Literaturgefluester

2012-04-12

Fortsetzungsbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:53

Für alle, die wissen wollen, wie es weitergeht mit meinen Resignationsberichten und wie und was damit gemeint ist, da bin ich ja vor einer Woche mit meinen neuen Romanprojekt ein bißchen abgestürzt. Nein, abgestürzt nicht wirklich. Ich hab ab Anfang März nur wieder einmal ziemlich planlos und sehr hektisch vor mich hingeschrieben, hatte dann am vorletzten Montag vierzig Seiten, bin die durchgegangen, dachte „Es geht doch nicht!“ und war dann ein paar Tage später mit fünfzig Seiten plötzlich fertig, das heißt, ich habe eine Abschlußszene geschrieben, die eigentlich nicht ganz passte und dachte, fünfzig Seiten sind zuwenig für ein Buch, aber das „Haus“ hat auch nur sechzig Rohseiten und ist nicht der große Roman geworden, wie er eigentlich sollte und da hatte ich ähnliche Probleme, daß ich dachte, ich mache es lieber kurz und rolle nicht alles noch einmal von vorn bis hinten auf.
Bei der „Paula Nebel“ wollte ich ein paar Fälle einarbeiten, dachte dann, ich muß entfremden, damit sich keiner erkennt und mir ein böses Brieflein schreibt. Dann war der Rückzug oder das Hineingleiten in das Sterben einer neunzigjährigen Frau eigentlich ein faszinierender Gedanken, aber ich kann sie ja nicht schon wieder ihre Bücher lesen lassen und eine Depression, wo man nicht mehr aus dem Haus geht, habe ich ja auch schon beschrieben. Dann habe ich begonnen mit ihren Leben, mit Zwanzig ein Kind bekommen, die Fürsorgerinnen haben es ihr weggenommen und auf den Spiegelgrund gebracht. Das wollte ich dann wieder nicht so genau beschreiben, so ist es bei den Andeutungen geblieben. Die Sofia ist sehr bald aufgetaucht und plötzlich ist es hektisch geworden. Die Paula hat gekocht und es sind Besucher zu ihr gekommen, der Alex von der Caritas, der Sohn einer früheren Klientin, die Schwester vom sozialen Stützpunkt. Die Sofia ist in eine Schule gegangen, hat Oma zu ihr gesagt und sie haben gemeinsam das ABC gelernt, da höre ich schon wieder die Stimmen, die das zu kitschig, märchenhaft und positiv finden und eigentlich wollte ich ja was über die Wirtschaftskrise schreiben.
Auf Seite vierzig hatte ich dann das Leben erzählt, der Enkel Rainer ist auch sehr blaß und im Hintergrund geblieben. Es waren ein paar Besuchsszenen mit „sagte sie“ absolviert, die Paula hat die ganze Hausmannskost des vorigen Jahrhunderts hinuntergekocht und ich wußte nicht weiter, weil ich eigentlich fertig war oder auch nicht. Wie schreibt man einen großen Roman? Wie löst man seine Fallen auf? Wie kommt man weiter?
Die Szene, wo sich die Paula dann aufs Sofa legt, an alles denkt und langsam in das Nirvana hinübergleitet, kommt vielleicht ein bißchen zu abrupt und etwas fehlt. Aber ob ich das wirklich noch erweitern will?
Einmal habe ich es in Harland noch durchgesehen, die letzten Tage hatte ich sehr viel Diagnostik und keine Zeit und die „Bank“ muß ich auch noch durchsehen. Wie mache ich weiter?
Ein bißchen Jammern natürlich und bedauern, daß der ursprüngliche Plan mir bis Sommer soviel Zeit zu lassen, um einen Roman zu entwickeln, derzeit offenbar nicht funktioniert. Ich schreibe schnell und hektisch, bin dann an der Wand und weiß nicht weiter. Aber allein kann man das vielleicht nicht wirklich. Da braucht es zwischendurch wohl ein bißchen aufmunterndes Feedback und dann denke ich, ist ja egal. Ich schreibe, wie ich es kann! Die sehr schroffen Feedbacks, die manchmal kamen „Das wird nie was und du kannst es nicht, auch wenn du dich noch so sehr bemühst!“, wirken aber nach.
Denn eigentlich kann man auch kurz über das Leben einer alten Frau schreiben, vielleicht den Schluß noch etwas ausbauen und es muß auch niemanden interessieren, obwohl es eigentlich ein interessantes und wichtiges Thema ist und, daß ich schon sehr viel geschrieben habe und ein bißchen ausgeschrieben bin, stimmt ja auch. Ich merke aber, daß ich immer hektischer werde, was wahrscheinlich mit den fehlenden Feedbacks zusammenhängt. Aber es stimmt auch, man muß sie nicht unbedingt haben und hat keinen Anspruch darauf. Zwangsweise kann man aber auch nicht ruhiger werden und weniger schreiben brauche ich auch nicht und habe vorläufig mit den drei Sachen, die noch aufs Fertigwerden warten, auch genug zu tun. Bis die „Frau auf der Bank“ und die „Wiedergeborene“ als Buch erschienen sind, habe ich Zeit zu entscheiden, ob die „Paula Nebel“ ein sehr kurzes Büchlein wird oder mit einem zweiten kürzeren Text erscheint und da sind noch in Harland Träume gekommen, die zeigten, wie sehr sich mein Unbewußtes mit diesem Thema beschäftigt. So habe ich zwischen Sonntag und Montag geträumt, daß