Literaturgefluester

2012-04-16

Fortgesetzte Krisenstimmung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:26

Leider geht die Ratlosikgeit noch ein bißchen weiter, denn so schnell, wie ich glaubte, bin ich aus der Krise nicht herausgekommen, obwohl mich das Bradbury-Buch wirklich sehr beflügelt hat.
„So ist es“, habe ich gedacht, „so könnte es weitergehen!“
Wollte ich mir ja ohnehin Zeit lassen, bis zum Sommer, bis zum nächsten Nanowrimo, bis zum nächsten Jahr und den Roman langsam entstehen lassen. Einfach an einer anderen Stelle anfangen und eine Geschichte nach der anderen schreiben.
Als ich in den letzten Tagen mn der U-Bahn gefahren bin, habe ich da auch die alten Frauen mit den grauen Haaren und den zerfurchten Gesichtern, ein bißchen beobachtet und überlegt, was dazu zur Paula Nebel passen könnte und die Idee den Schreibwiderwillen, die Blockade, das Zuviel- und Ausgeschriebensein, einfach durch kleine Gedankensplitter anzugehen, die man am Schluß zusammensetzten könnte, klingt ja auch logisch oder wie oder was?
Das mir das mangelnde Feedback, die Stimme aus dem Off „Mach weiter, du kannst es ja und schaffst es schon!“ fehlt, ist zwar schade, daß ich aber am Ostermontag den Bradbury im offenen Bücherschrank fand, kann als gutes Omen gelten und da war ja noch eine Geschichte am Ostersonntag, die ich schon Thomas Wollinger geschrieben habe, eine Methapher die auch gut passt und sich verwendet läßt. Es liegt ja alles am Weg, man muß es nur aufheben, die Geschichten, die Ideen, die Handschuhe, das Geld. Die Handschuhe haben meine Finger gewärmt und man kann die Paula Nebel ja auch als kürzeren Text stehen lassen. Wer sagt, daß man unbedingt alles lang ausbreiten muß? In der Kürze liegt die Würze heißt es ja. Trotzdem ließ sich das Unbehagen, das ich dabei hatte, nicht verleugnen und das Gefühl, da fehlt noch etwas, das ist zu schnell und schlampig hingeschrieben, nichts Neues, nur Wiederholung, nur angedeutet, etc.
Also den Bradbury mit seinen Phantasieschrauben gelesen und mich dadurch inspirieren lassen, vor allem auch die Sätze, daß die Qualität durch das Schreiben kommt und ich beschäftige mich ja auch mit der Frage, wo muß ich ansetzen und weitergehen?
„Abholen, wo man steht!“, heißt es ja in der Pädagogik und da muß auch etwas für mich zu finden sein. Nur hat Thomas Wollinger schon wieder einen Artikel geschrieben, bzw. einen Blog erwähnt, wo ich mich betroffen fühlen konnte.
„Aufruf an alle, die es versäumten ihr Expose rechtzeitig zu machen!“ und da kann ich mich an der Nase nehmen, bin ich ja eine, die in der HBLA, in der Straßergasse bei den Deutschschularbeiten, die Gliederungen schrieb, wenn ich fertig war, schnell, schnell, hingewischt, ich brauche das ja nicht!
Bei der „Wiedergeborenen“ habe ich zwar versucht mit der Schneeflockenmethode zu beginnen und bin gescheitert, weil ich, wenn ich eine Idee habe, schnell und hektisch vor mich hinschreibe und dann an der Wand lande, also wieder ein Hinweis, sich an der Nase zu nehmen und etwas genauer zu sein, um die Fallen, wie ich ja schon öfter schrieb, zu umgehen oder aufzulösen.
Also habe ich mich am Nachmittag mit dem Laptop vor das Bücherregal gesetzt und mit dem zweiten Buch „Sofia“ und der dortigen ersten Szene angefangen. Sofia hat das Geschirr abgewaschen und findet die tote Paula. Es ist ein Epilog daraus geworden und, ob ich noch eine Hans, oder eine Rainer Szene anfügen werde..?
Hab ich jedenfalls noch nicht und die ersten Sätze einer zweiten Szene weggelöscht, dafür bin ich in diesen Blog gegangen und das war nicht sehr gut für mich, denn ein paar hundert Artikel lesen, wo drinnen steht, was und wie man es besser machen sollte, müßte, ist tödlich, wenn man mitten im Schreibprozeß ist. Will ich ja den Zensor aus dem Kopf bekommen und da hilft es nicht viel, von einem Experten zu hören, wo ein Großer seiner Meinung nach einen Fehler begangen hat und das alles perfekt sein muß, weil nur das die Leser haben wollen!
Ganz im Gegenteil, dann habe ich noch den bewußten Expose-Artikel genauer gelesen und mich betroffen gefühlt, so ist es leider, ganz genau! Ich schreibe schnell und flüchtig, manchmal auch berauscht, diesmal hatte ich eher das Gefühl, ich weiß nicht so wirklich, wo ich hin will, dann bin ich fertig, stehe an, ändere nicht mehr viel, sondern korrigiere nur die Rechtschreib- und Beispielfehler, ein paar Wendungen oder falsche Details. Höchstens kommen ein zwei Sätze irgendwo hinein oder, wie ich es vorige Woche machte, als Motto, den Satz, den mir ein älterer Mann einmal auf der Straße sagte, als ich ihn grüßte, weil ich ihn offenbar mit einem meiner Klienten verwechselt hatte.
