Literaturgefluester

2012-04-04

Sex mit 45

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06

Weiter geht es mit den angebotenen Rezensionsexemplaren und da ist jetzt ein sogenannter „Schundroman“ respektive „gehaltvoller Liebesroman“ im bekannten Bastei-Roman Outlook namens „Sex mit 45“ – „Eine Heldin namens Lotte Zusatz-Zahl auf der Jagd nach 45 Sexabenteuern gemeinsam mit ihrem treuen Cockerspaniel Joker“, zu mir gekommen.
Hydra, respektive der Holzbaum-Verlag, der bei den „Komischen Künsten im Museumas Quartier 21“ sein Zuhause hat und von Clemens Ettenauer, der ihn gemeinsam mit Katja Kovacs, die ich vermutlich kenne, gegründet hat, herausgegeben und das zweiundneunzig Seiten Buch ist eine Gemeinschaftsausgabe von vierzehn Autoren Autorinnen namens Herbert Hammer, Konrad Gregor, Bart Ender, Peter Raritäter, Ronnie Berger, Felix Frotteur, Viienne Festfut, Julia Fuchs, Danielle B. Nutz, Philstair, Ralf C. Rosinger, Rene van Plüsch, Antonia-Aurelia-Mariea Weicher-Schanker, Bartoletto Szattolino, Linoläus Wroclawek, Sir Dick Longwood, Eduard Schwarz, Stefan Kokolores, Franz Ferdinand, Andreas Rieger und Saul Fogeltanz, wie sie alle heißen, bzw. das höchstwahrscheinlich nicht tun.
Jeder hat ein Kapitel beigesteuert und wenn ich richtig zählte, kommen keine fünfundvierzig, sondern dreiundzwanzig schicksenhafte Kapitel dabei heraus und sie sind auch nicht chronologisch angeordnet, sondern lustig durcheinandergewürfelt.
Als Herausgeber fungiert ein gewisser Curt Cuisine oder Küche und das Ganze sieht wirklich täuschend echt, wie ein Romanhefterl aus, ist nur ein bißerl dicker und ich habe, ich gestehe es, die Bastei Liebes- Fürsten- etc, Romane, als Jugendliche ganz gern gelesen und es ist auch ganz in diesem Stil mit Blumenrändchen und den vielen Werbeseiten aufgemacht.
„Lotte Romane werden in der ganzen Welt gelesen“, steht so auf der ersten bzw. zweiten Seite.
Dann gibt der derzeit frauenlose Cockerspaniel ein Geleitwort „Zum Gebell“ und der „Leckbrief“ Lotte Zusatz-Zahl mit einem kecken Bildchen folgt. Alter: 46, Familienstand: geschieden und kinderlos, Beruf: Assistenz der Geschäftsführung in einem Großhandelsbetrieb für Kunststoffrohre, Hobbys: Tanzen, insbesondere Salsa, CSI Miami schauen, Flirten im Internet, ihr Hund „Joker“ (ein Cockerspaniel), Schwimmen, Rollerskaten auf der Donauinsel, sich schick machen und ins Casino gehen. Sie mag: Abwechslung, Männer mittleren Alters, gerne aber auch Jüngere, Viennetta von Eskimo, Kino an verregneten Sonntagen, ausgedehnte Spaziergänge rund um den Kahlenberg, Kochen für Genießer. Sie mag nicht: Bill-Ramsey-Songs, faule Männer und Ausreden, Lügen, Zweireiher (mit Goldknöpfen!) Sie ist: eigentlich tolerant, lebt aber in einem bürgerlichen Milieu, sie ist weiters resolut, direkt und kann sehr wohl zwischen Liebe und Sex unterscheiden. Momentan sucht sie eher zweiteres, nimmt aber gerne auch Liebe, wenn sie daherkommt. Lieblingslied: Toto – Hold the Line“
Das ist schon einiges an Information über die schöne Lotte mit der schicken Brille und dann gehts gleich weiter mit den „Ziehungen“ Alle Lottes auf einem Blick“ sprich dem Inhaltsverzeichnis, wo die dreiundzwanzig Kapitel angegeben werden.
Es beginnt mit dem „Roten Regenschirm“, da erlebt Lotte ein Sex-Abenteuer mit einem Herrn U-Bahnaufseher. Dazwischen gibt es, wie erwähnt viele Werbeeinschaltungen.