ich einer Schreibgruppe ein Haiku weiterschreiben würde und war sehr erfolgreich damit. Zwei Tage später ist der Traum eines Krimis gekommen und als ich aufwachte, hatte ich das Szenario ziemlich fertig vor mir. Leider habe ich es mir nicht aufgeschrieben, nur gedacht, ich werde es mir merken. Jetzt weiß ich nur, daß es dabei um die Wirtschaftskrise ging und die Ermittler ziemlich hektisch herumrasten und die Idee, daß die Sofia und der Kevin, das aufklären könnten, ist mir auch gekommen. Nur das was, weiß ich schon wieder nicht so genau, aber die Idee im nächsten Nanowrimo vielleicht einen Krimi zu schreiben, wo dann vielleicht kein Mord vorkommt, hatte ich schon und in meinem Traum war auch keiner.
Und als ich am Dienstag zur Silvia zum Psychologen-Jour-fixe gegangen bin, habe ich mich auch sehr genau nach einem Thmema umgeschaut und darüber nachgedacht über was ich jetzt schreiben könnte.
Und wie und wohin ziehe ich mich nun zurück, werden die Leser noch immer fragen? Eigentlich gar nicht, sondern lockerer damit umgehen, daß es bei meinem Schreiben eben so ist, wie es ist, daß das auch so sein darf und dieser Gedanke ist mir auch beim Poetry Slam am Karfreitag gekommen. Da hatte ich dabei sogar fast ein Glücksgefühl und das ist natürlich Quatsch, weil es ja kein Glückszustand ist, wenn man schreibt und schreibt und heraus kommt nur „Schon wieder nichts!“, ist aber nicht wirklich zu ändern oder doch?
Die Veranstaltungen sind weniger geworden, das hängt einerseits sicher mit der Wirtschaftskrise und dem Eventgedanken zusammen oder damit, daß man sich unter der Schreibermenge ein paar heraussucht, um sie zu fördern und die werden jetzt um die Zwanzig sein und nach den anderen wird nicht wirklich nachgefragt. Ich versuche das ein bißchen mit meinen Blog, scheine dabei aber allein zu bleiben. Macht ja nichts, die Möglichkeit des Bloggens gibt es trotzdem und das ist sicher besser, als nur für die Schublade zu schreiben und Aufgegeben habe ich natürlich einiges im Laufe meines Schreiberinnenlebens. Mich bei Stipendien zu bewerben, an Verlage herumzuschicken, beispielsweise und das ist zwar schade, ist aber so und mich aufzudrängen und nachzufragen „Willst du vielleicht eine Lesung mit meinen Texten machen? Mir eine Rezension schreiben? Mich wo einladen?“, bringt nicht viel und wird auch als distanzlos, aufdringlich etc wahrgenommen. Da hatte ich ja schon einige Differenzen, das kann ich also lassen. Das ins Literaturgeflüster jammern, wird vielleicht auch ein bißchen nerven, werde ich aber wahrscheinlich weiter tun und dann natürlich soviel schreiben, wie ich es kann und will, egal ob der Durchbruch gelingt oder nicht, obwohl es natürlich schade ist, keine wirklichen Erfolgsberichte geben zu können und jetzt zum Beispiel nicht zu wissen, wie es weitergeht?
Denn über Großmütter, Töchter, Enkeltöchter habe ich jetzt sehr viel geschrieben, über das erfolglose Schreiben auch, die Wirtschaftskrise ist vielleicht zu nah dran, zu aktuell und das angeblich Märchenhafte, Positive wird auch nicht geschätzt, sondern als kitschig empfunden und wenn ich dann von den zwei am fertig werdenden Büchern erzähle und davon, daß das zweite, das Dreißigste sein wird, ernte ich Erstaunen und der Zensor in mir denkt sich sofort „Nicht so schnell, nicht so hektisch!“, es ist aber so und das ist auch sehr gut, andere tun das auch und wenn ich langsam wäre, würde ich wahrscheinlich „Nicht so langsam!“ denken.
Am Ostermontag habe ich bei Bücherschrank in der Grundsteingasse den Ray Bradbury „Zen in der Kunst des Schreibens“ gezogen und werde das als Nächstes lesen, wenn ich mit Kirsten Fuchs „Heule, heule“ fertig bin. Das habe ich ja bei meinen vorigen Arbeiten manchmal getan, ein Schreiblernbuch davor zu lesen, man findet ja manchmal welche im Bücherschrank und die Angela Leinen habe ich mir vom Alfred schenken lassen. Irgendwie bin ich mit meiner Situation nicht ganz zufrieden, weil das Ende der Rückzugsideen ja das Aufhören des Schreibens ist und das will ich nicht oder kommt natürlich von selbst, aber erst in zwanzig, dreißig Jahren und bis dahin gehen sich wahrscheinlich noch einige sehr schöne Bücher aus!
Und bei all dem Jammern hätte ich jetzt fast vergessen, daß die „Kuckucksbrut“ wahrscheinlich die Fortsetzung vom „Kuckucksnest“ – Zeitschrift.Krisenerfahrer.Menschen.Europa. für die ich für Anton Blitzstein das „Kleine Plädoyer für Belohnungsselbsthilfen und Tauschtalente“ geschrieben habe, gekommen ist. Es gibt also auch wieder nicht Selbstpubliziertes und das Heft kann ich allen nur empfehlen, da es außer schönen Texten auch viele Kochrezepte enthält.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: