Literaturgefluester

2012-03-03

Auf Romansuche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:58

Am Donnerstag habe ich es trotz einiger Stunden und einer Diagnostik geschafft, meine Abrechnung zu machen, bei der, die elektronisch passiert, war das nicht ganz einfach, denn als ich so weit war, daß ich nur mehr die Unterschrift eincoden mußte, war ich plötzlich offline und mußte auf den Alfred warten. Das tat ich dann in der Badewanne beim Hans Fallada und schrieb am Freitag nach meiner einzigen Stunde die Rezension und dachte, was mache ich jetzt? Wollte ich den Freitag ja zur Spurensuche verwenden, um meinen neuen Roman zu finden und mich dafür einen Tag in die Straßen- und U-Bahn setzen oder durch die Stadt marschieren.
Wenn man ein bißchen krank ist, ist das vielleicht nicht anzuraten und außerdem weiß ich schon wieder, über was ich schreiben will.
Ja, Kritiker, das passiert sehr schnell bei mir. Da war zuerst der Name Paula Nebel, der mich faszinierte, denn ich liebe klingende Namen, wenn die, in der Literatur angeblich nicht mehr erlaubt sind, ist mir das egal und die Idee, etwas über die Krise zu schreiben. Denn wenn man mehrmals täglich in den Nachrichten von den Sparpaketen hört, die den Länder, wie Griechenland, Spanien, Portugal, etc immer größere Pensionsreduktionen, Gehaltsverluste, Erhöhung der Mehrwertssteuer, u.s.w.u.s.f., aufzwingen bzw. von der EU dazu gezwungen werden, die das von den Ratingagenturen werden, die mit ihren Triple A und B Verlusten drohen und dann noch hört, daß der Herr Ex-Finanzminister angeblich oder wirklich neunhundert Euro Steuer im Jahr zahlt, muß man darüber schreiben, nur wie tut man das am besten?
Ach ja, das ist die Protagonistin mit dem so schönen Namen und die ist beispielsweise neunzig Jahre alt, angeblich oder tatsächlich dement und lebt so vor sich hin, wie das neunzigjährige Frauen, die alleine leben, vielleicht so tuen. Sie macht ihren Haushalt, wie sie es kann, geht zum Penny einkaufen, hört Radio und liest ihre Bücher, die sich im Laufe ihres Lebens so angesammelt haben. Ich weiß, das hatte ich schon einmal, da war die Protagonistin aber jünger und um die Krise ist es dabei auch nicht so gegangen. Sie lebt auch ihr Leben noch einmal oder wird, weil sie vielleicht schon schlecht hört oder sieht und keine Bezugspersonen mehr hat, auf sich zurückgeworfen.
Beim U-Bahnfahren, zu dem ich mich dann doch entschloßen habe, ist mir noch eingefallen, daß die Heldin Psychotherapeutin gewesen sein könnte. Auch nicht sehr originell, ich weiß. Sie muß aber nicht unbedingt VT betrieben haben, gibt es ja noch genügend andere Schulen und so könnte es sein, daß sie, das, was sie erlebte auch ein bißchen durcheinanderbringt und nicht mehr so genau weiß, ob sie das jetzt selbst erlebte oder es die Erlebnisse ihrer Klienten sind. Jedenfalls hat sie als dreizehnjähriges Mädchen einige Tage allein bei ihrer toten Großmutter zugebracht, bis endlich jemand kam und ihr die Verantwortung abnahm, was zu einer Schulphobie führte. Dann gab es ein Kind mit zwanzig und Drohungen vom Jugendamt, es ihr wegzunehmen, weil die Fingernägel nicht geschnitten waren und der Wortschatz nicht altersentsprechend kam und die Mutter, die ihr dabei helfen hätte können, nicht da oder wegen Schnellfahrens vorbestraft. Den Kampf darum und vierzehn Jahre keinen Kontakt zum Kind, daß sich dann nicht mehr an die Mutter gewöhnte. Jetzt gibt es einen Enkelsohn, der auf seine Facharztausbildung wartet und keine Zeit für seine Großmutter hat. So hilft ihr der Herr Hans beim Einkaufen, trägt ihr die Flaschen in ihre Wohnung und erzählt ihr dabei von dem Mobbing, das er auf seinem Arbeitsplatz erlebt, gegen das er sich nicht wehren kann und die Schwester vom sozialen Stützpunkt, die zum neunzigsten Geburtsstag erscheint und ihr einen Platz im Pensionistenheim oder die Inanspruchsnahme einer Heimhilfe schmackhaft machen will, muß sie davon überzeugen, daß ihre Wohnung sauber ist und kein Schimmel im Eiskasten etc.
