Barbara“. „Die Höhlen Noahs“ habe ich nicht gelesen und auch nicht „Fenster zum Sommer“, das in den Siebzigerjahren aber im Radio in Fortsetzungen gesendet wurde und auch von Residenz neuverlegt wurde.
Dann kam schon das zweite Buch, auch ein bekannter Name und eine irische Autorin von der ich vor kurzem einen Erzählband im Wortschatz gefunden habe, nämlich Anne Enrights neuerschienener Roman „Anatomie einer Affaire“, das wurde auch im blauen Sofa vorgestellt, bzw. sitzt da Wolfgang Herles mit der Autorin auf einem solchen und befragt sie über ihr neues Buch und Anne Erights „Familientreffen“ wurde, glaube ich, 2008 im Sigmund Freud Museum anläßlich der Buch Wien vorgestellt, das habe ich aber versäumt, weil ich auch einen Befund zu schreiben hatte, bzw. Mails an Franz Joseph Huainigg.
In dem Buch das von den Diskutanten Anton Thuswaldner, Brigitte Schwens-Harrant von der Furche und Gerald Schmickl von der Wiener Zeitung als durchaus gelungen empfunden wurde, geht es darum, daß eine Frau ihren Computerspielenden Ehemann verläßt und sich in eine Affaire mit einem anderen Mann, der eine zwölfjährige epileptische Tochter hat, einläßt und die Erfahrung, die dieFrau mit der kratzbürstigen Pubertierenden macht, wurde als die Entwicklung des eher Plotlosen Romans geschildert.
„Ein perfektes Buch?“, fragte Günter Kaindlsdorfer Anton Thuswalder, der sich darauf ein wenig wand und stattdessen „ein Wunderbares“ haben wollte, was für mich die noch größere Steigerung ist.
Ich werde nächstes Jahr den Erzählband „Alles was du wünschst“ lesen und Anton Thuswalder hat Anne Enright ja als großartige Erzählerin gelobt, also kann ich mich darauf freuen.
Das dritte Buch wurde, glaube ich, schon bei Ex Libris gesprochen, nämlich „Vom Ende einer Geschichte“ des Booker Preisträgers Julian Barnes und da geht es um die Verläßlichkeit der Erinnerung und die Wirklichkeit der eigenen Biografie, nämlich um einen sechzigjährigen Londoner Kulturbeamten, der sich an seine Jugendtage erinnert. Da war er in einem Freundeskreis und hat sich in ein Mädchen verliebt, das von einem seiner Freunde weggeheiratet wurde. Er erinnert sich, daß er eine saloppe Erlaubniskarte geschrieben hat, jetzt erfährt er aber, Adrian hat bald darauf Selbstmord begangen und er hat einen ziemlich beleidigenden Brief geschrieben, an den er sich nicht mehr erinnern kann. Er bekommt darauf Schuldgefühle und sinniert darüber nach und ein behindertes Kind, von dem niemand weiß, wer der Vater ist, gibt es auch. Das heißt Gerhard Schmickl weiß es, hat es aber erst beim zweiten Lesen herausbekommen, während Günter Kaindlsdorfer die Schlußpointe nicht gefunden hat und darüber etwas enttäuscht war.
„Also ein gutes Buch, man muß es aber zweimal lesen!“, war der Schlußsatz, dann klatschten alle, Günter Kaindlsdorfer verriet, wann die Sendung in Ö1 zu hören sein wird, ich glaube, es ist der 27. 2. und holte einige Bücher hervor, die es zu verlosen galt. Beim letzten Mal wurde ja das elektrische Herz von Peter Stephan Jungk verlost, da hatte ich aber keine Ahnung, wie sein Vater hieß, bzw. war ich nicht schnell genug. Jetzt wurde, glaube ich, das Enright Buch verlost und man wußte etwas über Limericks wissen, danach eines von Margit Schreiner, da wußte ich, daß sie in Linz geobren wurde, war aber nicht schnell genug, dann kam Marlene Streeruwitz „Schmerzmacherin“ und die Frage, mit welchen Ö1 Moderator sie befreundet war, da wußte niemand außer Robert Weichinger, daß das Otto Brusatti war, also wurde das Buch nochmals mit der Frage in welchen Verlag ist es erschienen, verlost. Da hätte ich zwar genausogut Suhrkamp“ sagen können, bzw. war ich mir nicht sicher, ob es stimmte, als ich „Fischer“ schrie, es hat aber geklappt und so kann ich heuer noch die „Schmerzmacherin“ lesen und da habe ich ohnehin schon bedauert, daß ich versäumte, es mir zum Geburtstag zu wünschen, denn, ich glaube, es ist ein gutes Buch, obwohl die ältere Dame, neben der ich Platz gefunden habe, meinte, sie würde lieber englische Romane lesen.
Das Literaturcafe war übrigens voll mit literarisch Interessierten. Evelyne Polt-Heinzl war die einzige, die ich kannte und die nächste literarische Soiree werde ich vermutlich versäumen, obwohl da Cornelia Travnices neuer Roman „Chucks“, Walter Kappachers „Land der roten Steine“ und Peter von Tramin „Die Herren Söhne“, lauter interessante Bücher von Katja Gassner, Gerlinde Tamerl und Nicole Streitler-Kastberger diskutiert werden, aber am 21. 3. stattfinden und da ist ja die Frauenlesung im Amerlinghaus.

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2012-02-15

Poetiken

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52

Helwig Brunner und Stefan Schmitzer haben eine Streitschrift über Gedichte „gemacht/gedicht/gefunden. über lyrik streiten“ bei Droschl herausgegeben und das Buch in der Gesellschaft für Literatur vorgestellt.
Circa fünfzehn bis zwanzig Zuhörer oder waren es ein paar mehr sind gekommen? Hinter mir saßen zwei alte Herren, die wie pensionierte Gymnasialprofessoren aussahen, die, während wir auf den Beginn der Lesung warteten, über ihre Lesungen sprachen. Semier Insaif unterhielt sich beim Büchertisch, Gabriele Petricek traf später ein und Manfred Müller stellte das Buch und die Autoren vor.
Helwig Brunner wurde 1967 in Istanbul geboren, lebt in Graz und arbeitet als Biologe in einem ökologischen Planungsbüro, daneben macht er Musik und ist Mitherausgeber der „Lichtungen“, Verfasser von sieben Gedicht und drei Prosabänden, Stefan Schmitzer wurde 1979 in Graz geboren und studierte Germanistik, war Literaturbeauftragter des Forum Stadtparks, er hat beim Volksstimmefest gelesen und ich war 2009 bei einer seiner Lesungen bzw. Buchpräsentation im Museumsquartier und die beiden haben kontroverse Ansichten über das Thema Lyrik und sehr häufig darüber diskutiert, dann kam die Idee ein Buch darüber zu machen, wo man viel über das Thema Lyrik und was das ist erfahren kann. So haben die Beiden einige Themenkreise gesammtelt und abwechselnd je einen Artikel darüber geschrieben, worüber der andere dann reflektierte und die Lesung war auch ein solches Streitgespräch.
Zuerst kam ein, wie sich im Nachhinein herausstelte, fingiertes E-Mail von Helwig Brunner an Stefan Schmitzer, in dem er ihm klarmachte, warum er für ein solches Buch nicht zur Verfügung steht, dann las er ein paar Gedichte aus seinem neuen Prosagedichtband, in dem es um Poetiken geht und dann kam die erste Replik auf einen Artikel von Stefan Schmitzer, worauf dann Stefan Schmitzer folgte und im Poetry Slam Stil seine Replik verlas und dann noch zwei Gedichte folgen ließ, bevor Manfred Müller mit seinen Fragen und Gedichtinterpretationen in die allgemeine Diskussion einstieg, die dann auch sehr heftig wurde und ich, die ich zugegebenermaßen nicht sehr viel von Lyrik verstehe und auch keine Gedichte schreibe, dachte öfter, wovon reden die da vorne oder aber auch, das, was da so kompliziert dargestellt wird, ist doch eigentlich sehr einfach.
Der Biologe Helwig Brunner ist für die l àrt pour l`art, das unverfälschte Naturgedicht, das Haiku und die destilierte Gedichte, während Stefan Schmitzer poetry slamt, die Politik und das Alltagleben, den Sex und das Crime in seine Lyrik verpackt, für die lyrische Langform schwärmt und davon, daß er bei seinen Gedichten prüft, ob sie für die Kneipe und für das Publikum, das drei Bier getrunken hat, tauglich sind und eine weißhaarige Dame im Publikum lachte bei dem anspruchsvollen Diskurs und schien sich blendend zu unterhalten. Manfred Müller versuchte die Gedichte zu interpretieren bzw. sie an die Autoren festzumachen. Stefan Schmitzer ist der Poetry Slam Rhythmus wichtig, während Helwig Brunner von der klassischen Musik herkommt und sein Ich immer rein und authentisch ist, dann darf das Gedicht auch absolut sein oder einen solchen Anspruch stellen, an diesen Stellen mischte sich Semier Insaif ein und stellte kritische Fragen und sein Nachbar von dem ich nur weiß, daß er mit ihm den Siemens Literaturpreis organisierte, sagte emotional, dem Publikum ist das doch ganz egal, was sich der Dichter an Reinheit ausdenkt und kreierte den Widerspruch von der Masse, die nichts versteht und dem reinen Ich, das sich nicht darum kümmert, sondern vor sich hin dichtet und die Blöden, die das ohnehin nicht verstehen, verachten, vielleicht kommen deshalb so wenig Leute zu solchen Lesungen?
Interessant, habe ich gedacht und mich nicht in den Diskurs eingemischt, denn ich schreibe ja keine Lyrik und verstehe nicht sehr viel davon, der Herr neben der sich amüsierenden Dame fragte, warum in dem Buch keine eigenen Gedichte enthalten sind, die Antwort war, weil das peinlich oder kokett gewesen wäre und am Schluß kam der Herr auf Brecht, bzw. den Brecht Benn Konflikt zusprechen, den man damit vergleichen kann und Stefan Schmitzer sagte lapidar, ich sage jetzt nichts mehr, mir raucht der Kopf und Manfred Müller verwies auf den Büchertisch, wo man sowohl das Poetik Streitgespräch als auch die Lyrik der beiden Autoren kaufen konnte und es war ein wirklich toller Abend im kleinen Kreis der wirklich Literaturinteressierten und ich nehme mit, daß man sowohl anspruchsvoll vor sich hindichten oder auch am Volksstimmefest oder anderswo slamen oder rappen kann und Stefan Schmitzers letzter Gedichtsatz war auch „Wenn es mit der Kunst nicht klappt, machen wir eine Kneipe auf“

