Literaturgefluester

2012-05-09

Muttertagsfeier, Gedenkkundgebung und Bezirksschreiberlesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:12

Obwohl ein ganz normaler Arbeitstag war diesen Dienstag ganz viel los. Begonnen hat es mit der Muttertagsfeier zu der mich die Bezirksvorstehung Mariahilf, der Bezirk, wo ich ich seit 1977 wohnte, bevor wir nach ein paar Jahren Harland-Pendeln in die Krongasse gezogen sind, eingeladen hat. Seit vier Jahren bin ich da ja in der Liste der alten Frauen und meist die jüngsten. War zweimal im Haus des Meeres, was mich das erste Mal zu einer Szene in der Radiosonate, das zweite Mal zu einer in der „Absturzgefahr“ inspirierte und voriges Jahr im Pensionistenhaus Loquaiplatz bei einem Konzert mit Heinz Zuber und Kaffee und Kuchen. Heuer war es wieder dort und die Schauspielerin Erni Magold, 86 Jahre jung und die ich aus den Theater der Jugend Veranstaltungen, ich glaube aus dem Theater im Zentrum, bzw. von einer ihrer bösen Darstellungen der Großmutter aus Ödön von Horvaths „Geschichten aus dem Wienerwald“, aber auch von einer Frauen lesen Frauen-Lesetheateraufführung, kenne, sollte aus ihren Memoiren „Lassen Sie mich in Ruhe“ lesen, das sie gemeinsam mit Doris Priesching geschrieben hat und das Alfred schon für seine Mutter gekauft hat. Noch bevor die Einladung aus der Bezirksvorstehung Mariahilf gekommen ist, hat mich schon meine Cousine Irmi, die auch einmal in der Gumpendorferstraße wohne, angemailt und ich habe mich am Nachmittag kurz vor halb zwei auch mit ihr vor dem Eingang getroffen. Die Bezirksrätin Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg, die ich, glaube ich durch die Bezirksfrauenwochen kennenlernte, hat mich aber schon früher angemailt und mich zum „Tag der Befreiung“ am Heldenplatz eingeladen. Die war dann nicht bei der Muttertagsfeier. Im Haus des Meeres ist sie immer gewesen und hat die Einladungen eigesammelt, bzw. die Gutscheine für die Würstel ausgeteilt. Es hat Kaffee gegeben und diesmal ein Stück Torte mit einem Herzen und einer Marzipanrose und die Bezirksvorsteherin hat ein Gespräch mit Erni Mangold und der Co-Writerin geführt. Das heißt, die drei Damen sind, nachdem der Kaffee getrunken und der Kuchen gegessen war, auf der Bühne gestanden, die Bezirksvorsteherin hat Erni Mangold ein bißchen nach ihrem Leben gefragt, beispielsweise warum sie Bruno Kreisky sexy fand?, wie es zu dem Buch gekommen ist? und und hat auch ein paar Buchabschnitte bzw. die Kapiteln vorgelesen. Um halb vier war die Veranstaltung zu Ende und ich wußte nicht recht, was ich anfangen sollte, wollte ich doch am Abend zu der Abschlußlesung des Alsergrund-Bezirksschreiberstipendiums ins Kabinetttheater in die Porzellangasse gehen. Das war um sieben, da ging sich ein Sprung auf den Heldenplatz noch aus. Denn am 8. Mai 1945 wurde ja der Krieg beendet und das wurde, glaube ich, immer im Parlament gefeiert, die Burschenschaftler legen aus diesem Grund am Heldenplatz aber auch immer Kränze nieder und trauern um ihre Niederlage und das gab immer Anlaß zu Auseinandersetzungen. Aber diesmal offenbar den ersten „Tag der Befreeiung“, einem Feierntag, zu dem mehrere Organisationen wie die Grünen, der Republikanische Club, die GAV, etc aufgerufen und mich dazu eingeladen haben. Als ich das Burgtor erreichte, war ich schon einmal erstaunt, weil dieses verschlossen, was ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen habe, obwohl ich schon auf vielen Demonstrationen am Helden- und am Ballhausplatz, zum Beispiel auch auf der großen im Jänner 2000 und auf der, am Tag der Angelobung von schwarz-blau, war. Die Kundgebung fand am unteren Ende statt und, um dort hinzugelangen, mußte man an einem Polizeispalier vorbei und alles war abgeriegelt.
Es waren noch nicht so viele Leute da, ich habe aber gleich Elisabeth Zoumboulaki-Rottenberg gesehen, die mir mein neues Buch abkaufte und mich einigen Leuten vorstellte und später Magdalena Knapp-Menzel von der GAV, die sich fragte, ob wir beide die einzigen anwesenden GAV-Mitglieder wären? Wir waren, es glaube ich. Die Renate Saßmann ist aber noch dazu gekommen und einige andere Gesichter. Die Grünen hatten einen Stand, wo stand „Wer heute nicht feiert, hat schon verloren“, dann sprachen David Ellensohn von den Grünen und Stadtrat Mailath-Pokorny, eine der Moderatoren sagte, daß Bezirksvorstehungen, darunter, die des fünften und des neunten Bezirkes, beflaggt worden seien. Die steirische Musikgruppe Stelzhammer musizierte und der Präsident der israelischen Kultusgemeide spendierte einige Flaschen koscheren Sekt. Dann bin ich durch die Polizei abgesperrte Innenstadt in den neunten Bezirk gegangen, denn, das Emily Walton Bezirksschreiberin geworden ist, habe ich ja schon einige Male geschrieben und habe ihre Bezirksschreiberberichte auch auf ihren Blog verfolgt, den ich seit einigen Jahren kenne und