Literaturgefluester

2012-05-04

May im Mai

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:18

Hieß die Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur und war damit etwas verspätet, hatte Karl May ja schon am 30. März seinen hundertsten Todestag, was im ORf und in Leipzig auch entsprechend gefeiert wurde, an mir aber etwas vorüberging, denn ich muß gestehen, ich habe keinen Karl May gelesen, weil ich wahrscheinlich doch eher geschlechtsspezifisch sozialisert wurde. An die Jules Verne Bände kann ich mich erinnern. „In achtzig Tagen um die Welt“ habe ich in der Hauptschule verschlungen und meine Großmutter, bei der ich die Sommerferien verbrachte, wenn meine Mutter arbeitet war, hat mir den „Huckleberry Finn oder den Tom Sawjer“ zu lesen gegeben und den Oliver Twist habe ich, glaube ich, auch einmal bekommen. Von Karl May war aber nie etwas dabei und die berühmten Winnetou-Filme der Sechzigerjahre sind irgendwie auch an mir vorbei gegangen. Der Alfred hat in Harland einige Karl May Bände stehen und der Landeshauptmann von NÖ hat sich ja gerühmt als einziges Buch einen solchen Band gelesen zu haben und in Leipzig habe ich einmal einen Band in die Hand gedrückt bekommen, der sich mit der Frage beschäftigte, ob und warum Kinder Karl May lesen sollen. In den habe ich, glaube ich, hineingeschaut und als Peter Henisch „Vom Wunsch Indianer zu werden. Wie Franz Kafka Karl May traf und trotzdem nicht in Amerika landete“, im Rahmen des Karl May Schwerpunktes in den Tonspuren war, habe ich das irgendwie versäumt und wollte eigentlich auch in die Alte Schmiede gehen, als ich auf die „May im Mai“ Veranstaltung aufmerksam wurde und ich bin ja, wie schon ein paar Mal erwähnt, ein Peter Henisch Fan. Dieses Buch vor zwanzig Jahren geschrieben und von Residenz im Zuge der Karl May Feierlichkeiten, wie Marianne Gruber vermutete, wieder aufgelegt, ist aber ebenfalls an mir vorbeigegangen und ich hatte keine Ahnung, daß sich Peter Henisch mit Karl May beschäftigte, mit Arno Schmidt ja, da habe ich ihn ja einmal bei einer Veranstaltung in der Hauptbücherei getroffen. Das Buch ist aber, wie Peter Henisch gleich erwähnte, kein Roman über Karl May, sondern über eine fiktive Begegnung zwischen Karl May und Franz Kafka während der Übefahrt nach Amerika. Da ich, wie erwähnt kein Karl May Fan, habe ich von seiner Biografie auch nur die üblichen Klischees im Kopf, nämlich, daß er all seine phantastischen Geschichten erfunden und und im Gefängnis schrieb, wo er auch die Gefängnisbibliothek geplündert und leergelesen hat. Im Alter und als berühmter Mann ist er dann wirklich im September 1908 von Bremerhaven nach New York gefahren und daraus machte Peter Henisch seine fiktive Begegnung.
Franz Kafka ist ja vielleicht nie in Amerika gewesen, auch da habe ich nicht viel Ahnung und bin kein Kafka Fan, habe seinen unvollendeten Roman „Amerika“ aber zweimal gelesen und nicht verstanden. Peter Henisch ist vielleicht ein zweifacher Fan oder Kenner und so begann seine Lesung auch gleich damit, daß ein junger Mann an der Reeling steht und ins Wasser kotzt. Peter Henisch wurde dabei an einen Charly Chaplin Film erinnert und der junge Mann von einem älteren Ehepaar beobachtet, das sich Mister und Missis Burton nennt, sich des jungen Mannes annahm, ihn in ihre Luxuskabine mitnahm und aufs Bett legte. Weitere Namen werden dabei nicht erwähnt. Der alte Mann hat aber einen weißen Haarschopf und einen weißen Bart und der junge Mann stammt aus Prag, ist aber, behauptet er, kein Schriftsteller, trotzdem hat er eine Prosaskizze geschrieben „Vom Wunsch Indianer zu werden“ und nennt das Zitat von der Literatur, die „wie eine Axt zu sein hat“. Daran knüpft sich