2012-02-14

Neues aus der Schweizer Literatur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:49

So heißt ein Projekt der Alten Schmiede, das schon am Donnerstag mit dem Lebenswerk von Klaus Merz begonnen hat, ich bin aber erst beim zweiten Abend in die sogenannte zweite Lieferung eingestiegen, denn, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, hat es den Beginn des Projektes schon im November gegeben, diesmal hieß der Abend „biografische Setzungen“ und es war eine zweigeteilte Lesung.
Zuerst hat der französisch sprechendene Michel Layaz mit seinem noch nicht auf Deutsch erschienenen Roman „Zwei Schwestern“ begonnen, weil, wie Kurt Neumann erklärte, in dem Projekt alle in der Schweiz gesprochenen Sprachen zu Worte kommen sollen, leider hat der Italiener abgesagt.
Es war aber der Schweizer Botschafter da und lud alle auf ein Gläschen Schweizer Wein ein, der Rote kam aus Graubünden und Michel Layaz wurde 1963 in Fribourg geboren und lebt jetzt in Lausanne und in Paris. Michael Hammerschmid, ein Priessnitzpreisträger, hat Auszüge des Romans übersetzt und gelesen und der in Biel lebendende Samuel Moser hat eingeleitet. Der Roman „Deux Sours“ ist auch sehr interessant. Da leben in einem Haus von einer Sozialhelferin betreut zwei namenlose Schwestern, so ungefähr zwischen fünfzehn und siebzehn Jahre alt, sie sind keine Zwillinge, aber doch am selben Tag geboren, die eine ein Jahr später, als die andere und sie leben allein, weil sich die Mutter, die ihnen zärtliche Briefe schreibt zu einem Freund nach New York abgesetzt hat und der Vater, weil er seinem Chef ins Ohr gebissen hat, was dessen Trommelfell zerplatzen ließ, ins Irrenhaus eingeliefert wurde und sie sind, wie ihre Eltern ein bißchen verrückt und auch sehr selbstbewußt oder aggressiv, so haben sie einen Lindenbaum im Garten auf den sie immer hinaufklettern, weil man von dort die schönste Aussicht über die Stadt und den See hat. Sie veranstalten dort auch ein Geburtstagsfest und zwingen alle Eingeladenen ebenfalls hinaufzuklettern und dem jungen Mann, der sie für sie interessiert, geben sie gleich zwölf Regeln auf. Dann beobachten sie noch eine Krähe beim Sterben und einen Schriftsteller, den sie den Auftrag geben, über sie ein Buch zu schreiben, gibt es offenbar auch.
Sehr interessant und ein wenig anachronistisch ist mir der Ton vorgekommen, Michel Layaz sprach in der Diskussion, glaube ich, aber von den Achtzierjahren und dort spielt auch das zweite Buch, das vorgestellt wurde, nämlich Friederike Kretzen ebenfalls noch nicht erschienener Roman „Natascha, Veronique und Paul“, das den Arbeitstitel „Sommer 82“ hatte, aber nicht so heißen wird, weil der Verlag meint, daß das die jungen Leute nicht ansprechen würde.
Samuel Moser hat wieder sehr schön eingeleitet und angedeutet, daß in dem Buch irgendwie sehr viel Autobiografie ist und die in Leverkusen geborene und jetzt in Basel lebende Friederike Kretzen, eigentlich die Dramtaturgin Veronique Heimlich ist, die im Sommer 82 mit ihren Freunden, der Regisseurin Natascha und dem jetzigen Intendanten Paul nach New York reisen und auch Woodstock nacherleben wollte und auch einen Roman über diesen Sommer schreiben, der dann in Basel entstanden ist.
Ich kenne Friederike Kretzen von ihrer Tätigkeit als Tutorin beim Klagenfurter Literaturkurs und habe auch ihren Roman „Ich bin ein Hügel“ gelesen, persönlich habe ich sie jetzt zum ersten Mal gesehen.
Am Schluß gab es den Wein und ein sehr gutes Olivenbrot und Kurt Neumann bedauerte, die für Mittwoch geplante Portrait-Veranstaltung mit Urs Widmer absagen zu müßen, weil der erkrankt ist. Aber aus „Stille Post“ habe ich ihn, glaube ich, schon bei der „Fünfzig Jahre Manuskripte“ Veranstaltung lesen gehört und als Kurt Neumann sein Bedauern ausdrückte, habe ich einen Moment gedacht, er würde sich auf das beziehen, was ich am Nachmittag im Kultur-Journal hörte, nämlich daß Christian Ide Hintze, der noch vor einer Woche Ruth Aspöck zu ihrem Geburtstag alles Gute wünschte, gestorben ist. Ich habe einmal in der Alten Schmiede sein „Zettel-Buch“ bekommen und ihn auch immer regelmäßig bei seinen Präsentationen der „Schule der Dichtung“ bei „Rund um die Burg“ gehört.