seither weiß, daß die 1984 in England geborene, auch eine ehrgeizige aufstrebende Jungautorin, wie Cornelia Travnicek, Anna Waidenholzer, deren neuen Roman im Herbst bei Residenz erscheint, etc ist. Als ich ihren Blog kennenlernte, hat sie, glaube ich, noch beim Kurier gearbeitet. Inzwischen ist sie, denke ich, freiberuflich tätig. Lesen habe ich sie bei der Texthobelspäne-Lesung vorigen Februar, hat sie ja auch Thomas Wollingers Schreibwerkstätten teilgenommen und jetzt ist ihr auch ihr Debut-Roman „Mein Leben ist ein Senfglas“ erschienen, bei dessen Präsentation Anfang März in der Buchhandlung Kuppitsch ich war. Und von Jänner bis März ist sie die erste Bezirksschreiberin des Bezirkes Alsergrund geworden, das die Kulturkommission des Bezirkes, dessen Mitglied Friedrich Hahn, Bezirksrat, GAV-Mitglied und Textvorstellungs-Moderator in der Alten Schmiede ist. Sechsunddreißig Autoren haben sich zu diesem dreimonatlichen Stipendium, wo man 1500 Euro bekam, ein Konzept einreichen und dann einen Text über den Bezirk schreiben mußte, beworben, auch aus Deutschland und der Schweiz, obwohl keine Wohnung dabei war. Emily Walton hat gewonnen und in diesen drei Monaten auf ihren Blog intensiv über den Bezirk berichtet und immer wieder Artikeln, die von ihr in der Bezirkszeitung erschienen sind, hineingestellt. Jetzt gab es die Abschlußlesung im Kabinetttheater in der Porzellangasse, in dem ich noch nie war und das ein Stückchen näher dem Franz Josefs Bahnhof, als das Schauspielhaus ist. Eva Brenner, die auch am Heldenplatz war und die ich von den Adventspaziergängen in die Fleischerei und auch von ihren anderen Projekten kenne, zum Beispiel hat sie einmal bei einem Jelinek-Symposium referiert, ist ebenfalls hingekommen und hat sich sehr freundlich mit mir unterhalten und mir sogar ein Bauch abgekauft bzw. gegen die Peter Kreisky Gedenkschrift, mit dem sie ja befreundet war, getauscht. außer Emily Walton haben noch zwei andere Autorinnen gelesen, nämlich Stephanie Doms und Michaela Hinterleitner, die von den sechsunddreißig Bewerbern auf die Shortliste gekommen sind. Die Bezirksvorsteherin, die ich schon von der Offenen-Bücherschrank-Erföffnung umd dem Sigmund Freud Festakt kenne, hat eröffnet. Dann hat Friedrich Hahn ein bißchen was zu dem Stipendium gesagt, zum Beispiel, das er sich wünscht, daß es, wenn es wieder ausgeschrieben wird, verdoppelt wird. Dann wurde gelesen. Stephanie Domis hat mit einem sehr literarischen Text begonnen. Die 1979 geborene Michaela Hinterleitner hatte, wie sie sagte, kurze urbane Texte, einer handelte vom „Jonasreindl“, ein anderer vom „Alsergrund“, wo alle wichtigen literarischen Orte, die Strudelhofstiege, der jüdische Friedhof, aber auch das Kabinetttheater vorkam und Emily Walton hat, wie sie sagte, mehrere Alsergrund Geschichten geschrieben, die, die sie vorlas, hieß, glaube ich, „Frau mit dem Bleistift im Haar“ und handelt von einer Helena, die von ihrem Freund verlassen wird, was sie, inzwischen in einer WG im Alsergrund wohnend, so traumatisierte, daß sie schreibend mit einem Bleifstift Sonntags durch den Bezirk herumläuft und alles aufschreibt, bzw. sich die sonderbarsten Geschichten ausdenkt, dabei wird sie von den Leuten scheel angesehen, mit Klagen bedroht, sie merkt aber auch, daß sie vor ihr flüchten und als sie sich darüber wundert, bemerkt sie auf einer Litfaßsäule eine Warunung, daß der Bezirk eine Bezirkschreiberin bekommen hat.
Eine sehr beeindruckende Geschichte, vor allem, da mir etwas Ähnliches auch schon mal passierte. 1992 war das, glaube ich, nicht im Alsergrund, sondern auf einer Radrundfahrt um den Neusiedlersee. Ich habe gerade „Lore und Lena“ geschrieben und gedacht und gedacht, dabei die anderen ein paar Mal verloren und auf der Rückfahrt im Zug habe ich auch geschrieben, was einem Betrunkenen gar nicht gefiel. „Komm ich auch ins Büchel!“, hat er immer geschrieen. Ich habe mich ihm nicht erwehren können und es war mir sehr peinlich. Habe aber eine Geschichte darüber geschrieben, die in der „Unke“ abgedruckt ist.
Nachher gab es noch die Verleihung eines anderen Awardes an eine Verlegergruppe, die Vorjahrspreisträgerin war Michaela Falkner, deren letztes Buch ich ja, gelesen habe, die den Preisträger aussuchen durfte und die Gruppe gewählt hat, obwohl sie den Text, den sie bei ihnen einreichte, ablehnten.
Nachher gabs ein tolles Buffet und als ich gegessen und lang mit Eva Brenner geplaudert habe, wollte ich mich noch Emily Walton als ihre eifrige Blogleserin vorstellen. Sie war aber nicht mehr da und als ich durch die Stadt nach Hause gehen wollte, konnte ich nicht, weil noch immer alles von der Polizei abgesperrt und mußte über den Ring gehen.
Schade eigentlich, daß eine ganze Innenstadt lahmgelegt wird, wenn man das Ende des Krieges vor siebenundsechzig Jahren feiern will.

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