Literaturgefluester

2012-05-01

Mai feiern

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:31

Nach einem intensiven Praxistag, wo ich noch bis halb zwei des nächsten Morgens meine Abrechnung gemacht habe, ging es weiter mit dem Feiern und dem schönen Wetter, war ja gleich ein Feiertag und der erste Mai, von dem ich hier auch schon öfter geschrieben und von dem kleinen Mädchen berichtet hat, das mit seinem Vater und seiner Schwester Ursula früh am Morgen von der Remise bei der Wattgasse und der roten Nelke losgestartet ist. Ein Buschen Maiglöckchen für den Bürgermeister Jonas, glaube ich, war auch einmal dabei. Heute wird darüber ja ein wenig abfällig mit „Weihnachten der Sozialisten“ gespottet. Ich habe auch damit aufgehört und bin, glaube ich, erst 2000 wieder auf den Maiaufmarsch gegangen, da allerdings animiert von meiner Tochter schon auf den der Kommunisten, der bei der Albertina beginnt und beim Parlament endet. Dazwischen habe ich, eine Frühaufsteherin, auch zweimal wieder den Rathausplatz angepeilt, bin da mit den Margaretnern Sozialisten mitgegangen und einmal war ich am Rathausplatz von St. Pölten. Aber bis zur Tribüne bin ich in Wien nie gekommen, weil mich vorher immer jemand mit dem Aufruf „Was du bist eine Sozialistin?“ abgewunken hat. Die letzten zwei Jahre habe ich mich statt zu den Margaretner Sozialisten, in den Rotpunkt begeben und mich dort zum Frühstück einladen lassen. Wenn man aber bis halb zwei Uhr früh als Freiberuflerin „hakelt“ und dann noch ein wenig seine Bücherliste ablesen will, beginnt man gleich mit der Albertina und da bin ich auch gleich in die Ruth hineingelaufen, die diesmal auch nicht mit der roten Nelke und dem Rathausplatz begonnen hat. Für eine, die seit Jahren am Volksstimmefest liest und deren literarische Sozilisation ja vor Jahrzehnten bei den schreibenden Frauen, die sich nach einem Vortrag des Bunds kommunistischer Frauen im Rotpunkt bebildet haben, begonnen hat, ist der Maiaufmarsch der Kommunisten auch ein literarischer Treff, wo man einige bekannte Gesichter sieht. So kam gleich Christoph Kepplinger heran und entschuldigte sich, daß die Linke Wort-Anthologie noch nicht fertig ist. Er hat die Fahnen aber schon zur Endkorrektur geschickt. Die Rizys waren da und ein paar von den Lesefrauen, Heidi Ambrosch, die mir vor Jahren einmal versprochen hat, mich in der Volksstimme vorzustellen und so ging es nach Begrüßungen und Küßchen übern Ring zum Parlament.
Dort hielt ein griechischer Genosse eine Rede zur Situation in Griechenland, erzählte von der Wahl, die am nächsten Sonntag stattfinden wird und rief zur Solidarität auf, damit es uns nicht demnächst wie den Griechen geht.
In den letzten Jahren sind wir immer hinters Burgtheater gegangen, weil die Sozialisten dort ein rotes Fressdorf haben, wo es wunderbare Fleichleiberln bzw. Hamburger gab, diesmal aber nur Hotdogs oder Bratwürsteln, also sind wir doch zum Fest ins Siebenstern, wo es ein gutes Gulasch gab. Gerald Grassl und Christian Schreibmüller vom Arbeitskreis Literatur der Arbeitswelt habe ich dann auch noch gesehen und dort, wo im Herbst immer die Poet Night stattfindet und im Dezember der Adventrundgang Station hält, gab es dann auch noch eine Diskussion mit dem Griechen, der gut Deutsch sprach, weil er in den Siebzigerjahren in Wien studierte, damals auch schon an Veranstaltungem im Siebenstern teilgenommen hat, das damals anders aussah. Ich erinnere mich an eine Lesung von Hermann Kant, der dort, kurz nach der Wende, sein neuestes Buch präsentierte. Damals mußte man den Raum, glaube ich, von hinten betreten. Die Diskussion war interessant, weil die griechischen Genossen genauso zerstritten wie die Wiener Kommunisten sind, so daß drei Links- Parteien vereinzelt zur Wahl antreten werden, obwohl sie vereint die größten Chancen hätten und dann noch fünfzig Parlamentssitze dazu bekommen würden.
Wir sind diesmal weder zum Fest der Grünen, noch in den Prater oder bei der Mayday Demonstration mitmarschiert, sondern über den Bücherschrank nach Hause gegangen und dort steckten in den Büchern schon die schönen Zetteln, die zu den Lesungen aufrufen, die im Juni bei dem in der Grundsteingasse stattfinden werden. Ich lese ja am 16. Juni um zwanzig Uhr aus „Mimis Bücher“, vor mir liest Helge Streit aus „Kafkas Reisen“ und um neun Peter A. Krobath „Lexikon der Sabotage“, den ich, glaube ich aus Linz kenne, als ich in den Achtzigerjahren zu der Schreibwerkstatt in den Jägermayerhof eingeladen wurde. Es gibt dann noch andere Bücherschrank Veranstaltungen. An zwei Terminen kann jeder seine Texte vortragen, er muß sich allerdings vorher anmelden und sich mit einem Video vorstellen und das Publikum wählt aus, wem es hören will, also doch nicht jeder, aber das ist vielleicht so in den neoliberalen Bewerbungszeiten. Frank Gassner hat mich allerdings auf seiner Seite auch sehr schön vor und das Video vom El Speta hineingestellt, so daß man mich auch vorher anhören kann. Am 30. Juni werden Tarek Leitner und Manfred Rebhandl lesen. Und aus Manfred Rebhandls Krimi „Das Schwert des Ostens“, das ja am Brunnenmarkt spielt, habe ich schon bei der Buchmesse in Leipzig gehört. Bevor wir dann in den anderen Bücherschrank, den am Margaretenplatz schauten, haben wir noch am Eissalon an der Ecke ein wunderbares Eis gegessen, ich einen Becher mit Erdbeeren, Schlagobers und Sekt und dabei die Liesl F. getroffen, die wir sonst bei politischen Veranstaltungen sehen.

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