2012-02-13

Der Hals der Giraffe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Bildungsroman, steht unter Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“, na klar, spielt das Buch doch hauptsächlich in der Schule und wirkt, wie aus einem Naturkundebuch der Fünfzigerjahre nachempfunden, die nötigen Illustrationen gibt es auch.
„Setzen!“, sagte Inge Lohmark und die Klasse setzte sich“, in der schrumpfenden Kleinstadt im vorpommerischen Hinterland, lange nach der Wende spielt sich das ab. Denn Inge Lohmark hat dort dreißig Jahre Biologie und Sport unterrichtet, wird es aber nicht mehr lange tun, denn das Darwin-Gymnasium, das früher einmal Lilo Hermann erweiterte Oberschule hieß, hat keine Kinder mehr. Die Wende machte es möglich, daß in der achten nur mehr zwölf Schüler sitzen und diese achte wird auch die letzte sein, die im Darwin abiturieren wird, dann wird aus dem Haus eine Volkshochschule und Inge Lohmark, die so stramm schon dreißig Jahre „das Survival oft the fittest“ unterrichtet, wie machte man das eigentlich in der DDR?, richtig, sie zeichnete die Stammbäume der Könige auf und demonstrierte ihre Entartung und der Direktor konnte nichts gegen ihren Frontalunterricht machen, wird in Pension gehen müßen.
Jetzt steht sie aber noch vor der Klasse nach den Sommerferien, läßt die Schüler aufstehen und sich setzen, die das auch kommentarlos tun und macht sich eine Übersicht über ihre zwölf Schüler und Schülerinnen.
„Jennifer blondiertes Haar. Strichmund. Frühreif. Von Geburt an selbstsüchtig. Keine Aussicht auf Besserung. Skrupellose Oberweite. Wettbewerbsbusen“ u.s.w.u.s.f.
Keine Frage, Inge Lohmark hat einen scharfen Blick, den ganzen Darwin im Kopf und während sie überraschend Klassenarbeiten macht, zu den Schülern „Sie“ und den Vormanen sagt und ihnen nicht, wie die verweichlichte Kollegin Schwanneke mit dem Sozialtic, das „Du-Wort“ anbietet, spult sich ihr ganze Leben und wahrscheinlich auch der Untergang der DDR ab. Aber das scheint die Lehrerin, die alles im Blick hat und wenn sie mit dem Schulbus, weil sie sich kein neues Auto kaufen kann, nach Hause fährt, greift sie, wenn das ewige Opfertier, die kleine Ellen, von ihren Kameraden gequält wird, erst nach sechs Minuten ein, weil jeder für sich selbst verantwortlich ist, nicht zu merken, denn hat man Darwin im Kopf, fühlt man sich vielleicht auch stark und so fährt sie über die Veränderungen, die ihr während ihres Lehrerinnenlebens passierten, mit Härte drüber.
„Danke, setzen, stehen Sie auf“, auch wenn heute bald jeder eine Biologie-Allergie hat und man gewisse Experimente im Unterricht nicht mehr durchführen darf.
Denn auch der Lehrkörper hat sich verändert oder auch nicht, denn Direktor Kattner will seine wöchentliche Appelle an die Schüler und die Lehrer halten, mit Fahnen oder Trommelwirbel. Inge kann ihm gerade zu monatlichen Ansprachen und Pistolenschuß überreden, bis ihm die, weil sich die Eltern beschwerten, verboten werden. Dafür läßt er seinen Grant an die Kollegen aus, will Inge in die Grundschule zurückschicken und holt sie aus dem Unterricht und den ebenfalls von gestrigen Geschichtslehrer nimmt er sein Kellerkammerl weg.
Inge fährt also mit dem Bus nach Haus, wo ihr Mann Wolfgang, der ehemals DDR-Kühe besamte, jetzt Straußen züchtet, während sich die Tochter Claudia in die USA verzogen hat, spricht vier Minuten mit dem Dorfidioten Hans, den sie natürlich verachtet und scheint sich in das „Heidekraut“, Erika, zu verlieben. Sie nimmt sie sogar, als sie wieder mit dem alten Auto fährt, in die Schule mit, weil der Schulbus zusammenkrachte, hat ihre Allmachtsphantasien und ihre Schuldgefühle, bringt Erika aber unversehrt in die Klasse, unterrichtet vor den fünf Schülern, die in der Stadt wohnen und ist gerade beim Hals der Giraffe angelangt, denn nur die größten Tiere überleben, weil die Kirschen und die anderen guten Sachen, weit oben hängen, als der Direktor kommt und sie zusammenscheißt, ob sie denn nicht die Quälereien an der kleinen Ellen bemerkt hat?
„Das wird Konsequenzen haben, bei Ihrem Frontalunterricht!“
Inge beißt die Zähne zusammen, geht in den Sportunterricht und läßt die Schüler zur Erholung Völkerband spielen, während die Gedanken weitergehen…
Die 1980 in Greifswald geborene Judith Schalansky, die 2008 ihr Debut, den Matrosenroman „Blau steht dir nicht“ und 2010 „Den Atlas der abgelesenen Insel“ herausgab, habe ich auf der Buch-Wien kennengelernt, bzw. ihren Namen von Günter Kaindlsdorfer, beim Jour fixe, das erste Mal gehört und war neugierig, denn die Lehrertochter, die auf der Buch-Wien Günter Kaindlsdorfer, glaube ich, erzählte, sozusagen im Lehrerzimmer aufgewachsen zu sein, scheint sehr originell und eigenwillig zu sein und sich in der Verlagswelt auch durchzusetzen. So schaut das bei Suhrkamp erschienene Buch auf dem ersten Blick auch ein bißchen anachronistisch oder, wie aus den Fünfzigerjahren aus. Leineneinband, kein Schutzumschlag, viele Illustrationen im Inneren, die Kapitel haben auch Überschriften aus dem Naturkundebuch und man hat, wenn man das Buch gelesen hat, nicht nur die Mendelschen Erbgesetze wiederholt und erfahren, daß der Auerochs ausgestorben ist, sondern auch etwas über die Wende und das Leben danach, in den aussterbenden Städten gelernt, wo die Starken wahrscheinlich schon lang gegangen sind, gelernt.
Und so unsympathisch waren mir die verzweifelten Selbstgespräche dieser alten Lehrerin nicht, habe ich in ihren Endlosmonologen doch sehr viel Zynismus, ist das nicht auch eine Überlebensstrategie und auch ein bißchen Humor, nach Prof Strotzka, der beste Abwehrmechanismus, bemerkt.
Ob so viel Darwin bei einer ehemaligen DDR-Lehrerin realistisch ist, weiß ich nicht, Judith Schalansky wird es aber aus eigener Anschauung kennen.

2012-02-12

Coverfragen und Schreibgedanken

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

Die letzten Tage habe ich fleißig an meinem Manuskript korrigiert. Zuerst Szene für Szene und jetzt gehe ich die hundertzwei Seiten solange durch, bis ich keinen Fehler mehr finde. Das habe ich gestern zum zweiten Mal getan und wieder gedacht, ich werde demnächst damit fertig. Beim nächsten Durchgang waren die Fehler wieder da und erfahrungsgemäß werde ich vermutlich bis März oder April brauchen, umsomehr, da ich auch meine Steuererklärung machen werde müßen, die Frauenlesung vorzubereiten ist und wir nach Leipzig zur Messe fahren. Trotzdem ist mir eingefallen, da mir der Alfred schon das Foto für die „Frau auf der Bank“ zeigte, daß ich auch für die „Wiedergeborene“ ein solches brauche, beziehungsweise, daß ich schon einen Einfall hatte, der plötzlich weg war.
Wenn man schon bald dreißig selbstgemachte Bücher hat, hat man auch schon ebensoviele Coverfotos, beziehungsweise Einfälle, was man für die Buchvorderseite nimmt und das ist bei der Eigenproduktion naturgemäß begrenzt.
Meine Sachen spielen meist in Wien, jetzt auch gern auf Reisen. Also ein Foto das zum Inhalt passt. Da haben wir schon einiges fotografiert. Den Steinhof oder das OWS für „Das Haus“, den Rathausplatz für „Die Viertagebuchfrau“ und jetzt für die „Frau auf der Bank“. Wolken gibt es bei der „Absturzgefahr“. Für ein paar Bücher hat mir die Anna ein paar schöne Collagen gemacht oder mir den Titel mit einer Kinderschrift auf gelbes Papier geschrieben. Jetzt will sie das nicht mehr so gern machen. Bei ein paar Büchern habe ich auch Bücher aufeinandergereiht, die einen Bezug zum Inhalt haben.


