Literaturgefluester

2012-05-22

Existenzen an der Kippe und Romanbeginn

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:28

Der vollständige Titel der heutigen aktuellen gesellschaftlichen Befunde in der Alten Schmiede lautete „Short cuts von Menschen und Existenzen an der Kippe“
Gemeint ist damit die Präsentation von Monika Helfers bei Deuticke erschienen neuem Erzählband „Die Bar im Freien“, der am Freitag in Ö1 vorgestellt wurde, so daß ich in zwei der kurzen Erzählungen schon hineinhören konnte.
Hundertzwanzig Kürzestgeschichten in mehreren Abteilungen von mit einer Ausnahme jeweils einer Länge von ein bis drei Seiten, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, dann dem Verlag und Martina Schmidt für den Mut dankte, einen solchen Erzählband in Zeiten, wo die Literarturkritik, das nicht haben will, herauszubringen und da muß ich mich an der Nase nehmen, habe oder hatte ich ja auch ein Vorurteil gegen Kurzgeschichten. Ich habe mich aber gebessert und in diesem Jahr schon einige aufgelesen und übe mich auch selber derzeit in dieser Kunst. Allerdings mehr in der realistischen Art und Weise, die man auch Glosse nennen könnte, während Monika Helfer, die 1944 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter, der früh verstorbenen Paula Köhlmeier, sich zwischen Leichtigkeit und Abgrund bewegt, wie Kurt Neumann weiter ausführte und an diesem Abgrundgleiten, bin ich, wie ich gestehen muß, auch fast gescheitert, weil ich mit der Mischung zwischen Märchen, Traum, menschlicher Verzweiflung und Absurdität nicht ganz klar gekommen bin, bin ich ja eine, die immer gern nach der Logik sucht und da machen es einem Monika Helfers Kurzgeschichten nicht leicht.
Die eine beispielsweise, wo eine Fev genannte Frau, ich hoffe, ich schreibe es jetzt richtig, in die Stadt zieht, vom Geld ihrer Eltern lebt, dann als dieses ausgeht ins Elternhaus zurückkehrt, dort einen Zettel findet, sie solle sich in eine Bergschule begeben, sie werde dort gebraucht. Sie tut es, kost die Kinder, während der Professor abreist. Wovon sie leben wird nicht ganz klar, wer ihnen kocht und wo die Eltern sind auch nicht? Wohl aber, daß die Kinder ihre Lehrerin lieben, obwohl sie ihnen keine Kulturtechniken lehrt. Der Schulbehörde passt das nicht, sie läßt die Kinder abtransportieren. Fev bleibt zurück, beschließt ihre Demut zu beenden, zieht in die abgesperrten Räume des Professors, trägt seine Kleider und raucht seine Zigarren.
Ein abgrundtiefes Märchen keine Frage und sehr symbolisch, über das sich herrlich philosophieren läßt, trotzdem habe ich erst einmal nach dem Sinn gesucht. Jetzt denke ich, es gibt auch eine nicht realistische Literatur und sie gilt in der Literaturwelt auch viel mehr und so hat Kurt Neumann, die Geschichten, dem Leser auch für alle Lebenslagen empfohlen. Wenn man traurig oder fröhlich ist, soll man sie lesen.
Für die Fröhlichkeit sind sie aber wahrscheinlich zu depressiv, denn viele behandeln menschliche Verrücktheiten. Die von dem „Erfinder“ beispielsweise, der nur erfinden will, wenn seine Frau bei ihm ist, so fesselt er sie an den Stuhl wenn er einkaufen geht. Er hat aber kein Geld und weiß auch seinen Namen nicht mehr und erfinden will er auch die Abschaffung der Elektrizität.
Wieder eine Geschichte, die es in sich hat.
Kurt Neumann hat in der Einleitung auch davon gesprochen, daß sie sämtliche bürgerliche Konventionen brechen oder drüber stehen. Es gab aber auch banaleres, zum Beispiel, die von den beiden Mädchen, die zusammen spielen, vom Küssen und von Besuchen reden, die am Sonntag mit oder ohne Männer kommen und welche Geschenke man dabei mitbringen muß oder die, wo eine Studentin, die Schriftstellerin in einem Schreibseminar fragt, wie man schreiben soll und dann gibt der Short Cut eine Zusammenfassung von sämtlichen Schreibratgebern auf ein bis drei Seiten. Wahrhaft grandios!