Das ist natürlich kein Balsam für die Schreiberinneenseele, ich habe dann noch ein paar andere Schreibblogs gefunden, wo die Schreibcoaches Tips fürs besseres Schreiben geben und dabei alle paar Seiten auf ihre Schreibratgeber hinweisen, die man sich als E-Books, um einen Euro neunzig herunterladen kann und danach angeblich besser schreibt.
Ja, die E-Book und die Indie-Schreiber sind jetzt sehr aktiv und bieten ihre Bücher tageweise gratis an. Ich bin mit dem „Linus Fleck“ in die Badewanne gestiegen und habe wiedermal gedacht „Ich kann es nicht, ich kann es nicht!“
Denn es stimmt ja, ich habe Zeit und hindere mich nur selbst, die mir jetzt ein Jahr oder was auch immer zu nehmen, um den Text wachsen zu lassen, sondern schreibe mich hektisch an die Wand und spüre Widerwillen oder Unmöglichkeit bei dem Gedanken, daß ich das jetzt geduldig aufdröseln müßte. Gut, dazu bräuchte man Feedback, vielleicht die lenkende Hand eines Lektors und das habe ich nicht. Ich habe die Schreibratgeber, höre das Gras wachsen und beziehe jede Kritik gleich auf mich. Denn es liegt wohl auch daran, daß schon soviel geschrieben wurde und das wohlwollende Interesse nicht sehr vorhanden ist, eher die Kritik der anderen, die gleich die Fehler sehen und von vornherein schreien „Das interessiert uns nicht!“
Das betrifft sicher nicht nur mich, aber ich bin auch in einer sehr blöden Situation mit meinen dreißig selbstgemachten Büchern und fühle mich immer noch sehr abseits damit, obwohl jetzt ja auch die anderen anfangen, sich selber zu verlegen. Da seinen Platz zu finden, ist nicht so leicht und das „Ich kann es nicht!“, ist wohl auch schon sehr mächtig in meinem Kopf verbreitet, weil ich schon so viel geschrieben habe und dabei auch steckenbleibe und so wie jetzt nicht weiterkomme.
Bisher bin ich da eher wohlwollend mit mir umgegangen, habe geglättet, abgerundet und das Buch dann so herausgegeben. Jetzt weiß ich noch immer nicht, wie es weitergehen soll? Die fünfzig Seiten fertig machen, versuchen doch einen Langroman zu basteln, mit Kurzgeschichtensplitter anfangen, da hätte ich schon zwei davon, alles auf einmal oder nichts davon? Da ja wahrscheinlich keine Antwort kommen wird, muß ich alleine weitermachen oder den Rat meines Freundes Rudolf Blazejewesky annehmen, einfach für mich weiterzuschreiben. Das sage ich ja meinen Kritikern immer „Ich schreibe so gut, wie ich kann!“ und das tue ich ja auch. Daß ich mir Zeit lassen sollte, denke ich zwar ebenfalls. Das mit dem halben Jahr daran arbeiten, egal, was daraus entsteht, wär keine so schlechte Idee und natürlich auch nach rechts und links schauen, denn manchmal muß man wo anders weitermachen.
Das Literaturgeflüster habe ich mir in der Badewanne noch gedacht, ist eigentlich so, wie ich es will. Damit bin ich zufrieden, auch mit dem Jammern, das ist wahrscheinlich das Psychologische an mir, vielleicht auch mein Weg, mit den fünfzig Seiten der Paula Nebel, bin ich das derzeit nicht.
Ich war einmal vor Jahren im Literaturhaus zum „Tee bei Hermynia“. Da ist es um Hermynia zur Mühlen gegangen, die im englischen Exil sehr viel schrieb und übersetzte, um zu überleben, was, wie die Kritiker meinten, auf Kosten ihrer Qualität gegangen ist.
Da habe ich mich gleich angesprochen gefühlt und wenn ich meine dreißig oder achtundzwanzig Indie-Bücher so hernehme, die ich in den letzten Jahre eines nach dem anderen hintergeschrieben habe, ist sicher auch einiger Leerlauf dabei. Anderes halte ich wieder für gelungen, wie beispielsweise das Kinderbuch „Lore und Lena“, auch die „Mimi“, die einer meiner Leserinnen nicht gefallen hat. Die „Dora Faust“ mag ich sehr, die „Wiener Verhältnisse“, die hat Diana Voigt vor Jahren, als ich es an ihre Agentur schickte, für keinen Roman gehalten, was mich sehr verwirrte. Der „Wiener Stadtroman“ hat mich bei Wiederlesen vor einem Jahr auch sehr überrascht. Ansonsten glaube ich schon, daß ich ein bißchen ausgeschrieben bin und der ewige Kampf zu beweisen, daß ich schreiben kann, zerrt auch an den Kräften. So daß ich es für eine gute Idee halte, mir bei der „Paula Nebel“ jetzt wirklich Zeit zu lassen. Ob ich es zusammenbringe, weiß ich nicht, werde aber darüber schreiben.

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