Was nehme ich nur für „Die Wiedergeborene“?
Die passende Fotografieridee war weg, wenn ich jemals eine hatte, vielleicht habe ich das auch mit der Bank im Rathauspark für die „Frau auf der Bank“ verwechselt.
Was passt also, die Geschichte spielt in Wien, Salzburg und Prag, ein altes blaues Schulheft und ein paar Fotos aus alten Schachteln kommen auch drin vor. Einen Stadtplan von Prag habe ich mir unlängst vom tschechischen Zentrum mitgenommen, eine Packung Lokum haben wir in der Küche stehen, die uns die Anna aus der Türkei mitbrachte, das spielt auch eine Rolle. Also könnte ich alles durcheinanderwerfen, beziehungsweise mit dem Alfred in die Konditorei Aida auf Kaffee und Kolatschen gehen, denn das machten sowohl der Jan und die Marianne, als auch der Albert und die Theresa und Salzburg, fällt mir gerade ein, könnten wir im April auch fotografieren, wenn ich nicht so schnell bin, daß das Buch bis dahin schon fertig ist.
Den Beschreibungstext, den ich diesmal selber mache, habe ich schon, weil den die Margot Koller Anfang Jänner für die Lesung in Salzburg haben wollte.
Hier ein paar Beispiele für meine ansehliche Indie-Büchersammlung, auf die ich auch sehr stolz bin, auch wenn die Dämpfer, damit ich nicht zu übermütig werde, immer wieder kommen.
So hat mir der Alfred, der jetzt an der „Frau an der Bank“ korrigiert, gesagt, daß ihm der Inhalt mit den drei Frauen, der Psychiatriepatientin, der serbische Psychiaterin und der junge Türkin, die sich emanzipieren will, zu realistisch ist, das hat der streitbare Herr in der Augustin-Schreibwerkstatt auch betont, daß er das nicht hören will, sondern lieber Texte, wie den „Wunderschönen Tintentraum“ und dann hat der Alfred noch gemeint, daß ihm das wunderbare Ende nicht gefällt. Das höre ich manchmal von meinen Texten, daß sie so positiv wären, was mich ein wenig wundert, denn ich sehe das nicht so.
Gut, die Svetlana geht im Laufe des Buches eine Beziehung mit OA Hardenberg ein, aber ist das nicht normal, daß man das im Laufe des Lebens einmal oder öfter macht? Und die Sevim läßt sich scheiden, das ist eigentlich auch nicht so wunderbar, obwohl es für ihre Entwicklung wahrscheinlich günstig ist, ob es ihr aber gelingt, in ihrem Umfeld mit ihren Kindern alleine klarzukommen, ist nicht so sicher und die Selma bleibt auf ihrer Bank, auch wenn sie am Schluß es Buches, als Gag, wirklich den Bürgermeister trifft.

„Es gelingt und gelingt mir nicht und wenn ich mich noch so sehr bemühe!“, habe ich also wieder gedacht und bin ein wenig ratlos gewesen. Bin das noch immer, denn ich will ja realistisch schreiben und ein postives Ende will die Verhaltenstherapeutin auch und ich wehre mich eigentlich dagegen, das als kitschig zu bezeichnen.
Bei „Der Wiedergeborenen“, ist es, glaube ich, auch einfacher. Denn das spielt im bürgerlichen Milieu, die handelnden Personen hanteln sich an der realen Geschichte entlang und dafür gibt es auch literarische Vorbilder, so daß es leichter anzunehmen ist.
Mein literarisches Leben geht auch sonst weiter, so habe ich mit Rudi Lasselsberger jetzt die Lesung am 4. 4. im El Speta fixiert, wofür ich jetzt schon herzlich einlade.
Was ich da lesen werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht die Tanzstundenszene aus der „Frau auf der Bank“ und den Beginn der „Wiedergeborenen“, um beide Works on progress vorzustellen?
Und Margit Kröll hat mich zur anderen Buchmesse eingeladen eingeladen, die wieder einen einen Literatur Slam haben wird, wo ich vielleicht lesen kann und einer meiner Leser hat wieder die Geduld verloren, weil ich beim „König von Amerika“, Autobiografie statt Biografie geschrieben habe.
Ja, das Leben ist fehlerhaft und es gibt Schlimmeres, als diese Verwechslung, könnte man meinen. Für manche Leser offenbar nicht, die mich fehlerfrei haben wollen.
Ich werde mich bemühen, den Ansprüchen nachzukommen und wenn das Resultat nur darin besteht, daß ich gelassener mit den Meinungen anderer umgehe, habe ich schon viel gewonnen, habe ich doch am Freitag im Leporello gehört, daß Rotraud Perner bei Residenz ein neues Buch übers „Burn-Out“ herausgegeben hat und darin ihren Klienten rät, ihre Kreativität auszuleben und z.B. ihre Fensterläden rosarot anstreichen, auch wenn das alle anderen scheußlich finden.
Daß das nicht so leicht ist, glaube ich zwar auch und habe, da ich sehr stur und tapfer seit dreieinhalb Jahren meine Kreativität ins Netz stelle, damit Erfahrung, würde es aber unterstreichen und rate zur Geduld. Haben wir in der nächsten Zeit doch vielleicht einige Probleme zu bewältigen, bei der Kreativität helfen kann und deshalb werde ich mich bei meinem nächsten Projekt, von dem ich noch keine Ahnung habe, was und wie es wird, wieder bemühen, ein wenig abgehobener und literarischer zu werden, aber auch akzeptieren, daß ich so schreibe, wie ich es kann und will. Vielleicht darf man auch an einem 12. Februar positiv denken, ich nehme es mir jedenfalls heraus.