„Ja, so etwas würde auch Lotte tragen – superschicke Untergatten vom Feinsten“ von der Marke Pampers, ein paar nackte Männerbrüste mittleren bis höheren Alters auf der Seite fünfundzwanzig. Lieselotte empfiehlt mit dem Waltraud Haas Outfit, Buchempfehlungen wie Nikolai Google „Die toten Seelen“ und anderes Witziges etc.
Die große Lotte-Fotostory gibt es in der Buchmitte auch. Migränin gegen Kopfschmerzen wird empfohlen und dazwischen erlebt die Lotte ihre dreiundzwanzig Liebesabenteuer, was für eine, die sich nicht gerade als Spezialistin in erotischen Romanen bezeichnen kann, sehr spannend zum Lesen ist.
Was mir natürlich besonders gut gefällt ist die Realistik und der aktuelle Wien-Bezug in manchen Szenen, so besucht Lotte das Donauinselfest oder fährt mit der U-Bahn dorthin und als sie beim Schuheinkaufen mit dem schönen Erwin gerade unter der Budel liegt, der auf ihr Kokain ausprobiert, erscheinen die Damen Susi Jerusalem und Maria Vassilakou und befreien sie, so daß Lotte fortan beschließt „grün“ zu wählen, weil ihr H.C.Strache ohnehin nicht gefällt und als sie morgens unter der Dusche steht, erscheint der GIS Kontrolleur um ihren unangemeldeten Fernsehapparat zu kontrollieren, einen DDR-Bezug gibt es auch.
Wie gesagt, die Bastei-Liebeshefteln, den sogenannten Groschenroman, den die Leute immer nur für die alte Tante oder Nachbarin und niemals für sich selber kaufen, habe ich ganz gern gelesen.
Anna Jeller hatte vor kurzem ein ganzes Schaufenster dieser Reihe unter dem Titel „Es muß nicht gerade Kaviar“ sein, gewidmet und ein Buch zum Schreiben von Groschenromanen gibt es auch und das soll, habe ich gehört, gar nicht so einfach sein und seine speziellen Regeln haben. Auf der anderen Seite verlockt es offensichtlich auch immer mehr Autoren an das Genre heran, um sich vielleicht auch ein bißchen lustig darüber zu machen.
Die Liebesroman Groschenheftchen sind wahrscheinlich Erfahrungen, die wir alle mehr oder weniger machten und es zugeben oder auch nicht. Mit dem Lesen von erotischen Romanen, habe ich nicht so viel Erfahrung, bzw. langweilte ich mich öfter bei der Rund um die Burg-Erotiknacht, als die da noch mit Herzmanovsky-Orlando ankamen. Inzwischen gibt es viele junge Frauen, die es sich in dem Genre versuchen und die Evi von Zwillingsleiden bzw. Cafe Uranus, wie sich ihr Blog inzwischen nennt, ist eine Leserin, der ich „Sex mit 45“ gern empfehlen würde, das mir interessanterweise ganz gut gefallen hat und einige originelle Episoden, wie zum Beispiel die, wo die Tochter mit der Mutter gemeinsam Bingospielen geht oder die von dem Sado-Maso-Cafe am Naschmarkt, wo man aus Hundeschüßeln und aus Damenschuhen trinkt und Lotte den Totengräber Christian trifft, der am Zentralfriedhof arbeitet, enthält. Mit anderen konnte ich wieder nicht so viel anfangen und am Schluß wird es vollends dramatisch. Das Finale führt Lotte im Katzenkostüm in einen Männerklub bzw. auf die Schlachtbank und am Ende weiß, sie „sie würde diesen Tag nicht überleben.“
Ja, so gehts mit den satirischen Sexromanen, ein Mißverständnis scheint aber dabei zu sein, die Bastei Hefterl waren eigentlich nicht pornografisch und die vorliegenden dreiundzwanzig Kapitel sind wahrscheinlich nicht jugendfrei.

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