Literaturgefluester

2012-03-24

Tausendmal

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:14

Tausend Rosen, tausend Küsse, tausend Blogartikeln zur Literatur in dreidreiviertel Jahren. Eine schöne runde Zahl auf die man stolz sein könnte, auf die Konsequenz, die Disziplin, die Beharrlichkeit, die dazu nötig ist, die das möglich macht und natürlich auch ein hübsches Wissen über den Literaturbetrieb. Bücherlesen, Büchersammeln, schreiben, lesen, vor allem aber beharrlich und auch sehr frustriert daneben stehen, denn die Türe in den Literaturbetrieb ja immer nur versperrt vorfinden und so ein Blog ist irgendwie auch nur eine Ersatzbefriedigung. Das habe ich schon begriffen, natürlich klar, nicht zu widerlegen und die oben angeführte Zahl stimmt auch nicht ganz.
Wird dieser Artikel auf meiner Statistikseite ja schon als der tausendvierte geführt, wenn ich demnächst aber auf die Publikationstaste drücke, werde ich „Gratulation, das ist der tausendste Post!“, lesen können und obwohl ich doch immer so vorschnell bin, habe ich darauf gewartet, denn der vielleicht wirkliche tausendste Eintrag, wäre mir mit der „Sabuschko“-Berichterstattung in die Quere gekommen. Also jetzt erst, tausend rote Rosen, tausend Küße, roter Wein oder auch ein Gläschen Sekt für den tausendsten oder tausendvierten Blogeintrag.
Wow, das ist schon eine schöne Sammlung von Gefühlen, Empfindungen, Erfahrungen bezüglich des Lesen, Schreiben und des Literaturbetriebs.
Denn da ist eine, die interessiert sich sehr für Literatur und das schon fast oder auch mehr als vierzig Jahre. Fünfzig vielleicht oder vielleicht schon fünfundfünzig oder überhaupt immer dar. Die liest und schreibt und mehrmals in der Woche zu Literaturveranstaltungen geht und trotzdem nie den Weg hinein zu finden scheint.
„Denn das ist nicht gut genug!“, habe ich schon gehört, als es noch kein Bloggen, kein facebook und kein Twittern gab, sondern als schüchterne, etwas gehemmte Psychologiestudentin, die für gelungen gehaltene Geschichte „Einleitung zum Tee“ zwei Freunden, dem Gerhard und der Monika zeigte.
„Das ist nicht gut genug, das mußt du anders, besser machen, ich kann dir aber auch nicht sagen wie!“, das erste Mal gehört, was später immer wieder folgen sollte.
Nicht tausend Mal, so oft wahrscheinlich nicht, aber auch im Arbeitskreis schreibender Frauen, in den ich später kam, war ich mit meiner Art des Schreibens, das so beharrlich realistisch ist und auch auf die eigenen Rechtschreibregeln besteht, nicht willkommen.
„Das ist zu wenig abgehoben, zu real, zu realistisch!“, wahrscheinlich kam man auch zu schüchtern sagen und so war auch der Ratschlag, von meiner Freundin Elfriede H., daß es noch zu früh sein könnte, für ein Stipendium einzureichen. Das war dann schon in den Achtzigerjahren und auch das habe ich nicht tausendmal versucht, keine Rede, keine Spur davon. Nur ein paar Jahre bis es schon die psychologische Praxis und die ersten Klienten gab und eine Autorenkollegin meinte, daß man in diesem Fall nicht mehr einreichen dürfe. Es schüchtern, gutwillig und beherzt ein paar Jahre auch nicht mehr getan, bis ich es trotzig tapfer noch einmal versuchte, bevor ich endgültig aufgegeben habe. In dieser Zeit auch meine Texte ziemlich wahllos und sehr schüchtern an die Verlag herumgeschickt und auch da immer nur ein „Leider, nein!“, als Antwort bekommen, auch das nicht tausendmal. Habe ich doch irgendwann einmal damit aufgehört und mich durch ein Geburtstagsgeschenk des lieben Alfreds in das nächste Fettnäpfchen begeben, der mich auf die Idee brachte, meine Bücher selber zu machen.
„Fortan erscheint jedes Buch von mir und ich muß mich nicht erst auf die mühsame Verlagssuche machen!“, gedacht und fortan erst rechts abseits gestanden, mit den inzwischen dreißig, nicht tausend, selbstgemachten Büchern. Nein, soviele sind es nicht. Das betrifft nur die Blogartikeln, die seit Juli 2008 fast täglich entstanden, tausend Rosen, tausend Küße, roter Wein und keine Kategoerien obwohl ich regelmäßig, sehr konsequent und beharrlich von den Veranstaltungen, die ich besuche, den Büchern, die ich lese und auch über die, die ich selber schreibe, berichte, tausend Rosen, tausend Küsse, roter Wein und mehr als tausend Blogartikeln übers Schreiben, tausend, tausendeins, tausendzwei, tausenddrei, tausendvier oder eine andere Zahl, denn keiner zählt es wahrscheinlich nach und kein Ende zeichnet sich ab. Kein Ende im Gedankenfluß, denn es sprudelt, denn es fließt und die Literatur ist für mich immer noch etwas sehr Interessantes. Etwas zu dem ich etwas zu sagen habe, sagen will, obwohl ich ja seit fast oder auch mehr als vierzig Jahre abseits stehe und das Bloggen auch ein wenig trotzig betreibe.
Seht einmal ich kann doch schreiben und die Leser melden dann genauso beharrlich „Mir reichts, schon wieder ein Rechtschreibfehler zurück!“, weil man beim öffentlichen Äußern seiner Meinung offebar perfekt sein soll. Es schult aber sehr das Denken und die Sprache täglich öffentlich über das Schreiben zu berichten, tausend Rosen, tausend Küße, roter Wein, obwohl die permanente Nichtbeachtung das Frustrationspotential natürlich auch erhöht.
Ich kann schreiben und keinem interessierts! Keiner will etwas davon wissen, keiner sieht besonders hin, nicht gerade ein erhebendes Gefühl und dennoch trotzdem tausend oder mehr Artikel über das Schreiben, die in den letzten dreidreiviertel Jahre entstanden sind. Neun Bücher sind seitdem entstanden und einiges habe ich in diesen dreidreiviertel Jahren inzwischen auch verloren. Weniger Lesungen, weniger Veranstaltungen und hundertfünfzig bis hundertsiebzig tägliche Leser, obwohl ich, wie manchmal denke,sehr unbemerkt und verborgen, fast täglich vor mich hinzublogge.
Tausend Rosen, tausend Küsse, roter Wein, dreißig selbstgemachte Bücher und immer wieder schreiben, seine Meinung äußern, jammern, klagen, in diesen Literaturgeflüster, schon mehr als tausendmal!

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