2012-02-11

Der König von Amerika

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:34

„Der König von Amerika“, von Peter Stephan Jungk ist ein biographischer Roman über Walt Disney, 2003, bei Suhrkamp erschienen und er hat dafür eine interessante, wenn auch etwas verwirrende Erzählform gewählt. Das Buch hat neun Kapitel und beginnt am 10 September 1966, Walt Disney ist am 15. Dezember 1966 gestorben. Ziemlich spät für eine Biografie könnte man sagen und jedes Kapitel erzählt ein Detail aus dem Leben des Mickey-Mouse-Königs von September bis zu seinem Tod.
Im ersten Kapitel liegt er mit seinem Bruder, dem Verwaltungsdirektor des Imperiums und seiner Frau Lilian, mit der er sich nicht mehr versteht, in einem Gästehaus in Marceline, seinem Geburtsörtchen. Dort soll er ein Schwimmbad einweihen, geht am nächsten Morgen durch den Ort und wird von Autogrammjägern verfolgt, die alle aus dem Örtchen sind, mit Walt zur Schule gingen oder seine Nachbarn waren. Nur einer ist ein Fremder, Wilhelm Dantine, 1936 in Wien geboren, 1938 mit den Eltern in die USA emigriert, wenn man nachgooglet, kommt man nur auf den evangelischen Pfarrer, den ich einmal für meine Dissertation befragte, vier Jahre Zeichner in den Studios war, bis er von Walt entlassen wurde. Nun verfolgt er ihn auf Schritt und Tritt und tut, um zur Erzählstimme zu werden, unerhörte Sachen, wird der Geliebte von Walts Krankenschwester Hazel oder läßt einen technischen Assistenten Tonaufnahmen machen. Wie er zur Walts Träumen im Krankenhaus und seinen Ängsten aus der Anästhesie nicht mehr zu erwachen kommt, ist nicht ganz klar. Er erzählt uns aber nebenbei, auch ein bißchen aus dem Leben des großen Mannes, der angeblich selbst nie einen Bleistift in die Hand nahm, um zu seinen Comics zu kommen, der als Kind armer Leute und eines strengen Vaters in eben diesen Städtchen aufgewachsen ist.
Im zweiten Kapitel läßt Walt sich von erwähnter Krankenschwester, die auch noch seine Geliebte ist, massieren, er hat Schmerzen und sie nimmt ihm das Versprechen ab, sich untersuchen zu lassen, was er verschleppt, denn er hat große Pläne, will sich nach seinem Tod einfrieren und wieder auftauen lassen, wenn die Wissenschaft das ewige Leben erfunden hat. Er will auch einen utopischen Park mit Hilfe eines Architekten bauen, der auch in Wien geboren wurde und in den Dreißigerjahren emigrierte, Victor Gruen oder Grünwald hieß und vor seiner Emigration in einem Kabarett am Naschmarkt spielte, nicht zu verwechseln mit Fritz Grünbaum. Das Disneyland in Florida soll auch noch gebaut und viel größer, als das schon existierende in Kalifornien werden.
Im dritten Kapitel besucht Walt das Disneyland in Anaheim, wo es eine Lincolm Puppe gibt, die Probleme bereitet, die versucht er zu reparieren, befiehlt dem technischen Assistenten, der dabei die Tonbandaufnahme macht, abzunehmen und droht ihm ihn zu entlassen, wenn er „Sir“ zu ihm sagt und er äußert auch seine rechten politischen Ansichten, so ist er gegen Schwarze und schimpft mit der Puppe, weil die ihren Tonbandmonolog gegen Sklaverei hält.
Im vierten Kaptiel geht Bill Dantine mit seinem Sohn Jonathan in Walts Haus, der dort im Garten mit einer Eisenbahn spielt und hält ihm seine Entlassung vor, er schminkt sich auch als Mickey Mouse und tötet eine Maus, weil er weiß, daß der Ex-Chef kein Blut sehen kann, der holt die Polizei, Dantine wird aber nur wegen Rauschgiftbesitz verurteilt und der kleine Jonathan ist begeistert.
Im fünften Kapitel ist schon Halloween und Walt soll einen Orden bekommen, wieder wohnt er mit seiner Familie, der Krankenschwester und der Adoptivtochter, die er seiner richtigen Tochter Diane vorzieht, in einem Gästehaus und dort läutet eine Lucy, um ihr trick oder treat zu holen, die es gar nicht gibt oder viel später als mögliche Schwiegertochter des Erzählhelden auftauchen soll.
Im sechsten Kaptiel geht Walt endlich zur Untersuchung und Dr. Silverstone entdeckt einen Tumor in der Lunge, Walt ist ein starker Raucher, der wird entfernt und in der Intensivstation liegt der Magnat mit einem kleinen Jungen, den er zu Weihnachten ins Disneyland einlädt und auch hier sein kindliches Gemüt offenbart, aber zu diesen Zeitpunkt werden beide schon gestorben sein.
Vorerst wird Walt aber mit entfernter Lunge entlassen, bestellt Victor Gruen zu sich und läßt sich von Hazel und Dr. Silverstone versichern, daß er eingefroren wird, was seine Familie, als er am 15. Dezember stirbt, zu verhindern weiß. Er wird verbrannt, Dantine nimmt am Begräbnis teil und macht Jahre später noch eine Aktion, die Urne zu stehlen und beim Geburtshaus zu vergraben. Er wird dabei erwischt und bekommt vier Monate unbedingt, die er dazu benützt, den Roman über seinen Widersacher zu schreiben.
Wie schon erwähnt, eine interessante Art, eine Biografie zu schreiben, beim Nachgooglen bin ich noch auf eine Podiumsdiskussion mit Peter Stephan Jungk gestoßen, wo er es ein bißchen erklärt und meint, daß Wilhelm Dantine sein ehemaliger Lehrer war und Peter Stephan Jungk, den Sohn des berühmten Zukunftforschers, habe ich voriges Jahr in der Alten Schmiede kennengelernt, als er sein Buch über seine Herzgeschichten vorstellte.

2012-02-10

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:46

„In Zeiten des abnehmenden Lichts“, von Eugen Ruge ist der zweite große Buddenbrooks-Roman der DDR, der auch den deutschen Buchpreis gewonnen hat. Ein wenig leichter zu lesen, als Uwe Tellkamps opus magnum, ist die Geschichte einer Familie, die von 1952 bis 2001 erzählt wird und, wie man dem Lebenslauf des Autors unschwer entnehmen kann, auch die seiner Familie ist, obwohl die handelnden Personen andere Namen tragen. Es wird nicht chronologisch erzählt und der Roman schildert den Niedergang des Kommunismus an Hand des ganz persönlichen Niedergangs verursacht durch Krankheit, Alter und Tod.
So beginnt es 2001, der erste Oktober 1989 spielt auch eine große Rolle und wird in einigen Kapiteln erzählt, während sonst, beginnend ab 1951 die Lebensdaten der Familie berichtet werden. 2001 hat der Enkel Alexander gerade seine Krebsdiagnose bekommen und besucht den alten Vater, den Historiker Kurt, der einst eine tragende Rolle im sozialistischen Staat spielte und wohl auch die Geschichte ein bißchen mitgeschrieben hat. Jetzt lebt er allein im Haus und hat sich als einzigen Wortschatz nur mehr das Wörtchen „Ja“ bewahrt, vielleicht eine Anspielung? Und Alexander ist gekommen, um mit dem Vater abzurechnen, beziehungsweise sich einen Geldbetrag aus einem Geheimversteck zu holen und damit nach Mexiko zu reisen, wohl um seiner Krankheit zu entfliehen, vielleicht auch, weil von dort die Großeltern in den Fünfzigerjahren in die DDR zurückgekommen sind.
Charlotte und Wilhelm, der letztere, ein Wiederstandskämpfer, der gegen die Nazis kämpfte, in Mexiko vielleicht auch im Geheimdienst arbeitete und von der Partei nach Deutschland zurückgeholt wurde, obwohl es den, der das veranlaßte, nicht mehr gibt, als Wilhelm und Charlotte, den ostdeutschen Boden betreten. Sie sind aber aufrechte Kommunisten, obwohl sie eine Hausangestellte haben und wenn der kleine Sascha erzählt, daß für einen Schulfreund, die Amerikaner das größte sind, horcht der Großvater auf und sagt „So, so, da wollen wir einmal…!“
1989 ist er Neunzig und das wird jedesmal mit einem großen Fest gefeiert, wo die Parteisekretäre erscheinen und einen Orden verleihen, während Wilhelm abwehrt und „Das Gemüse auf den Friedhof!“, zu den Blumenüberbringern sagt. Er singt auch noch die DDR-Hymne, die berühmte von der Partei, die immer recht behält, obwohl nicht nur die Leute über Ungarn das Land verlassen, sondern sich auch der Enkel in den Westen abgesetzt hat.
Auch sonst tut sich einiges an diesem ersten Oktober 1989 in dem Haus von Sohn und Schwiegertochter, Kurt hat eine Freundin und Magenprobleme und seine Frau Irina, die er aus der SU mitbrachte, in der er einige Jahre interniert war, hat ihre Mutter ebenfalls in die DDR geholt und die Familie reibt sich aneinander. Die Mutter strickt Socken für alle, die sie nicht brauchen können und hortet Lebensmittel und Irina hat zu trinken angefangen und versucht, das ihrem Mann zu verheimlichen.
Ein zweiter wichtiger Tag ist das Weihnachtsfest, obwohl es das in der DDR offiziell nicht gab, so setzt sich Wilhelm auch immer mit dem Rücken zum Christbaum, wenn er zum Feiern zu Stiefsohn und Schwiegertochter kommt. Irina bereitet aber eine normannische Klostergans zu, die mit verschiedenen Früchten gefüllt werden muß. Als sie das 1976 tut, war es noch ziemlich kompliziert, zu den Früchten zu kommen, mußten die doch über mehrere Umwege mit dem Inhalt einer Kiste Kaviar ertauscht werden. 1991, nach der Wende war das schon viel einfacher, da ging man in den nächsten Supermarkt und kaufte ein. Das heißt, ganz so einfach war das auch nicht. Gab es dort doch keinen armenischen Kognak mehr, so daß Irina eine Flasche Whiskey erwischte und weil sie auch andere Sorgen hatte, so zum Beispiel nicht wußte, ob sie nicht aus dem Haus hinausmuüssen, begann sie den gleich während der Zubereitung auszutrinken, so daß es nichts wurde mit dem opulenten Weihnachtsmahl.
Der Dramatiker Eugen Ruge, 1954 im Ural, als Sohn eines Historikers geboren, erzählt die DDR-Familiengeschichte, wie man sieht, höchst dramatisch. Kein Stein bleibt auf dem anderen. Am 1. Oktober 1989, als sich Sascha in den Westen absetzte, mußte der senile Wilhelm, den Tisch alleine ausziehen, so daß das ganze Buffet mit der DDR zusammenbrach und ihn seine Frau Charlotte, die die Nase voll von dem senilen Greis und der dreisten Haushaltshilfe hatte, ihn womöglich noch vergiftete. 1991 war sie dann schon in einem Pflegeheim und konnte nicht mehr zur Weihnachtsfeier zu Sohn und Schwiegertochter kommen und 1995, als Saschas Sohn Markus, der, bei seiner Mutter Muddel, einer Psychologin und deren neuen Mann, einem Pfarrer und Neopolitiker lebt, Schwierigkeiten mit seiner Lehrstelle hat, bzw., droht in einen rechten Freundeskreis abzugleiten, stirbt Irina und er ist außer Kurt und Sascha, der einzige der Familie, der zum Begräbnis geht. 2001 sitzt Kurt sprachlos und verwirrt im leeren Haus und Sascha reist auf den Spuren seiner Großeltern seinem Krebs in Mexiko davon und wird dort mehrmals ausgeraubt, weil das Leben ohne Kommunismus offenbar auch nicht so einfach ist.
Ein starkes Buch und ein starkes Stück Geschichte, das den deutschen Buchpreis gewonnen hat, ich habe es mir von der Anna zum Geburtstag schenken lassen. Den Tellkamp habe ich 2008 zweimal zum Geburtstag bekommen und einen an die Anna weitergegeben, die ihn, glaube ich, noch nicht gelesen hat und Eugen Ruge, könnte man weiter sagen, räumt mit seiner Familie gehörig auf. Weil Buddenbrooks II nicht chronologisch geschrieben ist, macht das Lesen doch nicht so einfach, aber sonst wüßte man vielleicht schon einiges aus anderen Romanen, gibt es da ja sehr viel und „Ausharren im Paradies“, von Renate Feyl,1992 geschrieben, das auch von einer DDR-Familie nach der Wende, beziehungsweise ihr Leben seit den Fünfzigerjahren bis dorthin schildert, steht noch auf meiner Leseliste. Besonders raffiniert ist auch der Einfall, den Zerfall eines Landes am Zerfall des Lebens zu schildern.
Alles geht den Bach hinab, der Mensch kommt als hoffnungsvoller Säugling auf die Welt, will sie meist postiv verändern und stirbt nach siebzig, achtzig, neunzig Jahren, sprachlos, versoffen, dement, krebskrank und meist auch mit verlorenen Illusionen. Die DDR hat die Schäden des Faschismus nicht wettgemacht und der Neoliberalismus hat das auch nicht geschafft, wie man an den heutigen Problemen sieht.
Spannend also, die Romane des deutschen Buchpreises in zwanzig oder dreißig Jahren, wenn die sich dann mit der heutigen Wirtschaftskrise beschäftigen, zu lesen, aber dann gibt es vielleicht keinen deutschen Buchpreismehr und ich werde vielleicht nicht mehr lesen.