Dazwischen hört sie im Radio von der Schuldenkrise, vom Zwangskindergarten ab eineinhalb, den die Grünen fordern und dem Leistungsdruck, den die Zehnjährigen haben, damit sie aufs Gymnasium können, von den Studiengebühren und den Strafzahlungen, die man beim Schulschwänzen bezahlen muß.
Das hatte ich, vielleicht nicht so ausdifferenziert, schon vor ein paar Tagen, dachte wieder „Wozu tue ich mir das an? Das wird doch wieder nicht wahrgenommen?“ und hatte prompt den kleinen bösen Zensor im Kopf „Du schreibst Kitsch, das kannst du und darfst du nicht!“
Kein sehr gutes Gefühl, wie ich schon erfahren habe. Dann habe ich mir gestern Mittag beim Mc Donald doch einen Cheeseburger und eine kleine Portion Pommes frites gekauft und bin vier Stunden mit Bus und U-Bahn herumgefahren. Zuerst wollte ich in die Macondo-Siedlung, hatte aber Schwierigkeiten hinzukommen, weil ich offenbar nicht den Bus mit der richtigen Route erwischte. Dann bin ich mit einer U-Bahn zur anderen gefahren, das Konzept skizziert und so hinbekommen, daß das Unbehagen verschwunden ist.
Ein paar interessante Impressionen habe ich beim Fahren auch gehabt, so eine Frau gesehen, die zwar noch nicht neunzig war, aber in zwanzig jahren, wie die Paula Nebel aussehen könnte, grauer Pagenkopf, lila Jacke, lila Blumenleid, schwarze Strümpfe und ein Gespräch von zwei jungen Frauen gehört, die wirklich erzählten, daß sie einmal einen Tag lang U-Bahn gefahren sind. Dann haben sie ein paar Konzerte aufgezählt, auf denen sie gewesen sind und etwas von einer Freundin hinzugefügt, die eine faszinierende, aber anstrengende Beziehung zu ihren Eltern hat, was die Frage aufwirft, was darunter zu verstehen ist?
Und die kleinen Buben, die mit ihrer Lehrerin irgendwo waren, waren auch sehr interessant.
„Ich bin zehn, ich zehneinhalb, ich hundert, ich tausend Jahre!“, übertrumpfen sie sich, bis der offensichtlich älteste lapidar einwarf „Dann bin ich der jüngste, denn ihr seid schon alle tot!“
Interessant, was man beim U-Bahn fahren erleben kann, auch wenn man ein bißchen schlapp ist und die Nase rinnt.
Eigentlich wollte ich wieder einen meiner Jammerartikel schreiben, daß ich mir mehr Aufmerksamkeit wünsche und es mich ärgert, daß mir Wikipedia, meine bei Digitaldruck.at, erschienenen Bücher hinausgestrichen hat, was Gerhard Ruiss von den IG Autoren, dem ich das erzählte, unverständlich fand und meinte, daß ich das Recht habe, mich so darzustellen, wie ich will, beziehungsweise überlegen, was ich tun kann, um auf mich und meine Bücher aufmerksam zu machen?
Aber das tue ich seit dreieinhalb Jahren sehr fleißig und konsequent im Literaturgeflüster und habe da jetzt auch zwei Artikel, wo man sich meine Bücher ein bißchen anschauen kann. Auf meiner Homepage kann man das noch genauer und berichten, wie meine Bücher entstehen, tue ich auch sehr genau.
Mehr als mir vielleicht doch eine ISBN Nummer kaufen, wie es Rudi Lasselsberger tut, Eva Jancak-Verlag draufschreiben und Wikipedia austricksen, es vielleicht doch bei Arovell, der mir das angeboten hat, versuchen oder ein Exposeseminar besuchen und mit einem Pseudonym wieder an die Verlage und Agenturen schicken, fällt mir nicht ein und das will ich ja nicht wirklich.
Übersehen werden will ich aber auch nicht und so ganz verstehe ich ja nicht, warum es ausgerechnet mir nicht gelingt, literarisch aufzufallen und sich das nie ändert, auch wenn ich es noch so oft versuche, denn so schlecht schreibe ich, glaube ich, nicht.
Aber das habe ich schon öfter geschrieben und das ärgert auch meine Kritikerinnen, die mich offenbar still und bescheiden wünschen und das gestrige U-Bahnfahren war auch sehr anregend, so daß ich beim Nachhausekommen dachte „Gut, fange ich wieder an und wurscht, ob ich sechs, acht oder vielleicht neun Wochen für den Rohentwurf brauche!“
Ich kann aber auch mit ein paar Textproben beginnen und da habe ich schon eine Idee, die sich sich vielleicht morgen ansehen läßt.

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