Literaturgefluester

2012-03-11

kein eigener ort

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

„Der aufsehen erregende debutroman susanne gregors erzählt in poetisch dichter, rhythmisch zwingender sprache die geschichte einer jungen frau im spannungsfeld zwischen liebe und abhängigkeit, die äußere und innere grenzen überschreitet“, steht am Buchrücken von „kein eigener ort“ und das Buch beginnt im Zug beim Überschreiten der österreichisch ungarischen Grenze. Da bleibt der Zug plötzlich zwei Stunden im freien Feld stehen und der Schaffner erzählt den mitreisenden Frauen auf Ungarisch, der Ich-Erzählerin auf Deutsch „Da hat sich jemand vor den Zug geworfen“, die Ich-Erzählerin empfindet Schuldgefühle und kommt zwei Stunden zu spät in Budapest an.
In vierzehn kurzen Kapitel wird auf hundertsieben knappen Seiten, die Geschichte der verzweifelten Liebe einer jungen Frau, die sich im fremden Land seltsam verloren fühlt, dabei seltsame Sachen macht und ihr Leben eindrucksvoll poetisch reflektiert, erzählt.
Außer am Ende ihren Namen „Ina“ erfährt man nicht sehr viel über sie oder doch, aber das nur indirekt. Sie reist von Österreich nach Budapest, um dort in einer Sprachschule ein Praktikum zu absolvieren, also Deutsch unterrichten, aber eigentlich reist sie ihrer Liebe Tamas nach, den sie in Wien in einem Lokal kennenlernte.
Dort verläßt sie ihre Freundin Anna, mit der sie das Lokal besuchte und geht mit Tamas, der in Budapest bei seiner Mutter wohnt und studiert, in Wien aber manchmal kellnert, spazieren. Dann meldet sie sich für das Prakikum an und fährt gleich zum Vorstellungsgespräch hin, als sie es dann antritt, holt sie Tamas nicht vom Bahnhof ab und sie muß allein in die Wohnung von Simon und Bruno fahren, wo sie ein Zimmer hat. Sie kocht auch für die beiden Hähnchen und bittet Simon mit ihr auf den Gellertberg zu spazieren. Tamas hat nur wenig Zeit für sie, kommt aber auf ein paar Stunden, nimmt sie auch einmal eine Nacht in die Wohnung mit, wo er mit der Mutter lebt. Am Morgen ist sie dann allein und steckt ein paar der alten Fotos ein, die er ihr zeigte.
Als Tamas plötzlich auftaucht, um sie an den Balaton mitzunehmen, sagt sie nicht am Institut Bescheid, erschrickt vor den Freunden, die ihm im Restaurant erwarten, ist auf eine Tessa eifersüchtig, wird krank und gibt dem Institutskollegen Ferdi, der sie bei einem Empfang küssen will, eine Ohrfeige. Als sie für Tamas ein Buch zum Geburtstag kauft und es ihm ins Institut nachträgt, trifft sie ihn neben einer Eszter an und er hat keine Zeit, weil er für ein Projekt arbeiten muß. Sie trifft die beiden dann noch einmal in der Markthalle, versteckt sich hinter Trachten und reflektiert darüber, daß sie überall fremd ist und keinen eigenen Ort zum Leben hat.
Mühsam muß sie sich orientieren, „Hier ist der Tisch, ein Stuhl, ein Buch!“, als sie plötzlich aufwacht und ihr das Blut über die Schenkel hinunterrinnt. Die Psychotherapeutin denkt natürlich sofort an eine Selbstverletzung und eine Borderlinestörung. Der junge Arzt im Krankenhaus, der sich einfühlsvoll an ihr Bett setzt, sagt aber, daß sie ihr Kind verloren hat und rät, als Simon sie abholt, es noch einmal zu versuchen.
„Das ist ein Taxi, ein Fenster, Tisch, Budapest“, memoriert die Protagonistin um ihre Orientierung wiederzufinden und ruft ihre Eltern an, die auch kommen und von ihr vom Bahnhof abgeholt werden wollen, was sie versäumt, weil plötzlich Tamas vor der Türe steht und ihr erzählt, daß er sie in der Markthalle erkannt hat, sie bestreitet aber dort gewesen zu sein.
Susanne Gregor wurde 1981 in Zilina, in der Slowakei geboren und lebt seit 1990 in Österreich. 2009 erhielt sie den Förderpreis des Hohenemser Literaturpreises, 2010 den Hauptpreis bei den Exil-Literaturpreisen. 2011 ist in der Edition Exil ihr erster Roman erschienen, der eher irrtümlich zu mir gekommen ist, ich habe aber einen Teil der Lesung auf der Buch-Wien gehört und beim Gewinnspiel des „Duftenden Doppelpunkt“ voriges jahr bin ich auch auf den Namen Susanne Gregor gestoßen, ich habe dann die erste Anthologie gewonnen, in der auch ihre erste Geschichte enthalten ist und irgendwo gelesen, daß man sicher noch mehr von der jungen Autorin hören werden wird.

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