2012-02-09

Schreiben da und dort

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:46

„Was tut sich auf der Schreiberfront?“, werden aufmerksame Leser vielleicht fragen, da ich seit dem 19. 1. nicht mehr von meinem Romanprojekt berichtet habe und vorher gab es alle paar Tage einen Schreibbericht. Die Antwort ist, ich korrigiere mehr oder weniger eifrig vor mich hin. Im Gegensatz zu anderen Korrekturphasen, wo es manchmal vorkam, daß mich das Korrektieren nicht mehr freut oder mir der Text nicht mehr gefällt, ist das diesmal anders. Denn den habe ich ja schon während der Rohtextphase immer wieder korrigiert und er gefällt mir auch ganz gut, obwohl ich mir keine Illusionen mehr mache, daß das auch für die anderen zutrifft. Das habe ich, glaube ich, in den dreieinhalb Bloggerjahren, wo ich mein Schreiben sozusagen in die Öffentlichkeit stelle, gelernt, daß das eine sehr einseitige Sache ist und mir der Weg nach draußen und sei es auch nur zu einem klitzekleinen Verlag, offenbar nicht gelingt.
Sei es darum, es war eine spannende Textarbeit und ich habe ihn, als ich Mitte Jänner fertig wurde, auch ein paar Mal durchkorrigiert und war damit zufrieden, so daß ich dachte, im März und im April bin ich damit fertig und dann gibt es, wenn der Alfred genauso fleißig ist, nach der „Frau auf der Bank“ bald „Die Wiedergeborene“ und alle werden verwundert sagen „Du hast schon wieder ein neues Buch. Das wievielte ist das schon?“ und nicht hineinsehen.
Das Dreißigste, wenn ich mich nicht verzählt habe. Nach dem zweiten Durchgehen, habe ich mir, wie schon erwähnt, den James N. Frey hergeholt, nochmal durchgeblättert und nichts am Text verändernt, obwohl er sicher seine Schwächen hat oder sagen wir einmal, er ist, wie er ist und ich schreibe so, wie ich es kann und will.
Dann bin ich, wie ich das jetzt immer mache, das ganze Szene für Szene durchgegangen und bin da jetzt gerade bei Szene elf oder auf Seite einunddreißig, also beim ersten Drittel. Und dafür brauche ich jetzt auch schon eher lang, obwohl es nicht an einer Korrigierabwehrhaltung liegt, aber ich führe auch noch eine psychologische-psychotherapeutische Praxis und da gehen die Termine eben vor und bin außerdem in den letzten Wochen wieder mehr zu Veranstaltungen gegangen. Das ist ja im Jänner eher schleppend angelaufen, aber das gehört auch einmal zu dem literarischen Leben, wie ich es verstehe und ich tue es sehr gern und dann gibts ja auch noch das Lesen und wenn man da die Bücherschränke vor der Haustüre hat und immer wieder tolle Dinge darin findet, ergibt das auch einen Druck, am Abend und am Morgen in die Badewanne zu steigen und zwischen den Stunden und am Wochenende, wenn ich dazu komme zu korrigieren.
Aber für diese Woche bin ich mit meinem Veranstaltungsprogramm eigentlich fertig, lesen will ich noch einiges, so zum Beispiel den „Ruge“ fertig, dann mit dem Peter Stephan Jungk beginnen, „Der Hals der Giraffe“ steht auch als nächstes auf der Leseliste bzw. auf meinen internen Leseplan. Trotzdem werde ich in den nächsten Tagen und am Wochenende wahrscheinlich Zeit zum Korrigieren haben und deshalb gibt es jetzt wieder einen Korrigierbericht.
Auf der anderen Seite gibt es noch „Die Frau auf der Bank“, die noch beim Alfred liegt, der jetzt Augenprobleme hat, aber trotzdem mit den Korrigieren schon ganz weit gekommen ist und einen Vorschlag für das Cover gibt es auch schon. Zumindest was das Titelbild betrifft, beim Text, ist noch der der „Heimsuchung“ drauf. Aber wir waren ja einmal an einem Samstag am Rathausplatz und haben da zwar nicht genau die Bank vorm Springbrunnen, aber doch das Rathaus verdeckt mit Bäumen fortografiert. So daß sich vielleicht ein sehr schönes Titelbild ergibt. Ich habe ja schon ein Buch mit einem Rathausplatzcover, nämlich die „Viertagebuchfrau“, das haben wir einmal am ersten Mai, kurz nach dem Maiaufmarsch fotografiert, aber dieses sieht ganz anders aus und das Buch hat auch einen anderen Inhalt.
So weit die Nachrichten von meiner Schreibefront, daneben gibt es die Frauenlesung, vorzubereiten. Da habe ich jetzt schon das Flugblatt an die Lesenden geschickt und zum Vorbereitungstreffen eingeladen. Nächste Woche werde ich das Flugblatt dann vervielfältigen und mit dem Verteilen beginnen, das heißt es an die literarischen Orte legen, wo ich bei Lesungen bin und „Den Falter“, „Das Akin“ etc auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen.
Dann kommt bald die Leipziger Messe und da werden wir heuer wieder hinfahren, weil wir da ja bei den Hundertmarks immer auf dem Dachboden schlafen können und danach am 4. 4. um 20.12 habe ich mit dem Rudi Lasselsberger eine Lesung im El Speta vereinbart.
Man sieht, ich gebe es nicht auf und versuche es immer wieder auf mich und mein literarisches Schreiben aufmerksam zu machen, obwohl sich der Erfolg in Grenzen hält und die Wege zur Resignation groß sind und dann gibt es natürlich manchmal eine gewisse Hilflosigkeit, wenn ich von den Erfolgen der anderen höre und frage mich, ob es wirklich Sinn macht, mich dafür zu interessieren?
Die Antwort ist aber, es interessiert mich halt und so schlage ich halt nach, was sich in Wartholz und in Rauris ereignen wird. Der Wartholzer Literaturpreis wird vom 17 und 19. Februar vergeben. Andreas Unterweger ist da bei den lesenden Österreichern. Rauris wird ab nächstes Jahr zwei neue Organisatoren haben und heuer wird Maja Hadalap den Preis für den Bachmannpreis bekommen, woran man wieder sieht, daß immer dieselben gewinnen, was für eine, die schon lange aufgegeben hat, sich um das Bachmannpreislesen zu bewerben, natürlich nicht ermutigend ist, wie ich auch bei www. buecher.at gesehen habe, daß Julya Rabinovich und Paulus Hochgatterer, Literaturstipendien der Stadt Wien bekommen werden. Da gibt es auch immer Diskussionen, ob jemand, der im Brotberuf sehr gut verdient, Literaturstipendien bekommen soll.
Ich gebe aber die Hoffnung auf, es vielleicht irgendwann einmal doch zu schaffen, nicht auf, schreibe und korrigiere mehr oder weniger engagiert weiter und Maja Haderlaps „Engel des Vergessens“ steht auf meiner Leseliste.