Die, wo das Schriftstellerpaar von einem berühmten Ärztepaar eingeladen wird, um deren Kindern vorzulesen und darob verrückt wird, hatte es ebenfalls in sich und war ein Meisterwerk an Beklemmung, das ich auch nicht so schnell verkraftet habe.
Ein gutes Buch, denn Literatur ist ja Verdichtung und die wird in diesen Short Cuts, wie Kurt Neumann ebenfalls betonte, meisterhaft betrieben. Er fragte im Anschluß, ob die Geschichten in einem Zug geschrieben wurden, wie lange Monika Helfer dazu gebraucht hat und wollte Fortsetzungen in ihnen sehen, mit denen Monika Helfer, wie ich glaube, nicht sehr glücklich war.
Sie hat in einem Zug geschrieben, zwei Jahre dazu gebraucht und zwischendurch auch etwas anderes, beispielsweise an einen Roman geschrieben und ich bin, wie erwähnt etwas verwirrt nach Hause gegangen. Diese Verwirrung hat sich inzwischen gelegt, denn Literatur darf durchaus surrealistisch sein, aber auch real und sozialkritisch und so würde ich die meine verstehen und da kann ich gleich zum zweiten Teil des heutigen Eintrags hinüberschwenken, denn ich habe wieder zu schreiben angefangen.
Schneller, als geplant, so daß es wahrscheinlich nichts mit dem geplanten Nanowrimo zur Materialsuche wird, denn zwei Ideen sind mir inzwischen gekommen. Die erste, als ich noch den Rolf Lappert gelesen habe, da dachte ich, ich will den Alltag einer Frau an Hand ihrer Beobachtungen beschreiben, die zweite, daß ich den Entzug einer Alkoholikerin schildern will, die dritte ist beides zu verbinden und die vierte, eh schon wissen, Zeit lassen, mir aber auch eine Struktur geben, damit es wieder etwas länger werden kann. Eine Idee wäre dazu, mir einen Tag im Viertelstundentakt vorzunehmen, wie beim Wiener Stadtroman oder ein Jahr zu beschreiben, wie bei der „Radiosonate“.
Montag, Dienstag, Mittwoch usw. als Kapitelüberschriften, ist mir auch noch eingefallen. Jetzt denke ich, weil ich nicht so begonnen habe, daß ich mir ein reales Ziel von hundert bis hundertfünfzig Rohseiten vornehmen und mich daran vorwärts hanteln könnte. Das das Thema etwas Neues ist, ist die Gefahr zu schnell in die alten Fahrwasser zu geraten, wie es vielleicht bei meinen letzten Texten war, nicht so groß.
Ich habe jetzt den Anfang und das Ende und dazwischen den festen Vorsatz mich spielerisch voranzuhanteln und die Handlung kommen lassen. Realistisch wird sie wohl werden und auch in meinem Stil, denn ich habe wahrscheinlich meinen eigenen Literaturbegriff. Mit den zwei Szenen, die ich am Sonntag und heute geschrieben habe, bin ich aber zufrieden und da das Zeit lassen, ein Ziel bleiben soll, werde ich auch meinen Pfingstlesemarathon, wie geplant zelebrieren und mich nicht, wie vor einem Jahr, durch die „Zwillingswelten“ davon abbringen lassen.
Ansonsten schreibe ich, wie ich es kann und wohl auch will. Wenn ich trotzdem wieder in sechs Wochen fertig werden sollte, geht es sich noch für den Nanowriomo aus, nur der Alfred wird dann in Streß geraten, weil noch drei Bücher auf das Fertigmachen warten.
Geplant ist aber schon mir meine Schwächen vorzunehmen, an meiner Hemmung und an meiner Sprache zu arbeiten und das, was in mir drinnen verborgen ist, herauskommen lassen. Mal sehen, wie es gelingt?
Ich werde sicher darüber berichten, obwohl ich mir auch da vorgenommen habe, das ein bißchen zurückhaltender zu tun, aber auch das muß mir nicht gelingen.

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