ein Gespräch über Literatur und der junge Mann erwähnt, daß er fünfundzwanzig Karl May Bände gelesen hat, die er anschließend in einem Anitquariat verkaufte, um sich dafür gute Literatur zu besorgen. Das Publikum lachte und Peter Henisch erläuterte im anschließenden Gespräch, daß das ein autobiografisches Erlebnis war und ihm solches passierte, um dann weiter auszuführen, wie oft er von Lesern und Journalisten mit seinen Helden verwechselt wurde, nur weil er die Ich-Form verwendete. Ich bin da ja immer etwas skeptisch, wenn ich in dem Ich- die Autobiografie des Autors erkenne und den dann sagen höre „Aber das bin doch nicht ich!“, aber Peter Henisch ist kein Besatzungskind, wie sein „Schwarzer Peter“ und hat auch nicht in Amerika unterrichtet wie der Paul Spielmann in der „Sehr kleinen Frau“.
Vorher gab es aber ein Gespräch mit Katharina Tiwald und Konrad Paul Lissmann, der sich als bekennender Karl May Leser outete, über phantastische Reisen, fiktive Szenarien, etc.
Konrad Paul Lissmann erläutete dabei, daß man über die vielen Karl May Bände zum Viellesen kommen, man fängt bei einem an und hört nicht mehr auf und Katharina Tiwald bekannte einen gelesen zu haben und enttäuscht zu sein, weil immer das gleiche Szenario passiert, das Buch aber eine herrliche Sprache hat, die die deutschen Wohnzimmer in die amerikanischen Weiten bringt. Über die Phantasie Karl Mays wurde diskutiert und darüber, ob er die jetzt mehr oder anders als Franz Kafka hatte, Karl Mays Werke wurden aber sehr zensuriert und verfälscht, so daß Katharina Tiwald wahrscheinlich nicht die Originalausgabe gelesen hat. Die wird jetzt erst von der Karl May Gesellschaft herausgegeben und Marianne Gruber bekannte, als Kind eine begeisterte Karl May Leserin gewesen zu sein, ebenso wie Ingeborg Reisner, neben der ich wieder gesessen bin, das ist mir entgangen und werde ich höchstwahrscheinlich nicht mehr nachholen. Aber ich habe auch den Harry Potter nicht gelesen, mit dem Karl May als Leseverlocker verglichen wurde und werde auch das Henisch Buch höchstwahrscheinlich nicht lesen, habe dafür aber heute ein anderes vom Residenz Verlag zugeschickt bekommen, nämlich „Madame Strindberg oder die Faszination der Boheme“, von dem ich im „Leporello“ hörte, als wir nach Salzburg fuhren und um hier nicht für eine elaborierte Leserin gehalten zu werden, kann ich gleich gestehen, daß ich auch meine Schundromanlesephase habe und beispielsweise eine Hedwig Courths Mahler Spezialistin bin, die ich für eine sehr gute Schriftstellerin halte. Seitenweise Klischees und absolute Frauenfeindlichkeit. Mädchen, die unbedingt und um jeden Preis Jungrauen bleiben müssen und von einem Mann nicht mehr angeschaut werden, wenn sie sich mal küssen ließen und dann blitzen auf einmal ein paar Zeilen auf, wo alles ganz anderes ist und sich die alte Dame selbst in Frage stellt und ein wunderbares Bild vom Berlin der Neunzehnhundertzwanzigerjahre bekommt man auch.
So ähnlich hat Konrad Paul Lissmann seine Leidenschaft für Karl May erklärt, der sehr sozialkritisch war und sehr für den Frieden eintrat und natürlich auch nicht als großer Literat gilt, obwohl die Landeshauptherren ihn, wie schon erwähnt, gelesen haben und fast alle Kinder und er genauso reich und erfolgreich geworden ist, wie Hedwig Corths-Mahler, die auch nicht als große Literatin gilt und die man heimlich lesen muß, weil alle Besserwisser sofort die Nase rümpfen, wenn sie einem dabei erwischen. Eine Veranstaltung in der Gesellschaft für Literatur über das Frauenbild von Hedwig Courths Mahler würde ich mir aber wünschen und könnte mich dafür auch als Expertin zur Verfügung stellen.

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