2012-02-08

Geburtstage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:20

Am siebenten Februar 1812 wurde Charles Dickens in Landport bei Portsmouth geboren, wie man dieser Tage überall lesen und hören kann. Der große englische Dichter, der Oliver Twist, David Cooperfield und das Weihnachtsmärchen geschrieben hat, das Dagobert Duck seinen Namen gab, darauf bin ich durch die Lektüre von James N. Frey „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ gekommen, Oliver Twist und David Cooperfield habe ich in meinen Kindertagen bekommen und, wie, ich glaube, noch nicht ganz gelesen und auf Charles Dickens zweihundertsten Geburtstag wurde ich durch das Radio aufmerksam, wenn man Ö1 hört, kommt man nicht darum herum und so hat dieser Blogartikel einen anderen Namen bekommen, denn eigentlich wollte ich ihn „Fünfundsechzig“ nennen, dann habe ich die Festeinladung, die ich vor einigen Wochen bekommen habe, genauer angeschaut und da steht, was ich ursprünglich überlesen hatte „Nicht nur Charles Dickens ist an einem 7. Februar geboren, sondern auch ich! Meinen 65 Geburtstag möchte ich mit 65 Freunden und Freundinnen feiern. Ich hoffe, Du bist dabei!“

Soviel waren es dann nicht, die um neunzehn Uhr in das Kaffeerestaurant Frömmel in die Zieglergasse, Ecke Burggasse strömten, das ist die Konditorei an der ich manchmal vorbei gehe, wenn ich von der Ruth Aspöck oder von der Klinik komme und in die ich immer schon einmal hineinschauen wollte. Ruth Aspöcks fünfundsechzigster Geburtstag machte es möglich und eigentlich haben Ruths Geburtstagsfest Tradition, war ich doch schon bei einigen. Der Ersten an den ich mich erinnern kann, war wahrscheinlich der fünfzigste, der im Amerlinghaus gefeiert wurde.

Der siebente Februar hat ja noch eine Eigenschaft. Er liegt öfter in der sogenannten Energiesparwoche und damals, 1992 muß das gewesen sein, war der Alfred mit der Anna in Obergail schifahren und ich bin alleine ins Amerlinghaus marschiert. Dort gab es die Geburtstagslesung zu Ruths Fünfziger, sie ist aufgestanden und hat ihre Lesung unterbrochen, um noch einen Sessel für einen Zuspätkommenden herbeizuschaffen, nachher gab es Salzstangerln und Wein und ich habe mich mit Irene Wondratsch unterhalten, bzw. sie dort kennengelernt.

Daran kann ich mich erinnern und auch, daß ich damals an dem „Tod eines Jurymitglieds“ schrieb. Das ist die Geschichte, wo eine Schriftstellerin tot am Donaukanal aufgefunden wird, sie war in der Jury eines Literaturpreises, wo eine Menge Schriftsteller eingereicht haben und das Inspektorenteam geht zu ihnen hin und läßt sich etwas über das Schriftstellerleben erzählen.

Eine Szene spielt dann auf einen Geburtstagsfest und das Geburtstagskind habe ich Romana Reichel genannt. Das Buch habe ich der Ruth aber nicht zu ihrem Fünfundsechziger mitgenommen, denn ich vermute, sie hat es schon, es ist auch der Text, der in unser „Vierfrauenbuch“ gekommen wäre, das es dann nicht gegeben hat, sondern „Die Absturzgefahr“ beziehungsweise hat sich die Ruth das Buch von den zweien, die ich immer in meiner Handtasche trage, ausgesucht. Ich war aber noch auf anderen Geburtstagsfesten, wenn ich nicht gerade mit zum Schifahren war, denn eine Zeitlang hat die Ruth an ihren Geburtstag ihre Verlagsfeste im Literaturhaus gemacht, da erinnere ich mich an eines, an dem das Buch „Schnaitheim“ vorgestellt und Rhein- oder Moselweine ausgeschenkt wurden und einmal gab es zwar ein Fest, aber kein Buffet, weil das Geld dazu nicht reichte und das letzte Fest hat die Ruth überhaupt eingespart, weil sie nicht für die Leute, die zu geizig sind, ihr ein Buch abzukaufen, Wein und Essen hinstellen wollte.

Nachzulesen ist das alles in ihrem neuen Buch und zum Fünfundsechziger, nachdem die Ruth mit ihrem Verlag schon fünf Jahre in Pension gegangen ist, gab es wieder ein Fest und es gab auch ein Buffet, Schnitzerln, kleine Fleischleibchen, Salate und dann natürlich die guten Kuchen, für die sich der Besuch in der Konditorei Frömmel wahrscheinlich lohnt und zu Beginn gab es Glühwein oder eine warme Rotweinbowle mit Himbeeren und es gab auch einen Büchertisch mit den Resten der Edition die Donau hinunter oder anderen Schmankerln, diesmal zur freien Entnahme oder gegen freie Spenden. Da bin ich nun doch zum Herbert W. Franke-Buch „Wege zur Computerkunst“ und zum Nicolas Guillen gekommen, die anderen Bücher habe ich ja schon, hat mich die Ruth ja 2009 einmal zu einem literarischen Mittagessen eingeladen. Langsam füllte sich der Raum in dem Stehpulte aufgestellt waren und es anfangs keine Sesssel gab mit bekannten Gesichtern, so ist Hilde Schmölzer, Elfriede Haslehner mit ihrem Franz, Ulli Fleischmann-Seliger, Brigitte Schramm, Ingeborg Reisner, Werner Grüner, Ottwald John, Erika Brunngraber und natürlich Ruths Schwester und ihr Sohn Martin gekommen. Es gab eine Ansprache und kein Literaturprogramm, für die gute Laune und die gute Stimmung mußte man selber sorgen, stand auch im Programm, der Hausherr ließ die Ruth aber von der Bezirksrätin Madeleine Reisner und seinem Gast Christian Ide Hintze von der Schule für Dichtung, grüßen, ein paar Gäste brachte die Faschingsstimmung in ihrer Kleidung zum Ausdruck und die Ruth hatte sogar einen Orden angesteckt. Den Kaffee gabs dann in ihrer Wohnung, da waren Ottwald John, Martin und die Schwester mitgekommen und der Schauspieler Ottwald John unterhielt alle mit den Weisheiten des Buddahs, die schon zwei tausend Jahre alt aber immer noch sehr gültig sind und die Ruth wünschte sich das Positive, während die Welt momentan ja von Krisenstimmung und anderen Weltuntergangsgerüchten voll gefüllt ist, trotzdem gab es gute Wünsche für den Siebziger und Fünfundsiebziger und der Kremser Gemeinderat, bei dem die Ruth im Sommer gelesen hat, war auch auf dem Fest, bei ihm habe ich mich für eine Lesung angemeldet, mal sehen ob was daraus wird, auf jeden Fall schließe ich mich den Geburtstagsgratulanten an und wünsche allen Dichtern, die ebenfalls noch Geburtstag haben, alles Gute!

2012-02-07

Träume und neue Texte

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

In der Alten Schmiede gab es wieder einmal Textvorstellungen um zwanzig Uhr und davor, zwei Stunden früher, war eine Stunde der literarischen Erleuchtung mit Manfred Chobot und Dieter Bandhauer vom Sonderzahlverlag angesagt. In der Stunde der literarischen Erleuchtung mit den Locker-Gedichten bin ich vor kurzem erst gewesen und dann eine Stunde in der Stadt spazierengegangen, bevor es mit dem Kratochvil-Roman weiterging. So habe ich diesmal auch gezögert, ob ich schon so früh in die Alte Schmiede gehen soll, es dann aber doch getan. Ist Manfred Chobot ja ein rühriger GAV-KOllege, den ich immer wieder sehe, einmal war ich auch in seiner Galerie bei einer Vernisage und das erste Mal habe ich in den frühen Siebzigern, als ich gerade zu studieren anfing, noch in der Wattgasse wohnte, in einer der AZ-Beilagen einen Text von ihm gefunden, den ich mir sehr lange aufgehoben habe und der sicher auch heute noch irgendwo liegt. Diesmal ging es in der Stunde der Erleuchtung um das Träumen und ein „Die Wunderwelt in der ich schwebte“, genanntes Buch, das Dieter Bandhauer und Manfred Chobot herausgegeben haben, denn beide sind, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erwähnte, Träumesammler und er erwähnte noch, daß sich Schriftsteller sehr häufig für ihre Träume interessieren. No na, das ist ja der Weg ins Unbewußte und der Zugang zur Phantasie und ich kann mich auch erinnern, daß ich vor vielen vielen Jahren, da wohnte ich wahrscheinlich in der Otto Bauergasse bei einer Liesl Ujvary Veranstaltung in der Alten Schmiede gewesen bin, wo es auch um ihre Träume ging, die sie, mit einem Stift und einem Zettel neben ihrem Bett, aufgeschrieben hat. Das versuche ich gelegentlich auch und Antonio Fian hat das glaube ich vor 2009 getan, aber jetzt ging es nicht so sehr um die eigenen Träume, sondern überhaupt um Träume in der Literatur und so ist der Titel des Buches auch die letzte Zeile eines Robert Walser Gedichtes.
Damit eröffnete Dieter Bandhauer die Lesung und Manfred Chobot erzählte, daß er gedacht hätte, in drei vier Monate ist das Buch fertig, weil er die Texte schon gesammelt hätte, dann hat die Arbeit aber zwei Jahre gedauert, denn man muß ja erst die Rechte einholen und einen roten Faden braucht man auch. So sortieren die zwei die Träume in drei Gruppen, Originalträume, die auf die sich die Schriftsteller bezogen und dann noch Texte darüber und Dieter Bandhauer bemühte auch die „Traumdeutung“ und Sigmund Freuds Traumkategorien, damit kamen sie aber auch nicht weiter, so suchten sie zu jeden Traum zwei Worte und machten daraus einen Geschichtenreigen Brücke Donau – Donau Orient zum Beispiel und dann gab es zuerst einen Traum von Margit Kreidl und dann einen von Peter Rosegger, der älterste Autor war Jean Paul, die jüngste Angelika Reitzer und alle literarischen Genres, wie Lyrik, Tagebuch, Romanausschnitt oder sogar dramatische Texte, wie der berühmte Traum aus dem „Lumpazivagabundus“ gab es auch. Es war nicht ganz billig alle Rechte einzuholen und alle gaben sie auch nicht her, so wollte Milan Kundera beispielsweise nicht in einer Anthologie erscheinen. Es gibt aber auch eine graphische Gestaltung und ein handgeklebtes Titelbild. Von Christian Futscher, den ich erst vorige Woche hörte, gab es, glaube ich, einen Kastrationstraum und Andreas Okopenko hat auch einige Träume beigesteuert. Das ganze dauerte auch wirklich eine Stunde, dann sah ich den Dr. Moll, der mir eine TCM-Kaffeprobe schenkte und mich zur Geschichte des Clubs der logischen Denker befragen will, fragte Kurt Neumann und einen der Stammleser, ob sie den neuen Kurt Palm schon gelesen hätte, weil ich ja gerne wissen will, wie andere das Buch empfinden und schaute am Büchertisch schon in die Textvorstellungsbücher hinein und da Friedrich Hahn, der sie moderierte, schon gekommen war, war es auch kein Problem die Stunde in der Zeitschriftengallerie zu bleiben. Ich unterhielt mich mit Herrn Blaha und Friedrich Hahn entschuldigte dann Stefan Aberman, der aus seiner „Hundestaffel“ lesen hätte sollen, aber den habe ich schon bei den Lockstoffen gehört und das Thema lautete „Männer über Männer“, sehr interessant, wenn vielleich auch nicht besonders originell und der Rudi Lasselsberger hat einmal auch in von Reinhard Wegerth moderierten Textvorstellungen gelesen, die „Männer in Schwierigkeiten“ geheißen haben. Es begann Constantin Göttfert, den ich schon einmal bei den Textvorstellungen hörte, damals hat er mich sehr an Thomas Bernhard erinnert, diesmal las er aus seinem neuen Roman „Satus Katze“ und der wurde schon bei Ex Libris vorgestellt. Der Roman spielt in Finnland und handelt von einem finnischen Dichter namens Satus, er hat aber auch einen Handlungsstrang in Wien. Denn da trifft ein namenloser Ich-Erzähler eine Schauspielerin namens Nina in einem Cafe und die spielt eine Rolle in einem Satus-Stück und der Schriftsteller fährt nach Finnland zu einem Stipendium. Constantin Göttfert, der in Leipzig studierte, las ein Stück von den weiten Finnlands und aus der Kindheit des Dichters, seiner Beziehung zu seinem Bruder, seinem Vater und seiner Mutter, die diesen mit seinem Onkel betrog. Daran schloß sich ziemlich nahtlos, das bei Hoffmann und Campe erschiene Buch „Wilde Jagd“ des in Salzburg lebenden Christian Lorenz Müller an, das Buch ist ein Antiheimatroman und spielt auf einem Bergbauernhof in Bayern, es gibt auch zwei Brüder und einen Handlungsstrang, der von ihrer Kindheit handelt. Das Stück das der Autor las, handelte von einer Traktorfahrt eines Onkels mit seinem Neffen, Baumfällen und dem Unfall des Neffens, der dabei offenbar ums Leben kommt. Das dritte Buch hieß „Christbaumcrash“ von Andreas Tiefenbacher, der Name erschien mir bekannt, es gibt auch schon zwei andere Romane, die bei Styria erschienen ist. Dieses ist bei Kitab erschienen, handelt von einem Magistratsbeamten, der ein Menschenhasser ist, eine Sozialphobie oder eine Midlifekrisis hat und daher, weil er über den Christkindlmarkt auf seinen Arbeitsblatz ins Rathaus gehen muß, auf den Chrstbaum mit einer Kreissäge losgeht, wieder eine Verbindung zum vorangegangenen Buch, in der Psychiatrie im Gitterbett landet und dort seinen Endlosmonolog über Gott, die Welt und das Leben beginnt. Das erste Wort ist „ja“, das letzte „nein“ und Andreas Tiefenbacher erzählte, daß er schon einen Roman mit diesen Helden hat und noch einige weitere plant, von denen noch nicht alle erschienen ist. Und das Cover für „Die Frau auf der Bank“, hat mir der Alfred auch schon gebastelt, das wird genauso, wie das Tiefenbach-Buch, ein Bild vom Rathausplatz zieren.

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